Netzwerken Löcher im Lebenslauf
Eine Studie will beweisen: Golfspielen ist gesund. Nicht nur für den Körper, sondern vor allem für die Karriere
Das Dreigestirn der wichtigen Karrierebausteine buchstabiert sich gemeinhin so: viele Praktika machen, lange ins Ausland gehen und außerdem – am Rande des Nervenzusammenbruchs – Kindern aus sozial benachteiligten Familien bei den Hausaufgaben helfen.
Alles Unsinn, erklärt nun das US- amerikanische IT-Manager-Magazin CIO. Wichtig ist nicht, was im Lebenslauf steht, wichtig ist »aufm Platz«, in diesem Fall: dem Golfplatz. In einer Studie unter sogenannten Entscheidern aus verschiedenen Branchen stellte sich heraus, dass immerhin 56 Prozent der IT-Manager das gemeinsame Golfspielen für das berufliche Fortkommen als extrem bedeutend einschätzen. In anderen Branchen war das Bekenntnis zum Golfen noch deutlicher: 73 Prozent der Business-Executives und stolze 93 Prozent der Sales-Executives hielten den Sport für höchst wichtig für Geschäftsabschlüsse und die eigene Laufbahn. Weitere 71 Prozent gaben zu, nicht zum Spaß, sondern ausschließlich für die Karriere zu golfen– und immerhin noch 18 Prozent meinten, ihr Arbeitgeber erwarte die Teilnahme an derartigen Spaziergängen über das Grün.
»Zwei Drittel aller Stellen werden heutzutage gar nicht mehr ausgeschrieben«, sagt Daniel Detambel, Karriereberater aus Wiesbaden, »bei Führungskräften sind es sogar 80 bis 90 Prozent – und diese Stellen werden letztlich über Empfehlungen und informelle Netzwerke vergeben.« Netzwerke, wie sie sich beispielsweise durch Rotary Clubs und über Golfplätze spinnen. »Wobei dies weniger für Berufseinsteiger gilt als für Positionen jenseits des Sachbearbeiters«, sagt Detambel.
Der Soziologe Pierre Bourdieu hat beschrieben, wie unerbittlich sich Schichten und Milieus über feine soziale Codes voneinander abgrenzen. Wer diese nicht beherrscht – und nicht weiß, was Dogleg, Birdie und Wedges sind –, dem bleiben bestimmte Türen verschlossen. Immerhin 26 Prozent der Befragten der CIO-Studie gaben an, die Entscheidung, am Golfrummel nicht teilzunehmen, habe ihnen geschadet, weil sie dadurch »Chancen zum Beziehungenknüpfen« verpasst hätten.
Die notwendigen Kurse, um die Platzreife zu erlangen, kosten in Deutschland etwa 500 Euro – für ein Golfset plus Wägelchen sollten angehende Führungskräfte noch mal mindestens 400 Euro einrechnen. Eine Investition, die sie aus eigener Tasche tätigen müssen, wie die Pressestelle der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg klarstellt: »Englischkurse oder ähnliche Maßnahmen, sich im Beruf fortzubilden, werden unterstützt – Golfen aber nicht.«
- Datum 21.01.2009 - 16:44 Uhr
- Quelle ZEIT Campus 01/2009
- Kommentare 6
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wird mir gerade wieder einmal schlecht??...
Selten so einen Blödsinn gelesen. Spiele seit Jahren Golf aus Freude an dem Sport, habe ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium aber habe noch nie auch nur im entferntesten davon beruflich profitiert.
Der Artikel will einfach nur feststellen, dass Netzwerke oder Vitamin B leider die einzige Chance auf dem Arbeitsmarkt für Arbeitsuchende darstellen, ansonsten heißt es Anschaffen für den Lehnsherren Personaldienstleister.
Würde mich aber freuen, wenn das schöne Spiel mit dem kleinen Ball zu einem hochdotierten Posten führen würde, jedoch Hoffnung habe ich darauf nicht!
"Nein, ich habe noch Sex."
Den habe ich mal irgendwo aufgeschnappt und weil ich schon dabei bin:
Kommt ein Mann in ein Spielwarengeschäft: "Ich hätte gern ein Geduldsspiel, aber zack, zack!"
Einen hab' ich noch:
"Alte Frau im Zoogeschäft zum Papagei: "Na, kannst Du sprechen?" Der Papagei sieht die Frau abschätzig an und antwortet: "Und Du, kannste fliegen?"
Sorry, gehörten absolut nicht zum Thema ...
Knüppel
Wir halten also fest: insbesondere die Executives und CIOs SCHÄTZEN es also so ein, dass das Golfen wichtig sei.
Sind das dieselben CIOs, die bis 2000 geschätzt haben, dass die Ökonomie dank internet nun völlig anders sein wird, mithin eine neue Wirtschaftsordnung anbräche?
Sind es dieselben Executives, die bis MItte 2008 geschätzt haben, dass man mit SPVs, CBS und RMBS-Papieren viel, viel, viel Gewinn machen kann, ohne die Risiken korrekt einschätzen zu können?
Na dann, herzlichen Glückwunsch, jetzt müsste ja jeder Leser wissen, wie die Aussagen zum Golfen zu bewerten sind.
Dieser Beitrag ist nur peinlich. Ich kenne einen Milliardär, der seit Jahren vorzugsweise mit dem Greenkeeper des Golfclubs über die Runde geht, weil der ihn nicht blöd wg. irgendwelcher Jobs oder Karriereempfehlungen anquatscht.
Andere sog. Prominente und einflussreiche Clubmitglieder spielen dort, weil man sie als Golfspieler akzeptiert und nicht ihren beruflichen und/oder wirtschaftlichen Hintergrund für eigene Pläne ausnutzen möchte.
Und Handicap x in die Headhunter-Akte.
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