Hilfskräfte Professors Liebling
Kopieren, Kaffee kochen, Klausuren korrigieren - alltägliche Aufgaben einer studentischen Hilfskraft. Warum es Hiwis im Studium dennoch leichter haben. Eine Spurensuche
Wegen des Prestiges wird niemand Hiwi.Man gilt als Streber oder Anhängsel des Profs und bleibt immer in dessen Schatten. Das alles wird auch noch schlecht bezahlt. Trotzdem sind Hiwi-Stellen heiß begehrt, und das nicht ohne Grund: Unter den Studenten ist die studentische Hilfskraft ein privilegiertes Wesen. Zwar muss der Hiwi wie seine Kommilitonen Hausarbeiten und Prüfungen absolvieren, doch kommt er leichter durchs Studium und gehört gleichzeitig auch schon zur Gruppe der Lehrer und Forscher.
Vergangenes Jahr arbeiteten laut Statistischem Bundesamt in Deutschland 24.809 Studenten als Hiwis. Insgesamt haben schon 27 Prozent aller Studenten während ihres Studium als Hiwis gearbeitet, so das Deutsche Studentenwerk. Sie arbeiten in der Lehre, in Rechenzentren, Laboratorien und Universitätskliniken oder Bibliotheken. Sie übernehmen Sekretariatsaufgaben wie das Heraussuchen verschiedener Bücher aus der Bibliothek, leiten eigenständig Tutorien und Übungen oder unterstützen Forschungsprojekte.
Die Verträge für studentische Hilfskräfte werden meist über 10 bis 80 Stunden pro Monat abgeschlossen. Wie viel sie bezahlt bekommen, wird von der Hochschule festgelegt und hängt vom jeweiligen Bundesland ab: In den westlichen Bundesländern liegt der Höchstlohn laut der Tarifvertragsinitiative der studentischen Beschäftigten (Tarifini) bei 8,02 Euro pro Stunde, nach Absprachen kann er höher ausfallen. In Berlin sind die Arbeitsbedingungen in einem Tarifvertrag für studentische Beschäftigte geregelt. Sie verdienen 10,98 Euro pro Stunde.
Oft arbeiten die Studenten allerdings mehr Stunden, als sie bezahlt bekommen. Der reale Stundenlohn ist dann deutlich geringer als das, was die Professoren ankündigen.
Aber wieso soll man bei dieser miesen Bezahlung Hiwi werden? »Die Hiwi-Stelle ist der perfekte Nebenjob. Du entwickelst ein Gefühl dafür, was ein Prof von dir erwartet, du kennst seine Vorlieben«, sagt etwa Christian Schnell. Der 24-jährige Philosophiestudent arbeitet seit zwei Jahren als Tutor an der Universität Frankfurt.
Seinen wirklichen Namen will er nicht in der Zeitung lesen, weil er an seinem Lehrstuhl auch die inoffiziellen Arbeiten übernimmt, über die ein Hiwi eigentlich nicht reden sollte: Er betreut nicht nur Studenten und leitet Tutorien, sondern korrigiert auch Hausarbeiten, denkt sich Klausurfragen für die Abschlussprüfungen aus und gibt Vornoten auf die Leistungen seiner Kommilitonen – alles für seinen Prof.
Über sein Dasein als Hiwi berichtet Christian Schnell trotzdem nur Gutes. »Es kann nie schaden, wenn ein Prof deinen Namen kennt und du nicht nur irgendein Student für ihn bist«, sagt er. Das sei vor allem in den Prüfungen nützlich: »Du weißt einfach, was der Prüfer von dir erwartet.« Manche Studenten suchten für ihren Abschluss lange nach einem Prüfer, »den hast du als Hiwi meistens schon in der Tasche«. Zudem lernt Christian Schnell als Tutor, wie er seinen Kommilitonen sein Wissen in klaren Worten verständlich machen kann. Und: Der Professor hat immer Zeit für ihn, er muss nicht wochenlang auf einen Termin in der Sprechstunde warten.
Nicht alle finden das gerecht, Hiwis werden oft beneidet. Bekommen sie eine gute Note, heißt es: »War ja klar!« Oder: »Der wusste die Prüfungsfragen bestimmt vorher!« Niemand kann sagen, ob Hiwis tatsächlich bessere Noten bekommen.
Eins aber ist klar: Geschadet hat der Hiwi-Job noch niemandem. Wer Hiwi werden will, sollte sich am schwarzen Brett oder auf der Homepage seines Fachbereichs kundig machen. Dort sind die Stellen meistens ausgeschrieben. Generell gilt: Bessere Chancen hat, wer bei seinem potenziellen Arbeitgeber bereits ein Seminar besucht und durch gute Leistungen aufgefallen ist.
Bis vor Kurzem arbeitete die 26 Jahre alte Johanna Klatt noch als Hiwi am Politiklehrstuhl des prominenten Parteienforschers Franz Walter an der Universität Göttingen. Noch heute ist sie stolz auf ihren Arbeitsplatz: »Mir wurde die Freiheit gelassen, wissenschaftlich kreativ zu sein und meine Ergebnisse im Team mit anderen auszutauschen. Das hat mich auch für mein Studium motiviert.« Für ihren Prof recherchierte sie in der Bibliothek, redigierte Arbeiten und betreute Seminare.
Dank ihrer Hiwi-Stelle sei sie heute rhetorisch geübter, könne Argumente besser zuspitzen und habe gelernt, sich in Hierarchien einzufügen. »Ich verstehe das System Uni jetzt besser«, sagt sie. Das war ihr auch die miserable Bezahlung wert.
- Datum 17.10.2008 - 08:55 Uhr
- Quelle ZEIT Campus 06/2008
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Wenn Sie schon über die unterbezahlten "Lieblinge der Professoren" schreiben - warum dann nicht auch einmal über die oft noch schlechter bezahlten Sekretärinnen an den Lehrstühlen? Ihre Arbeit ist derat umfangreich und mies bezahlt, führt zu keinerlei Vorteilen in der Berufslaufbahn (wie bei den Hilfskräften) und steht wesentlich mehr im Hintergund.
Wenn von der Universität gesprochen oder berichtet wird, hat man damit meist nur die Wissenschaftler und Studierenden im Blick - die starke Arbeit derer, die für wenig Geld die Abteilungen und Institute am Laufen halten und damit einen nicht unwesentlichen Beitrag als Stütze der "Eliten" leisten, wird ignoriert, abgewertet, verdrängt. Öffnen Sie doch mal Ihren ZEIT-Journalismus auch für diese Seite der Alma mater!!
"Man gilt als Streber oder Anhängsel des Profs und bleibt immer in dessen Schatten. Das alles wird auch noch schlecht bezahlt. "
wieder so ein artikel, bei dem ich mich frage, welche referenzgruppe die zeit eigentlich für ihre zweifelhaften weisheiten hat -- das es vor allem eine westdeutsch-grossstädtische sein muss ist bei der zeit ja selbstverständlich (nein, eine "ach-was-sind-wir-hipp"-redaktion des zeitmagazins macht die fast schon vorsätzliche ignoranz für ostdeutschen alltags nicht wett), wird aber durch "schlecht bezahlt" noch unterfüttert. in ostdeutschland sind die hiwijobs idr die besser- bis bestbezahlten studentenjobs ...
mal ganz im ernst: ich kenne viele studenten, die mehr bezahlt bekommen, als sie arbeiten müssen, wozu ich mich auch zählen darf :-) ... studiengebühren machen es möglich! die unis wissen nicht, wohin damit und so können wir studenten uns diese wieder mehr als zurückerarbeiten! mit sinnvoller verwendung hat das leider nix zu tun! mein konto freut sich jedoch...kurzum: das mit der schlechten bezahlung ist ein märchen!
und was die noten angeht, muss doch konstatiert werden, dass dies EVTL. nur für seminare oder mündliche prüfungen gilt. alle klausuren (das macht den großteil der noten aus) sind schließlich anonymisiert!
HiWis kochen Kaffee? Wochenlang auf einen Termin beim Prof. warten? Mehr Stunden arbeiten müssen, als man als Hilfskraft bezahlt bekommt? HiWi-Stellen heiss begehrt? Man gilt als Streber oder Anhängsel des Profs?
Meine Güte, hat die Autorin der Beitrags schon mal eine Uni von innen gesehen? Länger als die zwei Stunden, die benötigt werden, um im CHE-Recherche-Stil auf dem Campus einer Handvoll Studis ein paar Fragen zu stellen?
Dieser Artikel reiht sich nahtlos ein in die lange Reihe von Beiträgen in der ZEIT, in der mehr über die vorgefassten Vorstellungen der Autoren geschrieben wird, als über die Unis, die es in Deutschland wirklich gibt.
Die meisten Hiwis, die ich kenne, machen relativ anspruchsvolle Arbeit, die ihnen auch später fürs Berufsleben etwas bringt. Beispiel: Mathematik Uni Goettingen: für die wöchentlichen Übungen der Erstsemester sind 34 Hiwis eingestellt, die jede Woche Übungsaufgaben korrigieren und recht selbstaendig 1,5 h Uebung mit den Studierenden abhalten.
... zeigt das Echo auf viele Campus-Beiträge nicht deutlich genug, dass die Leser sich informierte, kritische Berichterstattung wünscht, aber nicht irgendwelchen recherchefreien Unfug, den sich ZEIT-Journalisten im stillen Redaktionsstübchen ausdenken?
Wenn wir irgendwelchen Propaganda-Quatsch lesen wollen, ist die BILD-Zeitung billiger, und bunter. Und das BWL-gläubige Gewäsch, das Humboldts Universitäten der Gelehrsamkeit in dumpfe Lernfabriken nach den Vorstellungen des Bertelsmann-Konzerns umwandeln möchte, kann man auch direkt im Internet finden, wenn man denn Freude an antidemokratischen Parolen und der Vergötterung unserer weisen Wirtschaftsführer und selbstlosen Hochschulreformer hat.
Macht mal wieder eine intelligente Zeitung für Leser, die selbst nachdenken können!
Solche Artikel machen mich SO WÜTEND. Da werden zwei Hilfskräfte kurz befragt, und das wars; der Text steht, und eine Berufsgruppe, die wie wenige sonst zwischen den Stühlen sitzt, und über die außer der im Text abgedruckten, miefigen Klischees nichts bekannt ist, wird stigmatisiert.
Ohne Hilfskräfte würde der Betrieb an der Universität schlicht zusammen brechen: Forschungs- und Publikationsleistungen wären im gegenwärtigen Umfang schlicht nicht möglich: heute verlangen viele Verlage kamerabereite Typoskripte, und Hiwis lektorieren nicht nur in akribischer Arbeit Texte, sie layouten ganze Bücher und Zeitschriften. Sie sorgen für das Catering bei Konferenzen, so daß zumindest für die ausländischen Gäste, die den grauenhaften Finanzzustand der deutschen Unis (zumindest in den Geisteswissenschaften) nicht kennen, alles nett und schwungvoll daherkommt. Sie beraten Studierende, besprechen Klausuren und helfen mit Hausarbeiten, die überarbeitet werden müssen. Wenn der Prof auf Konferenz ist, übernehmen sie z.T. die Veranstaltungen selbst.
Und sie finanzieren sich mit dieser Arbeit ihr eigenes Studium (das dadurch nicht automatisch leichter wird -- schließlich werden die Diplome in Deutschland nicht von einzelnen Lehrstühlen vergeben). Natürlich qualifiziert sie die akademische Knochenarbeit weiter -- aber sie schreckt auch gehörige Zahlen von einer akademischen Karriere ab.
Die Jobs gehen übrigens nicht übers schwarze Brett an den Mann und die Frau, sondern in der Regel werden Personen gezielt angesprochen, es sei denn, es werden spezielle IT-Kenntnisse gesucht. Das sichert, daß sich das System weiter "klont" -- gefragt wird, wer in das Beuteschema und das eigene Arbeitsprofil eines Dozenten passt.
Und aus Hilfskräften rekrutiert sich Deutschlands wissenschaftlicher Nachwuchs. In einem mit Stipendien nicht üppig ausgestatteten Land bestreiten viele ihre Promotion auf diesen mickrig entlohnten Posten (in Baden Württemberg kommt man nach vor einiger Zeit erfolgter Gehaltskürzung auf um die 800 Euro), und leisten so den Vasallendienst, der im deutschen System dann evtl. zu weiterer Beschäftigung führt.
Diese Gruppe dann als übervorteilte Streberleichen abzustempeln, entspricht dem Hohn und dem Zynismus, mit dem Leistungsträger in Deutschland abgestraft werden -- wofür eigentlich?
Dieser Artikel ist aus einer extrem einseitigen Perspektive geschrieben.
Ebensowenig, wie die wenigsten Leute nur ein Praktikum in einer Firma machen, weil sie dadurch Kontakte knüpfen wollen, arbeitet jemand als Hiwi, nur um danach Vorteile in einer Prüfung zu haben. Eventuell lehnen es manche Professoren es sogar ab, ihre eigenen Hiwis zu prüfen, weil sie befürchten, dass ihre Kollegen ihnen dann eine Bevorzugung ihrer Hiwis nachsagen. (Dies war bei mir der Fall.)
Natürlich gibt es gute Gründe, einen Hiwi-job zu machen, allerdings sind die wesentlichen Gründe nicht die von Ihnen dargestellten, sondern meiner Meinung nach die folgenden:
(1.) Man bekommt die Möglichkeit, sich die Arbeitsgruppe, in der man dann eventuell seine Abschlussarbeit anfertigen möchte, schon mal "von innen" anzuschauen .
(2.) Man lernt als Hiwi oft schon spezielle Arbeitsmethoden, die man später für die Abschlussarbeit benötigen kann, wie zum Beispiel bestimmte Laborarbeitstechniken, oder Programmiererfahrung. Insgesamt kann man sich schon früh auf ein Gebiet spezialisieren, in dem man später vielleicht mal forschen möchte.
(3.) Im Gegensatz zu vielen Anderen Studentenjobs, wie z.Bsp. Werbeflyerverteilen in der Innenstadt, hat man als Hiwi in der Regel eine geistig anspruchsvollere Aufgabe, die mit dem eigenen Fachgebiet verknüpft ist. Ich kenne niemanden, der als Hiwi ausschließlich kopiert oder Kaffee gekocht hat.
(4.) Die Bezahlung ist in der Regel auch nicht so schlecht, wie oben dargestellt, und durchaus vergleichbar mit anderen Studentenjobs. Außerdem kann man sich selber einteilen, wann man arbeiten möchte und dies mit den Vorlesungen, die man besuchen möchte, abstimmen.
Diese vier Punkte entsprechen meinen eigenen Erfahrungen als Hiwi (2000-2004) in einem übersichtlichen Fachbereich einer kleinen Universität. Selbst, wenn die Sachlage in "Massenfächern" wie BWL oder Jura, anders sein sollte, hätte ich mir gewünscht, das der/die Autor(in) in der Lage gewesen wäre über sein/ihr Fachgebiet hinaus zu blicken.
Darüber hinaus stellt sich mir die Frage, ob es sinnvoll ist, die Uni als reine Notenvergabeanstalt zu sehen, in der Studenten Scheinen nachjagen und nur auf eventuelle Prüfungsvorteile aus sind. Schliesslich soll es ja auch Studenten geben, die aus Interesse an einem Fach studieren.
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