Latifa Kühn wurde 1966 in Kabul geboren und wuchs in Deutschland auf. Sie hat in Bonn Politik, Islamwissenschaft und Vergleichende Religionswissenschaften studiert. An der Universität der Bundeswehr in Hamburg gibt sie seit drei Jahren Seminare, in denen sie den Teilnehmern kulturelle Hintergründe zum Islam und zur arabischen Welt vermittelt. Eines ihrer Blockseminare beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Afghanistan.

ZEIT Campus : Frau Kühn, wie haben Sie die erste Seminarstunde nach den Anschlägen auf Bundeswehrsoldaten in Kundus erlebt?

Latifa Kühn : Ich habe den Kursteilnehmern gleich zu Beginn mein Beileid ausgesprochen. Es herrschte ein großes Schweigen im Raum. Sie haben die ganze Zeit nichts gesagt, wirkten sehr betroffen. Wie kommt man in einer solchen Situation zum ersten Thema? Der Zufall half mir. Ein Student kam zu spät, und so haben wir die Kurve gekriegt.

ZEIT Campus : Sind die Kurse Vorbereitung für einen Auslandseinsatz?

Kühn : Nein. Es ist alles akademisch ausgerichtet, die Studenten absolvieren ein ganz normales Studium. Militärische Fragen berühren mich ohnehin nicht, da habe ich keinen Zugang. Aber wenn man offen darüber redet, worin sich Menschen in ihrer kulturellen Prägung unterscheiden, kann man etwas für sein ge-samtes weiteres Leben mitnehmen.

ZEIT Campus : Bringt das Seminar auch denen etwas, die später nicht an Auslandseinsätzen teilnehmen?

Kühn : Ja, es gibt auch unabhängig von den Auslandseinsätzen viele multikulturelle Teams, in denen solche Fragen aufkommen. Zum Beispiel, wenn Militärangehörige aus vielen Ländern an Projekten innerhalb der Nato teilnehmen.