Verhaltensökonomie : Fairness zahlt sich aus

Bislang haben Wirtschaftswissenschaftler behauptet, der Mensch sei ein Egoist. Stimmt aber gar nicht, sagen jetzt die Verhaltensökonomen. Ein Gespräch mit Armin Falk

ZEIT CAMPUS: Als Sie am Ende Ihres VWL-Studiums Ihre Diplomarbeit schreiben wollten, mochte kein Professor das Thema »Ökonomie des Vertrauens« betreuen. Warum nicht?

Armin Falk: Es war wie so oft bei solchen Themen: Man kann damit ein bisschen zu früh kommen, man kann natürlich auch ein bisschen zu spät sein, damals war es wahrscheinlich für viele noch ein bisschen zu früh. Stattdessen habe ich dann etwas ganz Furchtbares gemacht: eine Arbeit über Finanzmarktinnovationen.

ZEIT CAMPUS: Derzeit befinden sich die Wirtschaftswissenschaften in einem radikalen Wandel, den Sie mit Ihren Forschungen selbst antreiben. Worum geht es genau?

Falk: Das traditionelle ökonomische Modell geht vereinfacht gesagt davon aus, dass Menschen vollkommen rational handeln, um ihren eigenen Nutzen zu mehren. Der Homo oeconomicus weiß zu jedem Zeitpunkt genau, was er will, und holt nach Möglichkeit das Maximum heraus. Die Experimente in der Verhaltensökonomie stellen dieses Bild infrage.

Armin Falk, 40, ist Professor für Volkswirtschaftslehre in Bonn. Seine empirischen Forschungen zum menschlichen Verhalten finden international große Beachtung. Sie haben das vorherrschende Bild eines rationalen, am Eigennutz orientierten Homo oeconomicus erschüttert© Universität BonnZEIT CAMPUS: Wie laufen diese Experimente ab?

Falk: Ein berühmtes Beispiel ist das Ultimatumspiel mit zwei Akteuren: Einer bekommt vom Versuchsleiter zehn Euro. Diesen Betrag kann er nach Belieben mit der anderen Person teilen, wobei der andere die Aufteilung entweder akzeptieren oder den Vorschlag ablehnen muss. Wenn er die Aufteilung akzeptiert, wird das Geschäft gemacht. Wenn er ablehnt, bekommen beide nichts. Nach dem alten ökonomischen Modell würde man erwarten, dass jemand akzeptiert, wenn er von zehn Euro nur einen abbekommt, denn das ist besser als nichts. Im Labor passiert aber etwas anderes: Angebote, die bei weniger als 40 Prozent liegen, werden regelmäßig abgelehnt. Lieber hat der eine gar nichts, als dass der andere 80 Prozent für sich behalten darf. Er bestraft ihn also und ist auch bereit, die Kosten dafür zu tragen.

ZEIT CAMPUS: Gibt es auch das Gegenteil, dass jemand Fairness belohnt, auch wenn ihm das schadet?

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