Rechtsextremismus Eloquent, geschmeidig, belesenSeite 4/4

Muss man das alles wissen? Man sollte. Das und noch einiges mehr, auch wenn es Details sind. Im Interview mit ZEIT CAMPUS hatte Michael Schäfer ja gefordert, im Ausland lebende Familienangehörige nicht mehr kostenlos in den Krankenkassen mitzuversichern. Eine schöne Forderung für die eigene Klientel, die auch andere Wähler nicht abschreckt; es scheint ja bloß um Privilegien zu gehen, mit denen Ausländer die Deutschen übervorteilen. Allerdings sollte man wissen, dass es eine solche generelle Mitversicherung überhaupt nicht gibt.*

Natürlich werden alle diese Widersprüche die Mitglieder von JN, NPD und freien Kameradschaften nicht weiter irritieren. Wozu also sollte man das alles wissen? Wohin mit solchen Argumenten? »Man darf nicht in der Szene ansetzen, sondern bei den Leuten, die noch nicht drin sind«, sagt Julian Barlen von »Endstation rechts«.

Oder bei denen, die zwar schon drinstecken, aber noch nicht so tief. Bei Marco zum Beispiel. Auch Marco studiert, und eigentlich trägt er einen anderen Namen, aber weil er noch nicht als rechtsextrem bekannt ist, soll er anonym bleiben dürfen. Eigentlich ist er auch nicht besonders rechtsextrem, aber über die JN sagt er zögernd: »Ich habe den Eindruck, dass die hier in der Gegend die Einzigen sind, die wirklich etwas bewegen.« Marco lebt in Ostdeutschland, in einer Gegend mit wenig Arbeit, kaum Industrie und einer steten Abwanderung gen Westen. Und hier, fast auf dem Land, ist die NPD tatsächlich oft eine umtriebige Partei, die Kinderfeste organisiert, Bürgerberatung für Hartz-IV-Empfänger anbietet und sich mit solchen erst einmal unideologischen Aktionen zur netten, normalen Partei von nebenan stilisiert. Was Marco denn tatsächlich vom politischen Programm von NPD und JN hält? »Diesen beinharten Rassismus zum Beispiel finde ich nicht so gut«, sagt er. Mitglied in der JN ist er trotzdem.

Das ist wahrscheinlich das wirklich Gefährliche an eloquenten Argumentierern wie Schäfer und Gärtner. Dass sie es schaffen könnten, die NPD als eine ganz normale Partei zu verkaufen, bei deren Wahl eine härtere Gangart gegen Ausländer bloß so etwas wie ein Kollateralschaden für die Gesellschaft und die Demokratie wäre – und zwar der einzige. Sie sind flexibel genug, um ihre Politik außerhalb ihrer gut abgeschotteten Zirkel anders zu verkaufen als innerhalb, und sie wirken seriös genug, um den Ekelreflex einer breiten Öffentlichkeit einfach zu unterlaufen. Vielleicht glauben sie es ja auch selbst, wenn sie sagen, dass sie eine moderne Politik betreiben; dass sie nicht zurück- schauen, sondern nach vorn.

Zum Schluss noch einmal zurück nach Dresden. Der Gedenkmarsch ist mittlerweile zum Stehen gekommen: Abschlusskundgebung auf dem Platz zwischen Schauspielhaus und Zwinger. Es spricht Udo Pastörs, Vorsitzender der NPD-Fraktion im Schweriner Landtag. Er steht hinter einem Rednerpult auf der Ladefläche eines Lkw und bellt Tiraden heraus, in denen es meist um die »Krrriegsverrrbrrecherrr« geht, die den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Er rollt das R tatsächlich so, wie es nur ein müder Karikaturist einem Rechtsextremen in den Mund legen würde, und mehrmals pro Satz hält er kurz inne, damit die Häuser rund um den Platz das Echo seiner Stimme zurückwerfen können. »Es war ein Krieg«, predigt er, »gegen die Schöpferkraft des deutschen Volkes« – und seine Stimme kennt dabei nur eine Modulationsstufe: das Brüllen –, »gegen seinen unaufhaltsamen Aufstieg« – Pause, Echo –, »für den die Grundlagen nach 1933 gelegt wurden!« Der Platz jubelt. Später singen sie in der Dämmerung gemeinsam »Deutschland, Deutschland über alles«, bevor sie ihre Transparente einrollen und 3800 Rechtsextreme zurück in die Busse steigen, die sie wieder in der Republik verteilen.

Michael Schäfer hat die Rede gut gefallen.

* Entgegen der ursprünglichen Darstellung an dieser Stelle ist eine Mitversicherung von im Ausland lebenden Familienangehörigen unter bestimmten Umständen doch möglich. Die Bundesrepublik hat in den 60er Jahren Sozialabkommen mit der Türkei und Jugoslawien geschlossen, die eine entsprechende Mitversicherung regeln. Wir bedauern diesen Fehler.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn es so viele Rechte gäbe, wie die Zeit über sie berichtet, dann wäre die NPD bei 50% der Wählerstimmen.Dieses einfache "guckt mal, wie dumm diese ganzen Nazi-Rechten sind" funktioniert meiner Meinung nach nicht.Im Gegenteil - durch die bloße Anklage von Nicht-Linken Gesinnungen werden die Rechten Parteien nur mehr Zulauf bekommen. Etwas mehr Objektivität und weniger quanititative Berichterstattung bringen mehr. 

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    • osona
    • 18.05.2008 um 15:03 Uhr

    natürlich ist die NPD nicht bei 50 %, aber meiner Meinung nach ist jeder Nazi, einer zu viel!

    • LB
    • 18.05.2008 um 16:20 Uhr

    Sie haben meiner Ansicht nach Recht mit Ihrer Klage, dass es in diesem Land viel zu viel Berichterstattung über Rechtsextremismus gibt, der nach einfachen Schemen arbeitet und darauf vertraut, dass der Leser sich allein schon durch kurze Zitate dieser Schwachköpfe und die üblichen Beschreibungen von Gewalttaten abschrecken lässt. Aber genau dies ist doch dieser "antrainierte Ekel", der im Artikel von Herrn Schwenke angesprochen wird.Mein Eindruck ist, dass Sie den Artikel gar nicht oder nicht aufmerksam gelesen haben (nach dem Motto: "Ein weitere Predigt über Rechts" - nur überfliegen), denn gerade am Anfang beklagt der Autor eben das, was Ihnen so missfällt. Und da stimme ich Ihnen beiden zu. Das "Seht mal, wie dumm" und "Seht mal, wie hässlich"-Konzept und die Abarbeitung der ganzen Nazi-Klischees funktioniert nicht mehr. Im Gegenteil: Es ist höchst kontraproduktiv. Indem man solchen Leuten den Mund verbietet, ihre abstrusen Thesen gar nicht erst zur Disposition stellt, verschafft man ihnen und vielen Lesern/Zuschauern/Zuhörern (ich beziehe mich auch auf Berichterstattung in TV u. Radio) vielmehr den latenten, nicht immer offen ausgesprochenen Eindruck, dass sie Wahrheiten verbreiten würden, die unangenehm wären. Man gibt ihnen quasi den durchaus populären Status des "underdog".Daher finde ich den Artikel von Herrn Schwenke eigentlich sehr gut, denn er zeigt andere Seiten des Rechtsextremismus, die meiner Einschätzung nach viel bedrohlicher (und zugegebenermaßen auch faszinierender) sind, als die klischeehaften glatzköpfigen Schlägerhorden. Diese Horden gibt es zwar, aber sie sind deutlich zu erkennen, auf dem intellektuellen Feld klar unterlegen, und wenn sie straffällig werden, sind sie ein Fall für die dafür zuständigen Behörden. Sie sind daher meiner Meinung nach trotz ihrer abscheulichen Taten wesentlich ungefährlicher als die rechtsextremen Intellektuellen (ihre Zahl mag noch gering sein), von denen Herrn Schwenke schreibt. Sie repräsentieren eine Klasse von gut gebildeten, im Diskurs sehr fähigen Leuten, die in erster Linie Internetforen und Kommentarsektionen von Zeitungen fluten, aber auch an Unis und auf öffentlichen Veranstaltungen ihrer Parteien auftauchen. Ich musste selbst feststellen, wie zugänglich Menschen für bestimmte rechtsextreme Positionen sein können, wenn sie nur nicht mit tabuisierten Wörtern belegt werden, und sich in Begrifflichkeiten nur am äußeren Rand des Konservatismus (Nationalkonservative ist z.B. auch eine gern gewählte Selbstbezeichnung) bewegen. Meiner Auffassung nach, muss man nur genau hinsehen, aufmerksam lesen/zuhören, nachhaken und immer versuchen nachzuvollziehen, worauf bestimmte Stellungnahmen im Ernstfall hinauslaufen würden und es auch allen vorführen.MfG aus dem PottLB

    • osona
    • 18.05.2008 um 15:03 Uhr

    natürlich ist die NPD nicht bei 50 %, aber meiner Meinung nach ist jeder Nazi, einer zu viel!

    • LB
    • 18.05.2008 um 16:20 Uhr

    Sie haben meiner Ansicht nach Recht mit Ihrer Klage, dass es in diesem Land viel zu viel Berichterstattung über Rechtsextremismus gibt, der nach einfachen Schemen arbeitet und darauf vertraut, dass der Leser sich allein schon durch kurze Zitate dieser Schwachköpfe und die üblichen Beschreibungen von Gewalttaten abschrecken lässt. Aber genau dies ist doch dieser "antrainierte Ekel", der im Artikel von Herrn Schwenke angesprochen wird.Mein Eindruck ist, dass Sie den Artikel gar nicht oder nicht aufmerksam gelesen haben (nach dem Motto: "Ein weitere Predigt über Rechts" - nur überfliegen), denn gerade am Anfang beklagt der Autor eben das, was Ihnen so missfällt. Und da stimme ich Ihnen beiden zu. Das "Seht mal, wie dumm" und "Seht mal, wie hässlich"-Konzept und die Abarbeitung der ganzen Nazi-Klischees funktioniert nicht mehr. Im Gegenteil: Es ist höchst kontraproduktiv. Indem man solchen Leuten den Mund verbietet, ihre abstrusen Thesen gar nicht erst zur Disposition stellt, verschafft man ihnen und vielen Lesern/Zuschauern/Zuhörern (ich beziehe mich auch auf Berichterstattung in TV u. Radio) vielmehr den latenten, nicht immer offen ausgesprochenen Eindruck, dass sie Wahrheiten verbreiten würden, die unangenehm wären. Man gibt ihnen quasi den durchaus populären Status des "underdog".Daher finde ich den Artikel von Herrn Schwenke eigentlich sehr gut, denn er zeigt andere Seiten des Rechtsextremismus, die meiner Einschätzung nach viel bedrohlicher (und zugegebenermaßen auch faszinierender) sind, als die klischeehaften glatzköpfigen Schlägerhorden. Diese Horden gibt es zwar, aber sie sind deutlich zu erkennen, auf dem intellektuellen Feld klar unterlegen, und wenn sie straffällig werden, sind sie ein Fall für die dafür zuständigen Behörden. Sie sind daher meiner Meinung nach trotz ihrer abscheulichen Taten wesentlich ungefährlicher als die rechtsextremen Intellektuellen (ihre Zahl mag noch gering sein), von denen Herrn Schwenke schreibt. Sie repräsentieren eine Klasse von gut gebildeten, im Diskurs sehr fähigen Leuten, die in erster Linie Internetforen und Kommentarsektionen von Zeitungen fluten, aber auch an Unis und auf öffentlichen Veranstaltungen ihrer Parteien auftauchen. Ich musste selbst feststellen, wie zugänglich Menschen für bestimmte rechtsextreme Positionen sein können, wenn sie nur nicht mit tabuisierten Wörtern belegt werden, und sich in Begrifflichkeiten nur am äußeren Rand des Konservatismus (Nationalkonservative ist z.B. auch eine gern gewählte Selbstbezeichnung) bewegen. Meiner Auffassung nach, muss man nur genau hinsehen, aufmerksam lesen/zuhören, nachhaken und immer versuchen nachzuvollziehen, worauf bestimmte Stellungnahmen im Ernstfall hinauslaufen würden und es auch allen vorführen.MfG aus dem PottLB

    • osona
    • 18.05.2008 um 15:03 Uhr

    natürlich ist die NPD nicht bei 50 %, aber meiner Meinung nach ist jeder Nazi, einer zu viel!

    Antwort auf "und wieder einer mehr"
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    sagen Sie. Und was wollen Sie mit diesem Zuvielen machen: Vielleicht aufhängen?
     
     
     

    sagen Sie. Und was wollen Sie mit diesem Zuvielen machen: Vielleicht aufhängen?
     
     
     

  2. machen mir Parteien die überdeutlich rechts agieren, aber einen demokratischen Anstrich für sich beanspruchen, aka CDU.Im demokratischen Handschuh steckt eine eiserne Faust.Das sind die viel Gefährlicheren, die pseudofreiheitlich Agierenden.Gefahr droht aus der Ecke CDU/SPD.Die haben uns verraten und verkauft.

  3. 4. stimmt

    Stimmt - jeder Nazi ist einer zu viel.Für mich ist ein Nazi jemand, der die Greueltaten des 2. WK befürwortet (insbesondere die Judenvernichtung).Aber jemand, der einfach nicht dem Mainstream hinterherläuft und konservative Meinungen vertritt ist noch lange kein Nazi.Wenn eine Diskussion auf intellektuelleren  Ebenen als "Ausländer raus" stattfindet, dann ist das doch eher zu befürworten. Ich sehe die Gefahr in diesem Punkt nicht. Beispiel aus dem Bericht:es ging um die Mitversicherung von Familien:»Die Krankenkassen versichern die Familien von hier lebenden Ausländern
    kostenlos mit – auch wenn die im Ausland leben. Wenn man das streichen
    würde, hätte man die Kosten der letzten Gesundheitsreform schon wieder
    drin.«Das ist zumindest eine These, die auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden kann. Sollte sie stimmen, dann ist Kritik an diesem Punkt doch durchaus gerechtfertigt. Sollte sie nicht stimmen, dann ist sie eben falsch und kann schnell widerlegt werden. Aber warum darf so etwas nicht angesprochen werden? Hat ein Wähler kein Recht, solche Dinge zu erfahren, wenn es sie geben sollte? Das ist doch keine Naziansicht, sondern eine durchaus berechtigte Meinung, wie sie auch Menschen aus der CDU äußern könnten. Durch die Tabuisierung derartiger Debatten wird niemandem geholfen.Daher meine Meinung:Nazis nein, unkonventionelle Ansichten im Rahmen der geltenden Gesetze: unbedingt ja!

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    • PRO
    • 18.05.2008 um 16:43 Uhr

    Aber darum geht
    es doch der Zeit! Weg mit den unkonventionellen Ansichten!
    Sprachrohre wie die Zeit möchten erreichen, dass der Buerger sich nicht mehr
    traut sich kritisches über die Zuwanderungspolitik zu äußern. Oder gar zu behaupten, dass es ein Fehler ist bei der Zuwanderung auf den undemokratischten Kulturkreis zu setzen.
    Da gilt so langsam null Toleranz, wagt es doch jemand bekommt er den
    Nazistempel auf die Stirn. Das ist ein ganz einfaches Prinzip und bringt die
    Meisten zum schweigen und der Rest wird einfach in die rechte Stammtischecke
    gestellt und ignoriert.Das geht los bei Personen die keine Mosche neben ihrem Haus haben wollen und weiter bis zu Leuten die doch tatsächlich die Abschiebung von Intensivtätern fordern.
    Warum nimmt es erst heute so extreme Formen an und warum konnte man früher
    erwachsen mit der braunen Gefahr umgehen? Ich meine, dass
    es sehr bald knallen wird. Wie schon Helmut Schmidt sagte, wird dieses
    Jahrhundert schlimmer als das vorherige. Es braucht ja nur, dass ein hassgeleiteter einen Regionalzug in die Luft jagt und die Atmosphere wird sich ändern. Die Zeit möchte sicherlich nichts böses, es hat gute Gruende warum man immer und immer wieder auf das Volk einhämmert, dass die Zuwanderung durchweg ein Gewinn ist und alle Nebenwirkungen lediglich Einzelfälle sind. Man darf gespannt sein wie es weitergeht, wie sind Zeitzeugen^^

    • PRO
    • 18.05.2008 um 16:43 Uhr

    Aber darum geht
    es doch der Zeit! Weg mit den unkonventionellen Ansichten!
    Sprachrohre wie die Zeit möchten erreichen, dass der Buerger sich nicht mehr
    traut sich kritisches über die Zuwanderungspolitik zu äußern. Oder gar zu behaupten, dass es ein Fehler ist bei der Zuwanderung auf den undemokratischten Kulturkreis zu setzen.
    Da gilt so langsam null Toleranz, wagt es doch jemand bekommt er den
    Nazistempel auf die Stirn. Das ist ein ganz einfaches Prinzip und bringt die
    Meisten zum schweigen und der Rest wird einfach in die rechte Stammtischecke
    gestellt und ignoriert.Das geht los bei Personen die keine Mosche neben ihrem Haus haben wollen und weiter bis zu Leuten die doch tatsächlich die Abschiebung von Intensivtätern fordern.
    Warum nimmt es erst heute so extreme Formen an und warum konnte man früher
    erwachsen mit der braunen Gefahr umgehen? Ich meine, dass
    es sehr bald knallen wird. Wie schon Helmut Schmidt sagte, wird dieses
    Jahrhundert schlimmer als das vorherige. Es braucht ja nur, dass ein hassgeleiteter einen Regionalzug in die Luft jagt und die Atmosphere wird sich ändern. Die Zeit möchte sicherlich nichts böses, es hat gute Gruende warum man immer und immer wieder auf das Volk einhämmert, dass die Zuwanderung durchweg ein Gewinn ist und alle Nebenwirkungen lediglich Einzelfälle sind. Man darf gespannt sein wie es weitergeht, wie sind Zeitzeugen^^

  4. Was dieser Rechte dort im Bericht behauptet, stimmt sogar - zumindest teilweise (es gibt ein derartiges Abkommen). Ob seine Schlussfolgerung stimmt, müsste nachgeprüft werden.Nachzulesen in folgender Quelle unter Frage 42 auf PDF Seite 53 von 60:http://dip.bundestag.de/b...Das kann man wirklich kritisieren!

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    • Manu84
    • 18.05.2008 um 16:25 Uhr

    Ja, das stimmt. Aber leider wird nciht gesagt, wer denn nun eigentlich mit "Familienangehörigen" gemeint ist. Wenn das wirklich nur die Kernfamilie ist, also Ehepartner und Kinder, ist diese Regelung doch nciht zu verurteilen; schliesslich sind deutsche Familien ebenfalls mitversichert. Auch ich habe in Lich (Hessen) im vergangenen Landtagswahlkampf Erfahrungen mit den Argumentationen der Rechten sammeln dürfen. An einem kleinen Stand auf dem Marktplatz prangerte ein Parteimitglied an, dass die Uno, die die Siegermächte des 2. Weltkrieges repräsentiere (!), noch keinen Friedensvertrag mit Deutschland geschlossen habe (!!!!!). Und die anwesenden Zuhörer waren recht überzeugt von dieser Darstellung und sahen die Annahme bestätigt, dass Deutschland immer noch ein internationaler Paria sei. Die komplette Aussage war selbstverständlich vollkommener Unfug, der aber nur mit spezifischem Fachwissen zu widerlegen ist. Und deshalb haben sie auch Erfolg damit.

    • Manu84
    • 18.05.2008 um 16:25 Uhr

    Ja, das stimmt. Aber leider wird nciht gesagt, wer denn nun eigentlich mit "Familienangehörigen" gemeint ist. Wenn das wirklich nur die Kernfamilie ist, also Ehepartner und Kinder, ist diese Regelung doch nciht zu verurteilen; schliesslich sind deutsche Familien ebenfalls mitversichert. Auch ich habe in Lich (Hessen) im vergangenen Landtagswahlkampf Erfahrungen mit den Argumentationen der Rechten sammeln dürfen. An einem kleinen Stand auf dem Marktplatz prangerte ein Parteimitglied an, dass die Uno, die die Siegermächte des 2. Weltkrieges repräsentiere (!), noch keinen Friedensvertrag mit Deutschland geschlossen habe (!!!!!). Und die anwesenden Zuhörer waren recht überzeugt von dieser Darstellung und sahen die Annahme bestätigt, dass Deutschland immer noch ein internationaler Paria sei. Die komplette Aussage war selbstverständlich vollkommener Unfug, der aber nur mit spezifischem Fachwissen zu widerlegen ist. Und deshalb haben sie auch Erfolg damit.

    • LB
    • 18.05.2008 um 16:20 Uhr

    Sie haben meiner Ansicht nach Recht mit Ihrer Klage, dass es in diesem Land viel zu viel Berichterstattung über Rechtsextremismus gibt, der nach einfachen Schemen arbeitet und darauf vertraut, dass der Leser sich allein schon durch kurze Zitate dieser Schwachköpfe und die üblichen Beschreibungen von Gewalttaten abschrecken lässt. Aber genau dies ist doch dieser "antrainierte Ekel", der im Artikel von Herrn Schwenke angesprochen wird.Mein Eindruck ist, dass Sie den Artikel gar nicht oder nicht aufmerksam gelesen haben (nach dem Motto: "Ein weitere Predigt über Rechts" - nur überfliegen), denn gerade am Anfang beklagt der Autor eben das, was Ihnen so missfällt. Und da stimme ich Ihnen beiden zu. Das "Seht mal, wie dumm" und "Seht mal, wie hässlich"-Konzept und die Abarbeitung der ganzen Nazi-Klischees funktioniert nicht mehr. Im Gegenteil: Es ist höchst kontraproduktiv. Indem man solchen Leuten den Mund verbietet, ihre abstrusen Thesen gar nicht erst zur Disposition stellt, verschafft man ihnen und vielen Lesern/Zuschauern/Zuhörern (ich beziehe mich auch auf Berichterstattung in TV u. Radio) vielmehr den latenten, nicht immer offen ausgesprochenen Eindruck, dass sie Wahrheiten verbreiten würden, die unangenehm wären. Man gibt ihnen quasi den durchaus populären Status des "underdog".Daher finde ich den Artikel von Herrn Schwenke eigentlich sehr gut, denn er zeigt andere Seiten des Rechtsextremismus, die meiner Einschätzung nach viel bedrohlicher (und zugegebenermaßen auch faszinierender) sind, als die klischeehaften glatzköpfigen Schlägerhorden. Diese Horden gibt es zwar, aber sie sind deutlich zu erkennen, auf dem intellektuellen Feld klar unterlegen, und wenn sie straffällig werden, sind sie ein Fall für die dafür zuständigen Behörden. Sie sind daher meiner Meinung nach trotz ihrer abscheulichen Taten wesentlich ungefährlicher als die rechtsextremen Intellektuellen (ihre Zahl mag noch gering sein), von denen Herrn Schwenke schreibt. Sie repräsentieren eine Klasse von gut gebildeten, im Diskurs sehr fähigen Leuten, die in erster Linie Internetforen und Kommentarsektionen von Zeitungen fluten, aber auch an Unis und auf öffentlichen Veranstaltungen ihrer Parteien auftauchen. Ich musste selbst feststellen, wie zugänglich Menschen für bestimmte rechtsextreme Positionen sein können, wenn sie nur nicht mit tabuisierten Wörtern belegt werden, und sich in Begrifflichkeiten nur am äußeren Rand des Konservatismus (Nationalkonservative ist z.B. auch eine gern gewählte Selbstbezeichnung) bewegen. Meiner Auffassung nach, muss man nur genau hinsehen, aufmerksam lesen/zuhören, nachhaken und immer versuchen nachzuvollziehen, worauf bestimmte Stellungnahmen im Ernstfall hinauslaufen würden und es auch allen vorführen.MfG aus dem PottLB

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    • T810
    • 19.05.2008 um 1:46 Uhr

    Formulieren Sie die Zielsetzungen der neuen deutschen Rechten weniger brutal, kommen sie tatsächlich zu dem Schluss, dass rechtes Gedankengut schon lange in sehr großen Teilen der Bevölkerung etabliert ist. (Siehe ALLBUS 2004, 2006) In wissenschaftlichen Studien wurden programmatische Teile rechtsextremer Parteien in ganz normale Fragestellungen verpackt. -Und siehe da, die gefühlte "Überfremdung" wird ganz klar formuliert.
    Die mediale Verblödung hat den deutschen Michel wieder voll im Griff. Billige Schlagzeilen in billigen redaktionellen Tiefflügen haben den gesunden Menschenverstand zum willfährigen Weiterträger asozialen Gedankengutes gemacht. Die Mischung aus Pseudowissen über die tatsächliche Gefahr des Nationalsozialismus und dem Desinteresse an einer offenen Diskussion, gepaart mit dem Unmut beim eingeschränkten täglichen Konsum wird zu einem Gift für das gesunde Urteilsvermögen. Ist das nun so koordiniert gewollt, oder ist der Konsument der Medien tatsächlich und ganz bewusst auf diesem Niveau gedrillt worden. ?
    Fakt ist, das es keine neuere öffentliche Auseinandersetzung über dieses Thema gibt. Statt dessen werden wir mit uralten Fakten überhäuft und, wie nicht anders zu erwarten, relativ resistent dazu. Statt dessen tut sich nun gerade in der Altergruppe der 15 bis 25-jährigen ein großes schwarzes Loch auf. -Und genau das wird nicht mit demokratischen Grundsätzen gefüllt. Die Versäumnisse werden wider guten Wissens als Geschichtswissen in der Schule mit Noten garniert. Eine Auseinandersetzung findet aber weder auf der Grundlage der Schulbildung statt, noch hat irgend jemand an einer ständigen Aufarbeitung aktueller politischer Problemfälle ein Interesse.
    Das ist praktizierte Frankfurter Schule zelebriert von Alt-68-ern. Schade nur, dass das alles über ein Steuersystem finanziert wird, welches eigentlich ein anderes, besseres Ziel haben sollte.

    • T810
    • 19.05.2008 um 1:46 Uhr

    Formulieren Sie die Zielsetzungen der neuen deutschen Rechten weniger brutal, kommen sie tatsächlich zu dem Schluss, dass rechtes Gedankengut schon lange in sehr großen Teilen der Bevölkerung etabliert ist. (Siehe ALLBUS 2004, 2006) In wissenschaftlichen Studien wurden programmatische Teile rechtsextremer Parteien in ganz normale Fragestellungen verpackt. -Und siehe da, die gefühlte "Überfremdung" wird ganz klar formuliert.
    Die mediale Verblödung hat den deutschen Michel wieder voll im Griff. Billige Schlagzeilen in billigen redaktionellen Tiefflügen haben den gesunden Menschenverstand zum willfährigen Weiterträger asozialen Gedankengutes gemacht. Die Mischung aus Pseudowissen über die tatsächliche Gefahr des Nationalsozialismus und dem Desinteresse an einer offenen Diskussion, gepaart mit dem Unmut beim eingeschränkten täglichen Konsum wird zu einem Gift für das gesunde Urteilsvermögen. Ist das nun so koordiniert gewollt, oder ist der Konsument der Medien tatsächlich und ganz bewusst auf diesem Niveau gedrillt worden. ?
    Fakt ist, das es keine neuere öffentliche Auseinandersetzung über dieses Thema gibt. Statt dessen werden wir mit uralten Fakten überhäuft und, wie nicht anders zu erwarten, relativ resistent dazu. Statt dessen tut sich nun gerade in der Altergruppe der 15 bis 25-jährigen ein großes schwarzes Loch auf. -Und genau das wird nicht mit demokratischen Grundsätzen gefüllt. Die Versäumnisse werden wider guten Wissens als Geschichtswissen in der Schule mit Noten garniert. Eine Auseinandersetzung findet aber weder auf der Grundlage der Schulbildung statt, noch hat irgend jemand an einer ständigen Aufarbeitung aktueller politischer Problemfälle ein Interesse.
    Das ist praktizierte Frankfurter Schule zelebriert von Alt-68-ern. Schade nur, dass das alles über ein Steuersystem finanziert wird, welches eigentlich ein anderes, besseres Ziel haben sollte.

    • Manu84
    • 18.05.2008 um 16:25 Uhr

    Ja, das stimmt. Aber leider wird nciht gesagt, wer denn nun eigentlich mit "Familienangehörigen" gemeint ist. Wenn das wirklich nur die Kernfamilie ist, also Ehepartner und Kinder, ist diese Regelung doch nciht zu verurteilen; schliesslich sind deutsche Familien ebenfalls mitversichert. Auch ich habe in Lich (Hessen) im vergangenen Landtagswahlkampf Erfahrungen mit den Argumentationen der Rechten sammeln dürfen. An einem kleinen Stand auf dem Marktplatz prangerte ein Parteimitglied an, dass die Uno, die die Siegermächte des 2. Weltkrieges repräsentiere (!), noch keinen Friedensvertrag mit Deutschland geschlossen habe (!!!!!). Und die anwesenden Zuhörer waren recht überzeugt von dieser Darstellung und sahen die Annahme bestätigt, dass Deutschland immer noch ein internationaler Paria sei. Die komplette Aussage war selbstverständlich vollkommener Unfug, der aber nur mit spezifischem Fachwissen zu widerlegen ist. Und deshalb haben sie auch Erfolg damit.

    Antwort auf "es stimmt sogar"
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    zum 1. Abschnitt:darüber kann man verschiedene Ansichten haben. Ich denke, wenn ein türkischer  Familienangehöriger permanent in der Türkei lebt ist es eher Sache der Türkei, sich darum zu kümmern. Warum sollte D zahlen, wenn der Angehörige nichts mit D zu tun hat?zum 2. Abschnitt:das ist in der Tat dummes Zeug.

    Nach anderen Presseberichten (WamS) schliesst "Familienangehörige" auch Eltern mit ein.siehe auch:http://www.welt.de/print-...

    zum 1. Abschnitt:darüber kann man verschiedene Ansichten haben. Ich denke, wenn ein türkischer  Familienangehöriger permanent in der Türkei lebt ist es eher Sache der Türkei, sich darum zu kümmern. Warum sollte D zahlen, wenn der Angehörige nichts mit D zu tun hat?zum 2. Abschnitt:das ist in der Tat dummes Zeug.

    Nach anderen Presseberichten (WamS) schliesst "Familienangehörige" auch Eltern mit ein.siehe auch:http://www.welt.de/print-...

  5. 8. ...

    zum 1. Abschnitt:darüber kann man verschiedene Ansichten haben. Ich denke, wenn ein türkischer  Familienangehöriger permanent in der Türkei lebt ist es eher Sache der Türkei, sich darum zu kümmern. Warum sollte D zahlen, wenn der Angehörige nichts mit D zu tun hat?zum 2. Abschnitt:das ist in der Tat dummes Zeug.

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