Umfrage Was Studenten wollen

Angehende Lehrer sind unglücklich, Studenten in der Provinz zufrieden. Und Elitestudenten merken nichts von ihrem Glück. Ergebnisse einer Umfrage.

Es gibt in Deutschland zufriedene Studenten, und es gibt Lehramtsstudenten. Kein Studiengang hat unzufriedenere Studenten als das Lehramt. So eindeutig ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Hochschul-Informations- Systems (HIS), die erstmals durchgeführt wurde und ZEIT CAMPUS exklusiv vorliegt. Während viele Studenten aus technischen Fächern wie Mathematik oder Medizin mit ihrem Studium im Großen und Ganzen zufrieden sind, geben die meisten Lehramtsstudenten eine lange Mängelliste zu Protokoll.

Besonders schlecht bewerten sie die Organisation des Studiums, etwa die Möglichkeit der Teilnahme an Pflichtveranstaltungen. Hier geben nur 28 Prozent der Lehramtsstudenten ihren Hochschulen die Note »gut« oder »sehr gut«. Sie sind es leid, »in überfüllten Pflichtseminaren auf dem Boden sitzen zu müssen oder wegen zeitlicher Überschneidungen wichtige Veranstaltungen nicht besuchen zu können«, mutmaßt Peter Müßig-Trapp, Leiter der HIS-Studie. 60 Prozent der Lehramtsstudenten sagen, dass die Überfüllung in ihren Hörsälen ein großes Problem für sie ist. Außerdem geben fast 38 Prozent an, Orientierungsprobleme im Studium zu haben. Das heißt: Studienordnungen sind zu kompliziert, Stundenpläne schwierig einzuteilen und Prüfungsvoraussetzungen unklar.

Auch die pädagogischen Fähigkeiten ihrer Professoren beurteilen die Lehramtsstudenten weit schlechter als ihre Kommilitonen aus den Magister- oder Diplomstudiengängen. Anscheinend können die professionellen Pädagogen selbst nicht unterrichten. Während im Durchschnitt 38 Prozent aller Studenten den Professoren gute Lehrnoten erteilen, sind es unter Lehramtsstudenten nur 25 Prozent. »Eine erschreckende Zahl, denn gerade Didaktik sollte ein zentraler Gegenstand des Lehramtsstudiums sein«, sagt Müßig-Trapp. Fast die Hälfte der zukünftigen Lehrer fühlt sich außerdem »schlecht« oder »sehr schlecht« auf ihren Arbeitsalltag an den Schulen vorbereitet (zum Thema Referendariat siehe den Artikel auf Seite 62).

Im Gegensatz zu den Sorgen der Lehramtsstudenten steht der Optimismus der Technik-Studenten. Die Ingenieurwissenschaftler etwa zeigen sich rundum zufrieden. Ihre Laboratorien sind nicht nur gut oder sehr gut ausgestattet (das sagen 59 Prozent), ihre Dozenten nehmen sich in den Sprechstunden auch genügend Zeit (finden 67 Prozent) und betreuen ihre Studenten gut bis sehr gut (sagen 58 Prozent). 62 Prozent finden außerdem, dass es genügend Computerarbeitsplätze gibt. Ähnlich positive Rückmeldungen gaben angehende Mathematiker, Juristen und Mediziner. Schlechter gestellt fühlten sich im Allgemeinen die Geisteswissenschaftler.

Im Ost-West-Vergleich zeigt sich: Studenten an ostdeutschen Hochschulen sind mit ihren Studienbedingungen zufriedener als ihre Kommilitonen in Westdeutschland. In den neuen Bundesländern waren zum Beispiel 56 Prozent der Studenten mit der Betreuung durch ihre Professoren zufrieden, in den alten Ländern nur 47 Prozent. Und: An kleinen Hochschulen studiert es sich besser als an den Massenhochschulen der Großstädte. An sehr kleinen Hochschulen (unter 2000 Studenten) sind 70 Prozent der Studenten mit der Betreuung durch ihre Profs zufrieden, an Massenuniversitäten (über 35000 Studenten) sind es nur 36 Prozent.

Vergleicht man Hochschulen mit Studiengebühren und solche ohne, zeigen sich nur wenige Unterschiede. Das heißt: Wo Gebühren gezahlt werden, haben sich die Bedingungen bisher nicht spürbar verbessert. 46 Prozent der gebührenzahlenden Studenten waren mit der Betreuung durch ihre Professoren zufrieden; diesen stehen 53 Prozent zufriedene Studenten aus gebührenfreien Bundesländern gegenüber. 46 Prozent der Gebührenzahler finden ihre Tutorien »gut« oder »sehr gut«. Von den Umsonst-Studierenden sagten dies genauso viele.

Eigentlich könnte man von den neuen Elite-Unis erwarten, dass sie außer in der Forschung auch in der Lehre Spitze sind. Sind sie aber nicht, wie die HIS-Umfrage zeigen kann. Nur 45 Prozent der Studenten sind mit ihrer Betreuung durch die Lehrenden zufrieden, genauso viele wie an den ganz normalen Unis.

Was ist der Studienqualitätsmonitor?

Dabei handelt es sich um die erste repräsen-tative Umfrage zu den Studienbedingungen in Deutschland seit der Einführung der Studiengebühren. Das Hochschul-Informations-Systems (HIS) in Hannover und die AG Hochschulforschung der Universität Konstanz haben 21000 Studenten von 150 Hochschulen befragt. In Zukunft wird diese Umfrage jährlich durchgeführt und im Vergleich mit den jetzt erhobenen Daten darüber Aufschluss geben, wie sich die Studienbedingungen in Deutschland durch die Einführung von Studiengebühren und die Umstellung auf die Abschlüsse von Bachelor und Master verändert haben. Mehr dazu auf der Internetseite des HIS:
www.his.de/studienqualitaetsmonitor

 
Leser-Kommentare
  1. Dozenten, die Lehramtskandidaten unterrichten, sind mitnichten zwingend "professionelle Pädagogen". Durch den hohen fachwissenschaftlichen Anteil im Studium dürften die Pädagogen unter den Hochschullehrern eines Lehramtsstudenten zumindest ab dem Realschullehramt die absolute Minderheit sein. Leider. Wobei die Arbeitsbedingungen für Hochschullehrer wie auch für Studenten z.T. noch desolater sein dürften als an Schulen.

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  • Quelle ZEIT Campus 01/2008
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