Den Kaffee für Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad servierte Rebbeka Ortmann, 22, ohne zitternde Hände. Es war in Gambia, Staatschef Yahya Jammeh hatte zu einer Konferenz eingeladen, und mit am Tisch saß der Mann, den die Bild- Zeitung meist nur den "Irren aus Teheran" nennt. Ortmann studiert Soziologie in Dresden, für sie war es eigentlich ein gewöhnlicher Job als Hostess. "In dem Moment war mir nicht bewusst, mit wem ich es da zu tun hatte. Das wurde mir erst klar, als ein Freund fragte: Weißt du, wer da sitzt?"

Im Konferenzraum der Firma Kado in Dresden erinnert eine Nadel an die Konferenz in Gambia – sie steckt in einer Weltkarte. Zwei Zimmer weiter hängt der Stadtplan von Athen, in der Ecke liegt ein knautschiger Wasserball-Globus. Was auf Kathja Dortmanns Laptop im Posteingang einläuft, würde bei anderen im Spam-Ordner landen: Mails aus Westafrika, vom Persischen Golf, aus Katalonien. Dortmann verleiht Servicekräfte in alle Welt. Fast immer Studenten, immer für die Gastronomie, immer für Großveranstaltungen. Für die Formel1 in Bahrain, die Promi-Party in Monaco und eben die Präsidentenkonferenz in Gambia.

Der internationale Jetset wünscht westliches Personal. Der Markt ist umkämpft, es gibt noch acht weitere Firmen in Deutschland, die wie Kado Studenten in alle Welt schicken. Sie verdienen 7 bis 10 Euro die Stunde – für einen Studentenjob in Dresden ist das sehr ordentlich.

Knapp 300 Mitarbeiter führt die Firma in ihren Listen, die meisten bleiben über Jahre. Mundpropaganda lotst den Nachwuchs zum Vorstellungsgespräch – dort zählen Eloquenz im Small Talk und gepfleg- tes Äußeres. Einen Teller sollte man freilich schon mal in der Hand gehabt haben.

Kado betreut Veranstaltungen, die mal 50, mal 16.000 Gäste besuchen. Ahmadineschad war erst einmal unter ihnen. Kathja Dortmann erfuhr davon erst hinterher. Hätte sie ihre Leute wissentlich hingeschickt? "Klar kann man da seine politische Meinung kundtun – aber wen juckt das?" Für sie sei die Sicherheit ihrer Mitarbeiter entscheidend. "Bei Gambia denke ich zuerst an Impfungen gegen Malaria, Typhus, Gelbfieber. Nicht an die Gästeliste."

Für Rebbeka Ortmann ist es ein anstrengender Job, der sich lohnt. "Im Vergleich zu anderen, die ihr Studium eisern durchziehen und einmal im Jahr zum Zelten an die Ostsee fahren, habe ich viele Länder und Kulturen gesehen." Irans Präsident ist dabei zu einer Randnotiz geschrumpft.

Gambia hielt für sie ganz andere Erfahrungen bereit: "Tagsüber siehst du Slums, Rassismus, pure Armut. Und abends bist du dann in einem Fünf-Sterne-Hotel und siehst, wie es sich die Präsidenten dieser Länder beim Dinner gut gehen lassen. Das ist ein Kulturschock."