Kino"Ich neige nicht zu Nostalgie"

In seinem Buch "Fleisch ist mein Gemüse" erzählt Heinz Strunk sehr komisch von seiner Jugend in einer Tanzband. Jetzt kommt der Film ins Kino. Ein Interview von 

ZEIT Campus : Herr Strunk, "Fleisch ist mein Gemüse" zeigt die Achtziger in so schrillen Farben, dass einem schwindlig wird. War das Jahrzehnt wirklich so hässlich?

Heinz Strunk : Damals habe ich das nicht so wahrgenommen, ich war ja in der Ästhetik verwoben. Das Einzige, was ich immer schrecklich fand, waren diese Sakkos, die ich tragen musste, wenn ich mit der Band Tiffanys auf irgendwelchen Schützenfesten spielte. Aber Ballonkleider und Karottenhosen waren damals normal. Aus der Distanz betrachtet aber sieht man es so, wie es ist: nämlich einigermaßen abscheulich.

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ZEIT Campus : Das modische Revival der Achtziger in den letzten Jahren muss hart für Sie gewesen sein.

Strunk : Ich finde, dass allen Revivals etwas extrem Kleinbürgerliches innewohnt. Der Kleinbürger neigt ja dazu, Altes gut zu finden und der Zukunft skeptisch gegenüberzustehen. Diese ganzen Revivals also, mit Ü30- und Ü40-Partys, und allein das Wort "Kult" – das ist alles grausig.

ZEIT Campus : Der Film ist autobiografisch und erzählt Ihre eigene Jugend. Werden Sie nostalgisch, wenn Sie das sehen?

Strunk : Ich neige nicht zu Nostalgie, eher zu Sentimentalität. Maxim Mehmet, der mich spielt, den habe ich einmal in einer Drehpause nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen. Und plötzlich hatte ich das Gefühl: Das bin ja ich! Er wirkte so durchdrungen von einer ganz tiefen Melancholie und einer Verlorenheit. Das entspricht wohl auch meiner Grundbefindlichkeit. Damals.

ZEIT Campus : Sie haben trotzdem eine Komödie aus Ihrer Jugend gemacht, wenn auch eine tragische.

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    • Quelle ZEIT Campus 03/2008
    • Schlagworte Kino
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