Eine Hütte im Himalaya-Hochland. Draußen Temperaturen um den Gefrierpunkt, drinnen suchen vier Menschen in dicken Mänteln das Glück. So steht es im kleinen Königreich Bhutan in der Verfassung: Die Bewohner des Landes sollen nicht jedes Jahr reicher werden, sondern glücklicher. Es gibt nur ein Problem dabei: Wie findet man heraus, ob das funktioniert? Das Bruttosozialprodukt kann man messen, aber wie misst man das Bruttosozialglück eines Landes?

Die vier Wissenschaftler, die in der Hütte diskutieren, forschen genau zu diesem Problem. Einer von ihnen ist Tobias Pfaff, BWL-Doktorand aus Münster, der ein halbes Jahr lang am Centre for Bhutan Studies arbeitet – einem Forschungsinstitut in der Hauptstadt des buddhistischen Königreiches. Seitdem er 2005 in einer Vorlesung das erste Mal von Glückskonzepten hörte, war er fasziniert von dem Thema, das Anfang der Siebziger schon einmal weltweit diskutiert wurde. Wegen der Wirtschaftskrisen der nächsten zwei Jahrzehnte aber hat es nur in Bhutan überlebt.

Vier Dinge sind wichtig in der bhutanischen Glückspolitik: eine sozial gerechte Gesellschaft und Wirtschaft, die Bewahrung und Förderung kultureller Werte, der Schutz der Umwelt und die Errichtung einer guten Regierung und Verwaltung. Damit soll das Glück der Bevölkerung gemehrt werden.

Da niemand zählen kann, wie gut das funktioniert, haben Wissenschaftler einen Fragebogen mit 290 Fragen entwickelt, mit dem unter den Bhutanern geforscht werden soll, ob sie tatsächlich glücklicher werden. Er untersucht zum Beispiel Bildung, Gesundheit und Lebensstandard. Tobias und seine Kollegen überarbeiten diesen Bogen bereits seit einigen Monaten. Ihre Nachfolger werden damit später von Haus zu Haus gehen und insgesamt 951 Bhutaner befragen. Aus den Antworten hoffen sie zu lernen, wie man Glück tatsächlich erzeugen und verändern kann. »Es ist eigentlich nicht einmal klar, ob ein verbesserter Lebensstandard überhaupt ein Kriterium für Glück ist«, sagt Pfaff.

Das ist die Frage, die alle Forscher weltweit bewegt, die von der Idee ausgehen, dass sich Lebensqualität nicht im Bruttosozialprodukt messen lässt: Was macht Menschen überhaupt glücklich? Soziale Beziehungen? Eine kompetente Regierung? Oder doch das Bruttosozialprodukt?

Auch wenn die Ergebnisse noch ausstehen, ist schon jetzt klar, dass die Befragung mehrere Jahre hintereinander durchgeführt werden muss. Ob am Ende die Glücksformel gefunden wird? Pfaff ist sich nicht sicher: »Der Staat kann lediglich die Bedingungen schaffen. Am Ende ist doch jeder seines eigenen Glückes Schmied.«