ZEIT Campus: Mr. Sennett, haben Sie eine Déformation professionelle?

Richard Sennett: Ich hoffe nicht!

ZEIT Campus: Hinter dem Begriff verbirgt sich die weit verbreitete Idee, dass der Beruf auch das Verhalten im Privatleben beeinflusst: Psychologen, die zwanghaft ihre Mitmenschen analysieren; Polizisten, die überall nur das Verbrechen sehen. Sie sind einer der bedeutendsten Soziologen der Welt – da können Sie dem doch gar nicht entkommen.

Sennett: Soziologie ist heute eine solche Datenwissenschaft, dass man der Déformation professionellerecht gut entgehen kann.

ZEIT Campus: In Ihrem Buch "Der flexible Mensch" haben Sie selbst die These aufgestellt, dass Arbeit den Charakter eines Menschen beeinflusst. Nicht nur im Positiven.

Sennett: Tut sie das?

ZEIT Campus: Das ist die Frage.