Wenn Christopher Paesen an die Geschichte mit den Toiletten denkt, wird er immer noch wütend. Dass Bücher, Tutorien und Beamer aus Studiengebühren bezahlt werden, kann der hochschulpolitische Sprecher des Bonner Asta verstehen. Aber die Sanierung maroder Klos? »Das hat wirklich nichts mehr mit der Verbesserung der Lehre zu tun«, schimpft er. »Wir studieren doch nicht auf den Toiletten.«

Rund 500.000 Euro an Studienbeiträgen wollte die Bonner Uni bis vor Kurzem in die heruntergekommenen Toiletten im Hauptgebäude stecken. So wichtig schien der Plan zu sein, dass man im Senat die Studentenvertreter schlicht überstimmte. Erst als die Landesregierung in Düsseldorf die Hochschulleitung intern rügte und der öffentliche Druck zu groß wurde, ließ man von der Idee ab. Für Paesen zeigte der Fall jedoch: »Anstatt die Lehre zu verbessern, werden wir immer öfter abkassiert.«

»Verbesserung der Lehre« – in den sechs Bundesländern, die Studiengebühren erheben, tragen die Wissenschaftsminister diese Formel seit Jahren vor sich her. Die Gebühren von maximal 500 Euro pro Semester, so lautete das Versprechen bei deren Einführung, kämen voll und ganz den Studenten zugute, jeder zusätzliche Euro fließe in bessere Studienbedingungen. Es war ein politisches Versprechen, das die Studenten beruhigen sollte. In Wahrheit aber legte es den Grundstein für Streit und Enttäuschungen.

Denn rund zwei Jahre später müssen die Studenten zusehen, wie ihre Gebühren auch in Projekte fließen, die einst Aufgabe des Staates waren: in Hörsäle, Begegnungszentren oder die Sanierung maroder Gebäude. »Das Geld wurde in einigen Fachbereichen einfach zum Stopfen von Löchern verwendet«, sagt der hochschulpolitische Sprecher des Asta der Uni Dortmund, Michael Jakubowsky.

Tatsächlich stecken viele Hochschulen in einem Dilemma, in das die Landesregierungen sie bewusst geschickt haben. Einerseits füllen die Studiengebühren die Universitätskassen: Rund eine Milliarde Euro nehmen die Hochschulen pro Jahr nun zusätzlich ein, allein in Bonn fließen jedes Jahr rund 17 Millionen Euro frisches Geld in die Uni. Weil die Landesregierungen den Studenten versprochen hatten, das Geld nur für die Verbesserung der Lehre zu verwenden, kauften die Hochschulen hiervon erst einmal Bücher, richteten Tutorien ein und verlängerten die Öffnungszeiten der Bibliotheken. Das ist nun alles bezahlt. Jetzt fehlt es oft an Ideen, was mit den Millionen weiter passieren soll.

Der Mannheimer Rektor Hans-Wolfgang Arndt spricht von einer »Bugwelle«, die die Hochschulen vor sich herschöben. Geld, das nutzlos auf Konten herumliegt, während es in den Hörsälen durchs Dach regnet oder Lampen von der Decke fallen. Die Wissenschaftsminister dürften sich derweil die Hände reiben. Denn fast unbemerkt haben die Unis begonnen, was sich vor Jahren politisch nicht hätte durchsetzen lassen: Mit den Gebühren übernehmen sie Staatsaufgaben.

Beispiel Bonn. Insgesamt stehen der Uni aus dem Haushalt eine bis anderthalb Millionen Euro pro Jahr für die Sanierung der Gebäude zur Verfügung. »Der Investitionsstau ist so groß, dass es sinnvoll gewesen wäre, die Gebühren für die Renovierung der Toiletten einzusetzen«, rechtfertigt sich Prorektor Wolfgang Löwer. Der Kölner Rektor Axel Freimuth plädiert dafür, dass im Rahmen des Gesetzes getan werde müsse, »was notwendig« sei.