Richtig jobben An die Arbeit!

Vier Experten raten: Wie man einen Job findet, was sich durch den Bachelor ändert - und warum Jobben trotz allem sinnvoll sein kann.

(1) Wie finde ich einen Job?
Die Antwort gibt:
Holger Roland, Studentenvermittler bei der Agentur für Arbeit in Hamburg:

Wir vermitteln den Studenten Ein- bis Zweitagesjobs, zum Beispiel als Umzugshelfer, Lagerarbeiter, Bürohilfen, Gartenarbeiter oder für Werbeaktionen. Wie man sich bewirbt? Das ist ganz einfach: Bewerbungsschreiben und Zeugnisse gibt es nicht. Stattdessen werden die Jobs unter den Interessenten verlost. Es bringt also nichts, als Erster da zu sein, und man muss sich auch nicht anmelden. Es reicht, mit seinem Personalausweis vorbeizukommen, eine Studienbescheinigung mit Immatrikulationsnummer mitzubringen, den Sozialversicherungsausweis und eventuell den Führerschein.

Jeden Tag haben wir vier bis zwölf neue Stellen zu besetzen. Angebote für Arbeiten, die länger als drei Tage dauern, hängen wir in einem Schaukasten aus. Die meisten Jobs gibt es in den Semesterferien von Juli bis Ende September, das sind oft Urlaubsvertretungen und Aushilfstätigkeiten in Tischlereien oder als Produktionshelfer. Um diese Jobs sollte man sich etwa zwei Wochen vor Ferienbeginn kümmern. Der Stundenlohn beträgt übrigens zwischen neun und zehn Euro, egal für welchen Job. Am beliebtesten sind erfahrungsgemäß einfache Arbeiten wie Briefe eintüten oder schwere körperliche Arbeit, zum Beispiel als Umzugshelfer oder Lagerarbeiter. Haushaltsarbeiten erledigen die Studenten nur ungern.

Obwohl aus manchem Aushilfsjob später eine Festanstellung werden kann, vor allem bei Informationstechnikern, in der Logistik oder bei Finanzdienstleistern. Dort werden Studenten auf 20-Stunden-Basis eingestellt und nach dem Studium übernommen. Übrigens: Im Gegensatz zu Zeitarbeitsfirmen verlangen wir keine Vermittlungsgebühren. Wer will, kann auch unsere Internetseite besuchen. Gegenüber anderen Onlineangeboten können wir sehr kurzfristig Stellen vermitteln. Wer trotzdem keinen Job bei uns findet, dem empfehle ich, bei Zeitarbeitsfirmen nachzufragen oder die Unternehmen direkt anzusprechen.

(2) Wie viele Studenten jobben?
Die Antwort gibt:
Gregor Fabian, Mitarbeiter beim Hochschul-Informations-System (HIS):

68 Prozent aller Studenten verdienen neben ihrem Studium Geld – drei Prozent mehr als noch 1997. Das sind unsere neuesten Erkenntnisse aus der 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, die im Jahr 2003 vom HIS durchgeführt wurde. Dabei haben wir außerdem herausgefunden, dass sich die Jobs von Student zu Student stark unterscheiden: Sie reichen von sehr einfachen bis zu hoch spezialisierten Tätigkeiten. Die meisten Jobs sind Aushilfstätigkeiten, an zweiter Stelle kommen die studentischen Hilfskräfte.

Weiter gestiegen ist die Anzahl der Studierenden, die sowohl im Semester als auch in den Semesterferien durchgehend arbeiten. Sie liegt inzwischen bei 31 Prozent. Der Anteil derjenigen, die sowohl ein Vollzeitstudium als auch einen Vollzeitjob (also mehr als 15 Arbeitsstunden pro Woche) ausüben, hat hingegen leicht abgenommen. Übrigens: Je älter Studierende sind, desto eher haben sie einen Nebenjob. In den alten Ländern jobben mehr Studierende als in den neuen Ländern.

56 Prozent der Studierenden haben angegeben, dass sie arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können – und zwar umso öfter, je hochschulferner und sozial niedriger ihre Herkunft ist. Umgekehrt nimmt bei höherer sozialer Herkunft der Wunsch zu, sich durch den Nebenjob mehr leisten zu können. Studierende, die sowohl einen Vollzeitjob als auch ein Vollzeitstudium betreiben, stammen meistens aus sozial niedrigeren Schichten. Ob sie ihr Studium wegen der neuen Studiengebühren abbrechen müssen oder andere Wege zur Finanzierung finden werden, müssen wir noch untersuchen.

(3) Was verändert sich durch Bachelor und Master?
Die Antwort gibt:
Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks :

Durch die neuen Abschlüsse Bachelor und Master und die gleichzeitige Einführung von Studiengebühren wird es gerade für die Studierenden schwieriger, die auf Einkünfte durch Nebenjobs angewiesen sind. Warum? Weil die Studenten im Bachelor- und Mastersystem mehr Zeit an den Hochschulen verbringen müssen – und deshalb weniger Freiraum haben, um nebenbei zu jobben. Dabei sind viele auf diese Nebenverdienste angewiesen: In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hat sich in diesem Wintersemester gezeigt, dass viele Studierende ihre Studiengebühren durch Arbeit selbst finanzieren müssen. Da bleibt natürlich noch weniger Zeit für die Uni.

Wichtig ist, zwischen dem Studium und dem Job die richtige Balance zu finden. Die Sozialerhebungen zeigen nämlich: Wer studieren will, muss arbeiten, wer aber zu viel arbeitet, studiert umso länger. Diesen Teufelskreis sollte man tunlichst vermeiden. Ich empfehle deshalb, nur in den Semesterferien zu arbeiten und sich einen Finanzierungsplan für das Semester zurechtzulegen: Wo kann ich Kosten einsparen? Welche zusätzlichen Finanzierungsquellen, etwa über das Bafög, gibt es?

Wir gehen davon aus, dass Tausende Studierende Anspruch auf Bafög-Förderbeträge von bis zu 250 Euro im Monat hätten, diese aber nicht nutzen. Aber 250 Euro haben oder nicht haben – das kann im straffen Bachelorstudium einen großen Unterschied machen! Deshalb mein Rat: Stellen Sie einen Bafög-Antrag, dann können Sie sicher sein, kein Geld zu verschenken! Die Studentenwerke helfen Ihnen in allen Fragen der Studienfinanzierung und beraten Sie umfassend und individuell. Und mit der 18. Sozialerhebung, die wir im Sommer 2007 vorstellen, werden wir sicher neue Daten zum Nebenjob präsentieren können.

Es kann gut sein, dass die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge großen Einfluss auf die Quote der erwerbstätigen Studierenden hat.

(4) Was bringt Jobben für den Lebenslauf?
Die Antwort gibt:
Wolfgang Brickwedde, Personalchef beim Elektronikhersteller Philips :

Auch wenn es in den neuen Bachelorstudiengängen schwieriger werden wird, nebenher zu jobben, sage ich: Eigenverantwortliches Engagement zahlt sich immer aus! Deshalb sollten sich die Studenten um einen sinnvollen Nebenjob bemühen, auch wenn die Bachelorstudiengänge angeblich praxisorientierter sein sollen. An den Schwarzen Brettern der großen Universitäten wie Köln, München oder Hamburg hängen genügend attraktive Jobangebote aus – auch für 19,5 Stunden.

Ein Nebenjob macht sich immer gut im Lebenslauf. Denn wer während des Studiums engagiert ist, wird das auch später im Beruf sein. Außerdem sollte man das theoretisch Erlernte so früh wie möglich praktisch anwenden. Wer vor dem Studium eine Ausbildung gemacht hat, sollte sich schon im ersten Semester nach einem interessanten Nebenjob umsehen. Allen anderen rate ich, ein, zwei Semester zu warten, bis sie sich ein Basiswissen angeeignet haben.

Bei der Jobsuche kommt es immer darauf an, was man möchte, denn wenn man den Hafen nicht kennt, ist jede eingeschlagene Richtung falsch. Wer zum Beispiel nur kellnert, sammelt zwar Lebenserfahrung, aber lernt meist nichts, was er später im Beruf anwenden kann. Solche Nebenjobs kommen in Vorstellungsgesprächen nicht gut an. Anders ist das bei sogenannten Werkstudenten. Sie arbeiten während des Studiums 20 Stunden pro Woche in einem Unternehmen, das ihnen möglicherweise nach dem Studium eine Festanstellung anbietet. Auch Jobs, bei denen man Flyer verteilt oder Werbung für Firmen macht, können Sinn ergeben. Aber nur, wenn man in einen Marketing- oder Vertriebsberuf strebt.

Protokolle: Alexander Hensel (2+3) und Tonio Postel (1+4).

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