Martin LutherFleißiger Revoluzzer

Ursprünglich sollte der Reformator Jura studieren. Stattdessen wurde er Theologe und sprengte die katholische Kirche. Was wäre heute aus ihm geworden? Eine Spurensuche von 

Seit die neue Universität Erfurt im Jahr 1999 ihren Lehrbetrieb aufnahm, wirbt man dort gerne mit dem berühmtesten aller Studenten, mit Martin Luther. Die erste Erfurter Universität war 1816 von der preußischen Regierung geschlossen worden, nach einer, wie man heute sagen würde, gründlichen Evaluierung und wegen erwiesener Reformunfähigkeit.

"In Erfurt ist gut studieren", soll der spätere Reformator gesagt haben. Die Frage ist nur, ob erstens Luther so auch über die heutige Universität und Stadt Erfurt reden würde und ob zweitens die heutigen Studenten so reden würden, wenn sie nach der Art studieren müssten, die seinerzeit Luthers Lob ausgelöst hatte.

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Als "Martinus ludher ex mansfelt" sich im Frühjahr 1501 zum Studium an der Philosophischen Fakultät in Erfurt einschrieb, legte er damit nicht nur seine erste urkundliche Spur, sondern er trat damit zugleich in eine der Erfurter Bursen ein; das waren Konvikte, in etwa den Colleges der alten englischen Universitäten vergleichbar. Und dort herrschte strenge Disziplin.

Das Leben war spartanisch. Aufgestanden wurde um 4 Uhr in der Frühe, um 6 Uhr begannen die Übungen, dann folgten die Vorlesungen, um 10 Uhr das Frühstück, danach wurden bis 17 Uhr wieder Vorlesungen und Übungen gehalten. Um 20 Uhr ging man zu Bett – nix Party oder dergleichen. Sehr unwahrscheinlich, dass die heutigen Studenten, von denen nicht wenige auch in Erfurt mitten in der Lehrveranstaltung ihren Kopf auf den Tisch packen und pennen (es sei denn, der Dozent verböte ihnen dies in einem Anflug des Mutes zur ausgeübten Autorität), einer solchen Arbeitsdisziplin gewachsen wären.

Wer am Bologna-Prozess gerade die Verschulung der BA-Phase schätzen sollte, müsste jubeln, wenn er sich Luthers Studienbedingungen vor Augen führte. In drei Semestern zum Baccalaureus-Examen! Grammatik, Logik, Rhetorik, Philosophie – das wurde bis dahin gepaukt, um sozusagen die Studierfähigkeit zu sichern. Heute sollte derlei mit dem Abitur nachgewiesen sein. Sollte!

Und natürlich wurde das Studium ganz und gar in lateinischer Sprache betrieben. Die heutige Erfurter Uni wollte eine bilinguale Universität sein. Aber eine nennenswerte Zahl auf Englisch abgehaltener Lehrveranstaltungen oder des Englischen studienfördernd mächtiger Studenten (und Dozenten?) sucht man auf dem Campus vergebens. Im ausgehenden Mittelalter waren alle Universitäten Europas obligatorisch bilingual. Heute kann kaum noch jemand ernsthaft Latein, und eine gemeinsame moderne Fremdsprachengewandtheit darf man auch nicht als gesichert voraussetzen.

Unser Kommilitone Luther würde also, an die heutige (Erfurter) Universität versetzt, in jeder Hinsicht auffallen, und zwar nicht nur wegen exzellenten Beherrschens des Lernstoffes und seiner Arbeitsdisziplin. Zu seiner Zeit hingegen fiel er wegen anderer Dimensionen seiner Existenz auf. Wäre er nur ein kompetenter Student geblieben, kaum jemand würde heute noch von ihm reden. Obwohl er gründlich beherrschte, was er gelehrt wurde, liegt seine Besonderheit in einem Paradox: Er sprengte mit einer gewaltigen Impulsivität einerseits die engen Fesseln des Wissens und Denkens seiner Zeit – bediente sich dazu aber andererseits bewusst und sorgfältig (und lebenslang) all der Instrumente, die ihm jenes eng ausgestattete und regulierte Gebäude geboten hatte, nicht zuletzt: Grammatik, Logik, Rhetorik, Philosophie.

Leserkommentare
  1. - nicht ganz, sondern auf die stereotype Ermahnung des Moderators pt. - in einer jahrhundertealten Traditition von Verleumdungen und Hasspredigten des niederen Klerus, die prägend wirkten und so später eine entscheidende Grundlage für den Mord an den Juden durch die Nationalsozialisten bildeten.

    Petra_H hat in ihrem Kommentar diesen Zusammenhang noch einmal klar herausgearbeitet, wie nämlich gerade das Beispiel Luthers viele seiner Anhänger empfänglich für die grausame Ideologie des dritten Reichs gemacht hat.

    Er war es z.B., der die Talmudexegese durch Rabbiner mit der genauen Inspektion einer Sau - "guckt der Sau unter dem Bürzel in den Talmud hinein" - verglich, ein Vergleich, der an Widerlichkeit kaum zu übertreffen ist und heute noch entsetzt - und der typisch für den religiösen Antisemitismus ist, ohne den aber die Nazibarbarei undenkbar ist.

    Vor diesem Hintergrund ist Ihr Hinweis, Pt., "bitte vermeiden Sie NS-Vergleiche" in seiner Undifferenziertheit eine bodenlose Unverschämtheit.

    Es geht nicht an, dass in Sonntagsreden der Politiker ein "Nie wieder" beschworen wird, auf der anderen Seite aber von Leuten wie Ihnen eine Art Tabu errichtet wird, das jede inhaltliche Auseinandersetzung verhindert - nach dem Motto etwa: Über Nationalsozialismus redet man nicht.

    Wie würden Sie denn einem Antisemiten, der sich auf Luther beriefe, begegnen wollen?

    Etwa mit "psst!"?

    Antwort auf "Verharmlosung"
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    • HMRothe
    • 16. September 2008 17:40 Uhr

    sehr selektiv und wahrscheinlich von Beweggründen gespeist, über die ich nicht spekulieren möchte. Wie sonst wäre zu erklären, dass Sie das ganze für die Frühphase der Reformation so entscheidende Kapitel Reuchlin (Übersetzer der hebräischen Bibel, der Luther und Hutten nahestand) glatt ausblenden? Hoffen Sie darauf, dass der deutsche Geschichtsunterricht schon degeneriert genug ist, dass keiner mehr von den Diskussionen um die Dunkelmännerbriefe weiß und wer darin welche Rolle spielte?

    • Colon
    • 16. September 2008 13:56 Uhr

    Liebe Mitkommentatoren und Leser,

    Dem Herrn Honorarius Leicht geht es doch überhaupt nicht um Luther. Von ihm, dem Reformator und eher halb gewalkten Revoluzzer, zeichnet uns der ZEIT- Altkorrespondent ein Eigenbild.

    Vielleicht glaubte sich der fleißige Journalist in seiner Jugend einmal auf den Spuren des jungen Mannes Luther. Nun aber, ist sein Blick auf den reformierten Augustinereremiten durchsetzt von Kritik an der heutigen Universität, hauptsächlich an den Studenten, aber auch an deren bestallten Lehrern und den universitären Gremien. - Ein Klagelied, das zu allen Zeiten angestimmt wurde. Jeder, der sich ein wenig mit der Geschichte der europäischen Universität beschäftigt, kann es bestätigen. Ein Klagelied, das vor allem ungerecht ist, weil die Erfurter Universität zur Zeit Luthers weder von der allgemeinen Grundhaltung zu Forschung und Lehre, noch von der Betrachtung der Lehrinhalte, noch im Hinblick auf die Studentenschaft, viele Gemeinsamkeiten mit der heutigen Universität aufwies. Mitnichten war sie ein Universum des Wissens.

    Was uns so recht in Herrn Leichts Beitrag aufscheint, das ist die spezielle Art einer um sich greifenden "Großväter"-Pädagogik, die derzeit, verheerend für die Schüler und die Jugend, vertreten durch das neueste Werk des "Führungspädagogen" Bueb, in Mode ist, aber auch ganze ZEITungen und den ZEIT-Campus erfasst und verseucht.

    Autorität und Exzellenz entstehen aber in der Wissenschaft am Ende durch bahnbrechende Ergebnisse und eine Forschung, die der Überprüfung durch andere Forscher standhält. Das gilt sogar für die Fächer Theologie und Jura.

    Vielleicht liegt es ja an den Lehrveranstaltungen des Professors, wenn seine Studenten vor Langeweile und sogar im Angesicht der Autorität, einschlafen? Vielleicht trugen sie aber auch am Vorabend zu viele Bierkrüge, saßen zu lange als Hilfe an der Kasse bei der Metro, sortierten daher zu viele Kaufmannsregale. - Wir wissen es nicht.

    Herr Leicht weiß, sie feierten zu viel und leben in Luxus und Lustbarkeit. Es fehlte nur noch ein Hinweis auf die Armutsverhältnisse an afrikanischen Universitäten, um den "moralischen Druck", -"hört mir doch endlich zu"-, weiter zu steigern.

    Vielleicht extemporiert der Herr Leicht, ohne pädogogische und didaktische Kenntnisse, hält "Vorlesung" für ein wörtlich zu nehmendes "Schem", versteht es nicht, die Studenten, mit der Autorität seines Wissens, einzufangen und zu begeistern? - Zugegeben, es ist schwerer als vor 400 Jahren. Denn mehr Wissen muss ausgewählt, aufbereitet,
    zur "Auswahl" angeboten und dann diskutiert werden, als je zuvor.
    Zumal die wissenschaftlichen Zwischenreiche der Juristen, Theologen, Mediziner und Psychologen, -die sich nie einseitig einem der zwei Reiche des wissenschaftlichen Denkens eindeutig zuschlagen ließen, vor allem mit der für einen Menschen unüberschaubaren und ausufernden Wissenswelt der Naturwissenschaften und der Technik umzugehen-, noch besser lernen müssen.

    Jedenfalls, so glänzend wie ein Beryll (rebellisch Rot und cusanisch) die Theologie und die Juristerei zur Zeit Luthers in Erfurt gewesen sein mag, die Art der Lehre und der Exegese der christlichen Texte und der juristischen Codices, war, milde gesprochen, unkritisch und wenig erkenntnisorientiert. - Das sollte sich, nicht ganz ohne Zutun der Reformatoren und der europäischen Humanisten gründlich ändern, denn sie erfanden, noch unausgesprochen, so etwas wie eine kritische Quellenkunde.

    Wir wissen ja heute, "studierfähig", das ist, intelligent genug sein, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, wären viel mehr, als die heute eingeschriebenen Prozentanteile eines Jahrganges.
    Die OECD anempfiehlt uns mehr Abiturienten und mehr Studierende, nicht weniger!- Der natürliche Intellekt dazu ist vorhanden, nur, wer mag ihn zu wecken und zu erhalten? - Nicht ganz so fleißig im Kindermachen wie der erste deutsche Protestant, weiß ich aus eigener Erfahrung und aus der Betrachtung, die Neugierde und Begeisterung ist bei fast allen Menschen von Anbeginn an da. Die Frage ist aber, welcher Lehrer und welcher Professor tritt die Pflanze so klein, dass es viele aufgeben immer neugierig und wissbegierig zu sein.

    Herr Leicht? - Er träumt von Exzellenz, die vornehmlich ihm zuhört, denn er glaubt, über Studierfähigkeit Bescheid zu wissen.

    Tatsächlich waren die universitären Studiengänge für eine ganz minimalen Anteil an Menschen der damaligen Zeit, extrem lang, extrem überladen mit totem, trotzdem zu extemporierenden und memorierenden Material der ewigen Zusammenfassungen und Wiederholungen und einer geradezu liebevoll gepflegten Formelhaftigkeit der Grundlehre.

    Was sichert heute allgemeine Studierfähigkeit? Ausreichende Kenntnisse in Mathematik, Statistik und Stochastik, Physik, Chemie, Biologie, Geschichtskenntnisse, eine, besser zwei Fremdsprachen, in denen Texte gelesen und verstanden werden können und eine möglichst breite Kenntnis der eigenen Kultur und Sprachproduktion.

    Leider, jedenfalls nach diesem Text zu urteilen, fehlt es dem Herrn Honorarprofessor wohl an der Kernkompetenz eines guten Hochschullehrers, dem die Studenten nicht den Anlass zu bloßem Schimpf liefern sollten, sondern dem sie Ansporn sind, seine Glaubwürdigkeit durch die Rede und den Disput so zu steigern, dass jeder Hörer im Saale und jeder Leser weiß, wer hier nicht aufpasst, der verpasst etwas.

    Grüße

    Christoph Leusch

    • HMRothe
    • 16. September 2008 17:40 Uhr

    sehr selektiv und wahrscheinlich von Beweggründen gespeist, über die ich nicht spekulieren möchte. Wie sonst wäre zu erklären, dass Sie das ganze für die Frühphase der Reformation so entscheidende Kapitel Reuchlin (Übersetzer der hebräischen Bibel, der Luther und Hutten nahestand) glatt ausblenden? Hoffen Sie darauf, dass der deutsche Geschichtsunterricht schon degeneriert genug ist, dass keiner mehr von den Diskussionen um die Dunkelmännerbriefe weiß und wer darin welche Rolle spielte?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber selbst dann könnten Sie Reuchlin, der nie Protestant war, nicht einfach einkassieren. Und es war sicher nicht Luther, der gegen die Dominikaner eine Lanze für die Juden gebrochen hat, auch wenn ihm der Streit ganz zupass gekommen sein mag.

    Mich erstaunt, wie unredlich Sie argumentieren: Über meine Motive geben Sie vor, nicht spekulieren zu wollen - und deuten so an, sie seien verwerflich -, um im übernächsten Satz zu fragen, ob ich hoffe, >>dass der deutscher Geschichtsunterricht schon degeneriert genug ist, dass keiner mehr von den Diskussionen um die Dunkelmännerbriefe weiß und wer darin welche Rolle spielte?<<

    Degeneriert, deutsch und Geschichtsunterricht - auf diese Kombination muss man erst mal kommen. Und um Ihre Frage, so infam sie auch sein mag, zu beantworten: Nein, hoffe ich nicht, in solchen Kategorien habe ich überhaupt noch nie über Geschichtsunterricht nachgedacht. Und, apropos degenerierter deutscher Geschichtsunterricht: Ich habe auch nicht vor, mit meinen "Auslassungen", wie Sie sich so freundlich ausdrücken, den deutschen Volkskörper zu zersetzen.

    Gegenfrage: Wieso finden Sie, Sie müssten erläutern, wer Reuchlin sei, machen aber Ihre seltsame Unterrichtsbewertung an potentieller Unkenntnis der viel unbekannteren Dunkelmännerbriefe fest?

    In dem Kommentar, auf den Sie sich beziehen, habe ich auf die Gefahr einer Tabuisierung des Nationalsozialismus hingewiesen - eigentlich kaum misszuverstehen -, und im übrigen stört es mich, dass Leicht immer wieder mit dem grossen Luther ankommt, der, wenn man ihn, wie es kalligraphin und amelia_s anregen, nur in seiner Zeit zu verstehen will, längst vergessen sein müsste, uns vom Autor aber immer wieder ganz unhermeneutisch vorgeführt wird.

    Das lasse ich mir nicht gefallen: Dass mir da einer als gross vorgesetzt wird, dessen Antisemitismus so virulent war, dass er seine Anhänger noch nach fast 500 Jahren damit infiziert hat. Dass sein Wort solches Gewicht gewinnen konnte, hängt natürlich auch mit seinen Reformen zusammen: Noch der grauenhafteste Papst hat Vorgänger und Nachfolger, die ihn relativieren - Luther bleibt auch in dieser Hinsicht einzigartig.

    Ein letztes >>Gott sei's geklagt<< , meine Sie jammern zu müssen - und meinen einen Leserkommentar. In den Zusammenhängen, in denen mein Kommentar, und die anderen, an die er anknüpft, steht und stehen, kommt mir diese Gewichtung mehr als unangemessen vor. Widerlich und bigott.

  2. aber selbst dann könnten Sie Reuchlin, der nie Protestant war, nicht einfach einkassieren. Und es war sicher nicht Luther, der gegen die Dominikaner eine Lanze für die Juden gebrochen hat, auch wenn ihm der Streit ganz zupass gekommen sein mag.

    Mich erstaunt, wie unredlich Sie argumentieren: Über meine Motive geben Sie vor, nicht spekulieren zu wollen - und deuten so an, sie seien verwerflich -, um im übernächsten Satz zu fragen, ob ich hoffe, >>dass der deutscher Geschichtsunterricht schon degeneriert genug ist, dass keiner mehr von den Diskussionen um die Dunkelmännerbriefe weiß und wer darin welche Rolle spielte?<<

    Degeneriert, deutsch und Geschichtsunterricht - auf diese Kombination muss man erst mal kommen. Und um Ihre Frage, so infam sie auch sein mag, zu beantworten: Nein, hoffe ich nicht, in solchen Kategorien habe ich überhaupt noch nie über Geschichtsunterricht nachgedacht. Und, apropos degenerierter deutscher Geschichtsunterricht: Ich habe auch nicht vor, mit meinen "Auslassungen", wie Sie sich so freundlich ausdrücken, den deutschen Volkskörper zu zersetzen.

    Gegenfrage: Wieso finden Sie, Sie müssten erläutern, wer Reuchlin sei, machen aber Ihre seltsame Unterrichtsbewertung an potentieller Unkenntnis der viel unbekannteren Dunkelmännerbriefe fest?

    In dem Kommentar, auf den Sie sich beziehen, habe ich auf die Gefahr einer Tabuisierung des Nationalsozialismus hingewiesen - eigentlich kaum misszuverstehen -, und im übrigen stört es mich, dass Leicht immer wieder mit dem grossen Luther ankommt, der, wenn man ihn, wie es kalligraphin und amelia_s anregen, nur in seiner Zeit zu verstehen will, längst vergessen sein müsste, uns vom Autor aber immer wieder ganz unhermeneutisch vorgeführt wird.

    Das lasse ich mir nicht gefallen: Dass mir da einer als gross vorgesetzt wird, dessen Antisemitismus so virulent war, dass er seine Anhänger noch nach fast 500 Jahren damit infiziert hat. Dass sein Wort solches Gewicht gewinnen konnte, hängt natürlich auch mit seinen Reformen zusammen: Noch der grauenhafteste Papst hat Vorgänger und Nachfolger, die ihn relativieren - Luther bleibt auch in dieser Hinsicht einzigartig.

    Ein letztes >>Gott sei's geklagt<< , meine Sie jammern zu müssen - und meinen einen Leserkommentar. In den Zusammenhängen, in denen mein Kommentar, und die anderen, an die er anknüpft, steht und stehen, kommt mir diese Gewichtung mehr als unangemessen vor. Widerlich und bigott.

    • HMRothe
    • 17. September 2008 19:53 Uhr

    woher wollen Sie wissen, was Luther lediglich „zupass kam“ und was seine von Ihnen postulierte Quintessenz, „seinen Antisemitismus“ (um Ihren eigenen, widerlichen und bigotten Kommentar Nr.17 zu zitieren), ausmacht? Wieso massen Sie sich an, Zitate eines von Millionen Menschen weltweit verehrten mutigen Mannes nebeneinanderzustellen und ihnen einen „Antisemitismus“ überzustülpen, der erst 300 Jahre später überhaupt entstanden ist? Von wem werden Sie eigentlich bezahlt, Mann?
    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und achten Sie auf Ihren Tonfall. Die Redaktion/cl]

  3. und versuchen Sie, sachlich zu bleiben. Es ist schon interessant, wann Sie die Fassung verlieren -"von wem werden Sie eigentlich bezahlt" ist eine, wahrscheinlich als Ersatz für Argumente gedachte, Unverschämtheit, die auf Diffamierung -gekaufte Meinungsäusserung wird insinuiert- abzielt.

    Mit "Mann" hat man vielleicht früher Stallknechte angeredet oder addressiert heutzutage Saufkumpane: Sie vergreifen sich jedenfalls deutlich im Ton. Ihre Anrede ist völlig unangemessen, und Sie sollten sich darüber klar werden, dass Sie es wohl eher nicht mit Ihresgleichen zu tun haben und sich also um Höflichkeit bemühen.

    Wenn ArturS schreibt: "Luther befürwortete Hexenverbrennungen, hasste behinderte Menschen, verachtete Frauen, wetterte gegen die Juden (heute nennt man so etwas Antisemit oder Rassist) und hat auch sonst zu diversen Strömungen seiner Zeit extrem widerliche Äußerungen von sich gegeben." bleiben Sie ganz cool -"Wischen Sie sich mal den Schaum vom Mund" ermahnen Sie ihn kaltschnäuzig-, aber wenn es um Ihre Sicht Luthers geht, müssen Ihnen auf einmal Millionen Menschen zu Hilfe kommen, die ihn ja so sehr verehren. Eine davon abweichende Meinung finden Sie anmassend, ohne dies jedoch weiter zu begründen.

    Zur Erinnerung: Dem Hass auf Juden sind Millionen Menschen zum Opfer gefallen, was Sie bisher in all Ihren Kommentaren kalt zur Seite schieben.

    Antisemitismus sei "erst 300 Jahr später überhaupt entstanden", behaupten Sie. Pogrome hat es also vorher nicht gegeben? Auch die infamen Ritualmordanschuldigungen nicht? Friedrichs II Stellungnahme hierzu völlig unnötig? Die Judenschutzbulle Papst Innozenz’ IV. aus dem Jahr 1247 also völlig aus der Luft gegriffen?

    Ihr Leugnen jeglicher Tradition in Bezug auf Feindschaft gegenüber Juden ist ahistorisch, insofern deutet Ihre Klage über, wie war das noch, "degenerierten deutschen Geschichtsunterricht" nur auf eines hin: Ein Defizit bei Ihnen selbst - und leider zu vielen hierzulande. Dieses Defizit habe ich auch in meinem ersten Kommentar allgemeiner angesprochen, indem ich auf die Gefahr einer Tabuisierung des Nationalsozialismus hingewiesen habe. Sie scheinen meine Überlegungen jedoch nicht begriffenzu haben, anders lässt sich Ihre unsachliche Retourkutsche kaum einordnen.

    Versuchen Sie doch mal, auf Anwürfe zu verzichten und Argumente heranzuziehen. "Selbstverständlich", da muss ich Sie allerdings enttäuschen, ist keins.

  4. "...auch wenn ihm der Streit ganz zupass gekommen sein mag." hatte ich geschrieben. Sie machen daraus ein Wissenwollen.

    Seinen Antisemitismus habe ich nicht als "Quintessenz postuliert", er hindert mich allerdings daran, ihm Grösse zuzuschreiben.

    Und wenn Sie einerseits mir vorwerfen, ich stülpe ihm damit einen Begriff aus dem 19. Jhdt über - aus welcher Zeit stammt denn Ihr "Befreiungstheologe"?

    Sie wollen fein herausziselieren, dass man von Antisemitismus erst sprechen könne, wenn die Juden nicht mehr nur wegen ihnen fälschlicher Weise vorgeworfener Verbrechen erschlagen werden, wie es im Mittelalter jahrhundertelang immer wieder geschah, sondernihnen darüber hinaus ein Konvertieren zum Christentum nicht mehr als entlastend gut geschrieben werde.

    Das ist nicht mehr als der Versuch, diese Verbrechen mit Hilfe der Begrifflichkeit zu leugnen.

    Und noch einmal zur Anmassung: Wird es nicht allgemein Luther als Verdienst zugeschrieben, dass er durch seine Übersetzung die "heilige Schrift" dem Volk zugänglich gemacht habe, die Menschen also in die Lage versetzt habe, sich eine eigene Meinung zu bilden, eine eigene Interpretation zu finden?

    Und mir machen Sie es zum Vorwurf, wenn ich ein Lutherzitat, das von der "Judensau", heranziehe und diesen religiösen (!) Antisemitismus in die Tradition einordne, aus der die Nazibarbarei entstanden ist? Das nennen Sie einen Begriff des 19. Jhdts überstülpen?

    Luther mag das Denken seiner Zeit in manchem liberalisiert haben - Sie aber scheinen ihn kanonisiert zu haben und wollen jeden kritischen Gedanken über ihn diffamieren - in meinem Fall als gekauft. Sehr unpassend.

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