Der erste Arbeitstag hat mit dem Vorstellungsgespräch in der Regel die Enttäuschung gemeinsam. Sie besteht darin, dass man am Abend danach den Eindruck hat, mit seiner Person, das heißt mit all den herzigen und brillanten Eigenschaften, die man so hat, nur unzureichend in Erscheinung getreten zu sein.

Die neuen Kollegen haben gar nicht so richtig geguckt beziehungsweise zugehört. Für den Vorgesetzten war man fast unsichtbar. Die einzige starke Reaktion, die man zu spüren gemeint hat, war der missmutige Widerstand des Hausmeisters, den Schlüssel für den Fahrradkeller herauszurücken. Im Übrigen hätte man genauso gut wegbleiben können.

Dieser Eindruck ist keineswegs trügerisch. Das herzlose Desinteresse ist aber kein Unglück, sondern in Wahrheit ein Glück, das den Einstieg sehr erleichtert. Denn wenn die Person des Neulings erst einmal mit all ihren herzigen und brillanten Eigenschaften erkannt ist, werden die Widerstände schon noch über den des Hausmeisters hinausgehen.

Es ist nämlich nicht so, dass die Kollegen auf einen sympathischen und talentierten Neuling warten – auf den sie dann vielleicht neidisch sein müssten. Sie warten vielmehr auf einen dummen und primitiven Typen, über den sie sich in der Mittagspause das Maul zerreißen können.

Es spricht deshalb viel dafür, den Welpenschutz zu akzeptieren, der in der anfänglichen Unerkennbarkeit der eigenen Person liegt, und mit der vollen Charakterwahrheit erst herauszurücken, wenn man schon einigermaßen fest im Sattel sitzt.

Und noch eine Mahnung: Man geht oft treuherzig davon aus, der supersympathische Typ zu sein. Vielleicht ist man aber in Wahrheit eher der unsympathische Typ, der dankbar sein muss, wenn er nicht allzu detailliert gewürdigt wird.

Kurzum, auch wenn es Narzissten und Egozentriker vielleicht enttäuschen mag: Am Arbeitsplatz sollte nur so viel Selbstdarstellung sein, wie man beim besten Willen nicht unterdrücken kann.