Die Welt da draußen Hochschulmädchenreport
Zwischen Studienordnungen und Literaturlisten finden sich auf deutschen Uni-Servern überall Pornolinks. Wie kann das sein?
Deutsche Studenten galten nie als prüde. Umso mehr aber die Internetseiten ihrer Hochschulen: Fade Rechtecke in Pastelltönen und altmodische Hochschulwappen – nach außen geben sich die Hochschulen betont bürokratisch. Wer aber auf den Uni-Servern nachschaut, findet – versteckt zwischen Professorenporträts und Telefonlisten – haufenweise Pornobilder. Man muss bloß mit Googles »Erweiterter Suche« gezielt die einzelnen Server durchforsten.
Ein Beispiel ist der »Member«-Bereich des Instituts für Deutsche und Niederländische Philologie der FU Berlin. Dort zu sehen, unter der Domain der Hochschule: Nacktfotos von Kate Winslet, Badezimmerbilder von Paris Hilton und Links zu den viel besprochenen Sextapes von Britney Spears und Lindsay Lohan.
Gibt man im Suchfeld »Porno« ein, erhält man volle 45 Treffer wie »Basic Instinct Sharon Stone Sex Scene« oder »Jenna Jameson fucked hard«. Wer weiterklickt, wird auf kommerzielle Pornoseiten geleitet. Und es wird noch besser: Auf einer Seite der Uni Wuppertal kann man sogar Viagra bestellen. Auf den Seiten der Uni Köln erklärt ein Dokument, wie man ein erfolgreicher Pornostar wird. Und auf einer Seite des Fachbereichs Informatik der Universität Hamburg können Studenten in einem Fenster per Mausklick Pornofilme anschauen.
Warum die Aufregung, könnte man fragen, das Internet ist schließlich voller Pornos. Allerdings gehören die meisten Hochschulen dem Deutschen Forschungsnetz an, und dessen Statuten verbieten pornografische Inhalte. Spricht man die Unis auf ihr Internetangebot an, kommen ganz unterschiedliche Erklärungen. Die FU Berlin spricht vom »Missbrauch eines Nutzers« und löscht sofort alle Pornos. Der Hintergrund: Niederlandistik-Studenten war erlaubt worden, selbst Internetseiten anzulegen.
Der anonyme Pornofan muss dieses Angebot falsch verstanden haben: Er füllte mehrere Seiten spaßeshalber mit Schmuddelkram statt Niederlandistik-Themen. Die Uni Köln schiebt das Problem auf Sexwerbung in Internetforen. Anhänge aus unerwünschter Werbung seien automatisch auf einem Mailserver der Uni gespeichert worden, nur wer danach über Google suche, finde sie. Auch die Uni Wuppertal kann ihren Viagra-Shop erklären: Bei einem Hacker-Angriff aus den USA seien die Inhalte unbemerkt auf dem Uni-Server abgelegt worden. Die schlechte Nachricht für alle Wuppertaler Stammkunden: Der Viagra-Shop hat ab sofort geschlossen.
Anleitung: So werden Sie auf Uni-Seiten fündig
Um selbst nach Pornobildern auf Uniservern zu suchen, geht man zunächst auf google.de. Dann muss man rechts neben dem Sucheingabefeld auf „Erweiterte Suche“ klicken. Unter dem Punkt „Domain“ gibt man dort den Uniserver an, auf dem man suchen möchte, z. B. uni-hannover.de. Im obersten Suchfeld „mit allen Wörtern“, das dem normalen Suchfeld bei Google entspricht, kann man dann die Suchbegriffe eingeben. Anschließend startet man über den Button „Google-Suche“ auf der rechten Seite die Suche und erhält dann die Suchergebnisse.
- Datum 14.04.2009 - 16:47 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.04.2009 Nr. 03
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