Ich möchte mich gerne mit jedem dritten Deutschen anfreunden. Jeder dritte Deutsche scheint ein netter Kerl zu sein, angenehm normal, mit kleinen, sympathischen Spleens. Jeder dritte Deutsche hat ein Haustier, engagiert sich ehrenamtlich und redet mit Pflanzen. Und mit seiner Mutter auch, und zwar täglich am Telefon! Anschließend geht er breitbandsurfen im Internet, googelt dort seinen eigenen Namen und bildet sich irgendwann ein, dass sein Telefon klingelt, obwohl keiner dran ist. Jeder dritte Deutsche bildet sich Handyklingeln ein! Ich auch! Wir haben so viel gemeinsam.

Auch, dass er sich Natursteine auf Balkon oder Terrasse wünscht und zu viel trinkt. Das klingt doch gemütlich, da setzte ich mich gern dazu. Wer aber nicht kommen darf, ist jeder vierte Deutsche, der ist nämlich ein Arsch. Denn: Jeder vierte Deutsche ist ausländerfeindlich, liest nie ein Buch und schläft heimlich im Büro. Wenn jeder zweite Deutsche noch vorbeikommt, okay, der ist bloß ein bisschen doof, traut Heidi Klum eine Karriere in der Politik zu, will Wölfe und Bären im Land und kennt sich bei der Biervielfalt nicht aus – na, meinetwegen. Aber wenn jeder vierte Deutsche bei jedem dritten Deutschen auf der Natursteinterrasse sitzt, setze ich mich nicht dazu.

Ich gehöre übrigens zu den 64 Prozent aller Medienkonsumenten, die gern Statistiken lesen. Das bildet. Obwohl man nicht jeder Umfrage blind vertrauen sollte. Ein Beispiel: Zwar kann ich mich selbst noch sehr gut daran erinnern, wie ich mit 16 auf dem Schulklo heimlich meine erste Bürgerinitiative gegründet habe, aber dass die 15. Shell-Jugendstudie herausgefunden haben will, dass unter Jugendlichen »Bürgerinitiativen« (25%) fast genauso »in« sind wie »Drogen nehmen« (28%), scheint mir dann doch ein bisschen verwegen. Völlig plausibel dagegen das Ergebnis einer Studie, die Ikea durchgeführt hat: Paare, die sich häufig streiten, leben zu 69 Prozent in gemütlich eingerichteten Wohnungen. Ein Rätsel allerdings, ob Ikea sich mit dieser Umfrage bloß versehentlich ins eigene Knie schießt oder ob es sich dabei um so raffiniert um die Ecke gedachtes Marketing handelt, dass ich dem einfach nicht mehr folgen kann. Wie sich die Paare in gemütlichen Wohnungen nennen, weiß ich nicht, ich weiß aber, wie sich alle anderen Paare nennen. Nämlich »Schatz« (37%), dicht gefolgt von »Schatzi« (9,7%), »Hase« liegt ziemlich weit abgeschlagen (3,9%) auf dem dritten Platz. Das waren die Ergebnisse einer Umfrage zu den beliebtesten Kosenamen, hier ergänzend die Ergebnisse einer Blitzumfrage zu den unbeliebtesten Kosenamen 2009. Die Top Ten: 10. Ratte, 9. Pupsi, 8. Jodelschnepfe, 7. Blödi, 6. Bärchenkotze, 5. Peter Neururer, 4. Gesichtswurst, 3. Engelbert Humperdinck, 2. Dieser Politiker ist mir unbekannt, 1. Braunkohlentagebau.

Ich gehöre übrigens zu den zwei Prozent der Autoren, die Statistiken für ihre Kolumnen gelegentlich frei erfinden.

Hausaufgabe fürs nächste Mal: Rausfinden, welche das sein könnten!