Studium Wie viel Konkurrenz ist gesund?
An der Uni kämpfen alle gegeneinander um die besten Zukunftschancen. Wie man dem Vergleichswahn entkommt

© Basti Arlt
Statt zusammenzuhalten machen alle Studenten einander das Leben schwer
Der Tag, an dem die Freundschaft von Lili und Esther einen Knacks bekommt, ist der, an dem Esther ihr Vordiplom besteht. »Ich habs geschafft!«, ruft sie in den Telefonhörer, ihre Finger zittern noch von der Anspannung, und ihr erleichterter Wortschwall sprudelt in Lilis Ohr: »…und dann sagt der Prof zu mir: Sie haben bestanden…« Lili schluckt. »Wie schön für dich«, sagt sie leise. Sie hört kaum zu, während Esther ununterbrochen weiterredet. Stattdessen beginnt sie zu rechnen.
Lili Ingmann und Esther Göbel, heute 24 und 25, haben sich fünf Semester zuvor kennengelernt, als sie zusammen ihr Biologiestudium an der Uni Mainz begannen. Seitdem hat Esther eine Klausur nach der anderen geschafft, für das Uni-Magazin geschrieben und dann noch ein Praktikum bei dem Unternehmen bekommen, das sie schon immer kennenlernen wollte. Und Lili? Hat noch nicht einmal ihr Vordiplom. Als sie auflegt, ist da dieses miese Gefühl, dessentwegen sie bald nicht mehr mit Esther sprechen wird.
Viele kennen das – den Neid und das Konkurrenzdenken, das an den Unis inzwischen weitverbreitet ist. Am Amerikanistik-Institut der Uni Frankfurt halten Studenten ihre Hausarbeitstexte unter Verschluss, damit ja kein Kommilitone von ihren Ergebnissen profitiert. Im Fach Journalistik an der Uni Dortmund trifft »Ich moderiere schon meine eigene Radioshow« auf »Ich habe dafür schon für Titanic getextet«. In Augsburg heben sogar die Tutoren, die sich um das kulturelle und soziale Leben in den Wohnheimen kümmern, bei Besprechungen nur noch ihre eigenen Verdienste hervor, anstatt auch die der anderen einmal zu loben.
»Manche Kommilitonen fragen einen nur nach der Klausurnote, um erzählen zu können, dass sie selbst eine bessere haben«, erzählt ein Freund von Esther, der in Mainz Jura studiert und seinen Namen lieber nicht nennen will, um nicht als Petze zu gelten. »Jeder versucht, möglichst gut dazustehen.« Dass Bibliotheksbücher versteckt und die einschlägigen Seiten herausgerissen werden, damit kein anderer sie für die Examensvorbereitung nützen kann, wundert da keinen mehr. Schon eher, dass sogar der Stammbaum herangezogen wird, um die anderen zu übertrumpfen: »Na, was machen deine Eltern – Wirtschafts- oder Steuerrecht?« – so wurde Esthers Freund im ersten Semester von einigen Anwaltssprösslingen begrüßt.
Oberflächlich gesehen haben sich alle lieb, die da eng nebeneinander auf den klappernden Hörsaalbänken sitzen und zusammen auf die langweilige Vorlesung schimpfen. Unterschwellig aber wird an der Uni ein ständiger Konkurrenzkampf ausgetragen, in dem es um Noten geht, um Praktika und den besten Lebenslauf. Dieser Wettbewerb ist schon so selbstverständlich geworden, dass er kaum noch als Problem wahrgenommen wird.
Zudem ist Konkurrenz an der Uni ein großes Tabu – sie ist zwar alltäglich, aber keiner redet darüber. Wer gesteht schon gerne ein, dass er Angst hat, von seinen Kommilitonen überholt zu werden, und dass er sich über die Erfolge seiner Freunde nicht freut, sondern ärgert? Die ständige Konkurrenz setzt viele Studenten unter Druck. Aber woher kommt sie? Und wie viel davon ist gesund? Schließlich sollte die Uni doch der Ort sein, an dem sich Freunde fürs Leben finden!
1. Es geht um die Zukunft
Konkurrenz entsteht immer da, wo ein Mangel herrscht. Wenn es nur wenige unteilbare Güter für viele Menschen gibt, beginnen die, um die Güter zu kämpfen. Die Güter, um die es den Studenten geht, sind Zukunftschancen: Der Beste gewinnt – nach diesem Prinzip werden später Arbeitsplätze vergeben. Und die erscheinen der Generation, die nun schon die zweite Rezession erlebt, ziemlich knapp. Der Wettstreit geht daher nicht erst mit dem Abschlusszeugnis los, sondern schon viel früher.
»Inzwischen beginnt die Konkurrenz um die zukünftigen Arbeitsstellen ja schon an den Schulen«, sagt die Bildungssoziologin Jutta Allmendinger, die das Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) leitet. »Eine sehr unerfreuliche Entwicklung – wer kann in diesem Alter überhaupt schon entscheiden, was er einmal werden will?« Trotzdem müssen die Schüler bereits mit 14, 15 Jahren Profilfächer wählen, mit denen sie ihre Qualifikation nicht nur schärfen, sondern gleichzeitig auch einengen. So sollen sie sich auf die Bewerbung um die Studienplätze vorbereiten, die für die Jahrgänge 1993 bis 1995 besonders knapp werden.
An der Uni werden die Erstsemester von zynischen Dozenten mit Sätzen empfangen wie: »Sehen Sie sich Ihren linken und Ihren rechten Nebenmann mal gut an – in ein paar Jahren wird nur noch einer von Ihnen dreien hier sitzen!« Natürlich will jeder selbst dieser eine sein, der die harten Prüfungen schafft – und, in vielen Fächern: den Übergang zum Master.
Denn der scheint die nächste Hürde auf dem Weg zum Erfolg; bekamen früher noch alle Studenten einen gleichwertigen Abschluss, so bringt die Hochschulreform mittlerweile eine Zweiklassengesellschaft hervor: hier die Masterabsolventen mit guten Berufsaussichten, dort die Bachelorabsolventen, die noch nicht von allen Unternehmen für voll genommen werden. Da zu Anfang des Studiums keiner weiß, wie viele Masterplätze nach dem Bachelor frei sein werden, wundert es nicht, dass jeder seine Kommilitonen als Konkurrenten wahrnimmt, die ihm auf der nächsten Stufe der Bildungsleiter im Weg stehen könnten.
Am Ende dieser Leiter wartet der Personalchef wie ein Türsteher, der nur die Besten einlässt – in eine Zukunft, die heute sowieso unsicherer scheint denn je. Er wählt nach Noten aus, nach Berufs- und Auslandserfahrung. In Fächern wie Jura, wo das Prädikatsexamen über die Anstellung in der Großkanzlei oder als Richter entscheidet, versuchen Studenten daher, die beste Note zu erreichen, während Sozialwissenschaftler, die mit 22 noch kein Praktikum gemacht haben, in der Studienberatung besorgt fragen: »Bin ich nicht schon zu alt, um damit anzufangen – im Vergleich zu den anderen?«
Die »Mitbewerber«, die nach dem Studium in den Assessmentcentern gegeneinander antreten, beäugen sich also schon viel früher. Und weil die verschulten Bachelorjahrgänge fast schon Klassenverbänden ähneln, sind die Vergleichsmöglichkeiten größer. Jeder fängt mit einer Gruppe Gleichaltriger zu studieren an, die, so scheint es, dasselbe können und wollen wie er selbst und die auch zur selben Zeit wie er auf den Arbeitsmarkt drängen werden. Um dann die anderen auszustechen, so sagen sich viele, muss ich heute schon besser sein.
2. Viele setzen sich selbst unter Druck
Esther hat deshalb gleich so richtig losgelegt. Ziemlich dünn wirkt sie in ihrer Röhrenjeans und ein bisschen hibbelig; da sind so viele Dinge, die sie schaffen will, am liebsten alle gleichzeitig. Das Studium ist hart? Dann lernt sie eben! Während Lili sich mit Freunden zum Kochen trifft, sitzt Esther zu Hause an ihrem Schreibtisch und brütet dort über chemischen Formeln. So kommt sie voran – schneller als Lili. Dieses Schnellersein ist ihre Bestätigung, und bald wird es Esthers Dauerziel; sie braucht den geheimen Triumph.
Lili gegenüber hat sie deswegen ein schlechtes Gewissen; sie merkt, dass ihr Ehrgeiz der Freundschaft schadet. Aber darüber reden? Das tut sie nicht einmal, als es zum Krach kommt. Es ist ein kalter Wintertag, sie stehen auf der Straße vor der grauen Uni, und auf einmal kommt alles hoch, was sich angestaut hat, die Wut, die Enttäuschung über die Freundin, aber auch die eigene Unzufriedenheit. »Dir geht es doch immer nur um dein Ding!«, platzt es aus Lili heraus. »Du schaffst das doch alles nur, weil ich dich so stark unterstütze, dabei hab ich selbst genug Schwierigkeiten!« Esther presst die Lippen zusammen. »Die ist doch nur neidisch auf mich!«, denkt sie. Die Freundschaft zerbricht, weil beide des inneren Kampfes müde geworden sind. Darüber aussprechen können sie sich nicht – sie haben noch gar nicht verstanden, wo ihr Problem liegt.
Es wird dauern, bis Esther und Lili merken, dass es nicht die Leistungen der jeweils anderen waren, sondern ihre eigenen Ängste, die sie unter Druck gesetzt haben. »Ich war wohl einfach unsicher«, sagt Esther heute. »Das Selbstbewusstsein, das mir fehlte, wollte ich durch Anerkennung von außen wettmachen.«
Wie Esther geht es vielen: Das Studium fällt genau in jene Phase des Erwachsenwerdens, in der man sich nach der Abnabelung von den Eltern selbst erst wieder finden muss. Für diese Neuorientierung braucht man Zeit, zum Ausprobieren und Nachdenken – Zeit, die in den engen Stundenplänen nicht vorgesehen ist. So suchen viele Halt in der messbaren Leistung, die sie sowieso erbringen müssen.
Studenten aus dem Bildungsbürgertum setzen sich dabei genauso unter Druck wie ihre Kommilitonen, die aus Nichtakademiker-Haushalten kommen, haben Uni-Psychologen beobachtet. Erstere haben diesen Druck oft von zu Hause mitgenommen; auch wenn die Eltern noch so liberal auftreten, herrscht nicht selten der leise Anspruch, aus dem Nachwuchs müssten ebenfalls erfolgreiche Akademiker werden. Bei Studenten, deren Eltern nicht selbst auf der Uni waren, entscheidet das berufliche Fortkommen über die gesellschaftliche Stellung. Sie haben nichts als ihren Fleiß, um nach oben zu kommen. So kämpft jeder für sich und manche kämpfen so lange, bis sie nicht mehr können.
3. Dabei hat jeder andere Ressourcen
Wen der Konkurrenzdruck so fertiggemacht hat, dass er nicht mehr weiterweiß, der landet mit etwas Glück bei einem wie Wilfried Schumann. Schumann leitet in Oldenburg die Psychosoziale Beratungsstelle von Universität und Studentenwerk; sein Büro liegt am Ende eines langen Ganges, weit weg von der Hektik der restlichen Uni. Beim Warten auf den Termin versinkt man in einem roten Sofa unter einem bunten Druck von August Macke; es riecht nach Fencheltee. Schumann öffnet die Tür, er trägt Jeans und angegraute Locken.
»Viele Ratsuchende kommen hier rein und sagen, da ist was kaputt bei mir, mach, dass das wieder funktioniert.« Er lächelt leise. »Sie denken, danach könnten sie genauso weitermachen wie vorher. Genau das geht aber nicht.« Wilfried Schumann nimmt die schwarz-weiße Kopie eines Bildes aus der Schublade, das einen Esel mit einem Lastkarren zeigt. Der Karren ist so vollgepackt, dass er den Esel am Zaumzeug in die Höhe hebt. Der Esel kann sich abstrampeln, wie er will – er wird diesen Karren nicht vom Fleck kriegen. »Wenn du dich so fühlst wie dieser Esel, sage ich zu meinen Studenten, dann musst du etwas ändern!«
Die schwere Last, sagen die Studenten dann, ist doch sicher die große Bachelor-Workload? »Nicht unbedingt«, erwidert Schumann. »Natürlich sind die objektiven Anforderungen des Studiums oft sehr groß. Eine Last, die nicht mehr zu bewältigen ist, entsteht aber erst, wenn Aufgaben mit übertriebenen Perfektionsansprüchen angegangen werden.«
Damit der Esel den Karren ziehen kann, darf die Last seine Kraft nicht übersteigen. Indem sich jeder ständig mit den anderen vergleicht, lädt er sich aber nicht das auf, was er bewältigen kann, sondern das, was er glaubt bewältigen zu müssen. Und das ist meist nicht nur, was ein anderer vor ihm schleppt, sondern das, was drei andere zusammen schleppen. Der eine hat die Eins, der andere ein tolles Praktikum, der Dritte ein Auslandssemester? Dann brauche ich mindestens die Eins, das Praktikum und das Auslandssemester! Wer das dann, natürlicherweise, nicht schafft, sucht die Schuld nicht etwa bei der zu großen Last, sondern bei sich selbst, und arbeitet noch mehr.
»Noch eine Geschichte«, sagt Wilfried Schumann – er mag Geschichten, denn sie verdeutlichen so einleuchtend die Probleme, die viele Studenten bei sich selbst nicht erkennen wollen. »Ich bin Marathonläufer – Hobbymarathonläufer, wohlgemerkt. Wenn ich an den Start gehe, ist da neben mir der Profileistungssportler, der eine ganz andere Kondition hat als ich, und der zischt sofort ab. Versuche ich, mich an ihn zu halten? Bloß nicht, denn in diesem Tempo schaffe ich die Strecke sicher nicht. Wenn ich ins Ziel kommen will, muss ich so laufen, wie meine Ressourcen es erlauben. Nur dann habe ich Aussicht auf Erfolg.« Verschiedene Studenten haben eben verschiedene Voraussetzungen. Daher müssen sie ihre eigenen Maßstäbe anlegen und ihr eigenes Tempo finden.
4. Nur sinnvolles Vergleichen motiviert
Zwei, die noch nie ein Problem mit Konkurrenz hatten, sind Philip Hausmann, 24, und Albrecht Schrader, 25. Beide studieren Musikwissenschaft an der Uni Köln, und wie Lili und Esther haben sie sich in einer gemeinsamen Vorlesung kennengelernt. Sie schlossen sich zusammen, weil sie dieselben Aufgaben für die Uni erledigen mussten. Inzwischen besuchen sie fast jede Woche zusammen ein Konzert, und Philip hat Albrecht einen Job in der Firma vermittelt, in der er selbst arbeitet.
»Natürlich gibt es Bereiche, in denen Albrecht stärker ist als ich, zum Beispiel Harmonielehre und Notation«, sagt Philip, »aber das spornt mich eher an, als dass ich missgünstig wäre.« Er selbst studiert dafür disziplinierter und ehrgeiziger als Albrecht, was diesen wiederum dazu motiviert, doch öfter in die Bibliothek zu gehen, als er es von sich aus tun würde. »Es geht dann nicht darum, mehr zu wissen als Philip, ich tue das für mich«, ergänzt Albrecht. »Jeder von uns hat seine Stärken, das wissen wir, und das gleicht sich aus.«
Das Vergleichen mit anderen kann also durchaus auch positiv sein – dann nämlich, wenn man die eigenen Grenzen kennt und sich nur mit denen misst, denen man ebenbürtig ist. Dann überfordert man sich nicht, sondern nimmt eine Herausforderung an, der man gewachsen ist, bekommt neue Impulse und kann sich weiterentwickeln. Zwei Hobbyläufer können sich gegenseitig anspornen.
Dass ihnen der Profiläufer indes ganz davonsaust, damit müssen sie sich abfinden. »Diese Kränkung einzustecken – darum geht es gerade«, sagt Schumann und bietet einen Butterkeks an, wohl damit sich die bittere Wahrheit leichter schlucken lässt. »Da wird immer jemand sein, der einem davonläuft. Damit muss man leben.« Wer das im Studium nicht lerne, sei spätestens im Beruf Burn-out-gefährdet.
Bitte noch einen Tipp, Herr Schumann: Wie schafft man das denn? Das sei gar nicht so schwer, sagt der Psychologe, wichtig sei, Bestätigung nicht allein aus der Leistung an der Uni zu ziehen, sondern auch aus Hobbys und dem sozialen Leben. »Wer alles auf eine Karte setzt«, fügt er an, »riskiert ja immer, enttäuscht zu werden.«
5. Für Feindschaft gibt es keinen Grund
Schon will man sich wohlig zurücklehnen in das rote Sofa, mit süßen Kekskrümeln im Bauch – aber halt! Was ist denn mit dem Job? Das ist doch überhaupt der Grund für den ganzen Aufwand: die anderen später auf dem Arbeitsmarkt ausstechen zu können! Jetzt lacht Wilfried Schumann: »Da muss ich meine Studenten nur zurückfragen: Weißt du denn schon genau, was du werden willst?« Meist folgt auf diese Frage betretenes Schweigen.
Tatsächlich ist den wenigsten Studenten am Anfang ihres Studiums klar, wo sie an dessen Ende landen wollen. Die Branche haben sie möglicherweise schon im Kopf, aber welche Firma soll es sein? Und welcher Bereich dort? Selbst die, die das bereits zu wissen glauben, haben noch genug Zeit, ihren Wunsch zu ändern. Nicht alle Juristen, die sich gegenseitig die Bücher verstecken, werden in den Nachtschichten einer Großkanzlei glücklich, und für die, die es werden, gibt es mehr als eine Großkanzlei.
Die Zukunftschancen, um die an der Uni gekämpft wird, sind eine so abstrakte Größe, dass die wenigsten Studenten in unmittelbarer Konkurrenz stehen. Es gibt also gar keinen Grund, sich gegeneinander zu stellen – und wegen etwas zu bekriegen, das gar nicht da ist.
6. Was wirklich zählt, sind Freunde
Stattdessen geht es im Studium darum, Freunde zu finden. »Nach der Uni wird es hart genug«, sagt der Aggressionsexperte Jens Weidner, der sich mit Konkurrenz im Berufsleben beschäftigt. Später gibt es tatsächlich Dinge, um die man kämpfen muss, Arbeitsplätze, Ansehen, Beförderung. Und die Methoden, die dabei angewandt werden, können noch weitaus gröber sein als Bücherverstecken. An der Uni hingegen braucht noch keiner seine Ellenbogen. Die anderen zu unterstützen ist viel sinnvoller. Wer sich gegenseitig mit Skripten aushilft, Bücher ausleiht und Tipps zum Hausarbeitenschreiben gibt, hat nicht nur weniger Arbeit, sondern auch mehr Spaß. Zudem ist er am Ende sogar besser. Denn statt sich im Konkurrenzkampf zu verausgaben, kann er sich mit den Kommilitonen verbünden und seine Schwächen durch deren Stärken ausgleichen. Die Kontakte, die im Hörsaal entstehen, können auch später nützlich sein – möglicherweise weiß der Banknachbar einmal von einem interessanten Jobangebot oder wird zur ersten Anlaufstelle in einer neuen Stadt. Nirgendwo werden so haltbare Netzwerke geknüpft wie in den vielen Stunden gemeinsamen Lernens. Konkurrenz an der Uni ist also nicht nur überflüssig und kann krank machen; sie kann sogar Zukunftschancen mindern, anstatt sie zu vermehren!
Das ist auch Esther und Lili klar geworden, die es geschafft haben, ihre Freundschaft zu reparieren. Mehr als ein Jahr lang sind sie sich nach dem großen Krach aus dem Weg gegangen; jede von ihnen studierte für sich. Unabhängig voneinander kamen beide im Studium viel besser voran, weil sie lernten, nach ihren eigenen Möglichkeiten Leistung zu bringen und nicht gegen die andere. »Jede machte ihr Ding«, erzählt Esther, »das war so ein befreiendes Gefühl!«
Die Distanz hat eine neue Nähe möglich gemacht. Wenn Esther jetzt Erfolg hat, kommt es wieder vor, dass sie Lili anruft. Und dann freut sich Lili wirklich.
Mitarbeit: Esther Göbel; vielen Dank für die FH München für die freundliche Unterstützung
- Datum 09.06.2009 - 09:12 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.04.2009 Nr. 03
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Jeder der sich beteiligt an der Panik (egal ob Studium oder im Beruf) ist nicht nur selbst schuld, er trägt auch Schuld daran, dass es so ist in der Uni/Firma/Gesellschaft. Super-Artikel!
Ich studiere selbst Jura im 6. Semester und kenne das verbale Hauen und Stechen nur allzu gut.
Als ich mein Studium begann, kam ich in eine tiefe Sinnkriese mit mir selbst. Wer bin ich, was will ich und wieso eigentlich nicht etwas ganz anderes? Ich habe gemerkt, dass ich eine wahnsinnige Liebe für Literatur und Philosophie empfinde. Nun, ich habe die ersten 3 Semester lesend verbracht. Fehler oder keiner? Sicher, in diesen 3 Semestern sind schon einige an mir vorbei gezogen, besonders die, die Eltern haben, die Juristen sind; die wussten eben wie man ganz genau Prüft und worauf es ankam. Für mich kam es auf Schnitzler, Max Weber, Platon, Kant und Tieck an.
Ich habe meine Zwischenprüfung geschafft. Zwar nicht mit den besten Noten, aber ok.
Jetzt bin ich im 6. Semester und ich sehe die Kollegen, die sich Tag für Tag in der Bibliothek aufhalten und womöglich wesentlich bessere Noten erhalten als ich. Das stört mich nicht, im gegenteil es erfüllt mich mit Sorge, dass diese Kommilitonen womöglich Richter werden, sich aber ihr gesamtes Studium lang dem Sprachrohr der Gesellschaft, der Literatur, entzogen haben.
Und dennoch bleibt die Angst: Wird man mich, wenn ich mich auf Arbeitssuche begebe, auch als Menschen betrachten und nicht nur als Juristen? Wird jemand zu würdigen wissen, dass ich einen Wissensstand anstrebe, der Umfangreich und nicht abgegrenzt ist? Diese Fragen erzeugen Druck, diese Unsicherheit darüber, ob jemand mich brauchen wird, ob ich ein Auskommen haben werden, dass es mir erlaubt mich weiterhin zu bilden und mir Bücher zu leisten.
Die Frage nach dem Freund, der in einer Klausur besser war, als ich ist leicht beantwortet: Natürlich ist man ein bisschen neidisch, aber ich gönne jedem seinen Erfolg und frage dann gerne, ob ich die Klausur mal sehen, darf, um zu lernen, was ich hätte besser machen können.
Bleibt aber immer die Frage: Was wird mit mir werden?
Entschuldigung, so sollte es heißen.
Entschuldigung, so sollte es heißen.
Entschuldigung, so sollte es heißen.
Der Artikel zeigt, dass zumindest noch nicht alle der Idiotie der "Leistungs"gesellschaft verfallen sind.
Konkurrenzdenken - Hah!
Die Menschheit wäre längst ausgestorben, wenn sich unsere Vorfahren gegenseitig in die Fänge der Säbelzahntiger geschubst hätten.
"Die Konkurrenz in China schläft nicht."
"Internationale Wettbewerbsfähigkeit."
"Karrierechancen"
Bla bla.
So was bekam ich schon in der Schule eingetrichtert, sowohl von Lehrern, als auch Klassenkameraden, von Eltern wie von Bekannten. Auch die Medien geben sich ja normalerweise alle Mühe, den Konkurrenzgeist zu stärken.
Naja: Möglichst ein 1,0 Abitur, dann lieber ausmustern lassen um gleich zu studieren - was? willst nicht gleich? Ok, dann nutz die Zeit für ein Praktikum. - Nach dem dualen Turbostudium mit 5 Praktika und 2 Auslandsemester der Karrierekampf - ohne Rücksicht auf Verluste - Gier nach Karriere und Einkommen und mit 25 oder 30 den ersten Burnout zu bekommen.
Jaja, die Konkurrenz in China schläft nicht.
Und wir setzen uns lieber selber schachmatt...
Prost.
Sehr guter Artikel.
Auch ich habe das Vergnügen an einer vermeintlichen "Elite-Uni" zu studieren. cv-tuning und Aussagen wie "Erst wollte ich ins Investmentbanking, aber nun glaube ich dass ich im Consulting mehr verdienen kann" gehören genauso zum Alltag wie der im Artikel schön beschriebene Vergleich eigener Leistungen mit denen anderer - Praktika gegen Noten und extrakurrikuläre Aktivitäten. Zusammen mit ein paar Kommilitonen kam ich zu dem Schluss, dass es sich wohl weniger um ein Bachelor-Studium handelt als um ein dreijähriges Bewerbungsgespräch. Das selbst-erfahren, selbst-erkunden und die Festigung der eigenen Persönlichkeit können hierbei durchaus in den Hintergrund geraten.
Insbesondere für bedenklich halte ich hierbei, dass sich ein extrem kompetitives Verhalten in einer - wie im Artikel beschrieben - wichtigen Entwicklungsphase angeeignet (oder gefestigt) wird, oftmals mit der Folge dass es eins zu eins in die darauf folgende Berufswelt transferiert wird. Gegeben dass die Absolventen oftmals massgebliche Führungspositionen und Verantwortungen anstreben, ist es dann auch kaum verwunderlich, dass wir dieses Muster auf individueller Ebene dann auch im Gesamtsystem wieder erkennen.
Die Frage nach der Ursache bleibt hierbei unbeantwortet: Dass das System solches Verhalten mit Aufstieg belohnt, ist wohl ebenso plausibel wie die Erklärung, dass eben diese Absolventen später die Strukturen entsprechend prägen. Ein Zusammenspiel beider Mechanismen im Rahmen evolutionärer Sozialtheorie dürfte wohl der Realität am nächsten kommen.
Ein wichtiger Aspekt bleibt im Artikel jedoch unbeachtet, wenn nicht sogar der wichtigste: die Frage, inwieweit wir von Individuen, die Teil der hier beschriebenen Entwicklung sind, in ihrem Wirken eine Orientierung an gemeinschaftlichen Werten und Normen erwarten können und vor allem auch dürfen. Der in jüngster Vergangenheit oftmals laut gewordene Ruf nach Verantwortung und Haftung, nach verantwortungsvollem Handeln und Orientierung am Gemeinwohl seitens der Führungskräfte muss sich dann auch der Frage stellen, wo und wie wir unsere Eliten (so der Begriff hier geeignet sei) denn rekrutieren, bilden und fördern. In puncto Sozialverhalten ergibt sich meiner Einschätzung nach ein ganz anderes Bild als bei herkömmlichen Rankings. Hochschulen werden sich künftig auch fragen lassen müssen, inwieweit sie ihre Absolventen darauf vorbereiten, sich über das Konkurrenzdenken hinaus mit gesellschaftlichen Wertefragen auseinanderzusetzen. Dabei geht es nicht um die abstrakte Argumentation im Rahmen der Wirtschaftsethik, sondern um die praktische Vorbereitung auf den Umgang mit Wertekonflikten zwischen unterschiedlichen Anspruchsgruppen.
Randnotiz: Für mich als Volkswirt bleibt damit nur noch die Frage inwieweit denn meine eigene Disziplin, die in der Vergangenheit Generationen von Wirtschaftsstudenten mit dem Bild des homo oeconomicus und dem Primat des Wettbewerbs eine durchaus fragwürdige Orientierung mit auf den Weg gab, Rechenschaft trägt für die Vergangenheit und Verantwortung für die Zukunft.
Zusammen mit ein paar Kommilitonen kam ich zu dem Schluss, dass es sich wohl weniger um ein Bachelor-Studium handelt als um ein dreijähriges Bewerbungsgespräch.
Die Universität ist also in Wahrheit nur ein riesiges Assessment Center?
Könnte hier - - ein Thema werden.
Zusammen mit ein paar Kommilitonen kam ich zu dem Schluss, dass es sich wohl weniger um ein Bachelor-Studium handelt als um ein dreijähriges Bewerbungsgespräch.
Die Universität ist also in Wahrheit nur ein riesiges Assessment Center?
Könnte hier - - ein Thema werden.
Ich studiere im Ausland. Kann mir daher keine Anmerkungen zu dieser Geschichte erlauben.
Allerdings darf aus Erfahrung aus dem Umfeld bestätigt werden: Leidenschaft für ein Fach ist der einzige Schlüssel zum Erfolg.
ich wusste gar nicht, dass Emden eine Uni hat, und Ostfriesland als Ausland zu bezeichnen, na ja.......
ich wusste gar nicht, dass Emden eine Uni hat, und Ostfriesland als Ausland zu bezeichnen, na ja.......
ich wusste gar nicht, dass Emden eine Uni hat, und Ostfriesland als Ausland zu bezeichnen, na ja.......
Wie kommen Sie denn auf Emden mein Lieber? Sehe ich wirklich so aus, als würde ich in strukturschwachen Regionen verkehren?
Ich bitte Sie!
Wie kommen Sie denn auf Emden mein Lieber? Sehe ich wirklich so aus, als würde ich in strukturschwachen Regionen verkehren?
Ich bitte Sie!
Wie kommen Sie denn auf Emden mein Lieber? Sehe ich wirklich so aus, als würde ich in strukturschwachen Regionen verkehren?
Ich bitte Sie!
Sehe ich wirklich so aus, als würde ich in strukturschwachen Regionen verkehren?
Na ja.......
Sehe ich wirklich so aus, als würde ich in strukturschwachen Regionen verkehren?
Na ja.......
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