Wiedervereinigung "Die Spaltung ist immer noch real"
Gibt es einen Unterschied zwischen ost- und westdeutschen Studenten? Wir haben zwei zum Streitgespräch gebeten – und eine Abiturientin, die am Tag des Mauerfalls geboren wurde
ZEIT Campus: Dennis Idaczyk, Sie stammen aus Trier und haben in Ostberlin studiert. Lange haben Sie es dort ja nicht ausgehalten.
Dennis Idaczyk: Ich war sehr unglücklich. Im Osten gibt es diese Abhängekultur, alle sind so alternativ, überall Love Parade, Christopher Street Day und Trödelmärkte. Die Menschen sind überhaupt nicht ehrgeizig.
ZEIT Campus: Nicht ehrgeizig?
Idaczyk: Ich habe zum Beispiel mit Studienkollegen Fußball gespielt, alles Ossis, wir nannten uns die Mad Dogs Johannisthal. Das war schön. Aber den Ostdeutschen in der Mannschaft ging es nicht um den Sieg, sondern nur darum, zusammen zu sein und Spaß zu haben. Die waren mit ihrem Dasein in der untersten Liga vollkommen zufrieden! Von den 18 Mannschaften in der Bundesliga kommen auch nur zwei aus dem Osten. Das ist doch bezeichnend.
Jamila Al-Yousef: Vielleicht stimmt es, was Wolfgang Thierse einmal gesagt hat: dass für Ostdeutsche zwischenmenschliche Werte wichtiger sind als Ehrgeiz und globalisierungsorientiertes Gewinnstreben.
Idaczyk: Das sind keine zwischenmenschlichen Werte, das ist Schäfchen-Denken! Hauptsache, man tut etwas gemeinsam, was damit erreicht wird, ist allen wurst.
Al-Yousef: Quatsch, meine Eltern sind zum Beispiel Ärzte in Ostdeutschland, sie sind sehr ehrgeizig, trotzdem sind ihnen Werte wie Ehrlichkeit wichtig. Sie haben nicht Karriere auf Kosten anderer gemacht.
Idaczyk: Heißt das, Wessis machen Karriere auf Kosten anderer?
Al-Yousef: Nein! Ich sage nur, menschliche Werte und Ehrgeiz schließen einander nicht aus!
ZEIT Campus: Als Angela Merkel Kanzlerkandidatin wurde, unterstellten westdeutsche Zeitungen ihr »ostdeutsche Charakterzüge«: Anpassungsvermögen, Skrupellosigkeit und Undankbarkeit, etwa gegenüber Helmut Kohl. Wie viel Wahrheit steckt in solchen Vorurteilen?
Holm-Andreas Sieradzki:(lacht)Der Ossi an sich ist undankbar, klar! Weil der Westen uns den goldenen Kapitalismus gebracht hat und wir nur rumjammern! Nein, Spaß beiseite: Ich denke, es geht im Osten eher um Kollektivität, Gemeinschaft, Solidarität…
Idaczyk: …aber Solidarität nach unten! Wenn einer in der Mannschaft schlecht spielt, spielen alle schlecht, damit sich keiner abgehängt fühlt.
Sieradzki: Nein, Solidarität heißt, zuerst an die Schwächeren zu denken. Die anderen können nämlich gut alleine vorneweg laufen.
ZEIT Campus: Ist das wirklich typisch ostdeutsch?
Sieradzki: Das ist ein erzählter und erlebter Unterschied zu den Westdeutschen, ja.
ZEIT Campus: Woher haben Ostdeutsche diese Mentalität?
Sieradzki: Ich denke, weil in der Mangelwirtschaft der DDR wichtige Dinge fehlten und man aufeinander angewiesen war. Ich bin 27 und habe das noch selbst erlebt. Als man dann nach der Wende alles im Überfluss kaufen konnte, gab es viel weniger Gemeinschaftlichkeit.
ZEIT Campus: Solidarität war also hauptsächlich eine Überlebensstrategie?
Sieradzki: Nicht nur, wir wurden auch zur Hilfsbereitschaft erzogen. Ich habe als Kindergartenkind Geld für bedürftige Kinder in Nicaragua gesammelt, das war gelebte Solidarität, so was bleibt hängen. Heute spielen solche Dinge keine Rolle mehr, es gibt nur noch Leistungsdenken.
Al-Yousef: Ich frage mich, ob wir uns diese angeblichen Mentalitätsunterschiede nicht einfach nur einbilden.
ZEIT Campus: Es gibt aber messbare Einstellungsunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen: Ostdeutsche wählen doppelt so häufig rechtsradikal. Frauen im Westen kriegen weniger Kinder als Frauen im Osten. Ostdeutsche gehen seltener ins Internet und lesen weniger politische Zeitungen als Westdeutsche, stattdessen eher Illustrierte.*
Al-Yousef: Deutschland ist doch so groß, da ist es ganz normal, dass es in unterschiedlichen Bundesländern unterschiedliche Menschen gibt. Natürlich hat Bayern eine andere Kultur als Mecklenburg-Vorpommern, das muss nicht zwangsläufig etwas mit der DDR zu tun haben.
ZEIT Campus: Sie sind am 9. November 1989 geboren, dem Tag, an dem die Mauer fiel. Unterscheidet Ihre Generation noch zwischen Ost- und West-deutschen?
Al-Yousef: Überhaupt nicht. Ich sehe mich nicht als Ostdeutsche, obwohl ich in Mecklenburg-Vorpommern lebe. Ich bin Deutsche, mein Vater ist Palästinenser. Punkt. Auch den Studienort suche ich nicht nach der Himmelsrichtung aus, sondern nach der Qualität. Es sind die Medien, die einen Keil zwischen Ost- und Westdeutsche treiben!
ZEIT Campus: Wie das?
Al-Yousef: Meine Oma sagt zum Beispiel: »Die Wessis wollen die Mauer wieder aufbauen«, weil sie das im Fernsehen gehört hat. Überall liest man dieselben Klischees: Ostdeutsche mögen Bananen. Westdeutsche sind arrogant und oberflächlich. Meine Generation steht da drüber, denke ich.
Idaczyk: Nein, das stimmt nicht. Migranten in Frankfurt am Main benutzen »Ossi« als Schimpfwort. Die Spaltung ist immer noch real.
Sieradzki: Unter Ostdeutschen auch. Viele sind verbittert, man muss das verstehen. Die Generation meiner Großeltern hat ihr Land nach dem Krieg 40 Jahre lang aufgebaut, dann bricht das System zusammen, und auf einmal zählt ihre ganze Lebensleistung nichts mehr.
ZEIT Campus: Das heißt, den Ostdeutschen fehlt die Wertschätzung der Westdeutschen. Was könnten die denn von den Ostdeutschen lernen?
Idaczyk: Außer den Rezepten für Spreewaldgurken und Bautzener Senf?
Al-Yousef: Das ist genau die Wessi-Arroganz, die Ostdeutsche meinen!
Sieradzki: Ich finde das auch ziemlich arrogant.
Idaczyk: Nein, ihr versteht mich falsch, es sind doch die Ossis selbst, die diese Beispiele immer nennen! Ich frage dann: Und? Sonst nichts?
Sieradzki: Doch, zum Beispiel einiges, was Bildung anbelangt. Jede Studie bestätigt, dass in keinem Land Europas die Bildungschancen so stark von der sozialen Herkunft abhängen wie in der Bundesrepublik. Das liegt am dreigliedrigen Schulsystem, von dem fast alle Experten sagen, es sei Mumpitz. Sie empfehlen stattdessen, dass die Kinder länger gemeinsam lernen – so wie es damals in der DDR üblich war. Da waren alle Kinder bis zur achten Klasse an einer Schule.
Idaczyk: Dafür durfte in der DDR nicht jeder studieren, was er wollte.
Sieradzki: Klar, das war falsch. Aber die Schulform war besser. Al-Yousef: Das andere Beispiel ist der Gesundheitssektor. Alle reden heute über Ärztemangel und lange Wartezeiten. In der DDR gab es so etwas nicht.
Idaczyk: Ich habe gehört, es gab in der DDR nicht einmal Aspirin.
Sieradzki: Wir hatten andere Tabletten, die auch geholfen haben.
ZEIT Campus: Offenbar empfinden viele Ostdeutsche so etwas wie eine narzisstische Kränkung, weil die »Wiedervereinigung« in Wirklichkeit eine Assimilation war: Der Osten übernahm alles Wesentliche vom Westen, das Grundgesetz, die soziale Marktwirtschaft; behalten durfte er nur die Ampelmännchen. Sollten die Ostdeutschen sich wieder mehr auf ihre eigenen Qualitäten besinnen?
Al-Yousef: Ich habe keine ostdeutschen Qualitäten, ich habe nur individuelle Qualitäten. Dieser ständige Vergleich schürt eine innerdeutsche Feindschaft, die ich fast rassistisch finde.
Idaczyk: Ich denke, dass viele Ostdeutsche einen Minderwertigkeitskomplex haben, mit dem sie sich selbst blockieren. Das fängt beim Dialekt an. Früher war Bairisch die Lachnummer schlechthin. Dann brachte Franz Beckenbauer das einigermaßen lässig rüber, und keiner lachte mehr. Später lachten alle über das Schwäbische – bis Harald Schmidt es salonfähig machte. Heute lachen alle über das Sächsische, aber es findet sich kein prominenter Sachse, der wirklich zu seinem Dialekt steht. Höchstens Michael Ballack – aber der ist da viel zu zaghaft. Vielleicht müssen sich die Ostdeutschen einfach besser verkaufen.
Al-Yousef: Das ist schon wieder dieses Wessi-Denken. Wieso denn »verkaufen«? Ich bin doch keine Ware!
Sieradzki: Ich komme aus Sachsen, und ich kenne niemanden, der unter den Sachsenwitzen leidet. Das ist Pillepalle. Wir haben ganz andere Probleme, zum Beispiel die Arbeitslosigkeit.
ZEIT Campus: Wenn man Sie drei reden hört, scheinen Ost und West noch weit voneinander entfernt. Wie lange wird es dauern, bis wir eine Debatte wie diese nicht mehr führen?
Al-Yousef: Ich glaube, die Debatte wird zu Ende sein, wenn unsere Elterngeneration gestorben ist und es keine sozialen Unterschiede mehr gibt.
Sieradzki: Die Debatte wird schwächer werden, aber nie ganz verschwinden. Selbst wer wie ich nur Kinderjahre in der DDR verbracht hat, ist so geprägt, dass er die Mentalität weitergibt, auch an die eigenen Kinder.
ZEIT Campus: Bekommt die sprichwörtliche Mauer in den Köpfen langsam Risse?
Al-Yousef: Ich hatte jedenfalls nie eine Mauer im Kopf.
Idaczyk:(schaut auf Sieradzki) Solange sich manche Ossis nach der »guten alten DDR« zurücksehnen, werden die Wessis misstrauisch sein.
Sieradzki: Die Mauer bekommt Risse, aber das Fundament ist stark. Solange jemand im Osten für die gleiche Arbeit weniger bekommt als jemand im Westen, sind die Unterschiede real und keine Einbildung.
*Quellen: Stat. Bundesamt 2006; Perspektive Deutschland 2004/05; Allensbach 2004
Moderation: Justus Bender.
- Datum 11.09.2008 - 12:00 Uhr
- Quelle ZEIT Campus 05/2008
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Das war ja mehr ein plumpes Vorurteile an den Kopf werfen als eine Diskussion.
Natürlich ist der Lohn im Osten niedriger als im Westen, man schaue sich einfach mal die Wohnkosten an. Dass das jetzt der richtige Ansatz ist, um die Entvölkerung des Ostens aufzuhalten, bezweifle ich stark.
Aber man darf sich doch auch nichts vormachen, ein Großteil der fähigen und leistungswilligen Leute ist doch nach der Wende, wenn nicht schon vorher, in den Westen geflüchtet.
Außerdem würde ich mal behaupten, dass die Leute noch gebrandmarkt sind, denn in der DDR konnte man es überwiegend nur zu etwas bringen, wenn man mit dem System mitgelaufen ist, was, wie wir alle wissen, nichts Gutes bedeutet.
"Leistung" wurde also direkt mit Negativem in Verbindung gebracht. Das wird wohl leider noch eine Generation brauchen, bis die Mauer auch in den Köpfen verschwunden ist. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät!
Ein 28-jähriger Student beklagt fehlenden Siegeswillen in der Kreisklasse und führt auch gleich die Anzahl der ostdeutschen Bundesligisten auf den mangelnden Ehrgeiz der Ossis zurück. Außer Spreewaldgurken haben die Ossis ja wohl eh nix zu bieten und Mittel gegen Kopfschmerzen gab's in der DDR auch nicht....
Darüber kann man bestenfalls lachen. Mit einem hat er allerdings Recht: "Dafür durfte in der DDR nicht jeder studieren, was er wollte." Herrn I. hätte man in der DDR wohl nicht mal zum Abitur zugelassen.
[Anm.: Wir bitten Sie, von persönlichen Angriffen abzusehen. Danke. /Die Redaktion pt.]
Ogott und diese beiden studieren. Mein Beileid! Wobei die Fragen von Zeit Campus ja eigentlich auch ne Lachnummer waren... um diese drei geistigen Hochleistungsathleten auch ja drauf zu bringen dass es ja sowas wie Vorurteile gibt.
Waere es unter Umstaenden moeglich gewesen einen etwas weniger ehrgeizigen, abstossenden "Westdeutschen" zu diesem Interview einzuladen. Mal ganz ehrlich, dieser Mensch regt sich auf weil im "Osten" aus Spass an der Freude Fussball gespielt wird und nicht bloss um aufzusteigen ...
Ich habe aber letzten Sommer mein ganz persoenliches, positives Osterlebniss gehabt. Nach zehn Jahren war ich mal wieder in Berlin und zum ersten Mal auch im ehemaligen West-Berlin. Leider muss ich sagen, von West-Berlin war ich doch sehr entaeuscht: Penner aller Orten, bettelnde Zigeuner, die meine "touristische" (weil englischsprachige) Frau als ideales Ziel sahen, und eine allgemeine schmierige Schmuddeligkeit. Wohlgemerkt handelte es sich hierbei um "bessere" Lokalitaeten wie Kurfuerstendamm, Charlottenburg und die Siegessaeule samt Tiergarten. Das alte/neue Zentrum der Stadt im Osten war auch abgesehen von allen Renovierungs- und Restorationsgeldern und -bemuehungen von erfrischender Sauberkeit und anregender Grossstadtatmosphaere.
Man konnte Unter den Linden entlangspazieren ohne von Bettlerinnen mit "kranken" Babies belaestigt zu werden, die U-Bahn Stationen waren sauber und an angenehmen Strassencafes war kein Mangel, es gab sogar schoene, stille, saubere Kinderspielplaetzte ohne Penner und Graffiti unweit des Zentrums, zum Beispiel beim Maerkischen Museum. Ich weiss nicht woran dieser deutliche, positive Unterschied zwischen Ost- und West-Berlin schlussendlich lag, vielleicht hat er aber doch mit einem im deutschen Osten etwas besser ausgepraegten Gemeinschaftsgefuehl zu tun, oder vielleicht auch mit einer groesseren Wertschaetzung der Freiheiten und Moeglichkeiten des vereinten Deutschlands? Wie dem auch sei: Hut ab vor "Ost-" Berlin.
Vor wenigen Jahren habe ich auch mal in Berliln gewohnt. Ich bin von Westdeutschland nach Ost-Berlin gezogen und habe mich ähnlich wohl gefühlt, wie mein Vor-Schreiber. Der Horror war der Westen: hier sah es noch aus, wie in den Achziger Jahren (Herr Lehmann lässt grüßen). Die West-Berliner schoben das auf die Vernachlässigung des Westens zu Gunsten des Ostens. Da ist wohl was dran. Alles zusammen ist es aber wohl eine Überforderung der Stadt mit ihrer Situation.
Vor wenigen Jahren habe ich auch mal in Berliln gewohnt. Ich bin von Westdeutschland nach Ost-Berlin gezogen und habe mich ähnlich wohl gefühlt, wie mein Vor-Schreiber. Der Horror war der Westen: hier sah es noch aus, wie in den Achziger Jahren (Herr Lehmann lässt grüßen). Die West-Berliner schoben das auf die Vernachlässigung des Westens zu Gunsten des Ostens. Da ist wohl was dran. Alles zusammen ist es aber wohl eine Überforderung der Stadt mit ihrer Situation.
dass es den Bayern nie geschert hat ob sich jemand über ihn lustig macht, mehr noch, er hat das gegenüber den Preußen gern provoziert und sich dann innerlich darüber amüsiert dass ihm der Preuße auf den Leim gegangen ist. Wer Gerhard Polt kennt weiß was ich mein..
Diese Ostalgie erinnert mich ein bischen an das "Stockholm-Syndrom" nach dem sich Entführungsopfer nach und nach mit ihren Entführern identifzieren, sie sogar in Schutz nehmen und sich am Ende sogar in sie verlieben können.
Die Mauer wurde vom Ostem her aufgebaut, der Todesstreifen lag im Osten, die Grenzübergänge wurden 1989 von DDR-Bürgern zur Öffnung gezwungen.
Je länger die DDR her ist, je besser soll sie gewesen sein. Da kann man sich nur fragen warum in Leipzig zigtausende auf die Straße gingen unter Einsatz ihrer Gesundheit. Gegen Hartz4 wars zumindest nicht.
CST
Interessante Äußerungen werden auch von der ZEIT in diesem Artikel vorgebracht: da lesen "die Ostdeutschen eher Illustrierte und wählen häufiger Rechts". Nun ja, es kommt eben immer darauf an wie und wo man fragt.
Es ist kein Geheimnis, dass viele Ostdeutsche aufgrund mangelnder Arbeitsplätze in den Westen gezogen sind und viele haben dann dort auch ihre Familie gegründet und sind geblieben. Sind es nun "Neu- Westdeutsche" oder doch "Ossis"? (die Gegenbewegung von West nach Ost ist zugegebener Maßen geringer... aber trotzdem gibt es Fälle von "Neu- Ossis"?)
Es gab schon vor dem Mauerbau, danach, und eben immer noch eine starke Migration nach Westen - sei es aus politischen(vor dem Mauerbau) oder wirtschaftlichen Gründen. Wesentlich ist dabei, dass damit auch die Ostdeutschen zum Wirtschafts- und Gesellschaftsleben im Westen beitragen. Daher sollte man aufhören geographisch zu messen was nicht zu messen ist und endlich die die Vorurteile einpacken!
Vor wenigen Jahren habe ich auch mal in Berliln gewohnt. Ich bin von Westdeutschland nach Ost-Berlin gezogen und habe mich ähnlich wohl gefühlt, wie mein Vor-Schreiber. Der Horror war der Westen: hier sah es noch aus, wie in den Achziger Jahren (Herr Lehmann lässt grüßen). Die West-Berliner schoben das auf die Vernachlässigung des Westens zu Gunsten des Ostens. Da ist wohl was dran. Alles zusammen ist es aber wohl eine Überforderung der Stadt mit ihrer Situation.
Herr Idaczyk hat die Attitüde eines karrierebezogenen Alphatieres, was ja auch OK wäre. Nur darf er dafür nicht mit 28 noch studieren. Wann macht er dann seinen Abschluss? Mit 32? Aber wahrscheinlich war Berlin an seinem Langzeitstudium schuld:)
Passen Sie mal auf Herr Idaczyk. Ihr Milieu war das vielleicht in Ihrer Berliner Zeit. Aber Berlin macht das nicht aus. Wahrscheinlich waren Sie nie um 6 Uhr morgens in der U-Bahn, wo hart arbeitende Ost-Berliner zur Arbeit fahren, damit die Stadt funktioniert und Sie, nach Ihrem Müsli-Frühstück bspw. mit der Straßenbahn zu Ihrer ersten Vorlesung um 12.15 Uhr fahren können.
In Berlin gibt es ca. 1,6 Millionen Arbeitstätige, darunter mittlerweile auch gutverdienende ostdeutsche Politiker, Journalisten und Angestellte in unternehmensnahen Dienstleistungen oder Repräsentanzen etc., von denen ich einige kenne. Also insgesamt ist das ein Berliner Milieu, zu dem Sie niemals Zugang haben werden. Weil Sie im Gegensatz zu jenen Ostdeutschen zu wenig Ehrgeiz haben.
Im Übrigen verwahre ich mich, als Ostdeutscher von Trierer!!! Bummelstudenten auf Spreewaldgurken reduziert zu werden. Im Gegensatz zur Pfalz ist in Ostdeutschland auch Hochtechnologie vorhanden, die auf historischen Vorbedingungen fusst. Und Kultur (nicht nur Weinkultur)
Technologie:
Dresden: riesiger Mikroelektronik-Cluster
Leipzig: Logistik-Zentrum der DHL
Im Thüringischen: Uhrenmanufakturen (Länge&Söhne etc.)
Jena: Optik (Carl-Zeiss)
Kulturindustrie:
Potsdam: Potsdam-Babelsberg (UFA)
Berlin: alles Mögliche
Weimar: Klassik, Bauhaus
Also wenn, liebe ZEIT, dann bitte bspw. ein schnöseliger Düsseldorfer Harvard-Absolvent im Alter von 24 Jahren:) Der hat dann alles Recht der Welt, den Ehrgeizling gegenüber den Ostdeutschen heraushängen zu lassen. Aber nicht der, zumal das Niveau des gesamten Interviews deutlich unter normalem ZEIT-Niveau war. Der 18-Jährigen Abiturientin kann man das noch verzeihen, die fängt erst an mit dem Studium. Herr Idaczyk sollte dagegen schon etwas gelernt haben in punkto Argumentation.
Zu dem was Herr Idaczyk so von sich gibt, kann man stehen wie man will. Wenigstens weiß er, wo sich der Spreewald befindet. Seit wann liegt Trier in der Pfalz?
Zu dem was Herr Idaczyk so von sich gibt, kann man stehen wie man will. Wenigstens weiß er, wo sich der Spreewald befindet. Seit wann liegt Trier in der Pfalz?
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