Berufsleben "Nach der Uni wird es hart genug"
Der Kriminologe Jens Weidner rät zu mehr Aggression im Umgang mit Konkurrenten - aber nicht schon im Studium. Ein Interview
ZEIT CAMPUS: Herr Weidner, Sie sind der Erfinder der »Peperoni-Strategie«: In Ihrem Buch raten Sie zu mehr Aggression im Umgang mit Konkurrenten. Was halten Sie von Konkurrenz an der Uni?
Jens Weidner: Gar nichts. Konkurrenz hat an der Uni nichts verloren.
ZEIT CAMPUS: Aber Sie werben doch dafür, das Leben »mit einem Schuss Feuer vom Einheitsbrei zum gaumenkitzelnden Chili con Carne zu veredeln«!
Weidner: Das gilt später – nach der Uni wird es noch hart genug! Während des Studiums geht es hingegen darum, Teamfähigkeit zu lernen – eine Eigenschaft, die Sie auch im Arbeitsleben brauchen. Wenn Sie im ersten Assessmentcenter ständig das Wort an sich reißen und andere unterbrechen, wird Sie niemand einstellen.
ZEIT CAMPUS: Immerhin sitzen im Seminar neben mir potenzielle Mitbewerber.
Weidner: Das sollte Sie motivieren! Freunden Sie sich mit ihnen an, umgeben Sie sich nicht mit Leuten, neben denen Sie sich besser fühlen, sondern mit solchen, die Sie herausfordern. Das sind auch die wertvollsten Kontakte für später.
ZEIT CAMPUS: Haben Sie selbst solche Freunde?
Weidner: Wir waren im Studium eine Vierergruppe und sind es noch. Mit einem dieser Freunde habe ich mich sogar einmal auf denselben Job beworben – genommen wurde dann nicht ich, sondern er.
ZEIT CAMPUS: Das hat Sie doch bestimmt geärgert.
Weidner: Und wie! Aber er war einfach besser als ich. Mit solchen Situationen muss man umzugehen lernen, man muss auch anderen Respekt für ihre Leistung zollen können.
ZEIT CAMPUS: Nach der Uni, so Ihre These, muss man aber auch mal einen Konkurrenten in die Schranken weisen. Lässt sich das nicht schon vorher trainieren?
Weidner: Nein, das ist die harte Schule, durch die Sie in den ersten Berufsjahren gehen müssen. Als Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg habe ich einmal versucht, meine Studenten in einem Seminar darauf vorzubereiten, aber das brachte nichts. Sie wollten mir die Situationen aus dem Arbeitsleben, die ich geschildert habe, gar nicht glauben.
- Datum 26.05.2009 - 14:25 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.04.2009 Nr. 03
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Und da regen sich die Leute auf, wenn Sportarten wie Ultimate Fighting oder Free Fight immer populärer werden. Wenn aber schon in der Uni der Kampf um die besten Plätze losgeht, und im Arbeitleben mittlerweile als legitim angesehen wird, ist es ja auch nur noch eine Frage der Zeit bis die Postenvergabe im Ring entschieden wird. Das hätte dann zumindest einen gewissen Unterhaltungswert.
Kapitalismus = Alle gegen Alle.
An dieser Stelle muss gesagt werden, dass Herr Weidner im universitären Alltag ebenso gnadenlos wie liebevoll zu seinen Studierenden ist. Die Einen können damit umgehen, die Anderen nicht. Aber er ist schon ein schlauer Fuchs, das muss man ihm lassen. Deshalb: GO FOR IT, JENS! WE LOVE YOU :)
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