Renten-GesetzFrau Merkel, warum geben Sie den Generationenvertrag auf?

Mehr Schulden statt Nachhaltigkeit: Angesichts der Rentengarantie fordert unser junger Autor mehr Generationengerechtigkeit – und schrieb direkt an die Kanzlerin von Wolfgang Gründinger

Denkt sie zu wenig an die Jungen?

Denkt sie zu wenig an die Jungen?  |  © Getty Images

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!

Ich bin 24 Jahre alt und gehöre damit zu einer Generation, die Sie in Ihrer Politik zu oft übersehen. Zwar betonen Sie immer wieder, wie wichtig Ihnen Nachhaltigkeit sei – nur leider merken wir davon wenig. Nachhaltigkeit bedeutet, dass jede Generation genauso gute Chancen haben soll wie die vorherige. So, wie es derzeit aussieht, hinterlassen Sie uns aber ein schweres Erbe.

Warum sparen Sie an unserer Zukunft? Mit den Konjunkturpaketen, die die aktuelle Krise mildern sollen, bürden Sie uns noch mehr Staatsschulden auf. Mit dem Kabinettsbeschluss von gestern schließen Sie künftige Rentenkürzungen aus, auch wenn die Löhne aller anderen fallen.

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Schuldenmachen ist dann gerechtfertigt, wenn so Investitionen finanziert werden, die auch unserer Generation zugutekommen. Das trifft aber nur für einen Teil der neuen Schulden zu; zudem ist unklar, wie sie wieder abgebaut werden sollen. Sie dürfen uns keine Rekordverschuldung aufbürden, ohne verbindlich festzulegen, wie diese getilgt werden soll! Verschwenden Sie keine Steuergelder für umweltschädliche Subventionen wie die Abwrackprämie, und sparen Sie sich aktionistische Konsumspritzen wie die Krankenkassen-Zuschüsse! Setzen Sie das Geld stattdessen nachhaltig ein: für Bildung, Forschung und erneuerbare Energien.

Wann entzerren Sie endlich die Rushhour des Lebens? Unsere Gesellschaft macht es jungen Paaren schwer, eine Familie zu gründen. Auch für viele von uns Jungen gehören Kinder zum Lebensglück. Die Zeit, in der sich Kinderwünsche verwirklichen lassen, ist aber zur Rushhour des Lebens geworden – viele von uns sind während Ausbildung und Studium von den Eltern abhängig; danach müssen wir uns erst mal eine berufliche Existenz aufbauen, was mit Kindern immer noch schwer möglich ist. Schaffen Sie daher die Wehrpflicht ab, stärken Sie die soziale Absicherung junger Eltern, investieren Sie noch mehr in öffentliche Kinderbetreuung, und machen Sie die Betriebe kinderfreundlicher!

Wann beenden Sie unsere Diskriminierung in der Arbeitswelt? Auf dem Arbeitsmarkt droht die junge Generation in prekäre Verhältnisse abzurutschen. Durch un- oder unterbezahlte Praktika werden reguläre Jobs wegrationalisiert. Ältere Arbeitnehmer haben zu viele Privilegien; junge Leute dagegen werden mit miesen Löhnen und schlechterer sozialer Sicherung abgespeist. In den Arbeitsagenturen warten junge Menschen, und sie warten auf ihre Zukunft. Die ökonomische Perspektivlosigkeit prägt das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Machen Sie Regeln für faire Praktika verbindlich, und gehen Sie in den Behörden mit gutem Beispiel voran! Schaffen Sie ungerechte Altersprivilegien ab. Wir Jungen sind keine Arbeitnehmer zweiter Klasse!

Leserkommentare
  1. sehr gute zusammenfassung der situtation und meiner subjektiven wahrnehmung!

    ich kann den meisten punkten kommentarlos zustimmen...

  2. Guter Brief. Aber die Forderung nach Abschaffung der Wehrpflicht mit dem Argument, es würde dazu beitragen, die Möglichkeit zum Kinder bekommen weiter einzuschränken, finde ich ziemlich dünn. Wir sprechen von lächerlichen 9 Monaten, ein 3/4 Jahr.

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    Aus der jüngeren deutschen Geschichte wissen wir, dass eine Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland sehr problematisch ist. Sie abzuschaffen bedeutet gerade in wirtschaftflich und sozial sehr schwierigen Zeiten eine Gefährdung der Demokratie, denn Wehrpflichtige üben auch eine sehr wichtige Kontrollfunktion innerhalb der Armee aus: eine Berufsarmee würde ein abgekapselte, fast unkontrollierte Institution für sich sein, in der sehr schnell krude Ideen und Phantasien den Alltag bestimmen. Solange sich das Militär seine Mannschaften nicht aussuchen darf, muss es auf der Hut sein. Es ist für mich eine üble Vorstellung, wenn auf den dumpfen Stuben ungezügelt der Ungeist freier Kameradschaften sein Unwesen treibt.

    • kkr
    • 07. Mai 2009 12:43 Uhr

    denn praktisch geht durch das 3/4 Jahr ein ganzes verloren. Aus ähnlichen Gründen sollte auch das Abitur auf 12 Jahre gestrafft werden. Ich denke entweder gibt es eine "allgemeine Wehrpflicht" oder keine. Zur Zeit ist die Wehrpflicht doch nur da, um den Zivildienst zu füllen.

    Ich hoffe Du warst selbst beim Militärdienst. Denn ansonsten kannst Du es nicht richtig einordnen: Du bist drinnen und draussen geht das Leben ohne Dich weiter.

  3. Wenn Sie in Rente gehen sind die Politiker die Ihnen ( und auch mir als 39 jaehrigen ) das Geld aus der Tasche gezogen haben schon lange tot.

    Da kratzt Sie die EU weite Altersarmut kein kleines bisschen mehr.

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    ... haette ein kleines "sie" sein sollen....

  4. ... haette ein kleines "sie" sein sollen....

    Antwort auf "Herr Gruendinger! "
  5. Das Problem in Deutschland ist das man den Menschen nicht die Wahrheit sagt: Stellt Euch doch mal die Realität eines deutschen Hauptstädters vor. Dieser Verdient in Durchschnitt 900 €. Wenn dieser auch vierzig Jahre Arbeiten würde wäre seine müssige, entwürdigte und masslose Altersrente gerade einmal vielleicht 500 €. Kann mir jemand mal klar machen, was die Menschen damit machen sollen. Sollen Sie eine durchschnittliche Miete bezahlen oder Leben. Diese einfache Rechnung setzt nur eine einfache Bedingung voraus. Diese ist das alles so bleibt wie es ist... d.h. auch das eine gehaltsbedingte Rente durch Lebenshaltungskosten in der Zukunft wegrationalisiert wird. Dies wiederum heisst das wenn jemnd in eine Gehaltserhöung hat diese im Laufe der Zeit durch steigende Lebenshaltungskosten wegfrisst... usw.
    Doch sagen wir den Menschen die Wahrheit und versuchen das Unmögliche....

    Gruss
    Trizmachine

  6. Aus der jüngeren deutschen Geschichte wissen wir, dass eine Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland sehr problematisch ist. Sie abzuschaffen bedeutet gerade in wirtschaftflich und sozial sehr schwierigen Zeiten eine Gefährdung der Demokratie, denn Wehrpflichtige üben auch eine sehr wichtige Kontrollfunktion innerhalb der Armee aus: eine Berufsarmee würde ein abgekapselte, fast unkontrollierte Institution für sich sein, in der sehr schnell krude Ideen und Phantasien den Alltag bestimmen. Solange sich das Militär seine Mannschaften nicht aussuchen darf, muss es auf der Hut sein. Es ist für mich eine üble Vorstellung, wenn auf den dumpfen Stuben ungezügelt der Ungeist freier Kameradschaften sein Unwesen treibt.

    Antwort auf "Wehrpflicht?"
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    ... eine Frage der Organisation, in anderen Ländern geht es doch auch. Und auch jetzt verabschiedet sich ein Großteil der Wehrpflichtigen in den Zivildienst und jene mit mehrjährigen Verträgen dominieren die interne Struktur.

    Wehr"gerechtigkeit" ist sowieso eine Farce solange nur Männer eingezogen werden und Wehrhaftigkeit eine Lüge, wenn unsere Soldaten bereits am Hindukusch kämpfen.

    Bei dem ganzen Bundeswehrschmus muss man aufpassen, dass man sich in den ganzen Euphemismen und Traditionalismen nicht verfängt, da wird selten klar ausgesprochen was Sache ist.

    So ein Unsinn. Wehrpflichtige sind unterster Rang, die müssen tun, was man ihnen befielt. Von Wehrpflichtigen geht keine hinreichende Kontrolle der Armee aus, schon gar nicht von jungen, noch nicht gefestigten Persönlichkeiten (die meisten gefestigten machen sowieso seit Jahrzehnten Zuvieldienst). Nazivergleiche hinken immer, aber Hitlers Wehrmacht war sowohl Wehrpflichtarmee als auch Vernichtungswerkzeug - eine moderierende Rolle der Wehrpflichtigen war nicht zu erkennen. Seit Napoleon gibt es Wehrpflichtarmeen, sie sind viel größer als Berufsarmeen, und allein durch die Größe eine Gefahr für den Staat selbst und natürlich alle Nachbarn. Wehrpflichtige sind kaserniert, im Krisenfall erzählt man ihnen vorher irgendwelche Schauermärchen, dann tun sie schon, was man ihnen sagt - selbst nachprüfen können sie es nicht.

    Wenn die Generäle Wehrpflichtige wären, dann würde das Argument vielleicht einen Sinn ergeben, so aber nicht. Denn krude Ideen scheint es in der Armee ohnehin genügend zu geben, wie Skandale in den vergangenen Jahren gezeigt haben (von der "simulierten" Geiselfolter bis zu weit verbreitetem braunem Gedankengut). Und unsere allseits verachtete reaktionäre GroßKo-Regierung will sowieso wieder die Armee im Inland einsetzen...

    Wenn die Armee eine reale Gefahr für das Land ist, schafft sie einfach ab. Costa Rica hat das auch gemacht, mit Erfolg. Die anderen Länder Mittelamerikas hatten alle ihre Putsche, Despoten und Bürgerkriege; Costa Rica ist AFAIK die einzige stabile Demokratie in der Region - seit der Abschaffung der Armee.

  7. ... eine Frage der Organisation, in anderen Ländern geht es doch auch. Und auch jetzt verabschiedet sich ein Großteil der Wehrpflichtigen in den Zivildienst und jene mit mehrjährigen Verträgen dominieren die interne Struktur.

    Wehr"gerechtigkeit" ist sowieso eine Farce solange nur Männer eingezogen werden und Wehrhaftigkeit eine Lüge, wenn unsere Soldaten bereits am Hindukusch kämpfen.

    Bei dem ganzen Bundeswehrschmus muss man aufpassen, dass man sich in den ganzen Euphemismen und Traditionalismen nicht verfängt, da wird selten klar ausgesprochen was Sache ist.

  8. Oh, ich wusste gar nicht, dass die BRD-Regierung sich einen "Nachhaltigkeitsrat" hält. Ist wohl eine Alibi-Veranstaltung, um den Wählern Sorge um die Zukunft vorzutäuschen. Nachhaltigkeit - der Begriff hat doch ursprünglich mit Wäldern zu tun, oder irre ich mich da? Wir Deutsche sind eben romantisch veranlagt und lieben den Wald und sorgen uns um ihn - Stichwort: Waldsterben - und die Nachfolger dieser alten deutschen Romantiker, die GRÜNEN, dürften es gewesen sein, die diesen Begriff in die Politik eingeführt haben.

    Ein Waldbesitzer, der Kinder und Enkel hat und will, dass auch sie von dem Wald leben, treibt an ihm keinen Raubbau. Anders die jetzige Bundesregierung und ihre Wähler. Nach dem Motto "Nach mir die Sintflut" wird er kahlgeschlagen, um vom Erlös des Holzes in Saus und Braus zu leben. Naja, was soll auch Nachhaltigkeit auf der Titanic?

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    • Krizzz
    • 07. Mai 2009 16:24 Uhr

    Nein, das Nachhaltigkeitskonzept hat nur am Rande mit Wäldern zu tun!!!

    Zur Erläuterung: Das Nachhaltigkeitskonzept (nach Prof. Dr. Clarita Müller-Plantenberg zitiert):

    Entwicklung hat sich daran zu orientieren, dass die heutigen Generationen ihre Bedürfnisse so befriedigen sollten, dass die Bedürfnisbefriedigung zukünftiger Generationen dadurch nicht beeinträchtigt wird. Diese Gerechtigkeit ist zwischen Generationen durch eine größere Gerechtigkeit innerhalb einer Generation zu ergänzen (Inter- und Intra-Generationen-Gerechtigkeit).

    Dies ist nur möglich, wenn die natürlichen Systeme sowie ihre Stabilität erhalten werden und die Gesellschaften darüber beraten und gemeinschaftlich entscheiden, wie sich die wirtschaftlichen und sozialen Systeme an dieses Erfordernis anpassen sollten (ökologische, ökonomische und soziale Dimension).

    Frau Merkel scheint sich eher an einem Kurzfristigkeitskonzept zu orientieren - ist ja schließlich Wahljahr.

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