ZEIT CAMPUS: Herr Sonneborn, Sie sind Deutschlands bekanntester Satiriker. Sechs Jahre lang waren Sie Chefredakteur der »Titanic«, jetzt machen Sie mit politisch-satirischen Aktionen Furore. Dabei hatten Sie doch in Ihrer Publizistik-Magisterarbeit belegt, dass Satire heute vergeblich ist.

Martin Sonneborn: Ich habe da durch historische Vergleiche nachgewiesen, dass ihre Wirkung stark nachgelassen hat. Im 18. Jahrhundert konnte man für eine Karikatur ins Gefängnis wandern! Pardon hatte zu Zeiten der Studentenbewegung eine Auflage von über 300.000 Stück – inzwischen ist sie eingestellt. Titanic hat heute etwa 60.000 Käufer. Eine Breitenwirkung, das war mein Schluss, kann es also kaum noch geben.

ZEIT CAMPUS: Wie wirkt Satire?

Sonneborn: Satire ist eine zielgerichtete, ästhetisch abgefederte Aggression, die Ärgernisse zwar nicht abstellt, aber zumindest aufzeigt.

Der Satiriker Martin Sonneborn ist Mitherausgeber des Magazins "Titanic"© Marcus Posthumus/ddpZEIT CAMPUS: Für viele Leute wurden Sie selbst zum Ärgernis. Der DFB wollte gar 600 Millionen Mark Schadensersatz von Ihnen, weil Sie Fifa-Komitee-Mitglieder bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 bestochen haben.

Sonneborn: Wir hatten einige Faxe an die Herren geschickt, in denen wir ihnen »very good sausages and a wonderful KuKuClock« versprachen, falls sie für Deutschland stimmten. Einer von ihnen enthielt sich tatsächlich der Stimme. Das Medienecho darauf hat mich selbst überrascht. Wir haben im öffentlichen Bewusstsein die Vergabe einer WM mit dem Thema Korruption in Verbindung gebracht – das war für viele Menschen offenbar ein recht neuer Gedanke.

ZEIT CAMPUS: Somit haben Sie Ihre wissenschaftliche Arbeit praktisch widerlegt?