Unternehmensberater Die Kehrseite der GoldmedailleSeite 3/3
Jetzt arbeite ich an meiner Promotion. Ich hätte es einfacher haben können, hätte an dem Promotionsprogramm teilnehmen können, das mir die Beratung angeboten hat, um mich zu halten. Das Stipendium, mit dem ich meine Doktorarbeit jetzt finanziere, ist lange nicht so hoch dotiert – aber dafür bin ich frei.
Neben der Promotion gebe ich derzeit ein Seminar an der Universität, in dem einige Studenten sitzen, die von dem Beruf träumen, den ich aufgegeben habe. Ich glaube, viele von ihnen unterschätzen, wie sehr die Arbeit dort schon nach kurzer Zeit schlaucht. Bloß weil sie ein paar Wochen Praktikum in der Branche gemacht haben oder als Werkstudenten bei einer großen Beratung arbeiten, glauben sie, sie würden den Berufsalltag kennen. Doch solche kurzen Einblicke können das wirkliche Beraterleben bestimmt nicht simulieren. Wahrscheinlich würden es mehr als die Hälfte von denen nicht länger als einen Monat im Beruf aushalten.
Natürlich verstehe ich ihre Begeisterung auch. In meiner Zeit als Berater habe ich extrem viel gelernt, und ich denke, dass jemandem, der andere Prioritäten und mehr Kondition hat als ich, der Beruf auch länger großen Spaß machen kann. Er kann damit in einer Welt vorankommen, in der ich nicht mehr vorankommen werde.
Für mich persönlich weiß ich jedoch jetzt: Unternehmensberatung, das ist ein eigener Lebensstil, für den man sehr viel aufgeben muss. Und deshalb ist er nicht der meinige.
Protokoll: Tina Rohowski.
- Datum 14.10.2008 - 18:23 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus 05/2008
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Man hätte natürlich auch eine Sekretärin einstellen können, die das Tabellen tippen und den anderen Kleinkram macht...
Chef kommt von "delegieren", nicht von "selber machen".
... und wer kann sich den schon leisten?
... und wer kann sich den schon leisten?
ich möchte dem Mann nicht Angst machen, aber er sollte nach seiner Promotion nicht zu viel erwarten. Durch seinen bisherigen Lebenslauf, incl. Doktotitel, hat er sich in eine Situation hineingearbeitet, in der für ihn auf Dauer nur die die mittlere bis obere Managementebene in Frage kommt. Für einfache Sachbearbeitertätigkeiten wird er mit Sicherheit als überqualifiziert gelten.
Er wird vermutlich feststellen, dass auch bei dauerhaften Beschäftigungen in einer Firma nach einem vollem Arbeitspensum das Beste vom Tag rum ist. Mit zunehmenden Alter, spätestens ab Anfang 30, kommt meistens auch ein dauerhaft größeres Schlafbedürfnis hinzu. Freie Tage gehen dann zumeist für Arztbesuche, Behördengänge u.ä. drauf. Hinzu kommt noch, dass man dann in vielen Fällen kein Hotel mehr in der Nähe des Einsatzortes hat, sondern noch mehr oder weniger Zeit zum Pendeln benötigt.
Vermutlich kann jeder Vollzeitbeschäftigte diese recht profanen Erfahrungen bestätigen. So sieht das Arbeitsleben nunmal aus. Das Ganze allerdings wesentlich schlechter bezahlt als in der Beratungsbranche.
Im übrigen wird er erleben, dass es in London oder Hamburg genau solche Gewerbegebiete gibt, wie in Niedersachsen.
... und wer kann sich den schon leisten?
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(Anmerkung: Vielen Dank für Ihren Hinweis, der Fehler ist korrigiert. Die Redaktion/jk)
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