Studium generale Dem Papa die Mama ausspannen

Manche Kommilitonen lassen im Seminar gern Fachbegriffe fallen. Aber worum geht es? Die Fünf-Minuten-Erklärung zum Ödipus-Komplex

Der Ödipus der griechischen Sage meuchelt seinen Vater und heiratet dann seine Mutter – beides unwissentlich. Als er erkennt, was er getan hat, blendet er sich zur Strafe selber.

Aus dieser Legende machte Sigmund Freud eine zentrale Säule seiner Lehre. 1910 benutzt er erstmals den Begriff "Ödipus-Komplex". Dieser sei der "Kernkomplex" jeder Neurose. Ganz knapp: Der Sohn begehrt die Mutter und will den Vater als Rivalen ausschalten, weiß aber, dass er es nicht darf, und greift zur "Projektion". Mithin unterstellt er dem Vater Rachegelüste, die in der Kastration enden.

Aus dieser schlichten Verkettung lässt sich eine ebenso schlichte Therapie ableiten. In der Behandlung (die auf der "freien Assoziation" beruht) überträgt der Patient die Rolle des Vaters auf den Psychoanalytiker ("Transferenz"), aber siehe da, der kastriert ihn nicht. Die Angst weicht, der Patient ist geheilt und kann seine "Libido" (Sexualtrieb) in ein legitimes Objekt der Begierde investieren.

Ein klassisches Experiment zeichnet diese Therapie im Labor nach. Ein Hund wird in einen zweigeteilten Käfig gestellt. Ein Signal erklingt, nach fünf Sekunden erleidet der Hund einen Stromschlag, und er springt in die andere Hälfte des Käfigs. Wird das Experiment wiederholt, lernt der Hund, die Glocke mit dem Stromschlag zu identifizieren; er springt, wenn er nur den Ton hört, und merkt nicht, dass der Strom im Boden nicht mehr fließt. Die Therapie? Der Hund wird mit freundlichen Worten gestreichelt, damit er stehen bleibt, um zu "entlernen": Die Glocke schrillt, der Strom bleibt aus. So einfach ist die Psychoanalyse? Dann würde sie beim Menschen nicht jahrelang dauern, gar zur "unendlichen" werden (ein Begriff, der auch von Freud stammt).

Inzwischen ist die Psychoanalyse gelassener geworden. Sie sieht die frühkindliche Bindung an die Mutter (aber auch an den Vater) als normalen Entwicklungsschritt, der nicht mit Mordgelüsten und Kastrationsängsten einhergehen muss. Erst spät im Leben (in den 1930er Jahren) wandte sich Freud dem "Elektra-Komplex" zu. Dieser befalle kleine Mädchen, die in der Mutter die Konkurrentin im Liebeswerben um den Vater sehen. Gibt es diese Komplexe? Lassen sie sich beobachten und messen? Die beste Antwort liefert ein alter jüdischer Witz: "Mama, der Arzt sagt, ich habe einen Ödipus-Komplex." Mutter: "Ödipus, Schnödipus, Hauptsache, du hast die Mama lieb."

Josef Joffe, 64, war bis 2004 Chefredakteur der ZEIT und ist heute ihr Herausgeber. Er lehrt internationale Politik an der Universität Stanford. Alle Beiträge dieser Serie sind in dem Buch "Wissen to go. Ein Studium generale in 100 Begriffen" nachzulesen (Piper Verlag, 14,90 Euro)

 
Leser-Kommentare
  1. sollten nicht von dingen reden von denen sie nicht die geringste ahnung haben. was soll das denn bitte fuer ein buechlein des herrn joffe sein: "der ratgeber fuer viertelgebildete" oder "mit welchem unsinn sie auf partys eindruck schinden koennen"? langsam aber sicher sinkt die zeit auf focusniveau. schade.

    • lef
    • 20.02.2009 um 11:47 Uhr

    oder stößt es bei Ihnen immer auf, wenn Sie einen "jüdischen" Witz lesen?

    Darf ich raten? Sie sind vom Fach - das würde es jeden Falls erklären.
    Selbstironie würde IMHO etlichen Ihrer Patienten besser helfen, als Therapie
    (deren Erfolgsquote sowieso niedriger ist als eine Wallfahrt nach Lourdes, wie IMHO sogar Freud selbst mal vermutete) .

  2. Dieser Artikel wurde ganz offensichtlich von jemandem geschrieben, der a) von der Materie keinen blassen Dunst hat und b) seinen Oedipus selbst nie gemacht hat. Pathetisch.

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    • lef
    • 21.02.2009 um 12:36 Uhr

    Vielleicht tröstet es Sie, dass Sie wohl Eine/r(?) der letzten Eiropäer/innen (?) sind, die am Ödi litten - es ist eine aussterbende Krankheit.
    Ich empfehle dringend: eine Wallfahrt nach Lourdes.
    MFG

    • lef
    • 21.02.2009 um 12:36 Uhr

    Vielleicht tröstet es Sie, dass Sie wohl Eine/r(?) der letzten Eiropäer/innen (?) sind, die am Ödi litten - es ist eine aussterbende Krankheit.
    Ich empfehle dringend: eine Wallfahrt nach Lourdes.
    MFG

    • lef
    • 21.02.2009 um 12:36 Uhr

    Vielleicht tröstet es Sie, dass Sie wohl Eine/r(?) der letzten Eiropäer/innen (?) sind, die am Ödi litten - es ist eine aussterbende Krankheit.
    Ich empfehle dringend: eine Wallfahrt nach Lourdes.
    MFG

  3. Ödipale Persönlichkeiten sind eine Katastrophe, das weiss ich aus eigener Erfahrung. Es gibt in der näheren Verwandtschaft 2 Brueder, die ueber 30 sind noch nie eine Freundin hatten, ein total enges Verhältnis zur Mutter, und gleizeitig eine kuehle beinahe hasserfuellte Distanz zu ihrem absolut gutmuetigen beinahe treudoofen Vater, der sonst von allen gemocht wird. Es ist eine Katastrophe, im Leben dieser 2 Personen gibt es nur die Mutter, ansonsten haben zu allen Menschen, selbst innerhalb des engsten Familienkreises ein distanziertes Verhältnis, und behandeln u.a. auch mich auf beinahe beleidigende Weise. Das ist kein Mythos sondern bittere Realität unter der u.a. auch ich selbst zu leiden habe.

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