Charles Darwin Der NetzwerkerSeite 2/2
Die drei Jahre in der englischen Studentenstadt beschreibt Charles Darwin später als »die vergnüglichsten meines glücklichen Lebens«. Er organisiert sich hier das Studium selbst. Ohne große Begeisterung besucht er die Pflichtkurse, lernt immer genug, um erfolgreich zu sein (sein Theologieexamen macht er 1831 zum eigenen Erstaunen sogar als Zehntbester der 178 Studenten seines Jahrgangs).
Sonst widmet er sich seinen Hobbys – und finanziert diese mit dem Geld seines Vaters. Er besucht Konzerte und ist Mitglied im studentischen Gourmet Club. Da verkostet er einmal in der Woche als ungenießbar geltende Speisen wie Falken oder alte Eulen. Mit Hingabe vergrößert er seine beachtliche Käfersammlung, beschäftigt sogar einen Hilfsarbeiter, der für ihn im Winter die Tiere von den Bäumen kratzt.
Auch in Cambridge gelingt es Charles scheinbar mühelos, die richtigen Leute kennenzulernen. John Stevens Henslow, einer der bedeutendsten Botaniker Englands, wird sein Mentor. Bald kennt man Darwin in der ganzen Stadt als »den Mann, der mit Henslow spazieren geht«.
Diesen Kontakten verdankt er auch die Chance seines Lebens. Als die Königliche Marine 1831 einen Naturforscher für ihr Vermessungsschiff H.M.S. Beagle sucht, fällt immer wieder der Name des jungen und unerfahrenen Theologen, damals 22 Jahre alt. Er sagt zu und startet im Dezember seine fünfjährige Expedition um die Welt – allerdings nicht, ohne dem Vater fest zu versprechen, danach als respektabler Landpfarrer sein Geld zu verdienen.
Zunächst allerdings sammelt er unterwegs Steine, Pflanzen und Tiere, die er sorgsam konserviert, katalogisiert und in riesigen Kisten nach Cambridge schickt. Nach seiner Rückkehr – von der Theologie ist keine Rede mehr – widmet er sich ganz der Analyse und wissenschaftlichen Aufbereitung seiner reichen Ausbeute. Doch erst im Jahr 1859 veröffentlicht er sein spektakuläres Buch über die natürliche Selektion und die Entstehung der Arten.
Denn Charles ist kein rebellischer Abenteurer, der seine Erkenntnisse in die Welt posaunt, sondern ein besonnener Mensch, der es allen recht machen will. Was wäre heute aus ihm geworden? Sicher würde er sich von seinen Eltern zu einem soliden Studium wie Medizin überreden lassen. Er würde die langweiligen Vorlesungen schwänzen, sich stattdessen die Mitschriften von Kommilitonen oder aus dem Internet besorgen. Er säße bei Gastvorträgen berühmter Professoren vorne, würde sie in Gespräche verstricken und bald zu nationalen und internationalen Kolloquien eingeladen werden. Irgendwann würde er sich zu seiner wahren Leidenschaft – vielleicht der Erforschung des Alls – bekennen und als jüngster Teilnehmer an einer Forschungsmission der Nasa teilnehmen. Und zwischendurch immer wieder an seinen Fähigkeiten und Forschungen zweifeln.
Wer mehr wissen will, kann mit einem Roman beginnen: Irvine Stone, Der Schöpfung wunderbarer Weg, rororo, 9,90 €.
- Datum 16.07.2008 - 12:11 Uhr
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- Serie Ehemaligenverein
- Quelle ZEIT Campus, 05/2007
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Was heute aus ihm geworden wäre, nun hängt wahrscheinlich davon ab, welchen Vater er heutzutage gehabt hätte:
Einen armen Vater:
Nach dem ersten Studium-Fehlversuch BaFöG weg, Studienschulden, ständiger Zwang sich mit billigen Gelegenheitsjob über Wasser zu halten. Vielleicht hätte er irgendwann H4 bekommen oder einen zweitklassigen Abschluß gemacht und trotzdem Käfer sammeln können, die "richtigen Leute" hätte er dann aber wohl nicht mehr kennengelernt.
Einen reichen Vater:
Gelangweilt hätte er sich mit Sicherheit auch, er schien ein rechter Freigeist zu sein, ich bin nicht sicher ob ihn heutige "Eliteschulen" (wie ich das Wort hasse) besser gefallen hätten. Sicher hätte er sich, mit der Unterstützung des Vaters, wieder die entsprechenden Freiräume geschaffen um eigenständig zu forschen.
MfG
AKu
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