Ich bin kein penibler Mensch, aber in meinem Geldbeutel halte ich Ordnung. Jeden Schein, den ich bekomme, sortiere ich dem Wert nach ein. Ein Zwanziger kommt neben die Zwanziger, ein Zehner zu den Zehnern. Die größten Scheine stecke ich nach hinten, die kleineren nach vorn. Ich habe das schon immer so gemacht, und ich leide, wenn meine Frau meinen Geldbeutel nimmt und hinterher Chaos herrscht.

Sehr viele Deutsche ordnen die Scheine in ihrem Geldbeutel penibel nach dem Wert. Das Irritierende ist aber: Genau jene Menschen, die so fanatische Geldschein-in-den-Geldbeutel-Einsortierer sind, haben meist keinen Überblick über ihre Finanzen. Sie wissen zwar, was in ihrem Geldbeutel steckt. Sie kennen aber nicht ihren Kontostand. Geschweige denn die monatlichen Ausgaben. Oder ihre Einnahmen.

Der Finanzanalytiker Volker Looman beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Phänomen. Im Grunde, sagt er, müsste jeder seine Finanzen genauso organisieren, wie ein Unternehmen– mit einer monatlichen Übersicht aller Einnahmen und Ausgaben. Dann würde man sich keine Kredite andrehen lassen, die man nicht mehr abbezahlen kann. Das Problem ist nur: So eine Übersicht zu führen kostet Zeit. Und wer hat die schon, wenn er den ganzen Tag damit beschäftigt ist, den Geldbeutel zu ordnen?

»Mister Moneypenny« heißt eigentlich Marc Brost. Der 37-Jährige ist Wirtschaftskorrespondent der ZEIT. Für ZEIT CAMPUS beleuchtet er, warum wir in Sachen Wirtschaft so irrational handeln