Russland: Kämpfer ohne Waffe
Wer in Russland den Wehrdienst verweigert und sich für den Zivildienst entscheidet, dem wird das Leben schwer gemacht – so wie Alexej Noskow aus Moskau. Eine Reportage
»Ein Zivi? Was soll das sein?« Die Schwester im weißen Kittel mit dem Papierhäubchen auf dem Kopf ist ratlos. Davon hat sie noch nie gehört. Genauso wenig wie die Krankenschwester vor ihr und die davor; genauso wenig wie die Ärztin in der Chirurgie und die Frau an der Information. Wer einen russischen Zivildienstleistenden treffen möchte, muss erst erklären, was Zivildienst überhaupt ist – um dann ein verständnisloses Kopfschütteln zu ernten.
Rund eine Viertelmillion Wehrpflichtige werden in Russland jedes Jahr zur Armee einberufen. Ihnen stehen etwas mehr als tausend junge Russen gegenüber, die in den vergangenen vier Jahren einen Zivildienst angetreten haben. Hier, im Städtischen Klinikum Nummer 15, in einem Moskauer Außenbezirk, soll einer von ihnen arbeiten. Davon hat immerhin die Oberschwester schon gehört. Unten im Keller könne man ihn finden, in der zentralen Desinfektionsstelle.
Der Geruch von Chlor und nassen Laken zieht durchs Treppenhaus. Wände in blauer Lackfarbe, fahles Licht von der Decke. Im Flur lädt ein junger Mann Wäsche auf einen Rollwagen. »Der Zivi, der bin ich.« Er strahlt. Groß ist er und schmal, mit kurzem schwarzem Haar unter einer blauen Haube.
Alexej Noskow ist 23 Jahre alt und einer der Ersten, die in Russland zum Zivildienst angetreten sind. Als er anfing, dauerte der Wehrdienst noch zwei Jahre und der Zivildienst dreieinhalb. Er musste sich viel anhören: Warum er seinem Land nicht dienen möchte, ob er denn kein Kerl sei? Ein Kerl ist Alexej wirklich nicht. Nicht so wie das Klischee vom russischen Mann, laut und grob und oft betrunken. Er spricht mit sanfter Stimme, und er lächelt viel. »Das ist mein Markenzeichen«, sagt er. Die Herzen der Krankenschwestern hat er damit gewonnen. »Die sind schon traurig, dass mein Dienst bald endet.«
Jeden Morgen Punkt acht Uhr beginnt er seinen Rundgang durch die Stationen, sammelt gebrauchtes Operationsbesteck ein und steckt alles in einen der großen Sterilisatoren, die im Keller brummen. Nachmittags verteilt er die sterilen Instrumente wieder. Um vier Uhr kann er nach Hause gehen. 13.000 Rubel bekommt er dafür im Monat, rund 360 Euro.
Alexej beklagt sich nicht, er hatte Glück: Ihren Arbeitsplatz dürfen sich Zivis in Russland nicht selbst aussuchen. Die staatliche Agentur für Arbeit und Beschäftigung, kurz »Rostrud«, weist ihnen einen Job zu, und zwar möglichst weit entfernt von ihrem Zuhause, am anderen Ende des elf Zeitzonen umspannenden Riesenlandes. Keiner weiß vorher, ob er in einem Altenheim eingesetzt wird oder in einer Chemiefabrik. Oder ob er bei der staatseigenen Baufirma Spezstroj im Auftrag des Verteidigungsministeriums Straßen oder Kasernen bauen muss.
Dass Alexej in seiner Heimatstadt bleiben durfte, verdankt er der Tatsache, dass er damals einer der ersten Zivis war. Es gab kaum Arbeitsstellen, die Unterkünfte für die jungen Helfer hätten bereitstellen können. Und die Moskauer Krankenhäuser brauchten dringend Leute für eine Arbeit, die gegen so wenig Geld sonst niemand in der Hauptstadt machen würde.
Der russische Staat tut alles dafür, um den Zivildienst so unattraktiv wie möglich zu machen. Das Gesetz, welches die Möglichkeit von Zivildienst einräumt, ist praktisch unbekannt, die Arbeit hart und der Einsatzort ungewiss. Ohne Rechtsanwalt steht keiner das Verweigerungsverfahren durch. Nach wie vor halten die meisten Russen es für die Pflicht eines Mannes, seinem Vaterland zu dienen. Erst die Armee, so heißt es, mache aus Kindern Männer. Besonders auf dem Land herrscht die Auffassung, dass mit dem etwas nicht stimmt, der nicht eingezogen wird. Dass der ein Schwächling sei, fast schon behindert. In einer Umfrage der Stiftung »Öffentliche Meinung« sprach sich vor drei Jahren über die Hälfte der Russen gegen das Recht aus, den Militärdienst zu verweigern; nur ein Drittel befürwortete es.
Ganz anders verhält es sich allerdings, wenn es um die eigene Familie geht. Auf die Frage: »Wollen Sie, dass ein naher Verwandter von Ihnen in der Armee dient?«, antworteten den Meinungsforschern des Lewada-Zentrums über zwei Drittel der Befragten mit Nein. Sosehr die Soldaten als Verteidiger des Vaterlandes gefeiert werden, so sehr werden die Zustände in der russischen Armee gefürchtet: Gut tausend Todesfälle vermeldet das Verteidigungsministerium Jahr für Jahr. Die meisten jungen Opfer sterben nicht im Einsatz, sondern beim unsachgemäßen Umgang mit Waffen, an den Misshandlungen ihrer Kameraden oder werden in den Selbstmord getrieben.
Denn häufig macht die Armee nicht aus Kindern Männer, sondern aus Männern Krüppel. In einer Umfrage nannten über 75 Prozent der Befragten Kameradenschinderei als das größte Problem der russischen Streitkräfte. Die sogenannte dedovtschina, die »Herrschaft der Großväter«, hat eine Tradition, die bis in die Zarenzeit zurückreicht. Sie verleiht den älteren Soldaten uneingeschränkte Macht über die Neulinge, die duchi heißen, die Geister. Sie müssen den Älteren ohne Widerspruch dienen, ihre Wäsche waschen, ihre Stiefel wichsen, die Latrinen putzen.
Es sind auf den ersten Blick harmlose Initiationsriten, die allerdings oft in Grausamkeiten, Erniedrigungen und Sadismus umschlagen. Die Älteren spielen Spiele mit den Jungen, eines heißt »Das Krokodil trocknen«: Das Opfer muss sich unter den oberen Rost eines Doppelbettes klammern, die Älteren sengen es von unten mit einem Streichholz oder mit dem Feuerzeug an. Wer loslässt, bevor die befohlene Durchhaltezeit abgelaufen ist, wird verprügelt.
Vor zwei Jahren ging der Fall des Andrej Sytschow um die Welt, der am Neujahrstag in einer Kaserne der Offiziershochschule in Tscheljabinsk so schwer misshandelt worden war, dass ihm die Ärzte beide Beine und die Genitalien amputieren mussten. Immerhin gelang es in diesem Fall nicht, das Verbrechen zu vertuschen. Der Hauptangeklagte wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, zwei Mittäter bekamen Bewährungsstrafen.
»Das Militär macht dich zum Mann?«, fragt Alexej. Er schüttelt den Kopf. »Schau dir doch die Soldaten an. Die sind nicht stark. Die sind schwach. Die kommen aus der Armee und haben verlernt zu sprechen.« Für Alexej zählt moralische Stärke. Dass einer flucht, ist für ihn ein Anzeichen dafür, dass er von Satan gelenkt wird. So sehen sie das in der Welt der Zeugen Jehovas.
Rund 80 Prozent der Verweigerer in Russland begründen ihre Entscheidung mit religiösen Motiven. Sie sind Anhänger christlicher Sekten, die einen Dienst an der Waffe nicht erlauben, Baptisten, Adventisten, viele Zeugen Jehovas wie Alexej. Menschen, die kein Problem damit haben, sich mit ihrer Entscheidung außerhalb der Gesellschaft zu stellen, weil für sie eine Ordnung gilt, die größer ist als die irdische. Menschen aber auch, die selbst in einer Gemeinschaft mit enormem Druck leben, die wenig Freiheiten lässt und ein enges Weltbild vorgibt.
Dass hinter seinem Lächeln mehr steckt als nur ein freundliches Wesen, versteht man, wenn Alexej sich nach Dienstschluss verwandelt: Er legt seinen blauen Kittel ab, zieht sich eine sportliche Stoffhose an, Turnschuhe und einen Anorak. Das ist seine Zivilkleidung; er trägt sie eigentlich nur auf dem Weg vom Krankenhaus nach Hause in eines der Wohngebiete am Rande der Zwölfmillionenstadt, die sie hier nur »Schlafbezirke« nennen. Ein Hochhausklotz neben dem anderen, unterscheidbar nur durch Nummern.
Alexej lebt bei seinen Eltern, sein Zimmer ist kaum größer als ein begehbarer Schrank. Es bietet gerade genug Platz für eine Klappcouch, einen Computertisch und das Regal mit seiner Sammlung von Wachtturm und Erwachet, geordnet nach Jahrgängen in braunen Plastikschubern. Es gibt kein Fenster, dafür hat sich Alexej den Sternenhimmel als Tapete an die Wand geklebt. Das All habe ihn schon immer fasziniert, sagt er. »Es ist großartig, wie alles geordnet ist und den höchsten Gesetzen folgt.«
Hier beginnt seine zweite Verwandlung. Alexej zieht ein weißes Hemd über, steigt in seinen dunklen Anzug und bindet sich die Krawatte. So geht er zu den Versammlungen der Zeugen Jehovas oder zum Missionieren auf der Straße. Es ist die Uniform eines höflichen Soldaten Gottes.
Eine Weile lang setzte die Rostrud Zivildienstleistende sogar auch bei der Postzustellung ein. Die Arbeit als Briefträger ist schlecht bezahlt und daher unbeliebt. Doch irgendwann dämmerte es den Beamten, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, engagierte Missionare im staatlichen Auftrag von Tür zu Tür gehen zu lassen.
Alexejs Mutter schaut herein, eine kleine Frau mit grauen Locken und Hausrock. Sie hat ein Huhn im Ofen, aber Alexej muss los, ein Treffen der Zeugen Jehovas leiten. Sie sei stolz auf ihren Sohn, sagt die Mutter. Schließlich haben sie alles gemeinsam durchgestanden; die Zeit, als Alexej sich vor der Polizei verstecken musste, die Verhandlung vor der Einberufungskommission.
Sie ist als Erste zu den Zeugen Jehovas gegangen. Damals, als die Sowjetunion sich auflöste und mit ihr die alten Werte und Sicherheiten und niemand mehr wusste, woran er sich festhalten sollte. Mit den Geschäftsleuten kamen damals auch die Missionare ins Land. Das sind die Pioniere: diejenigen, die Märkte erobern, und diejenigen, die Seelen retten wollen.
Alexej hat sich der Mutter angeschlossen. Seit seinem 14. Lebensjahr geht er zu den Versammlungen. Sein Vater und sein älterer Bruder wollen mit der Sekte nichts zu tun haben.
Die Geschichte von Alexej und dem Zivildienst dauert viel länger als die dreieinhalb Jahre, die er bald abgeleistet haben wird. Eigentlich begann sie schon, als er die Schule abschloss. Damals, 2001, stand das Recht auf Verweigerung des Kriegsdienstes aus Gründen des Gewissens oder der Religion zwar in der russischen Verfassung, die Möglichkeit des alternativen, waffenfreien Dienstes gab es aber noch nicht.
So grausam die Armee auch ist, so schwierig ist es, sich ihr zu entziehen. Denn Sadismus und Quälerei sind nur die eine Seite des menschenverachtenden Systems. Die andere ist: Geld. Militärs höherer Ränge lassen ihre Soldaten Datschen bauen, vermieten die jungen Männer an Baufirmen und streichen ihren Lohn ein. Immer wieder gibt es Berichte darüber, dass Offiziere Soldaten als Prostituierte verkaufen. So bekommt der stolze Satz über die Armee eine bittere Bedeutung: Wer nach diesem Wehrdienst heimkehrt, der ist kein Kind mehr.
Aber auch von der abschreckenden Wirkung des Armeedienstes profitieren die Militärs. Denn das ist der übliche Weg, dem Wehrdienst in Russland zu entkommen: Wer nicht in die Hölle will, der zahlt. Es ist nur eine Frage des Preises, dass ein Arzt aus einem leichten Husten ein schweres Asthma macht – und den Rekruten damit untauglich für die Armee. Wer dafür zu gesund ist, der kann sich direkt beim Einberufungsamt freikaufen. Rund 5.000 US-Dollar bezahlen Wehrpflichtige in Moskau dafür, dass sie bei der Einberufung übersehen werden oder ihre Papiere verloren gehen – illegal ist das und doch fast schon wieder offiziell. Oft sparen Familien jahrelang darauf, ihren Sohn später freikaufen zu können. Das ist eine weitere Einnahmequelle gieriger Militärs, die vom Staat nur geringe Löhne erhalten und sich so ihr eigenes, privates Wirtschaftsimperium aufgebaut haben.
In den Wehrämtern werfen sie Kriegsdienstverweigerern noch immer Steine in den Weg. Weigern sich, den Antrag auf Zivildienst anzunehmen. Oder zerreißen ihn an Ort und Stelle. Das ist das Prinzip, nach dem Korruption funktioniert: Der legale Weg wird durch Hindernisse verbaut, um den Preis für eine Abkürzung durch die Illegalität in die Höhe zu treiben.
Alexej wollte nicht zahlen, niemanden bestechen; also berief er sich auf die Verfassung. Und wurde behandelt wie ein Deserteur. Als seine Mutter eines Tages die Stufen zur Wohnung der Familie hinaufstieg, stolperte sie schon auf dem Treppenabsatz über ihre dort verteilten Schuhe. Die Polizei hatte die Tür aufgebrochen und die Wohnung durchsucht, denn die Musterungsstelle hatte angeordnet, den Verweigerer zwangsweise einzuziehen. Alexej fanden sie nicht, er hatte sich für einige Wochen bei Freunden versteckt.
Zu dieser Zeit wurde das neue Zivildienstgesetz noch in der Duma beraten. Bis es endlich in Kraft trat, machte Alexej eine Ausbildung zum Koch. Leichter wurde die Verweigerung danach trotzdem nicht. Alexej musste sich vor einer Militärkommission verteidigen. »Es war wie ein kleines Gericht«, sagt er. Laut Verfassung genügt es, seine Gründe darzulegen. Doch die Militärs interpretieren das gerne so, dass man sie beweisen muss. Aber wie beweist man seinen Glauben? Oder das, was das Gewissen einem rät?
Wochenlang hatte Alexej sich auf den Termin vorbereitet. Er hatte sich Rat von Rechtsanwälten geholt und von seiner Kirche. Bei der Anhörung hielt er die Bibel in der einen Hand und die Verfassung der Russischen Föderation in der anderen. Für einen Zeugen Jehovas ist Gott das oberste Gesetz; gleichzeitig aber soll er sich an die Gesetze des Staates halten, in dem er lebt. Begleitet wurde Alexej von seiner Mutter und einem Freund. Sie sollten bezeugen, dass er der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas angehört. Alexej zitierte aus dem Matthäus-Evangelium: »Wer das Schwert nimmt, der soll durch das Schwert umkommen.«
Zwei Dinge hatte Alexej bei den Zeugen Jehovas gelernt: Die Bibel beim Wort, jeden Satz als Gesetz zu nehmen. Und Menschen für sich zu gewinnen, auch wenn sie ihm ablehnend gegenüberstehen, das ist die tägliche Erfahrung bei seiner Mission auf der Straße. Als die Militärs merkten, dass sie ihn nicht einschüchtern konnten, versuchten sie es mit Fürsorglichkeit. »Er solle sich das gut überlegen, der Zivildienst sei so hart und lang«, erinnert sich die Mutter an die Worte des Kommissionsvorsitzenden. »Am Ende würde es ihm vielleicht noch leidtun.« Aber Alexej blieb standhaft und kam durch. Einer von 401 Erfolgreichen bei 1.800 Anträgen im Jahr 2004. Den anderen blieb nichts weiter übrig, als doch zur Armee zu gehen – oder zu bezahlen.
Der Satz mit dem Schwert muss den Offizieren bekannt vorgekommen sein. In etwas veränderter Form steht er auf jedem Denkmal, das an den Sieg der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg erinnern soll, der hier der »Große Vaterländische Krieg« heißt: »Wer mit dem Schwert zu uns kommt, wird durch das Schwert umkommen.«
Wenn Alexej zu Hause den Fernseher einschaltet, kann er die Verherrlichung der Armee auf allen Kanälen verfolgen. Die Sendungen heißen Ich diene dem Vaterland, Sondereinsatzkommando oder Schild der Heimat. Eine Soap präsentiert das Soldatenleben als eine Art Gute Zeiten, schlechte Zeiten in Uniform.
Die Armee gehört selbstverständlich zum Alltag, auch an der Universität: An jeder Hochschule gibt es eine Militärfakultät. Wer dort zusätzlich zu seinem Fach zwei Jahre lang den Kurs »Militärische Ausbildung« belegt, wird nicht mehr als gewöhnlicher Soldat eingezogen und entkommt so dem grausamen Schliff der »Großväter«. Die Kurse sind auf die Studiengänge abgestimmt; wer etwa Sprachwissenschaften studiert, wird zum Militärübersetzer ausgebildet. Waffenkunde und Manöver in den Semesterferien sind aber für alle verbindlich.
Seit einem Jahr ist die Vorbereitung auf den Kriegsdienst auch in den Schulen wieder Pflichtfach – wie schon zu Sowjetzeiten. Russland will nun wieder militärische Stärke zeigen, die Erniedrigung durch den Zerfall der Sowjetunion vergessen machen. Trost für alle, die sich tief gedemütigt fühlten von Bildern wie jenem, als der betrunkene Jelzin beim Abzug der russischen Truppen aus Berlin versuchte, die Militärkapelle zu dirigieren.
Doch die Militärreform, die die russischen Truppen effizienter machen soll, bringt auch etwas Gutes für den Zivildienst: Nicht nur die Dauer des Wehrdienstes wurde Anfang dieses Jahres auf ein Jahr halbiert, auch der Zivildienst dauert jetzt nur noch 21 Monate. Vielleicht werden sich bald einige mehr für diesen Weg entscheiden und ihn auch durchsetzen. Als in Deutschland der Ersatzdienst eingeführt wurde, dauerte es vier Jahre, bis es 1964 erstmals mehr als tausend Zivildienstleistende gab. Seitdem ist ihre Zahl stetig gewachsen. Heute sind es jedes Jahr über 80.000, denen rund 60.000 Wehrdienstleistende gegenüberstehen.
Jetzt, wo das Ende in Sicht ist, tut Alexej seine Entscheidung für den Zivildienst kein bisschen leid. Dreieinhalb Jahre hat ihn das gekostet. Aber dafür hat er nicht geschossen, nicht geflucht und auch niemanden bestochen. Das ist sein persönlicher Sieg.
ZEIT-Redakteur Julian Hans, 33, hat zwei Jahre Zivildienst in einem Altenheim in Nowosibirsk abgeleistet – und freut sich, dass nun auch russische Jugendliche eine Alternative zur Armee haben.




Ein schöner Beitrag. Einige kleine Ergänzungen zur aktuellen Reform.Die Militärfakultäten der Universitäten sollen fast überall abgeschafft werden. Diese gaben früher den Studenten die Möglichkeit dem einfachen Dienst an der Waffe zu entkommen und durch die zusätzliche Ausbildung den Offiziersrang zu erlangen. Jetzt wird es nur noch an einigen Eliteuniversitäten möglich sein. Deren Zahl vor kurzem wegen innerer Kritik verdoppelt werden musste. Die Plätze auf den Unis reichten einfach nicht für die Kinder der hohen Beamten aus. Diese werden voraussichtlich auch diese Plätze einnehmen.Außerdem wird bei der aktuellen Reform noch eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten, sich dem Wehrdienst zu entziehen, abgeschafft. Nur als Beispiel sind jetzt auch die Doktoranden wehrpflichtig.Ergänzen würde ich auch gern die Härte des Zivildienstes in Russland unterstreichen. In der Regel stehen die jungen Männer heute vor dem noch 3 jährigen Dienst in Sibirien in der Tundra oder nah am Polarkreis an. Es sind nicht einfache Arbeiten zu tun, sondern normalerweise ein 16 Stunden Tag, kaum Bezahlung. Die Behandlung ist eben die, dass man ja einen Ersatz für die Armee liefert, mit Befehlen, Erniedrigungen usw. -----------------
http://dejarus.wordpress.com
Hi @ll
Der Militärdienst in Russland ist kein Zuckerschlecken, deshalb kann es der Zivilidienst auch nicht sein.
Es geht nicht an dem einen (Wehrflicht) die maximale Dosis zu verpassen und den anderen (Zivi) in Watte zu packen.
Desweiteren ist der Dienst in der Armee in Russland nach wie vor
Ehrensache (auch die Repressalien können daran nichts ändern) und es
gibt keinen vernünftigen Grund den Zivildienst zuungunsten der
Armee zu fördern.
Gruss
Rene
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren