Eine Gefahr für das Bildungssystem
– Ist es nicht traurig, auf Pillen angewiesen zu sein?
– »Wer Anerkennung bekommt, weil er mit Ritalin mehr leistet, fühlt sich gut. Was sollte daran traurig sein?«
Eben. Was sollte an Gehirndoping traurig sein? Ich überlege, Ritalin auch bei meiner Examensklausur zu nehmen, und frage eine Mitarbeiterin der Prüfungskommission, ob denn Ritalin gegen die Prüfungsordnung verstößt. Sie antwortet mir noch am selben Tag: »Darüber haben wir noch nie nachgedacht! Wenn derjenige, der sich aufputscht, nicht auffällig wird, kann er seine Prüfung schreiben. Wenn aber andere durch sein Verhalten gestört werden, wird er den Klausurraum verlassen müssen. Auch wenn jemand vor der Prüfung zu viel Tequila trinkt, würden wir so reagieren!«
Am Tag meiner Klausur stehen Studenten vor dem Prüfungsgebäude und rauchen. Ich gehe hinein und setze mich. Ich will ganz offen dopen. Die orangefarbene Pappschachtel liegt auf meinem Tisch. RITALIN, 10 mg, Wirkstoff: Methylphenidat. Bei der Tour de France würden sie mich jetzt verhaften, später würde ich in einer Pressekonferenz sitzen, und ich würde von Missverständnissen reden und von falschen Unterstellungen. Bei der Magisterprüfung aber darf ich das alles, und zehn Minuten nachdem ich die Pille geschluckt habe, fühlt es sich wieder an, als trüge ich Scheuklappen. Vier Stunden lang schreibe ich, fast ohne aufzublicken, Seite um Seite. Einmal gehe ich auf die Toilette und bin selbst dort so fokussiert, dass ich beim Händeföhnen vergesse, dass ich eine Klausur schreibe.
Es war meine letzte Tablette. Für die Klausur gab es eine 1,3. Nicht schlecht, aber in einer anderen – in der ich nicht gedopt war – gab es eine 1,0. Was bleibt also von diesem Selbstversuch, außer dem »Rebound«, der nicht nur die Leistungsfähigkeit senkt, sondern auch die Laune schlechter macht?
Ich weiß es nicht. Wer sagt, Ritalin helfe nicht, lügt. Es schlägt nicht bei jedem an, aber aus mir hat es den Studenten gemacht, der ich sein sollte: hellwach, fokussiert und diszipliniert. Und einen Menschen, der ich nicht sein will: zwanghaft und unentschlossen. Ich hatte keinen Hunger mehr und keinen Durst, ich wusste nicht mehr, welche CD ich hören und welche Hose ich anziehen wollte. Wenn die Wirkung nachließ, wurde ich unkonzentrierter als vorher, und statt mich zusammenzureißen, überlegte ich, wo ich wieder Ritalin herbekommen konnte. Außerdem ist es kein gutes Gefühl, jemand zu sein, der über einem Handföhn seine Abschlussklausur vergisst. Ich habe versucht, das meinen Freunden zu erklären, und erzählt, was Gerald Hüther, der Neurologe, meinte: »Ritalin ist eine Gefahr für unser gesamtes Bildungssystem.«
Ich habe meine Freunde gefragt, ob sie mich verstehen. Sie fragten zurück, ob ich noch welche von den Pillen übrig habe.
- Datum 02.04.2009 - 16:38 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus, 18.02.2009
- Kommentare 157
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also der Artikel macht wirklich neugierig, vor allem wenn man die Situationen kennt. Aber eigentlich sollte man eher abschrecken.
Das der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszk sagt es wäre ok sich einen Vorteil zu verschaffen verstehe ich nicht. Dieser man sieht nicht die langfristigen Schäden für Konsument und seine Umwelt.
In Asien wurde oder wird noch Methamphetamin von Chefs an ihre Arbeiter abgegeben das sie mehr arbeiten können. Das Land konnte irgendwann dieses Geschwür nicht mehr kontrollieren und fing an. Süchtige und Dealer einfach zu erschiesen, es wurde zu einer richtigen Treibjagd.
Natürlich kann man das nicht ganz vergleichen aber man darf es auch nicht wie Sven Gábor Jánszk verharmlosen. Es gibt viel zu viele labile Wesen da drausen, bei denen dieses zeug zur Katastrophe wird...
Der Artikel erinnert mich daran, daß ich immer noch nicht Sartres Mescalin-Bericht gelesen habe... Selbstversuche um darüber zu berichten lesen sich wirklich interessant. Empfehlen kann ich auch Berichte über homöopathische Mittel, die sind wesentlich subtiler und betreffen ganz bestimmte Themata des lebensweltlichen Spektrums und beeinflussen erst indirekt die Biochemie.
Die Lernhemmung ist natürlich bekannt. Wenn man zweimal die Woche Boxen geht und sich durchwalken lässt dann stellt sich aber Ruhe schon ein. Anderseits weiß ich daß man hyperaktive Leute durch richtige Betreuung zu ihrem eigenen Lernstil, also staccato, bringen kann - sie sind dann extrem leistungsfähig aber gar nicht empathisch.
Schliesslich gibt es am Tag zwei Phasen wo es von der Lufelektrizität her gut zu arbeiten ist: "Im Zusammenhang mit Untersuchungen der Sonnenaktivität wurde festgestellt, dass die Häufigkeit der Sterberate zwischen 14-10 Uhr liegt. Wenn die Ladungsdichte der atmosphärischen Luft ihr Maximum hat und zwischen 19 und 20 Uhr, wenn das Minimum erreicht wird. Die Arbeitsfähigkeit des Menschen ist phasenverschoben. Sie erreicht ihr Maximum zwischen 10 – 12 Uhr, das Minimum gegen 14 Uhr und ein weiteres Maximum gegen 16 – 18 Uhr. Biosysteme des Menschen beginnen ihre Arbeitsfähigkeit bei einem Schwellwert der ladungsdichte und werden zerstört, wenn der Wert der Ladungsdichte in der doppelschichtigen Membran den Durchschnittswert erreicht. Die Ladungsdichte erreicht in der Atmosphäre im Mittel 3 x 10- (hoch 11) C/m3. Bedeutende Abweichungen davon führen zur Zerstörung der Impulsübertragung in den transmembranen Ketten."
(Karl Hecht, Literaturstudie für das Bundespostministerium 1994)
-kann natürlich sein daß im Bereich technischer Funkquellen gar keine natürliche Atmosphäre mehr herrscht, aber keine Ahnung.
Trotzdem: Statt sich mit Medikamenten zu behelfen sollte der Autor lieber mal die seine Lebensumstände überprüfen, Hinweise s.o.
Etwa wie folgt?
Tag 1: Nichts passiert.
Tag 2: Nichts passiert.
Tag 3: Nichts passiert.
Tag 4: Nichts passiert.
Tag 5: Nichts passiert.
Tag 6: Hatte das vage Gefühl, heute könnte es ein wenig gewirkt haben.
Tag 7: Ja...
Tag 8: Doch nicht.
Tag 9: Nichts passiert.
Tag 10: Nichts passiert.
Tag 11: Nichts passiert.
(...)
Etwa wie folgt?
Tag 1: Nichts passiert.
Tag 2: Nichts passiert.
Tag 3: Nichts passiert.
Tag 4: Nichts passiert.
Tag 5: Nichts passiert.
Tag 6: Hatte das vage Gefühl, heute könnte es ein wenig gewirkt haben.
Tag 7: Ja...
Tag 8: Doch nicht.
Tag 9: Nichts passiert.
Tag 10: Nichts passiert.
Tag 11: Nichts passiert.
(...)
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen. Danke. Die Redaktion/se
Fast alles ist richtig -- nur der letzte Satzteil nicht: die Jungen können nicht gebildeter werden, weil sie insgesamt "gedämpft" sind.
Folge: händelbar und lieb, aber doof und ungebildet...
Eine Sünde, an den Jungen (seltener Mädels) begangen.--
Waren das noch Zeiten, als Kinder noch Käfer sammelten und auf Bäumen rumkletterten: NATÜRLICHER STRESS-ABBAU war das --
Fast alles ist richtig -- nur der letzte Satzteil nicht: die Jungen können nicht gebildeter werden, weil sie insgesamt "gedämpft" sind.
Folge: händelbar und lieb, aber doof und ungebildet...
Eine Sünde, an den Jungen (seltener Mädels) begangen.--
Waren das noch Zeiten, als Kinder noch Käfer sammelten und auf Bäumen rumkletterten: NATÜRLICHER STRESS-ABBAU war das --
daß der am Bild Dargestellte ein Medizinstudent ist!
Der Mensch und die Natur innig vereint um gemeinsam den Fortschritt zu sichern...
Die Balance die bei gesunden Menschen das Leben lebenswert und aus dem heraus abwechlunsgreich macht wird, so scheint es, ohne Zweifel dem Markt der heiligen Kuh untertan gemacht.
Dabei sollte jeder wissen das die diversen Gemütszustände des Menschen aus anscheindener Schwäche Kraft schaffen... nur eben leider nicht in den vom Menschen optimierten Zeiträumen.
Gerade etwa das Gefühl von Langeweile wollen die meisten von uns möglichst schnell überdecken da es zunächst unangenehm erscheint... Würde man sich dafür Zeit nehmen und die Langeweile zu ihrem natürlichen Ende kommen lassen könnte man entdecken wie kraftvoll dies sein kann... Ideen und Schaffenskraft und Motivation entstehen oft durch Leere und Zeit die wir immer weniger zur verfügung haben (wollen).
Gleiche Erfahrungen kann machen wer auch andere Gemütszustände, ob nun poistiv oder negativ, ihren lauf lässt... Auf und Ab, dies als den natürlichen Gang aller Dinge zu akzeptieren macht das leben lebenswerter...
Aber auch da lässt uns die Globale Marktwirtschaft, der Globale Wettbewerb, die Globalen Bilanzen und Profite, die Globale Hektik keine Zeit...
Lieber und besser ergeben wir uns den Pharmakonzernen und ihren Bedürfnissen... Aber warum stopfen Eltern ihren Kindern mit voller Ueberzeugung Drogen in den Körper?
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Nach dem Werbeblock hätte ich nun aber einen Link erwartet für gestresste Kopfarbeiter....
Wer sich tausend Knochen und Gefäße ins Hirn kloppen muss, überfordert wahrscheinlich seine Motivation. Wer hingegen einen Magister in Philosophie macht und dessen Neugierde nicht reicht, sich konzentriert der Materie zu widmen, der sollte besser gleich Medizin studieren!
Punkt!
Übrigens erinnert mich der Artikel tatsächlich an übelsten Auftragsjournalismus in den 80ern, wo im redaktionellen Teil diverser Zeitschriften unverholene Lobhudeleien über diverse Pharmaka platziert wurden. Verharmlosend als "lifestyle-Drogen" apostrophiert.
Methylphenidat war schon 1944 vom Ehemann seiner Frau Rita entdeckt worden.
Ritalin schlummerte so vor sich hin, bis findige Produktmänädscha aus Usland ein neues Anwendungsgebiet samt zugehöriger Legende ("ADHS") kreierten. Strukturell unterscheidet sich ADHS übrigens nicht von "war on terrorism".
Jedenfalls: Noch so ein paar peppige "Erlebnisberichte" in den Gazetten und ein paar Hunderttausend mehr werden sich einbilden, nicht mehr ohne den chemischen Tritt in den Hintern geliebt zu werden.
Vollkommene Zustimmung!
Den Reaktionen zufolge scheint der Artikel dem sittlichen Verständnis der Mehrheit nicht gepasst zu haben, nach dem doch vor Drogen immer ausreichend gewarnt werden sollte. Doch darum geht es hier nicht. Der Titel trägt schon das Fazit und wirft die Frage auf, ob man das wollen kann! Die zweite entscheidende Frage ist ob man die Freiheit hat zu entscheiden - endlich wird das einmal angesprochen! Sehr gesellschaftskritisch wird hier größte individuelle Rationalität bei gleichzeitig größter kollektiver Irrationalität aufgezeigt.
Als Konsequenz müssten entweder Gesetze und Doping-Tests an die Unis, oder aber eine breite ethische Auseinandersetzung angestoßen werden. Ansonsten wird sich der Teufelskreis zuspitzen – es wird nur noch erfolgreiche Roboter und stigmatisierte Dumme geben. Doch was erwartet man von einem System das auf Nutzenmaximierung ausgerichtet ist et pereat mundus. Die scheinbar nutzlosen Geisteswissenschaften werden immer weiter aus dem System gedrängt und – ob bewusst oder nicht – die (unreflektierte) trans-humanistische Lösung immer attraktiver. Was gut oder richtig ist darf in keiner Zeit ungeklärt bleiben. Dass es eine Pflicht der (technischen) Verbesserung des Menschen geben könnte, wie es von der Trans-humanistischen Gesellschaft gefordert wird, ist genauso wenig ausgeschlossen, wie die Möglichkeit, das wir gar teilweise zurück-schreiten sollten um andere Wege einzuschlagen. Noch haben wir die Alternative - und zur Aufklärung helfen solche Artikel!
Vollkommene Zustimmung!
Den Reaktionen zufolge scheint der Artikel dem sittlichen Verständnis der Mehrheit nicht gepasst zu haben, nach dem doch vor Drogen immer ausreichend gewarnt werden sollte. Doch darum geht es hier nicht. Der Titel trägt schon das Fazit und wirft die Frage auf, ob man das wollen kann! Die zweite entscheidende Frage ist ob man die Freiheit hat zu entscheiden - endlich wird das einmal angesprochen! Sehr gesellschaftskritisch wird hier größte individuelle Rationalität bei gleichzeitig größter kollektiver Irrationalität aufgezeigt.
Als Konsequenz müssten entweder Gesetze und Doping-Tests an die Unis, oder aber eine breite ethische Auseinandersetzung angestoßen werden. Ansonsten wird sich der Teufelskreis zuspitzen – es wird nur noch erfolgreiche Roboter und stigmatisierte Dumme geben. Doch was erwartet man von einem System das auf Nutzenmaximierung ausgerichtet ist et pereat mundus. Die scheinbar nutzlosen Geisteswissenschaften werden immer weiter aus dem System gedrängt und – ob bewusst oder nicht – die (unreflektierte) trans-humanistische Lösung immer attraktiver. Was gut oder richtig ist darf in keiner Zeit ungeklärt bleiben. Dass es eine Pflicht der (technischen) Verbesserung des Menschen geben könnte, wie es von der Trans-humanistischen Gesellschaft gefordert wird, ist genauso wenig ausgeschlossen, wie die Möglichkeit, das wir gar teilweise zurück-schreiten sollten um andere Wege einzuschlagen. Noch haben wir die Alternative - und zur Aufklärung helfen solche Artikel!
... oder wie Chefkoch schon sagte: Kinder, was hab ich euch über Drogen gesagt?
Das es dafür den richtigen Ort und die richtige Zeit gibt - und das ist die Uni.
Mit Ritalin, so scheint es, benutzt man hier eine Droge die nicht bewusstseinserweiternd, sondern im Gegenteil einschränkend ist. Damit funktioniert der einzelne dann so wie es gesellschaftlich vorgegeben ist.... Und das auch noch legal auf Rezept. Echt super.
Da sind doch andere Drogen besser, mit denen man auch mal über den Tellerrand schauen kann!
Wacht auf, Roboter dieser Erde.... Hört die Signale!
Ökologisch wäre jedem ein Fahrrad hinzustellen und Epo zu spritzen damit man sich der bösen Autos endgültig entledigen kann :).
Ökologisch wäre jedem ein Fahrrad hinzustellen und Epo zu spritzen damit man sich der bösen Autos endgültig entledigen kann :).
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