Katia Mann Frau Thomas Mann

Sie war hochbegabt und zielstrebig, doch nach der Hochzeit mit dem Schriftstellergenie wurde Katia Mann Hausfrau. Was für eine Studentin wäre sie heute?

Katia Mann, an der Seite ihres Mannes

Katia Mann, an der Seite ihres Mannes

Ausgerechnet auf dem Weg zur Münchner Universität endete Katia Pringsheims akademische Laufbahn: Die 19-Jährige war mit der Trambahn unterwegs zur Vorlesung, als sie mit dem Kontrolleur aneinandergeriet. »Mach dass d weiterkimmst, du Furie!«, schrie der ihr nach, als sie vom Wagen absprang. Das habe Mitfahrer Thomas Mann so entzückt, dass er sie unbedingt habe kennenlernen wollen, erzählt Katia Mann in ihren Erinnerungen.

Nicht nur kennenlernen – heiraten wollte er sie, und ausgeguckt hatte er sie sich längst, die »morgenländische Prinzessin«, wie Else Lasker-Schüler sie genannt hat. Die Tochter aus bestem Hause war eine glänzende Partie und für Thomas Manns gesellschaftliche Ambitionen wie geschaffen.

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Katias Vater, Alfred Pringsheim, war Mathematikprofessor, von Haus aus sehr wohlhabend und ein großzügiger Kunstmäzen. Die Mutter Hedwig, eine ehemalige Schauspielerin, war eine gefeierte Schönheit – und die elterliche Villa ein Schau- und Treffplatz von Intellektuellen und Künstlern. »Meine Eltern machten, wie man sagt, ein ziemliches Haus«, schreibt Katia in ihren Memoiren mit der ihr eigenen Untertreibung. Reich, schön, intelligent – die »morgenländische Prinzessin« zögerte die Verlobung immer wieder hinaus. »Ich war zwanzig und fühlte mich sehr wohl und lustig in meiner Haut.« Der lockere Ton verbirgt, was hier eigentlich verhandelt wurde: die Vertreibung aus dem Paradies der Kindheit und Jugend.

Teil des Paradieses war eine exquisite Ausbildung. Da es in München kein Mädchengymnasium gab, wurde Katia privat auf das Abitur vorbereitet. Zusammen mit ihren vier Brüdern lernte sie Mathematik, Physik, Deutsch, Französisch, Latein, Griechisch, Geschichte, ergänzt durch Musik- und Sportunterricht, Konzert- und Theaterbesuche – ein Pensum, das sie mühelos bewältigte. Als Externe bestand sie das Abitur am Münchner Wilhelmsgymnasium glänzend.

Dass die begabte Tochter studieren würde, verstand sich von selbst. Die geistige Atmosphäre um Katia wurde nicht zuletzt geprägt von Hedwig Dohm, der Großmutter mütterlicherseits, dem von allen verehrten »Urmiemchen«, einer bekannten Frauenrechtlerin, die sich vor allem die wissenschaftliche Bildung junger Frauen auf die Fahne geschrieben hatte. Seit dem Herbst 1901 hörte Katia an der Ludwig-Maximilians-Universität (an der es zu diesem Zeitpunkt 26 Studentinnen gab) Infinitesimal-, Integral- und Differenzialrechnung und Funktionstheorie bei ihrem Vater sowie Experimentalphysik bei Wilhelm Conrad Röntgen. Außerdem besuchte sie Vorlesungen über Philosophie, Malerei, Kunstgeschichte.

Katia studierte vier Semester lang zügig und eifrig – bis der Ehemann in spe in ihr Leben trat. Ein Jahr lang warb Thomas Mann um sie, mit einer Hartnäckigkeit, die man heute als Stalking bezeichnen würde, bombardierte sie mit Briefen, lauerte ihr im Theater und bei gesellschaftlichen Ereignissen auf, bestach Bekannte, um gemeinsam mit ihr eingeladen zu werden, und umgarnte ihre Mutter und ihren Zwillingsbruder Klaus – dann war ihr Widerstand endlich gebrochen. Am 12. Februar 1905 wurde aus Katia Pringsheim Frau Thomas Mann.

Leser-Kommentare
  1. Angesichts der groß angekündigten, aber nur in einem Schlusssatz ausgeführten Hypothese, hat es "Frau Thomas Mann" in ihrem echten Leben wahrscheinlich doch besser erwischt. Jura oder Witschaftswissenschaften studieren und einen Verleger heiraten? Das heißt, als mathematisch, künstlerisch und theoretische begabte Person ein Büffelfach wählen und einen Macher statt Denker heiraten? Wahrscheinich sind Sie auch der Ansicht, dass sie sich bei den heutigen Möglichkeiten sicherlich gerne mit zunehmendem Alter das eine oder andere Lifting gegönnt hätte.

  2. "Selber ein »ziemliches Haus« zu führen, nach dem Vorbild der Eltern, das konnte sie sich vorstellen, und auch, als »Frau an seiner Seite« zu beweisen, dass sein Erfolg das Opfer ihrer unbeschwerten Jugend wert gewesen war."

    - Hier finde ich wieder verschwurbelte Logik: sein Erfolg das Opfer ihrer Jugend? Eieiei, da bin ich wohl zu spät geboren, um das noch verstehen zu können.

    Und warum hätte sie denn heiraten wollen? Ich glaube nichtmal, dass sie es damals getan hätte, wenn nicht die Konventionen (Finanznot litt sie wohl nicht) sie dazu gezwungen hätten. Sie hätte aber sicher weniger Kinder gehabt wenn sie hätte entscheiden können, das lässt sich rauslesen, finde ich.

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

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