Pechvogel Flaschen auf dem Campus
Der Asta der Ruhr-Universität wollte mit einer großen Studentenparty in die Geschichte eingehen. Jetzt ist er um über 200 000 Euro ärmer.
Kurz keimte in Fabian Ferber noch einmal Hoffnung auf. Die ersten Bands hatten schon gespielt, als der Vorsitzende des Bochumer Asta die Partygemeinde durchstreifte und die Zahl der Besucher abschätzte. Waren es 1000? 2000? Vielleicht doch mehr? Erst als das Licht aus war und die Stars verschwunden waren, brachte ihm der Kassensturz Gewissheit. »Das war schon heftig«, sagt Ferber. »Es war einfach viel zu wenig Geld in der Kasse.«
Über 200 000 Euro hatte der Asta an jenem Abend des 8. Dezember verbrannt – mit einer Idee, die viele Studenten von Anfang an nur irrwitzig fanden: Der Asta hatte an der Ruhr-Universität eine »Mensa-Party« organisiert, die allerdings eher an ein Rockfestival erinnerte. Die Band Juli trat auf sowie Culcha Candela, die kurz zuvor mit dem Titel Hamma die deutschen Charts angeführt hatten.
Der Asta-Chef gibt sich zerknirscht, wenn er erklärt, wie es so weit kam. Anfangs habe man lediglich eine normale Studentenparty feiern wollen, um die frisch renovierte Mensa einzuweihen. Dann sei jemand auf die Idee gekommen, dass dort doch auch Bands spielen könnten. Als das Plattenlabel Four Music anbot, mehrere Bands zu einem Festpreis zu stellen, habe man zugeschlagen. Der Vertrag mit Juli war da auch schon unterschrieben. Am Ende hatte der Asta fünf hochkarätige Bands gebucht – für eine sechsstellige Gage.
Ein ambitioniertes Programm, nur interessierte es die Bochumer Studenten wenig: Statt der geplanten 5000 Besucher kamen nur 2000. Die Karten zum Preis von rund 30 Euro verkauften sich schlecht; die Plakate waren unprofessionell, zudem machte die Opposition im Studentenparlament Front gegen die Party.
Zum Schluss halbierte der Asta den Eintrittspreis und sendete am Tag der Party einen Werbespot in der Halbzeitpause eines Bundesligaspiels des VfL Bochum. Die Party rettete das nicht. Am Ende hatte der Asta rund ein Sechstel seines Etats verloren, für den die Studenten pro Semester zwölf Euro zahlen.
Den Schaden haben nun die rund 30 000 Studenten. Ferber schätzt, dass der Asta künftig weniger Geld für Dinge wie die Rechts- und Sozialberatung ausgeben kann. Eine Haushaltssperre ist verhängt; bald müssen wohl die Rücklagen angegriffen werden.
Auch für Ferber hatte der Traum vom großen Rockfestival Konsequenzen: Die Opposition druckte kritische Plakate mit seinem Konterfei; auf dem Campus ist man schlecht auf ihn zu sprechen. Die Party sei nur wegen Ferbers Profilierungssucht entstanden, sagt einer. Ein anderer nennt den Asta-Chef einen Hochstapler.
Ferber selbst erzählt, dass ihm auf dem Campus Flaschen hinterhergeworfen wurden. Er überlegt nun, ob er sein Studium an einer anderen Uni beenden soll. Von seinem Posten als Asta-Vorsitzender ist er zurückgetreten.
Dass er Fehler gemacht hat, räumt der 21jährige Juso ein. Aber er empfindet es auch als »Fehler im System«, dass unerfahrene Studenten mit so viel Geld jonglieren dürfen. Ganz falsch findet er die Idee mit der Party bis heute allerdings nicht. »Hätten wir Erfolg gehabt, wären wir jetzt Helden.«
- Datum 11.03.2008 - 09:53 Uhr
- Quelle ZEIT Campus 02/2008
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ich denk das ist eher jugendlichem dünkel geschuldet statt einer politischen ausrichtung. aber wieso tritt nur der asta-vorsitzende zurück? konnte der das alleine entscheiden?politisches mandat verboten aber konzerte managen? da ist doch einiges schief.
»Es war einfach viel zu wenig Geld in der Kasse.«Kann man besser die Schlichtheit des Gemüts auf den Punkt bringen? Die Asten der deutschen Unis sind einfach mehrheitlich mit unfähigen Ideologen besetzt. Anstatt sich -- wie es eigentlich ihr Auftrag vorsieht -- um die Verbesserung der Studienbedingungen zu kümmern, befassen sie sich mit allerlei Blödsinn. Von Demos gegen den Eurofighter bis zu Reisen nach Rio (natürlich nur für Astamitglieder) ist alles drin.Kümmert sich von denen einer, wenn mal wieder sämtliche Tutorien überfüllt sind?Nützt mir die "Studienberatung" eines bärtigen Opas etwas, der vor 5 Jahren das letzte Mal einen Vorlesungssaal von innen gesehen hat?
Wär der arme Astabursche nicht bei der Asta, sondern Manager eines Mittelstandaufwärtsunternehmens, dann würde er jetzt eine üppige Pension, eine Riesenabfindung plus mehrere Jahre Dienstwagen samt Chauffeur bekommen...und an der nächsten Uni schonmal Plakate fürs Madonnakonzert drucken.Aber wie sagt man so schön "Lehrjahre sind keine Herrenjahre".
... die Astas haben die Sache als Unternehmen verstanden. Ist doch prima, daß nun die Allgemeinheit einstehen muß, da die Sache schief gegangen ist. Doch dies ist nicht nur jugendlicher Dünkel sondern hat sehr wohl mit der politischen (linken) Ausrichtung zu tun. Und mit unternehmerischer Unfähigkeit, doch wo soll die herkommen?
... die Zweideutigkeit der Überschrift des Artikels.
Ich habe mich mehrere Jahre in einer Studenteninitiative einer Uni engagiert und daher auch mit dem Asta zu tun gehabt. "Unfähige Ideologen" bringt es ganz gut auf den Punkt. Fakt ist, dass sich in den Asten diejenigen Studenten tummeln, die qua Fach und auch Interessenlage den geringstmöglichen Bezug zu Verwaltung, Organisation und Geld mitbringen, jedoch in diesen Belangen in den Asten mit der maximalen Verantwortung ausgestattet sind. Das ist auch einer der Gründe, warum die Asten seit Jahrzehnten eigentlich nichts mehr bewegen an den Unis. Das Schlimme an der Sache: die ihnen zugedachte Rolle können Sie nicht ausfüllen, die ihnen anvertrauten Gelder nicht angemessen einsetzen oder wenigstens verwalten, ihre Organisation nicht verbessern - also nichts von dem, was sie eigentlich sollten.Die guten Leute für so einen Job, die hatten einen Job, haben Teilzeit gearbeitet oder waren in studentischen Unternehmensberatungen und den studentischen Initiativen. Die mussten ihr Geld immer selbst verdienen und konnten es auch selbst z.B. in Partys investieren - allerdings erinnere ich mich an keine party, die nicht mindestens 5000 EUR Reingewinn abgeworfen hätte. Allerdings haben wir auch nicht Juli eingeladen :o)
Warum überrascht mich das eigentlich nicht? Der Vorgang deckt sich ziemlich genau mit meinen Erfahrungen mit linken Studierendenausschüssen (über die rechten kann ich relativ wenig sagen, die bekamen an meiner Universität, wenn ich mich recht entsinne, in 30 Jahren ein einziges Mal eine Mehrheit zusammen). Die kecke Avantgarde der Studierendenschaft weiß natürlich am allerbesten, was sinnvoll und was machbar ist und was nicht und wieviel Geld man am besten wofür ausgibt. Das Résumée des Ex-Vorsitzenden treibt das ganze auf die Spitze: "Aber er empfindet es auch als »Fehler im System«, dass unerfahrene Studenten mit so viel Geld jonglieren dürfen."Natürlich ist die Gesellschaft schuld, dass sein Ego so groß war, dass bei ihm die für das kleine Einmaleins zuständige Region im Gehirn ausgesetzt hatte (200000 Euro geteilt durch 30, die auch erstmal bezahlt sein wollen, macht auch knapp 7000 Karten...). Und ums Ego ging es hier, denn »Hätten wir Erfolg gehabt, wären wir jetzt Helden.«Hätte, könnte, müsste. Aber 200000 Euro aus dem Studierendenetat zu verblasen, ist schon eine Leistung. Chapeau!Solche Aktionen sind natürlich Wasser auf die Mühlen des RCDS - oder auf die derjenigen, die die Studierendenparlamente komplett abgeschafft sehen wollten, und ich könnte es ihnen nicht verdenken.
Ich muss hier entschieden sagen, dass Du (palamedes) den ASten Unrecht tust - gewaltiges Unrecht. Ich selbst bin beim UStA (aufgrund der Nicht-Verfasstheit der Studierendenschaft unabhängiger AStA in Baden-Württemberg) und kann daher die Arbeit, die bundesweit in den ASten geleistet wird, besser bewerten als jemand, der irgendwann mal in einer Hochschulgruppe aktiv war (von denen es alleine bei mir an der Uni an die 80 gibt).Was in den Studierendenvertretungen geleistet wird, bemerkt der gemeine Student erst, wenn die Angebote nicht mehr da sind, so selbstverständlich erscheinen sie heutzutage im Gefüge an einer Hochschule. Man denke nur an - kostenlose BAföG-, Sozial- und Rechtsberatungen - Autovermietungen (die auch "Normalbürger" nutzen können und oft um mindestens die Hälfte günstiger sind als Europcar, Sixt und wie sie alle heißen)- Cafébetriebe (die die Studentenwerke aus Rentabilitätsgründen nicht selbst betreiben würden)- Copyshops und Druckereien (in denen Studierende, Fachschaften, Hochschulgruppen günstig ihre Diplomarbeiten, Plakate, Infomaterial usw. in hoher Qualität drucken können)- Kinderbetreuungsangebote (ohne die Studierende mit Kindern auf teure Kitas oder Kindergärten oder gleich auf das Ganztagsbetreuungsangebot der Hochschule, das überfüllt und dem Gehalt der wissenschaftlichen Mitarbeiter angepasst ist, ausweichen müssten)- kulturelle Veranstaltungen (nicht nur "Sauf-Feste", sondern auch Lesungen, Chorkonzerte, Theaterabende etc.) und so vieles mehr.Allein schon deshalb ist Dein Beitrag destruktiv und dient nicht der Debatte, was der Bochumer AStA falsch gemacht hat.Du schreibst auch, dass die "guten Leute" allesamt in studentischen Unternehmensberatungen oder Initiativen tätig sind. Auch hier greifst Du pauschal ALLE Studierendenvertretungen an und ich fasse dies als persönliche Beleidigung auf. Wer gibt Dir das Recht, über einen AStA, UStA,. u-asta, StuRa oder eine FSK zu richten, die alljährlich mit großem Erfolg Feste organisieren, die KEINEN Verlust machen? Und die nicht die Hilfe von angehenden Wirtschaftswissenschaftlern oder BWLern benötigen - die das selbst können. Denn die ASten sind mitnichten ein Sammelbecken für abgehalfterte Philosophiestudenten im 40. Semester; sie sind der Ort, an dem Studierende ehrenamtliches Engagement zeigen, sich in den Dienst ihrer Studierendenschaft stellen.Schau Dich um, die Presse interessiert es nur, wenn was schiefgelaufen ist. No news are good news. Wer war in der Presse? EIN AStA. Und nicht ALLE.(eins nachweg: die Jusos sitzen bei uns zusammen mit dem RCDS in der Opposition)
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