Jobchancen Der Rundum-Check
Eine Berufsberatung, bei der man Fotos von Eltern, Freunden und dem eigenen Schlafzimmer mitbringt – und gern auch Tagebücher.
Jan hat ein Praktikum bei einer Unternehmensberatung gemacht, davor einen Kurs in Waldwirtschaft belegt, davor der Berliner FDP beim Wahlkampf geholfen. Und vorher European Studies studiert. »Ich wusste einfach nicht, was ich machen wollte.« Vor zwei Jahren hatte er genug, da war der rothaarige Münchner 26 Jahre alt.
Aus seiner Misere half ihm Kristin Henn. Die Berufsberaterin, 59, arbeitet und lebt am Starnberger See. Sie hat kein Handy, und man findet sie nicht im Internet. Für ihre Analyse arbeitet sie anders als herkömmliche Berufsberater: Sie braucht allerhand skurrile Mitbringsel – und zwei Tage Zeit.
Sie verlangt Fotos von den Geschwistern, sogar von den Großeltern, vom eigenen Zimmer, von den Freunden, alte Zeugnisse. Und für den, der es möchte, interpretiert sie sogar Tagebucheinträge. Die Philosophie der ehemaligen Gymnasiallehrerin und Soziologin: »Ich will wissen, wer und was meinen Kunden beeinflusst, ich frage nach dem Warum.« Sie arbeitet wie eine Psychologin, sie lässt ihre Kunden erzählen. Seit zehn Jahren analysiert sie so die berufliche Zukunft junger Menschen – aus München, aus der Gegend um den Starnberger See und aus ganz Europa. Die Kunden stehen Schlange.
Jan, der in Wirklichkeit anders heißt, brachte ein Foto mit, auf dem er mit seinem Bruder und seinem Vater zu sehen ist. Kristin Henn forderte ihn auf, von ihnen zu erzählen, und betrachtete dabei das Foto. Sein Bruder sei erfolgreicher Banker in London und sein Vater Chefarzt, erzählte Jan. Die Beraterin folgerte: Ein dominanter Bruder und ein stolzer Vater. Jan solle sich nicht an ihnen messen, er müsse sich emanzipieren, unabhängig werden.
Auf einem weiteren Foto bekam sie sein unordentliches Schlafzimmer zu sehen. Ihre Analyse: Er habe vielfältige Interessen, er müsse »sich sortieren und fokussieren«. Dann zeigte Jan ihr noch ein paar Fotos, auf denen er bei Renovierungsarbeiten an einem Haus zu sehen ist. Da habe er in seiner Freizeit mit viel Spaß mitgeholfen.
Henns Einschätzung nach Beschau des Privatlebens: Jan ist ehrlich, direkt, clever, ohne viel Schnickschnack. Vielleicht habe er »ein Händchen für Immobilien«. Diplomatische Taktiererei und Politik passten definitiv nicht zu ihm. Sie riet ihm, ganz unten anzufangen: Er sollte eine Kaufmannslehre in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft machen.
Dieses Ergebnis kostete Jan 1650 Euro, zwei Tage lang hörte Kristin Henn ihm dafür zu und machte ein paar Eignungs- und Intelligenztests. Jan glaubt, dass man auf ihre Ratschläge vielleicht auch allein käme. »Aber wer hält sich schon selbst den Spiegel vor und ist sein eigener Gesprächspartner?« Er entschied sich schließlich für die Immobilien-Investmentbranche. Das macht er jetzt, ist glücklich damit und meint: »Politik kann ich auch noch in vielen Jahren machen. Als Hobby.«
- Datum 28.02.2008 - 09:10 Uhr
- Quelle ZEIT Campus 02/2008
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Sehr geehrte Frau Marie von Mallinckrodt, die wenigen Informationen über den Arbeitsstil von Frau Kristin Henn lassen eher den Schluss zu, dass diese nicht wie eine Psychologin arbeitet. Laienpsychologische Blitzdiagnosen (vgl. "dominanter Bruder und stolzer Vater", "unaufgeräumtes Schlafzimmer = vielfältige Interessen") werden Sie bei einer ordentlich arbeitenden Psychologin nicht finden. Psychologinnen und Psychologen arbeiten meist nach strengen ethischen Richtlinien: Z.B.: Auszug aus http://www.bdp-verband.org/bdp/verband/ethik.shtml "Psychologen sind dazu verpflichtet, in der praktischen Ausübung ihres Berufs zu jeder Zeit ein Höchstmaß an ethisch verantwortlichem Verhalten anzustreben. Sie sind dazu verpflichtet, die Rechte der ihnen beruflich anvertrauten Personen nicht nur zu respektieren, sondern, wann immer erforderlich, auch aktiv Maßnahmen zum Schutz dieser Rechte zu ergreifen. Psychologen anerkennen das Recht des Individuums, in eigener Verantwortung und nach eigenen Überzeugungen zu leben. In ihrer beruflichen Tätigkeit bemühen sie sich um Sachlichkeit und Objektivität und sind wachsam gegenüber persönlichen, sozialen, institutionellen, wirtschaftlichen und politischen Einflüssen, die zu einem Missbrauch bzw. zu einer falschen Anwendung ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten führen könnten. Psychologen arbeiten auf der Basis von zuverlässigem und validem, wissenschaftlich fundiertem Wissen." Aus diesem Grund sind zum Beispiel Ausdrücke wie "Sie sollen", "Sie müssen", "Sie sind", "er ist" etc. generell eher zu vermeiden, da Klienten meist nur Selbst- oder Fremdbeschreibungen abliefern. Eine Einflussnahme durch die Psychologin soll vermieden werden. Der Klient sollte dabei unterstützt werden, seinen Berufsweg selbst zu finden. Vor allem bei Jugendlichen darf eine mögliche Einflussnahme durch die Beraterin nicht unterschätzt werden. Moderne Psychologen lassen Ihre Kunden selbstverständlich ebenfalls "erzählen", nutzen jedoch zusätzlich viele reliable und valide Testinstrumente. Mir scheint, Ihr Stereotyp eines Psychologen bedarf einer kleinen Korrektur. Die rote Couch steht heute nicht mehr im Zentrum. Und die fundierte Arbeit eines Psychologen unterscheidet sich deutlich von dem im Artikel beschriebenen Vorgehen. MfG Sascha KernDipl. Psychologe (wie sollte es anders sein ;-)
...unter anderem, wie im Beitrag zu entnehmen ist.
Ich bin auch Psychologin. Und das habe ich u.a. ganz wesentlich Frau Dr. Henn zu verdanken. Ohne ihre Arbeit vor gut 6 Jahren, hätte ich wohl nie oder erst sehr spät den Mut aufgebracht, das Ziel "Psychologin zu werden", verfolgt. Aber nicht nur das! Sie hat innerhalb dieser 2 Tage auch wesentlich dazu beigetragen, das Verhältnis zu meinen Eltern zu verbessern - und zwar grundlegend. Ich bin an Frau Dr. Henn mit dem Anliegen herangetreten, meine Schlüsselqualifikation herauszufinden und mich bei der Verfolgung meines beruflichen Ziels coachen zu lassen. Was ich von ihr bekomme habe, war sogar mehr als das. Noch heute, zehre ich von den Erkenntnissen, dich ich in den 2 Tagen von mir (und auch meinen Eltern!) gewonnen habe. Es ging in den 2 Tagen nicht um ein psychologisches Therapieanliegen. Es ist also überhaupt nicht notwendig, eine erstklassige Berufs- und Karriereberaterin, Pädagogin, Soziologin und Psychologin in ihrer Arbeit zu kritisieren.
Ich persönlich, als Psychologin, fühle mich jeder Berufsgruppe zugehöriger, die mit Menschlichkeit und Empathie ihre Arbeit verrichtet als einzelnen Personen meiner Berufsgruppe, die den Blick über den Tellerrand einfach nicht schaffen.
Mit kollegialen Grüßen, St. Steinert
...unter anderem, wie im Beitrag zu entnehmen ist.
Ich bin auch Psychologin. Und das habe ich u.a. ganz wesentlich Frau Dr. Henn zu verdanken. Ohne ihre Arbeit vor gut 6 Jahren, hätte ich wohl nie oder erst sehr spät den Mut aufgebracht, das Ziel "Psychologin zu werden", verfolgt. Aber nicht nur das! Sie hat innerhalb dieser 2 Tage auch wesentlich dazu beigetragen, das Verhältnis zu meinen Eltern zu verbessern - und zwar grundlegend. Ich bin an Frau Dr. Henn mit dem Anliegen herangetreten, meine Schlüsselqualifikation herauszufinden und mich bei der Verfolgung meines beruflichen Ziels coachen zu lassen. Was ich von ihr bekomme habe, war sogar mehr als das. Noch heute, zehre ich von den Erkenntnissen, dich ich in den 2 Tagen von mir (und auch meinen Eltern!) gewonnen habe. Es ging in den 2 Tagen nicht um ein psychologisches Therapieanliegen. Es ist also überhaupt nicht notwendig, eine erstklassige Berufs- und Karriereberaterin, Pädagogin, Soziologin und Psychologin in ihrer Arbeit zu kritisieren.
Ich persönlich, als Psychologin, fühle mich jeder Berufsgruppe zugehöriger, die mit Menschlichkeit und Empathie ihre Arbeit verrichtet als einzelnen Personen meiner Berufsgruppe, die den Blick über den Tellerrand einfach nicht schaffen.
Mit kollegialen Grüßen, St. Steinert
...unter anderem, wie im Beitrag zu entnehmen ist.
Ich bin auch Psychologin. Und das habe ich u.a. ganz wesentlich Frau Dr. Henn zu verdanken. Ohne ihre Arbeit vor gut 6 Jahren, hätte ich wohl nie oder erst sehr spät den Mut aufgebracht, das Ziel "Psychologin zu werden", verfolgt. Aber nicht nur das! Sie hat innerhalb dieser 2 Tage auch wesentlich dazu beigetragen, das Verhältnis zu meinen Eltern zu verbessern - und zwar grundlegend. Ich bin an Frau Dr. Henn mit dem Anliegen herangetreten, meine Schlüsselqualifikation herauszufinden und mich bei der Verfolgung meines beruflichen Ziels coachen zu lassen. Was ich von ihr bekomme habe, war sogar mehr als das. Noch heute, zehre ich von den Erkenntnissen, dich ich in den 2 Tagen von mir (und auch meinen Eltern!) gewonnen habe. Es ging in den 2 Tagen nicht um ein psychologisches Therapieanliegen. Es ist also überhaupt nicht notwendig, eine erstklassige Berufs- und Karriereberaterin, Pädagogin, Soziologin und Psychologin in ihrer Arbeit zu kritisieren.
Ich persönlich, als Psychologin, fühle mich jeder Berufsgruppe zugehöriger, die mit Menschlichkeit und Empathie ihre Arbeit verrichtet als einzelnen Personen meiner Berufsgruppe, die den Blick über den Tellerrand einfach nicht schaffen.
Mit kollegialen Grüßen, St. Steinert
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