Wie ich wurde, was ich bin Meister der Veränderung

Entwicklungsberater, Manager, Greenpeace-Chef und foodwatch-Gründer. Wie hat Thilo Bode, 60, das geschafft?

Als Kind wollte ich Journalist werden, wie mein Vater. Ich habe eine Zeitschrift für meine Familie herausgegeben und mich in Leserbriefen über die geplante Asphaltierung unserer Straße beschwert.

Mit 19 Jahren habe ich mit dem Soziologiestudium in München begonnen. Meine Eltern hatten eine Hausangestellte, das widersprach damals meinem sozialen Empfinden. Vom Studium erhoffte ich mir Lösungen für mehr soziale Gerechtigkeit. Ich habe mich mit Marxismus beschäftigt, Lenins Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus gelesen.

Auf einer Weltreise mit drei Freunden konnte ich die Theorien in der Praxis überprüfen und selbst die Folgen der Kolonialpolitik erleben. Wir fuhren mit dem VW-Bus über die Türkei und Afghanistan bis nach Nepal, waren in Indien, Burma, Laos und Singapur. Die Reise hat mich sehr geprägt, ich war überzeugt, dass das Problem der Unterentwicklung vorwiegend ein ökonomisches ist.

Mit 22 Jahrenbegann ich deshalb mit VWL in Regensburg. Wir waren sieben Studenten, sind abends mit den Professoren in die Kneipe gegangen. Studieren wie vor dem Ersten Weltkrieg! Ich war bei den Jusos aktiv, ein konkretes Berufsziel hatte ich nicht und habe erst mal promoviert. Doch für eine wissenschaftliche Karriere war ich zu schlecht in Mathe.

Mit 28 Jahren wollte ich eigentlich nur ins Ausland, habe mir die Angebote danach ausgesucht und bei der Beratungsfirma Lahmeyer International angefangen. Nach drei Jahren bin ich als Projektmanager zur Kreditanstalt für Wiederaufbau gewechselt und habe mich dann mit 34 als Gutachter für Entwicklungsfragen selbstständig gemacht.

Die ganze Zeit über war ich immer wieder in Afrika, Lateinamerika und Asien, 1982 zum Beispiel als einer der ersten westlichen Berater für zwei Monate im chinesischen Kohleministerium.

Mit 39 Jahren entschied ich mich trotzdem für eine leitende Position in einem Metallunternehmen – eine ganz andere Welt: Ich musste Tochterfirmen schließen und Leute entlassen.

Aber ich war damals von der Entwicklungspolitik ein wenig desillusioniert, und Stahlrohre zu verkaufen schien mir seriöser, als verfehlte Entwicklungshilfe zu betreiben. Aber der letzte Sinn fehlte doch.

Mit 42 Jahrenbin ich zu Greenpeace gegangen, eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Mein Managementwissen, meine Erfahrungen im Ausland, mein Ehrgeiz haben mir geholfen, mich durchzusetzen und wichtige Ziele zu erreichen, etwa Büros in China und Indien zu gründen.

Einen Karriereplan hatte ich nie. Stattdessen habe ich mich auf meinen Bauch verlassen, dann aber sehr hart dafür gearbeitet, in allen Positionen – trotz Schwierigkeiten – Spaß und Erfolg zu haben.

Mit 55 Jahren habe ich mein erstes Buch beendet und die Verbraucherorganisation foodwatch gegründet. Die möchte ich jetzt gern auch auf europäischer Ebene erfolgreich machen. Ich brauche immer neue Herausforderungen, nur zu verwalten und zu repräsentieren ist nicht meine Sache!

Protokoll: Maren Söhring.

 
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    • Quelle ZEIT Campus, 04/2007
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