Fotoprojekt Auf Spurensuche

Tine Casper hat sich mit den Eltern all ihrer Exfreunde getroffen und sich mit ihnen fotografiert. Im Interview berichtet sie über ihre Erfahrungen

ZEIT CAMPUS: Tine Casper, Sie haben die Eltern Ihrer Exfreunde zum Fototermin getroffen, so ähnlich wie der Protagonist in Nick Hornbys Roman »High Fidelity«, der all seine Exfreundinnen aufsucht.

Tine Casper: Es geht wohl in beiden Fällen darum, mit Anfang dreißig eine Bilanz seines Beziehungslebens zu ziehen. Für mich standen dabei allerdings weniger die Exfreunde im Vordergrund als das Phänomen, dass mit der Trennung von einem Partner auch andere Beziehungen beendet werden – insbesondere die Beziehung zu den Schwiegereltern.

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ZEIT CAMPUS: Inwiefern ist das ein Phänomen?

Casper: Die Generation unserer Großeltern hatte noch Schwiegereltern für viele Jahre ihres Lebens. Heute, wo kaum mehr jemand seine Jugendliebe heiratet, hat man eher Lebensabschnitts-Schwiegereltern. Am Ende gibt es oft nicht einmal einen richtigen Abschied.

ZEIT CAMPUS: Dass die Beziehung zu seinen Eltern die zu einem Partner überlebt, ist selten, oder?

Casper: Das ist wohl nur möglich, wenn eine Bindung über die Beziehung zu dem Sohn hinaus besteht. Ich habe aber noch ein gutes Verhältnis zu allen Familien – und auch richtige Freundinnen gewonnen, wie Marlene .

ZEIT CAMPUS: Gab es einen Auslöser für Ihr Projekt?

Casper: Ja, die Trennung von meinem letzten Freund, mit dessen Mutter ich mich auch sehr verbunden gefühlt habe. Die Bilder sind wie eine Suche nach den Spuren des Verlustes – die ich dann auf die Eltern aller Partner ausgeweitet habe.

ZEIT CAMPUS: Das ist ja immer eine Konfrontation mit der Vergangenheit...

Casper: ...und mit dem eigenen Scheitern, das immer auch mitschwingt. Denn nicht jede Beziehung geht im Guten auseinander. Aber natürlich war ich auch neugierig, was in der Zwischenzeit passiert ist.

ZEIT CAMPUS: Darüber haben Sie bei den Treffen mit den Eltern gesprochen?

Casper: Es wurde mehr am Bild gearbeitet als geredet. Aber ich habe natürlich erzählt, was ich jetzt so mache, und die Eltern haben ein bisschen von sich erzählt – und auch von ihren Söhnen.

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