"Gott ist mein Vorbild"
Willemsen: Da muss ich passen. Mich wundert auch der Ausdruck Pornografie, den sie selbst dafür verwendet. Für mich ist es keine Pornografie.
ZEIT Campus: Sie haben selbst mal eine Pornodarstellerin interviewt. Was wollten Sie wissen?
Willemsen: Alles: Wie sich der Orgasmus einer Frau anfühlt. Wie es ist, als Pornodarstellerin in den Mann verliebt zu sein, mit dem man dreht. Ob die Pornodarstellerin wirklich im Kopf ihren Einkaufszettel schreibt, während sie von hinten durchbohrt wird. Das führte dazu, dass das Interview in der Schweiz gedruckt wurde, ein deutsches Magazin aber abwinkte: Wie man sich denn dafür interessieren könnte. Ich meine: Dafür interessiert sich jeder!
ZEIT Campus: Ein schwieriges Interview?
Willemsen: Ja, weil es mich als Interviewer auch an einer weichen Stelle trifft. Die Frau weiß alles über Sex, was ich nicht weiß. Da fühle ich mich als Konfirmand.
ZEIT Campus: Sie werden gerne als Vorzeigeintellektueller beschrieben. Wovon haben Sie grundsätzlich keine Ahnung?
Willemsen: In Mathe und Naturwissenschaften bin ich ein hoffnungsloser Fall. Ich bin nicht umsonst zweimal in der Schule hängen geblieben.
ZEIT Campus: Ist das nicht der wohlfeile Snobismus des Geisteswissenschaftlers: Man sagt, man hatte in Mathe eine Fünf, und alle applaudieren?
Willemsen: Das kommt vor, aber eigentlich gibt es da nichts zu applaudieren.
ZEIT Campus: Der Physiker und Schriftsteller C. P. Snow klagt: »Jeder zählt Shakespeare zur Bildung, aber nicht den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.«
Willemsen: Stimmt, aber: Man kann die Welt durch ein Sonett von Shakespeare auf expansivere Weise erfahren als durch den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.
ZEIT Campus: Sie haben schon als Kind Samuel Beckett gelesen. Wann haben Sie gemerkt, dass es eine Welt außerhalb von Büchern gibt?
Willemsen: Das klingt auch wieder komisch, aber ich hatte ziemlich früh all das, was wirklich alle haben sollten: Ich habe gekifft, Alkohol getrunken, politische Parolen an Häuserwände gesprüht…
ZEIT Campus: Aber Sie haben Ihr Studium in der Stadt begonnen, in der Sie auch aufwuchsen: Bonn. Das klingt nach piefiger Bundeshauptstadt.
Willemsen: Ganz und gar nicht. Wir haben damals Feste in den Bunkern auf der Hardthöhe gefeiert, waren oft im Maddox, das war so eine halbe Unterwelt-Disco, und im Bordell…
ZEIT Campus: Sie waren als Jugendlicher im Bordell?
Willemsen: Um zu gaffen. In diesem Labyrinth des Bordells, das weiß gekachelt war, saßen die Frauen wie Pasteten auf ihren Betten. Und was ich damals anziehend und beängstigend zugleich fand, war ihr Flüstern: »Komm, gehste mit? Komm, gehste mit?« Diesen Flüsterton höre ich heute noch, der hat immer noch Wallung für mich.
ZEIT Campus: Als Sie in Bonn studierten, arbeiteten Sie nebenher als Nachtwächter – etwa bei der FDP.
Willemsen: Das ist schon fast eine Tautologie: Was gibt es bei der FDP anderes als Nachtwächter?
ZEIT Campus: Sehr intellektuell: Sie reden über Ihren Nebenjob und spielen dabei auf das urliberale Prinzip des Nachtwächterstaates an. Was haben Sie damals über Politik gelernt?
- Datum 3.12.2008 - 18:58 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus 04/2008
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Irgendwie ticke ich da anders, als die "Promis" - nicht, daß ich mich meiner ersten stümperhaften sexuellen Versuche schämen würde - allerdings verspüre ich auch kein übermäßiges Bedürfnis, meine Haut derart zu Markte zu tragen und einem Millionenpublikum über Details meiner ersten Ejakulation zu informieren...
Trotzdem Respekt vor seiner Offenheit - schönes Interview, das da im Sommerloch rumstochert - und mit definitiv hohem Unterhaltungswert!
Zur ernsten Überschrift dieses schönen, humorvollen Interviews:
Ich halte mich da lieber an die "Meister" als Vorbilder - also Jesus, Buddha und deren Kollegen...
Gott als Vorbild impliziert schließlich ein Gottesbild - da komme ich -ähm -nicht ganz ran - so sehr ich mich auch strecke, deshalb versuche ich es erst gar nicht - auch ohne, daß es mir eine Religion verbieten müßte...
Und HerrWillemsen ist doch Katholik, soweit ich weiß?
Wie war das noch bei denen mit dem Bilde Gottes ?
1) (AT)Wir sind nach seinem Ebenbilde geschaffen. Aye.
2) (AT)Wir sollen uns kein Bild vom ihm machen. Aye.
3) (NT)Nur durch den Meister gelangen wir zu Ihm zurück. Aye.
Also sollte der Meister unser Vorbild sein - und nicht der Alte der Tage, den wir nicht erkennen können?!
Möge jeder nach seiner Fasson selig werden
- auch ein Alter, aber ein anderer
Hah, der Willemsen... ich lach mich krumm und schief...hehehe.
dass laufend Leuten applaudiert wird, die keine Ahnung von Mathematik, Naturwissenschaften und dem Islam haben. Diesen halbgebildeten Geistes-"Wissenschaftlern" dürfen wir uns gar keinen Falls anvertrauen, sie führen uns an den Abgrund.
Leider hat diese Spezies auch in der Politik das Sagen.
Falls mein Kurzzeitgedächtnis einigermaßen funktioniert, war in dem Interview vom Islam mit keinem Wort die Rede. Schade eigentlich, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass Herr Willemsen Ihnen zu diesem Thema einiges Erhellende zu sagen hätte.Abgesehen davon: Glückwunsch, Roger, das ist mit Abstand das Witzigste, was ich je von Ihnen gelesen habe. Viel besser als die Deutschlandreise. Vielleicht wäre Standup Comedian ja noch eine Karrieremöglichkeit.v.
...Spezies ist aber nur voruebergehend. Es weisst vieles darauf hin dass die Nachfolger ein sehr viel pragmatischeres Verhaeltniss zu vielen Dingen haben (Atomkraft, Einwanderung etc.). Also Kopf hoch!!
Gruss
Hannes
Falls mein Kurzzeitgedächtnis einigermaßen funktioniert, war in dem Interview vom Islam mit keinem Wort die Rede. Schade eigentlich, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass Herr Willemsen Ihnen zu diesem Thema einiges Erhellende zu sagen hätte.Abgesehen davon: Glückwunsch, Roger, das ist mit Abstand das Witzigste, was ich je von Ihnen gelesen habe. Viel besser als die Deutschlandreise. Vielleicht wäre Standup Comedian ja noch eine Karrieremöglichkeit.v.
Unter Garantie wird Herr Willemsen in den nächsten Wochen, ob seiner phänomenalen Selbstauskünfte, ein gern gesehener Interview-Partner in Talk-Runden und Print- Magazinen sein. Klappern gehört zum Handwerk. Die "Informationen" und Ansichten zu den hier gestellten Fragen verbreitet der Interviewte seit Jahr und Tag, immer ein wenig abgewandelt. - Liegt es eventuell daran, dass Herr Willemsen dann, wenn er ironisch ernst, sachlich und kritisch wird, -er kann es-, von den Publikumsmedien nicht gerade geschätzt wird? - Dazu wurden jedoch keine Fragen gestellt.Der Ausweg. Werde irgendwie pseudopersönlich, spiele den Intellektuellen und gib´ den Affen ein Stück Zucker. GrüßeChristoph Leusch
Rhetorik, gepaart mit prononcierter Meinung, sind heute im Medienzeitalter beinahe unschlagbar. Da spielt die vollkommene Entkleidung einer Integral-Rechnung nur noch eine winzige Marginal-Rolle.
Lasst uns quatschen! Über Feuchtgebiete. Über Trockenbeerauslese. Und über das Leben als solches. Aber rechnet nicht damit, dass 3x3 gleich neun ist. Nine!
Drei mal drei macht sechs, widewidewitt, und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide-wie sie mir gefällt.Auch mein großes Vorbild ist Gott ;-)
Je länger man nachdenkt, desto konfuser wird einer. "Grosses Vorbild", dann "Gott" noch dazu. Keiner hat die allergeringste Idee, was "Gott" bedeuten soll, auch nicht Herr Ratzinger. Und wie ein total unerkennbarer Begriff (=Gott) ein "Vorbild" sein soll, kann man nur super-ironisch verstehen. Eins ist klar: keiner will auf "ewig" (was immer "ewig" heissen sollte?) in einem r.k. Himmel (vielleicht mit Herrn Ratzinger anwesend?) herumsitzen, mit den allerfeinen Auserwälten des Jesus himmlische Hallelujas anstimmen. Wenn ein "Gott" solchen dissonanten Katzenjammer täglich anhören könnte u. dass schon seit Jahrtausenden, länger sogar, müsste Er wirklich recht apart sein, d.h., keinen einzigen Gen von banaler Mensch- o. Tierlichkeit. Alle Auserwählte singen seine selbstkomponierten Hallelujas (Ihn) zu ehren u. Ihm, Gott, gefällt's! Welch ein Vorbild.
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