Kino "Ich misstraue dem Hype noch"
Heute startet "Im Winter ein Jahr", der neue Film von Caroline Link. Die weibliche Hauptrolle spielt Karoline Herfurth, der neue deutsche Shooting-Star. Ein Interview
ZEIT Campus: In Im Winter ein Jahr spielen Sie die Hauptfigur Lily, die mit dem Selbstmord ihres Bruders zurechtkommen muss. Wie haben Sie sich vorbereitet?
Karoline Herfurth: Ich habe mit einer Psychologin darüber gesprochen, in was für ein Trauma eine Familie verfallen kann, wenn eines ihrer Mitglieder stirbt. Es fiel mir aber nicht schwer, mich in Lily hineinzuversetzen – viel schwieriger war es, wieder aus ihrem Gefühlszustand herauszukommen.
ZEIT Campus: Lily ist an der Grenze zur Depression, sie weint, sie schreit…
Herfurth: Es gab kaum einen Tag, an dem ich keine traurigen Gefühle spielen musste. Dabei habe ich auch zum ersten Mal über den Tod nachgedacht und darüber, dass ja jederzeit etwas passieren kann. Nach einem solchen Dreh muss man sich regelrecht selbst pampern. Ich habe Friends geguckt, um auf andere Gedanken zu kommen.
ZEIT Campus: War Ihnen die Figur sehr nahe?
Herfurth: Wir kämpfen beide stark für das, was wir wollen. Aber ich glaube, ich bin vernünftiger als Lily und weniger impulsiv. Lily ist in ihrer Situation alles egal, sie lässt auch ihre Tanzproben sausen und verliert dadurch ihre Hauptrolle in der Musical-Aufführung ihrer Schauspielschule. Mir an ihrer Stelle hätte der Tanz eher Halt gegeben.
ZEIT Campus: Was bedeutet die Rolle für Sie?
Herfurth: Es ist eine Wunschtraumrolle. In dem Erwachsenwerden dieser Frau steckt eine so große schauspielerische Herausforderung; ich hatte die Chance, sehr viele Facetten zu zeigen.
ZEIT Campus: Schon seit Das Parfum gelten Sie als Hoffnungsträgerin des deutschen Kinos.
Herfurth: Solche Titel werden sehr schnell in den Mund genommen, daher bin ich da eher misstrauisch. Der Hype kann schon morgen wieder vorbei sein. Ich freue mich, aber ich lasse mich dadurch in meiner Arbeit nicht beeinflussen.
ZEIT Campus: Wann gehen Sie nach Hollywood?
Herfurth: Wenn mir eine gute Rolle angeboten würde, würde ich nicht nein sagen. Ich würde aber nie hinfahren und auf den Durchbruch warten.
ZEIT Campus: Für Der Vorleser haben Sie ja schon mit Ralph Fiennes und Kate Winslet gedreht.
Herfurth: Das war toll, meinen früheren Leinwandschwarm Ralph Fiennes plötzlich live zu sehen! Bei Kate Winslet war ich aber viel nervöser, ich habe so eine richtige Starhysterie bekommen.
ZEIT Campus: Warum?
Herfurth: Sie ist für mich die Vorbildschauspielerin schlechthin. Sie verkörpert ihre Figuren so vollkommen, allein in jedem "Nein!", das sie sagt, liegt eine ganze Welt.
ZEIT Campus: Sie werden ja auch selbst von Fans verehrt.
Herfurth: Das ist nett, aber ich fühle mich deswegen nicht besonders. Als Schauspieler ist man eine Projektionsfläche; die öffentliche Figur, die in mir verehrt wird, hat wenig mit mir selbst zu tun.
ZEIT Campus: Über diesen Zwiespalt schreiben Sie ja auch Ihre Diplomarbeit.
Herfurth: Ja, wobei ich im Moment durch die Drehs wenig Zeit zum Schreiben habe. Aber ich will nach dem Abschluss noch an der HU Berlin Soziologie, Politik und Russisch studieren.
ZEIT Campus: Brauchen Sie ein zweites Standbein?
Herfurth: Ich bin ja erst 24, da will ich mir alle Möglichkeiten offen halten. Vor allem aber will ich mir einen Gegenpol schaffen, um nicht ganz in dieser verrückten Filmwelt zu versinken.
- Datum 12.11.2008 - 15:28 Uhr
- Quelle ZEIT Campus 06/2008
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Zitat: Als Schauspieler ist man eine Projektionsfläche; die öffentliche Figur, die in mir verehrt wird, hat wenig mit mir selbst zu tun.
Wenn Sie sich diese Lebensklugheit authentisch behalten und nicht irgendwann zwangseinhämmern müssen, haben Sie sicher das Zeug, nicht nur ein guter Star zu werden, sondern auch einer zu bleiben, weil sie keinen mimen müssen.
Aber diese Weisheit zu behalten, ist vielleicht dann die größte Ihrer Künste...
Denken Sie über diese Worte in 30 Jahren noch einmal nach... und blicken Sie auf Ihr Leben zurück. Es wird sicher eine spannende Bilanz für Sie selbst, ob Sie es schafften!
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