Mensagespräch mit Caroline Link "Ich bin kritischer geworden"

Mit ZEIT CAMPUS kehrt Regisseurin Caroline Link an ihre alte Filmhochschule zurück und spricht über neidische Kommilitonen, Anrufe aus Hollywood und ihre Filme, die immer düsterer werden.

Die deutsche Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link

Die deutsche Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link


Eine Zeit lang war das Essen in der Cafeteria der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in München so schlecht, dass Caroline Link ihre Essensmarken für Schokoriegel ausgab. Die Küche hat inzwischen gewechselt – und Link ist eine Vorzeigeregisseurin geworden: Bereits für ihren ersten Kinofilm Jenseits der Stille bekam sie eine Oscar-Nominierung, für den zweiten, Nirgendwo in Afrika, 2003 dann die Goldtrophäe – den ersten deutschen Oscar nach 23 Jahren. Seit November läuft ihr Film Im Winter ein Jahr in den Kinos, in dem eine Familie versucht, mit dem Selbstmord des Sohnes fertig zu werden. Caroline Link ist 44 Jahre alt und gibt mittlerweile selbst Seminare an der HFF.

ZEIT CAMPUS: Frau Link, erinnern Ihre Studenten Sie manchmal an Ihre eigene Studienzeit?

Caroline Link: Natürlich tun sie das. Wobei sie in manchen Dingen aber auch ganz anders sind als wir damals. Mir fällt auf, dass sie selten einen Film nur um des Ausprobierens willen machen. Schon bei der ersten Übung versuchen sie, mit Profis vor und hinter der Kamera zu arbeiten. Klar, das gibt Sicherheit, aber gerade am Anfang muss man doch etwas wagen und nicht sofort nach dem Kontakt zur Industrie schielen.

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ZEIT CAMPUS: Kann man sagen, heute sind die Studenten geschäftstüchtiger als früher?

Link: Sie wissen einfach, dass sie am Markt in starker Konkurrenz stehen, und wollen sich schon mit dem ersten Schritt hervortun. 

ZEIT CAMPUS: Konkurrenz gab es zu Ihrer Zeit doch sicher auch schon!

Link: Ja, aber weniger auf dem Marktheute gibt es mehr Filmschulen und damit auch mehr Absolventen. Bei uns hat eher innerhalb der Klasse jeder genau beobachtet, was die anderen machten, und die Kritik der Kommilitonen war meist sogar härter als die der Dozenten.

ZEIT CAMPUS: Keine schlechte Vorbereitung auf das, was Sie später erwartet hat, oder?

Link: Also, auf destruktive Kommentare wie »Das geht gar nicht!« kann man verzichten.

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