Hannah Arendt »Ich raufe nun mal gern«

Hannah Arendt flog von der Schule, hatte eine Affäre mit ihrem Professor Martin Heidegger, später wurde sie weltberühmt. Was für eine Studentin wäre sie heute?

»Willst Du heute abend zum Wald kommen? Aber erst gegen 10, denn ich habe bis 8 Examen.« – Briefzeilen einer bedeutenden, aber unglücklichen Liebe. Verfasst hat sie Martin Heidegger, der intellektuelle Star des frühen 20. Jahrhunderts. Empfängerin war seine kluge, schöne Studentin Hannah Arendt.

Im Prinzip ist es eine triviale Story, wie sie auch heute noch an jeder Hochschule vorkommen mag. Ein attraktiver Professor verführt seine unerfahrene Studentin; der Lehrer wird zum Liebhaber. Doch der Prof, Jahrgang 1889, ist verheiratet, hat zwei Söhne. Außerdem, und das ist weniger alltäglich, ist er gerade im Begriff, der bedeutendste Philosoph seiner Zeit zu werden. Die Studentin, geboren 1906, wird später ebenfalls weltberühmt – als politische Philosophin und Publizistin.

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Hannah Arendt begeisterte viele Männer. Schon während ihres Studiums hatte sie eine illustre Reihe von Liebhabern und guten Freunden; auf ihre männlich dominierte Universitätsumwelt wirkte sie exotisch und begehrenswert. Sie war Blickfang, Femme fatale des Campus. Vor allem aber war sie gebildet wie nur wenige.

In der Tat, Hannah fing früh an mit der Weltliteratur. Mit 14 Jahren las sie Kant – und beschloss, Philosophie zu studieren. Hannahs Eltern, gehobenes jüdisches Bürgertum, zahlten ihrem einzigen Kind Privatunterricht in Griechisch. Sie sympathisierten mit Spartakus und der SPD und gaben Hannah den Leitspruch mit: »Man darf sich niemals ducken.«

Zu Zivilcourage und eigener Meinung erzogen, flog Hannah als Teenagerin, obgleich beste Schülerin, vom preußischen Mädchengymnasium. Sie hatte den Unterricht eines ungeliebten Lehrers boykottiert, auch Mitschülerinnen dazu angestachelt. Diese »Widerborstigkeit« (so ihr späterer Doktorvater Karl Jaspers) sollte für sie typisch bleiben: »Ich raufe nun mal gern.« Als sie sich im Jahr 1924, ganz frisch an der Uni, für ein Seminar anmeldete, stellte sie vorab die Bedingung, dass es »keine antisemitischen Bemerkungen geben darf«.

In Marburg begann Hannah Arendt, Philosophie, Griechisch und Theologie zu studieren. Hier lehrte der »heimliche König des Reichs«, wie sie ihn bald nannte. Martin Heidegger gehörte keiner der zerstrittenen Schulen an, deren Epigonenkämpfe die Universitätsphilosophie der 1920er Jahre prägten. Heidegger stand für eine neue, freie Art des philosophischen Denkens. Sein Hauptwerk Sein und Zeit nahm Gestalt in den Seminaren an, die Hannah besuchte, die hier nicht weniger als »das Denken lernen« wollte.

Leser-Kommentare
    • hagego
    • 14.01.2008 um 15:45 Uhr

    Rudi Dutschke hätte sie gemocht. Dieses Absolute, Stringente und Kämpferische hätte ihr gefallen.Die 68er hätten ihr mehr gesagt als nachfolgende Generationen.Die heutigen politischen Eintöpfe hätten ihr wohl kaum gemundet.An Alice Schwarzer hätte ihr vieles, nicht alles, gefallen.Würde sie heute studieren, wäre ihr Bewunderung sicher, zugleich hätte sie wahrscheinlich Probleme, sich ein- und unterzuordnen.Eine politische Partei, die ihr jetzt sympathisch sein könnte, sehe ich nicht.Uta Ranke-Heinemann, auf gänzlich andere Art und Weise, ist ihr in kämpferischer Hinsicht und im missionarischen Eifer, ein wenig ähnlich.

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