Studium Wie viel Konkurrenz ist gesund?Seite 5/5

Tatsächlich ist den wenigsten Studenten am Anfang ihres Studiums klar, wo sie an dessen Ende landen wollen. Die Branche haben sie möglicherweise schon im Kopf, aber welche Firma soll es sein? Und welcher Bereich dort? Selbst die, die das bereits zu wissen glauben, haben noch genug Zeit, ihren Wunsch zu ändern. Nicht alle Juristen, die sich gegenseitig die Bücher verstecken, werden in den Nachtschichten einer Großkanzlei glücklich, und für die, die es werden, gibt es mehr als eine Großkanzlei.

Die Zukunftschancen, um die an der Uni gekämpft wird, sind eine so abstrakte Größe, dass die wenigsten Studenten in unmittelbarer Konkurrenz stehen. Es gibt also gar keinen Grund, sich gegeneinander zu stellen – und wegen etwas zu bekriegen, das gar nicht da ist.

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6. Was wirklich zählt, sind Freunde

Stattdessen geht es im Studium darum, Freunde zu finden. »Nach der Uni wird es hart genug«, sagt der Aggressionsexperte Jens Weidner, der sich mit Konkurrenz im Berufsleben beschäftigt. Später gibt es tatsächlich Dinge, um die man kämpfen muss, Arbeitsplätze, Ansehen, Beförderung. Und die Methoden, die dabei angewandt werden, können noch weitaus gröber sein als Bücherverstecken. An der Uni hingegen braucht noch keiner seine Ellenbogen. Die anderen zu unterstützen ist viel sinnvoller. Wer sich gegenseitig mit Skripten aushilft, Bücher ausleiht und Tipps zum Hausarbeitenschreiben gibt, hat nicht nur weniger Arbeit, sondern auch mehr Spaß. Zudem ist er am Ende sogar besser. Denn statt sich im Konkurrenzkampf zu verausgaben, kann er sich mit den Kommilitonen verbünden und seine Schwächen durch deren Stärken ausgleichen. Die Kontakte, die im Hörsaal entstehen, können auch später nützlich sein – möglicherweise weiß der Banknachbar einmal von einem interessanten Jobangebot oder wird zur ersten Anlaufstelle in einer neuen Stadt. Nirgendwo werden so haltbare Netzwerke geknüpft wie in den vielen Stunden gemeinsamen Lernens. Konkurrenz an der Uni ist also nicht nur überflüssig und kann krank machen; sie kann sogar Zukunftschancen mindern, anstatt sie zu vermehren!

Das ist auch Esther und Lili klar geworden, die es geschafft haben, ihre Freundschaft zu reparieren. Mehr als ein Jahr lang sind sie sich nach dem großen Krach aus dem Weg gegangen; jede von ihnen studierte für sich. Unabhängig voneinander kamen beide im Studium viel besser voran, weil sie lernten, nach ihren eigenen Möglichkeiten Leistung zu bringen und nicht gegen die andere. »Jede machte ihr Ding«, erzählt Esther, »das war so ein befreiendes Gefühl!«

Die Distanz hat eine neue Nähe möglich gemacht. Wenn Esther jetzt Erfolg hat, kommt es wieder vor, dass sie Lili anruft. Und dann freut sich Lili wirklich.

Mitarbeit: Esther Göbel; vielen Dank für die FH München für die freundliche Unterstützung

 
Leser-Kommentare
  1. Jeder der sich beteiligt an der Panik (egal ob Studium oder im Beruf) ist nicht nur selbst schuld, er trägt auch Schuld daran, dass es so ist in der Uni/Firma/Gesellschaft. Super-Artikel!

  2. Ich studiere selbst Jura im 6. Semester und kenne das verbale Hauen und Stechen nur allzu gut.

    Als ich mein Studium begann, kam ich in eine tiefe Sinnkriese mit mir selbst. Wer bin ich, was will ich und wieso eigentlich nicht etwas ganz anderes? Ich habe gemerkt, dass ich eine wahnsinnige Liebe für Literatur und Philosophie empfinde. Nun, ich habe die ersten 3 Semester lesend verbracht. Fehler oder keiner? Sicher, in diesen 3 Semestern sind schon einige an mir vorbei gezogen, besonders die, die Eltern haben, die Juristen sind; die wussten eben wie man ganz genau Prüft und worauf es ankam. Für mich kam es auf Schnitzler, Max Weber, Platon, Kant und Tieck an.

    Ich habe meine Zwischenprüfung geschafft. Zwar nicht mit den besten Noten, aber ok.

    Jetzt bin ich im 6. Semester und ich sehe die Kollegen, die sich Tag für Tag in der Bibliothek aufhalten und womöglich wesentlich bessere Noten erhalten als ich. Das stört mich nicht, im gegenteil es erfüllt mich mit Sorge, dass diese Kommilitonen womöglich Richter werden, sich aber ihr gesamtes Studium lang dem Sprachrohr der Gesellschaft, der Literatur, entzogen haben.

    Und dennoch bleibt die Angst: Wird man mich, wenn ich mich auf Arbeitssuche begebe, auch als Menschen betrachten und nicht nur als Juristen? Wird jemand zu würdigen wissen, dass ich einen Wissensstand anstrebe, der Umfangreich und nicht abgegrenzt ist? Diese Fragen erzeugen Druck, diese Unsicherheit darüber, ob jemand mich brauchen wird, ob ich ein Auskommen haben werden, dass es mir erlaubt mich weiterhin zu bilden und mir Bücher zu leisten.

    Die Frage nach dem Freund, der in einer Klausur besser war, als ich ist leicht beantwortet: Natürlich ist man ein bisschen neidisch, aber ich gönne jedem seinen Erfolg und frage dann gerne, ob ich die Klausur mal sehen, darf, um zu lernen, was ich hätte besser machen können.

    Bleibt aber immer die Frage: Was wird mit mir werden?

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    Entschuldigung, so sollte es heißen.

    Entschuldigung, so sollte es heißen.

  3. Entschuldigung, so sollte es heißen.

  4. 4. Schön

    Der Artikel zeigt, dass zumindest noch nicht alle der Idiotie der "Leistungs"gesellschaft verfallen sind.

    Konkurrenzdenken - Hah!
    Die Menschheit wäre längst ausgestorben, wenn sich unsere Vorfahren gegenseitig in die Fänge der Säbelzahntiger geschubst hätten.

    "Die Konkurrenz in China schläft nicht."
    "Internationale Wettbewerbsfähigkeit."
    "Karrierechancen"
    Bla bla.
    So was bekam ich schon in der Schule eingetrichtert, sowohl von Lehrern, als auch Klassenkameraden, von Eltern wie von Bekannten. Auch die Medien geben sich ja normalerweise alle Mühe, den Konkurrenzgeist zu stärken.
    Naja: Möglichst ein 1,0 Abitur, dann lieber ausmustern lassen um gleich zu studieren - was? willst nicht gleich? Ok, dann nutz die Zeit für ein Praktikum. - Nach dem dualen Turbostudium mit 5 Praktika und 2 Auslandsemester der Karrierekampf - ohne Rücksicht auf Verluste - Gier nach Karriere und Einkommen und mit 25 oder 30 den ersten Burnout zu bekommen.
    Jaja, die Konkurrenz in China schläft nicht.
    Und wir setzen uns lieber selber schachmatt...
    Prost.

  5. Sehr guter Artikel.
    Auch ich habe das Vergnügen an einer vermeintlichen "Elite-Uni" zu studieren. cv-tuning und Aussagen wie "Erst wollte ich ins Investmentbanking, aber nun glaube ich dass ich im Consulting mehr verdienen kann" gehören genauso zum Alltag wie der im Artikel schön beschriebene Vergleich eigener Leistungen mit denen anderer - Praktika gegen Noten und extrakurrikuläre Aktivitäten. Zusammen mit ein paar Kommilitonen kam ich zu dem Schluss, dass es sich wohl weniger um ein Bachelor-Studium handelt als um ein dreijähriges Bewerbungsgespräch. Das selbst-erfahren, selbst-erkunden und die Festigung der eigenen Persönlichkeit können hierbei durchaus in den Hintergrund geraten.
    Insbesondere für bedenklich halte ich hierbei, dass sich ein extrem kompetitives Verhalten in einer - wie im Artikel beschrieben - wichtigen Entwicklungsphase angeeignet (oder gefestigt) wird, oftmals mit der Folge dass es eins zu eins in die darauf folgende Berufswelt transferiert wird. Gegeben dass die Absolventen oftmals massgebliche Führungspositionen und Verantwortungen anstreben, ist es dann auch kaum verwunderlich, dass wir dieses Muster auf individueller Ebene dann auch im Gesamtsystem wieder erkennen.
    Die Frage nach der Ursache bleibt hierbei unbeantwortet: Dass das System solches Verhalten mit Aufstieg belohnt, ist wohl ebenso plausibel wie die Erklärung, dass eben diese Absolventen später die Strukturen entsprechend prägen. Ein Zusammenspiel beider Mechanismen im Rahmen evolutionärer Sozialtheorie dürfte wohl der Realität am nächsten kommen.

    Ein wichtiger Aspekt bleibt im Artikel jedoch unbeachtet, wenn nicht sogar der wichtigste: die Frage, inwieweit wir von Individuen, die Teil der hier beschriebenen Entwicklung sind, in ihrem Wirken eine Orientierung an gemeinschaftlichen Werten und Normen erwarten können und vor allem auch dürfen. Der in jüngster Vergangenheit oftmals laut gewordene Ruf nach Verantwortung und Haftung, nach verantwortungsvollem Handeln und Orientierung am Gemeinwohl seitens der Führungskräfte muss sich dann auch der Frage stellen, wo und wie wir unsere Eliten (so der Begriff hier geeignet sei) denn rekrutieren, bilden und fördern. In puncto Sozialverhalten ergibt sich meiner Einschätzung nach ein ganz anderes Bild als bei herkömmlichen Rankings. Hochschulen werden sich künftig auch fragen lassen müssen, inwieweit sie ihre Absolventen darauf vorbereiten, sich über das Konkurrenzdenken hinaus mit gesellschaftlichen Wertefragen auseinanderzusetzen. Dabei geht es nicht um die abstrakte Argumentation im Rahmen der Wirtschaftsethik, sondern um die praktische Vorbereitung auf den Umgang mit Wertekonflikten zwischen unterschiedlichen Anspruchsgruppen.

    Randnotiz: Für mich als Volkswirt bleibt damit nur noch die Frage inwieweit denn meine eigene Disziplin, die in der Vergangenheit Generationen von Wirtschaftsstudenten mit dem Bild des homo oeconomicus und dem Primat des Wettbewerbs eine durchaus fragwürdige Orientierung mit auf den Weg gab, Rechenschaft trägt für die Vergangenheit und Verantwortung für die Zukunft.

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    Zusammen mit ein paar Kommilitonen kam ich zu dem Schluss, dass es sich wohl weniger um ein Bachelor-Studium handelt als um ein dreijähriges Bewerbungsgespräch.

    Die Universität ist also in Wahrheit nur ein riesiges Assessment Center?

    Könnte hier - - ein Thema werden.

    Zusammen mit ein paar Kommilitonen kam ich zu dem Schluss, dass es sich wohl weniger um ein Bachelor-Studium handelt als um ein dreijähriges Bewerbungsgespräch.

    Die Universität ist also in Wahrheit nur ein riesiges Assessment Center?

    Könnte hier - - ein Thema werden.

  6. Ich studiere im Ausland. Kann mir daher keine Anmerkungen zu dieser Geschichte erlauben.

    Allerdings darf aus Erfahrung aus dem Umfeld bestätigt werden: Leidenschaft für ein Fach ist der einzige Schlüssel zum Erfolg.

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    ich wusste gar nicht, dass Emden eine Uni hat, und Ostfriesland als Ausland zu bezeichnen, na ja.......

    ich wusste gar nicht, dass Emden eine Uni hat, und Ostfriesland als Ausland zu bezeichnen, na ja.......

  7. 7. Na na,

    ich wusste gar nicht, dass Emden eine Uni hat, und Ostfriesland als Ausland zu bezeichnen, na ja.......

    Antwort auf "Unikampf"
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    Wie kommen Sie denn auf Emden mein Lieber? Sehe ich wirklich so aus, als würde ich in strukturschwachen Regionen verkehren?

    Ich bitte Sie!

    Wie kommen Sie denn auf Emden mein Lieber? Sehe ich wirklich so aus, als würde ich in strukturschwachen Regionen verkehren?

    Ich bitte Sie!

  8. 8. Emden

    Wie kommen Sie denn auf Emden mein Lieber? Sehe ich wirklich so aus, als würde ich in strukturschwachen Regionen verkehren?

    Ich bitte Sie!

    Antwort auf "Na na,"
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    Sehe ich wirklich so aus, als würde ich in strukturschwachen Regionen verkehren?

    Na ja.......

    Sehe ich wirklich so aus, als würde ich in strukturschwachen Regionen verkehren?

    Na ja.......

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