Wo sind die Landschaften geprägt von dunklen Wäldern? Wo arbeiten Fließbandmenschen ohne Individualität, dafür aber mit riesigen, hässlichen Schuhen? In Deutschland, natürlich! Zumindest, wenn man den Italienern glaubt. Der Italiener an sich ist überzeugt davon, dass den tedesci in ihrer eintönigen und kalten Umgebung gar nichts anderes übrig bleibt, als "ununterbrochen zu essen und viel Bier zu trinken".

So jedenfalls dokumentiert Elisabetta Mazza Moneta das Deutschlandbild ihrer Landsleute in der Dissertation zum "Einfluss von Stereotypen auf die interkulturelle Kommunikation" . Moneta wertete zahlreiche Studien aus und befragte Personen, die ihr beispielsweise den alljährlichen Strom deutscher Touristen nach Italien erklärten: Von der "Trostlosigkeit der deutschen Landschaften" getrieben, würden Deutsche an die Adria stürmen und sich, "durch die ungewohnte Sonne stimuliert, in sexueller Hinsicht hemmungslos verhalten".

Solch seltene emotionale Ausbrüche einmal ausgenommen, gelten Deutsche in ihren Augen aber eher als kaltherzig: Die "kühle Blonde" beispielsweise sei zwar gleichberechtigt und selbstbewusst, ihre Modernität gehe aber auf Kosten ihrer Weiblichkeit. Zärtlich, verständnisvoll und familienbewusst – das seien nur die Italienerinnen; und Treue eine Tugend, die deutschen Frauen gänzlich fehle. Immerhin, eine Sache möchten die Italiener den Deutschen dann doch nicht absprechen: ein gutes Arbeitsklima und typisch deutsche Werte wie Gründlichkeit, Zuverlässigkeit und Pflichtbewusstsein im Job.

Dem müssen auch die Franzosen zustimmen – obwohl sie letztlich der Auffassung sind, dass die Deutschen ihren Job eh viel zu ernst nehmen, "bierernst" eben. Während die Franzosen noch ein Tête-à-tête am Kopierer abhalten oder den Geschäftsbesuch zum Menü nach Hause einladen, wollen die Deutschen ihrer Meinung nach stets nur das eine: Ergebnisse sehen.

Das geht den Erfindern des Savoir-vivre gehörig gegen den Strich, wie Sarah-Jane D. Pill in ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Abhandlung "Germans and French in Business Life – Intercultural differences between the neighbouring countries" beschreibt. Die Reduzierung der Kommunikation auf rein geschäftliche Dinge bewerten Franzosen geradezu als Affront. Zumal sie den Grund dafür in der Statusliebe der Deutschen vermuten: "Die Deutschen wollen immer durch Materielles auffallen; am liebsten mit einem großen Auto."

Am häufigsten aber fühlten sich die Franzosen laut Pill durch die Direktheit der Deutschen verletzt. Während die Franzosen darauf bedacht seien, nur niemandem auf die Füße zu treten, sprächen die Deutschen Probleme plump an. So weit gehe die Missachtung ihrer Geschäftsbeziehung, dass sie die Franzosen zur Begrüßung noch nicht einmal küssten und lieber E-Mails schrieben, anstatt einfach kurz durchzurufen.

Und überhaupt, der Deutsche und sein Kommunikationsverhalten. In seiner Studie "Meine lieben Deutschen" beschreibt Krzysztof Wojciechowski, früher Professor in Warschau, heute an der Viadrina in Frankfurt an der Oder, die Schwächen deutscher Umgangsformen. Der gebürtige Warschauer hat über fünfzehn Jahre zwischen Deutschen gelebt.