Logistikstudium World-weit weg

Trotz Krise gehören dem Handel und der Logistik-Branche die Zukunft. Wer will, kann schnell aufsteigen – und dabei viel von der Welt sehen

Wie kommen die anderen jetzt noch hierher, zu Suzy Wongs Bar? Sie kennen die Adresse nicht, Peking ist groß, ihr chinesischer Taxifahrer hat von der Bar noch nie gehört, und per Handy kann man ihm den Weg auch nicht beschreiben: Von denen, die schon hier vor der Bar warten, spricht keiner Mandarin, und der Taxifahrer am Telefon spricht nichts anderes. Thomas Hauck muss improvisieren, wie so oft. Er findet schließlich eine Passantin, die übersetzen kann und den Wagen dirigiert. Es dauert, aber das Auto kommt. Wer von einer deutschen Spedition ins Ausland geschickt wird, darf nicht schon am Transport von vier Personen mit einem chinesischen Taxi scheitern.

Hauck arbeitet für die Logistikfirma DB Schenker, die zur Deutschen Bahn gehört. Er ist erst 36, aber schon seit einiger Zeit Chef der Region Nordchina, Sitz in Peking. Die Niederlassungen, die er betreut, reihen sich auf 1000 Kilometern die Küste entlang. Zurzeit sind es zehn, Hauck führt ein wachsendes Reich: Umsatzplus 50 Prozent, Mitarbeiterplus 32 Prozent, das war in normalen Jahren die Entwicklung für Transportunternehmen in Asien.

Dank Handys aus China, T-Shirts aus Vietnam oder Autos aus Deutschland ist kaum eine Branche in den letzten Jahren stärker gewachsen als der weltweite Warentransport. Fast nirgendwo konnten Berufseinsteiger deshalb so schnell so viel werden wie in der Logistik – und dabei so viel von der Welt sehen. Wie Thomas Hauck, oder wie Jochen Thewes, von dem später noch die Rede sein wird. Beide sind gute Beispiele für die Chancen, die die Branche bietet.

Anzeige

"Die Nachfrage nach Absolventen ist in diesem Bereich enorm", sagt Helmut Baumgarten, Professor und Gründer des Fachbereichs Logistik an der TU Berlin. Noch vor einem halben Jahr hatten bei einer Umfrage der Bundesvereinigung Logistik vier von fünf Unternehmen angegeben, Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen zu haben. Natürlich schadet die Finanzkrise der Weltwirtschaft, und die Logistikbranche spürt es als erste – aber sie wird sich erholen. "Mittelfristig bleibt die Logistik eine Boombranche", sagt Baumgarten. Andere Experten schätzen das ähnlich ein, Matthias Botta etwa, der bei der Zeitarbeitsfirma Randstad das Segment Logistik betreut. Er sagt: "Je arbeitsteiliger die Gesellschaft wird, desto mehr logistische Prozesse gibt es, und desto mehr Logistiker werden gebraucht."

Die Begehrtesten werden Kaufleute, Techniker, Mathematiker sein; Menschen, die analysieren und organisieren können. Es geht in der Logistik heute nicht mehr nur darum, Sachen von hier nach dort zu bringen und sie zwischendurch zu lagern. Große Spediteure sind inzwischen nicht mehr mit dem Bepacken von Lastwagen beschäftigt, sondern knüpfen komplizierte Lieferketten rund um die Welt.

Schenker-Niederlassung Peking, Konferenzraum. Weiße Wände, schwarze Stühle, ein langer Tisch, an der Stirnseite steht Hauck vor einem Schaubild, um am Beispiel Sony-Ericsson zu zeigen, was er eigentlich den ganzen Tag macht. Der Handyhersteller ist ein großer Kunde. Schenker liefert fertig verpackte Telefone in deutsche Lager, und wenn die Telefone später verkauft werden, dann ist die japanisch-schwedische Firma mit den Geräten nicht einmal selbst in Kontakt gekommen.

Wie das geht, erklärt Hauck anhand des Schaubilds, das die Lieferwege zeigt. Von links nach rechts: Zulieferer, Flugzeug, Zentrallager, Flugzeug, Handyfabrik, Flugzeug, Auslieferungslager in Europa. Sony-Ericsson sucht davon nur Zulieferer und Fabriken aus. Alles andere macht Schenker: so bestellen, dass nie zu wenig und möglichst selten zu viele Teile in den Regalen des Zentrallagers liegen. Entscheiden, ob dafür besser selten viel oder oft wenig geliefert wird. Die Qualität der Ware kontrollieren. Und dann, ganz am Ende, Telefone, Bedienungsanleitungen und Sim-Karten zur richtigen Zeit an einem Ort zusammenbringen, damit sie dort verpackt werden können.

Leser-Kommentare
  1. Die ehemals einzige deutsche Hochschule, die sich mit dem komplexen Feld der Logistik befasst hatte (Im Lehrspektrum reichend vom Fahrzeugbau, Bahntechnik bis zu den internationalen Verkehrsströmen), die Hochschule für Verkehrstechnik in Dresden ist im Zuge der "Wende" dicht gemacht worden - offensichtlich von Leuten, die so weit gedacht haben, wie eine fette,( noch nicht von der Schweinegrippe befallene) Sau springt.

    Hintergrund waren damals Neid, Überheblichkeit und die koloniale Dynamik seitens der bundesdeutschen Hochschulen.

    Danach ging der weltweite Boom der Logistik im Zuge der Globalisierung so richtig los. Jetzt ist alles zerfleddert, das einzig positive Feststellbare ist, dass sich etliche Experten der o.g. Hochschule zu den entsprechenden Fachhäuptlingen in der in- und ausländischen Hochschullandschaft gemausert haben.

    Ansonsten hätte Schiller Stoff für ein weiters Trauerspiel gehabt. Das letzte von ihm geschriebene war wohl "Don Carlos"!

  2. Ich bin vor vielen Jahren von Schenker ins Ausland geschickt worden. Damals gab es noch keine Logistik-Uni und anderen Schnick-Schnack. Damals musste man vor Ort lernen. Heute haben es die Logistikfirmen alles nur komplizierter und teurer gemacht. Beispiel: die elenden "Global BIDS" die globalen Ausschreibungen. Da beauftrage international arbeitendene Firmen Ausschreibungsspezialisten, um die Containerfrachten fuer die naechsten 12 Monate auszuhandeln. Komplizierter geht's nicht mehr. 100 Seiten fuer ein BID sind keine Seltenheit. Die Reeder werden ausgequetscht wie Zitronen und muessen sich auf idiotische Frachtraten einlassen wegen der "base cargo". Das Geld machen die Logistikfirmen. Irgendeiner wie Schenker, DHL oder Kuehne & Nagel gewinnt dann das BID. Am Ende verhandeln viele Werke in den einzelnen Laendern doch wieder direkt mit den Linien, ohne BID, weil inzwischen die Frachten gesunken sind oder weil es auf lokaler Ebene alles viel einfacher ist. Aber gut, Speditionen sind ein notwendiges Uebel, aber alle Verlader waeren im Grunde froh, wenn es sie nicht gaebe. Speditionen haben manchmal bis zu Usd 500 pro Container fuer sich drin. Die Reeder Usd 300, wenn sie Glueck haben. Der Weg zwischen Exporteur - Spedition- Transporteur -Importeur
    ist ist vielen Faellen zu teuer.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service