Österreich Neue deutsche Welle
Im März wurden die Studiengebühren in Österreich abgeschafft. Jetzt grassiert dort die Angst vor einer neuen Deutschenschwemme
Seit Jahren versuchen die Österreicher, ihre Unis gegen die Deutschen zu verriegeln, und seit Jahren scheitern sie damit. Schon 2001 führte die österreichische Regierung Studiengebühren ein, 363,36 Euro betrugen sie im Semester. 2006 kam die Inländerquote dazu: Drei von vier Anfängerplätzen in Medizin sind seither für Österreicher reserviert; EU-Ausländer müssen sich mit 20 Prozent begnügen, sonstige Ausländer mit fünf Prozent.
Trotzdem studieren immer mehr Deutsche an österreichischen Unis: Von 2001 bis 2008 hat sich ihre Zahl mehr als verdreifacht, sie stieg von rund 5000 auf über 17000, während die Gesamtzahl der Studenten um weniger als ein Viertel wuchs. Jetzt hat die österreichische Regierung die Studiengebühren abgeschafft– und fürchtet, dass eine Welle deutscher Gebührenflüchtlinge ins Land schwappt. Die Inskriptionsstellen - so heißen dort die Einschreibungsämter– rechnen damit, dass bald fast jeder zehnte Student in Österreich aus dem Nachbarland kommt.
So wie Harald Sammer, 23, der jeden Morgen über die deutsch-österreichische Grenze pendelt. Er kommt aus Petting in Südbayern, von dort aus sind es keine 25 Kilometer bis zur Uni Salzburg, wo er Geschichte und Englisch studiert. Bis München sind es 120 Kilometer. Dass die Fahrkosten nach Salzburg niedriger sind, war ein Argument– den Ausschlag aber gaben die Studiengebühren, in München hätte er 500 Euro zahlen müssen. Die paar »blöden Piefke-Sprüche«, die er jetzt einstecken muss, nimmt er in Kauf.
Dass die Österreicher so ungern deutsche Studenten an ihren Unis sehen, liegt daran, dass die selten kommen, weil ihnen Österreich so gut gefällt, sondern weil sie dort keine Gebühren zahlen müssen und weil die Aufnahmekriterien weniger streng sind. Wer in Österreich beispielsweise Medizin studieren will, muss keine Spitzennoten haben, sondern nur einen Wissenstest bestehen. Harald Sammer hat nach seinem deutschen Fachabi am Abendgymnasium in Salzburg die Matura nachgeholt, die österreichische Hochschulreife. Die ist nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut ausgefallen; an deutschen Unis hätte er um einen Studienplatz zittern müssen. Nicht so in Österreich.
Einer der wenigen, die die Deutschenschwemme gelassen sehen, ist der Soziologe und Mobilitätsexperte Paul Kellermann von der Uni Klagenfurt. »Je mehr deutsche Studenten zu uns kommen, desto besser«, sagt er. »Sie bleiben mehrere Jahre und zahlen hier Steuern. Bei jedem Einkauf im Supermarkt, und ist er noch so klein.« Da brauche man bei den Studienplätzen doch, bittschön, nicht pingelig sein.
- Datum 17.04.2009 - 10:13 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.04.2009 Nr. 03
- Kommentare 11
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Als (österreichischer) Student an einer österreichischen Privatuniversität mit einem hohen Anteil an deutschen Kollegen, möchte ich festhalten, daß ich diese Entwicklung befürworte. Bis vor einigen Jahren, wo es vor allem an Medizin-Unis zu einem wahren Kampf um Studienplätze kam, war die Angst groß von deutschen Studenten überrannt zu werden. Die Quotenregelung ist wohl notwendig, da Deutschland einfach zehnmal mehr Einwohner hat.
Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, Alltag ist eingekehrt und eine freundschafltiche Koexistenz ist möglich. "Piefke-Sager" sollten eigentlich der Vergangenheit angehören.
Der Austausch zwischen unseren Ländern gereicht Beiden zum Vorteil. Wichtig ist es, den Blick vor allem auf die Gemeinsamkeiten zu legen, und nicht die Unterschiede in den Vordergrund zu stellen.
Österreich ist, im Herzen Europas, eine erfolgreiche Tourismusdestination und ist den Umgang mit "Besuch aus Deutschland" gewohnt.
Wichtig ist, wer hier leben will, soll sich nicht in einer "deutschen" Parallelgesellschaft verstecken. Sucht man den Kontakt zu einem Österreicher, so wird einem dieser meist nicht verwehrt . Ein freundliches Lächeln und ein bisschen Bescheidenheit wirken oft Wunder. Wer hier herkommt und ständig betont, wie toll dieses oder jenes in Deutschland läuft, wird zwangsläufig die Frage provozieren, warum er/sie denn hergekommen sei.
Übrigens kommen nicht nur viele Studenten her. Über die letzten Jahre treffe ich im Gesundheitswesen, im Gastgewerbe, auf den Baustellen, ja sogar im Taxi immer öfter auf Deutsche, die wohl auch vorhaben zu bleiben und so sage ich:
HERZLICH WILLKOMMEN
Yogas chitta vritti nirodha - Yoga ist das zur Ruhe kommen der Gedanken im Geist
Patanjali
Die Unterschiede sind ja wirklich nicht so groß und Respekt kann man ja wohl von jedem, aber erstrecht Zugewanderten erwarten. Dem mit dem: wenn es zuhause so viel besser ist, hättest du ja da bleiben können, kann ich nur zustimmen. Ich hätte hier in Berlin übrigens gerne mehr Österreicher - das passt schon.
Eine andere Sache an der journalistischen Art des Artikel und seinen sprachlich-politischen Implikationen finde ich ganz interessant:
was würde passieren, wenn man in Deutschland von einer Türken-Schwemme schreiben würde? Aber Deutschen-Schwemme geht? und das Wort Piefke ist an sich ja nicht schlimm, nur weil es verletzend gemeint ist, ist es schlimm. Das Wort Kanacke selbstbezeichnet ursprünglich einen sehr sympathischen Südseestamm - ist an sich auch nicht schlimm, verletzend gemeind dann aber doch. Genauso hätte man auch Melanese aussuchen können und negativ konotieren können.
Ich lasse auch nicht gelten, dass es darauf ankommt wer es sagt.
Naja Sprachdiktatur. Es ist nicht so, dass ich Kanacke oder Türken-Schwemme sagen will, es kann aber nicht sein, dass Politische Korrektheit an der Rasse oder Nationalität des Sprechers gebunden ist.
Die Unterschiede sind ja wirklich nicht so groß und Respekt kann man ja wohl von jedem, aber erstrecht Zugewanderten erwarten. Dem mit dem: wenn es zuhause so viel besser ist, hättest du ja da bleiben können, kann ich nur zustimmen. Ich hätte hier in Berlin übrigens gerne mehr Österreicher - das passt schon.
Eine andere Sache an der journalistischen Art des Artikel und seinen sprachlich-politischen Implikationen finde ich ganz interessant:
was würde passieren, wenn man in Deutschland von einer Türken-Schwemme schreiben würde? Aber Deutschen-Schwemme geht? und das Wort Piefke ist an sich ja nicht schlimm, nur weil es verletzend gemeint ist, ist es schlimm. Das Wort Kanacke selbstbezeichnet ursprünglich einen sehr sympathischen Südseestamm - ist an sich auch nicht schlimm, verletzend gemeind dann aber doch. Genauso hätte man auch Melanese aussuchen können und negativ konotieren können.
Ich lasse auch nicht gelten, dass es darauf ankommt wer es sagt.
Naja Sprachdiktatur. Es ist nicht so, dass ich Kanacke oder Türken-Schwemme sagen will, es kann aber nicht sein, dass Politische Korrektheit an der Rasse oder Nationalität des Sprechers gebunden ist.
Die Unterschiede sind ja wirklich nicht so groß und Respekt kann man ja wohl von jedem, aber erstrecht Zugewanderten erwarten. Dem mit dem: wenn es zuhause so viel besser ist, hättest du ja da bleiben können, kann ich nur zustimmen. Ich hätte hier in Berlin übrigens gerne mehr Österreicher - das passt schon.
Eine andere Sache an der journalistischen Art des Artikel und seinen sprachlich-politischen Implikationen finde ich ganz interessant:
was würde passieren, wenn man in Deutschland von einer Türken-Schwemme schreiben würde? Aber Deutschen-Schwemme geht? und das Wort Piefke ist an sich ja nicht schlimm, nur weil es verletzend gemeint ist, ist es schlimm. Das Wort Kanacke selbstbezeichnet ursprünglich einen sehr sympathischen Südseestamm - ist an sich auch nicht schlimm, verletzend gemeind dann aber doch. Genauso hätte man auch Melanese aussuchen können und negativ konotieren können.
Ich lasse auch nicht gelten, dass es darauf ankommt wer es sagt.
Naja Sprachdiktatur. Es ist nicht so, dass ich Kanacke oder Türken-Schwemme sagen will, es kann aber nicht sein, dass Politische Korrektheit an der Rasse oder Nationalität des Sprechers gebunden ist.
Mit den Deutschen verhält es sich einfach anders, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie von einem Österreicher gehört der tatsächlich echten Fremdenhass gegenüber den Deutschen verspürt hätte.
Ganz klar hängt Politische Korrektheit von der Nationalität oder dem Äußeren des Sprechers ab, je unähnlicher mir die Merkmale des Verspotteten sind desto schwerer wiegen die Worte. Und da bei Österreichern und Deutschen die Gemeinsamkeiten doch stark überwiegen kann ich als Ösi ruhigen gewissens über die Piefkes lästern! :)
Mit den Deutschen verhält es sich einfach anders, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie von einem Österreicher gehört der tatsächlich echten Fremdenhass gegenüber den Deutschen verspürt hätte.
Ganz klar hängt Politische Korrektheit von der Nationalität oder dem Äußeren des Sprechers ab, je unähnlicher mir die Merkmale des Verspotteten sind desto schwerer wiegen die Worte. Und da bei Österreichern und Deutschen die Gemeinsamkeiten doch stark überwiegen kann ich als Ösi ruhigen gewissens über die Piefkes lästern! :)
Mit den Deutschen verhält es sich einfach anders, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie von einem Österreicher gehört der tatsächlich echten Fremdenhass gegenüber den Deutschen verspürt hätte.
Ganz klar hängt Politische Korrektheit von der Nationalität oder dem Äußeren des Sprechers ab, je unähnlicher mir die Merkmale des Verspotteten sind desto schwerer wiegen die Worte. Und da bei Österreichern und Deutschen die Gemeinsamkeiten doch stark überwiegen kann ich als Ösi ruhigen gewissens über die Piefkes lästern! :)
"Einer der wenigen, die die Deutschenschwemme gelassen sehen, ist der Soziologe und Mobilitätsexperte Paul Kellermann von der Uni Klagenfurt. »Je mehr deutsche Studenten zu uns kommen, desto besser«, sagt er. »Sie bleiben mehrere Jahre und zahlen hier Steuern. Bei jedem Einkauf im Supermarkt, und ist er noch so klein.« Da brauche man bei den Studienplätzen doch, bittschön, nicht pingelig sein."
ist das. Ersetzen wir überhaupt die dummen Ösis durch die Piefkes!
Die Bedeutung des letzten Satzes bitte erläutern.
Yogas chitta vritti nirodha - Yoga ist das zur Ruhe kommen der Gedanken im Geist
Patanjali
Die Bedeutung des letzten Satzes bitte erläutern.
Yogas chitta vritti nirodha - Yoga ist das zur Ruhe kommen der Gedanken im Geist
Patanjali
Die Bedeutung des letzten Satzes bitte erläutern.
Yogas chitta vritti nirodha - Yoga ist das zur Ruhe kommen der Gedanken im Geist
Patanjali
ich bin die im Artikel genannte Person, Harald Sammer, und ich muss sagen, ich bin sehr sehr enttäuscht, so von der sog. "Journalistin" hintergegangen worden zu sein.
"Die ist nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut ausgefallen; an deutschen Unis hätte er um einen Studienplatz zittern müssen. Nicht so in Österreich."
Ich wusste nicht, dass man mit ner Matura mit ausgezeichnetem Erfolg (1,4) nicht wirklich gut ist und Probleme an deutshen Unis hätte, wobei noch hinzukommt, dass für den Numerus Clausus teilweise in Deutschland noch 0,2 von dem Maturaschnitta abgezogen werden, weil es mehr Fächer sind, die eingebracht werden müssen in Österreich.
Was das mit seriösem Journalismus zu tun haben soll, kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Übrigens vielen Dank an die Autorin für das versprochene Bescheidgeben, falls der Artikel erscheint - hat sie nämlich nicht gemacht.
Mir ist dadurch noch klarer geworden, warum ich die Süddeutsche Zeitung abboniert habe und nicht so ein "Schundblatt".
Harald Sammer
Momentan verfasse ich meine Diplomarbeit zum Thema Web 2.0 und da die Leserkommentare nach diesem Prinzip aufgebaut sind, erhoffe ich mir (und sicher auch alle anderen), dass die Autorin ihre Chance nutzt und mit den Lesern in direkten Kontakt tritt, also entsprechend auch Stellung bezüglich des Kommentars von Herrn Sammer bezieht.
Sehr geehrter Herr Sammer!
Besten Dank für Ihren Eintrag und Ihre Rückmeldung auf dem e-mail-Weg an mich. Der Vollständigkeit halber darf ich den Lesern dieser Einträge hier mitteilen, dass ich Herrn Sammer nach Erscheinen durchaus Bescheid über den Text gegeben habe (zunächst an seine Uni-e-mail-Adresse; erst später dann auch an seine private mail-Adresse, nachdem ich nach einem längeren Auslandsaufenthalt diese wieder bei der Hand hatte). Außerdem habe ich - betreffs Noten und Unizugang - entsprechend meinen Notizen während unseres Treffens Ihre eigene Einschätzung der Chancen auf Studienplätze in Deutschland und Österreich wiedergegeben; neben Ihren Maturanoten hatten Sie mir auch andere Noten (die nicht so gut waren, ich will Ihre Leistungen aber freilich nicht schmälern) genannt - und dass nach Ihrem begonnenen Studium in Deutschland außer den Zugangsregeln in Österreich die gestoppten Unigebühren eine große Rolle für Sie spielen. Schade, dass Sie sich dennoch nicht in dem Text wiederfinden.
Herzliche Grüße!
Regina Pöll
Momentan verfasse ich meine Diplomarbeit zum Thema Web 2.0 und da die Leserkommentare nach diesem Prinzip aufgebaut sind, erhoffe ich mir (und sicher auch alle anderen), dass die Autorin ihre Chance nutzt und mit den Lesern in direkten Kontakt tritt, also entsprechend auch Stellung bezüglich des Kommentars von Herrn Sammer bezieht.
Sehr geehrter Herr Sammer!
Besten Dank für Ihren Eintrag und Ihre Rückmeldung auf dem e-mail-Weg an mich. Der Vollständigkeit halber darf ich den Lesern dieser Einträge hier mitteilen, dass ich Herrn Sammer nach Erscheinen durchaus Bescheid über den Text gegeben habe (zunächst an seine Uni-e-mail-Adresse; erst später dann auch an seine private mail-Adresse, nachdem ich nach einem längeren Auslandsaufenthalt diese wieder bei der Hand hatte). Außerdem habe ich - betreffs Noten und Unizugang - entsprechend meinen Notizen während unseres Treffens Ihre eigene Einschätzung der Chancen auf Studienplätze in Deutschland und Österreich wiedergegeben; neben Ihren Maturanoten hatten Sie mir auch andere Noten (die nicht so gut waren, ich will Ihre Leistungen aber freilich nicht schmälern) genannt - und dass nach Ihrem begonnenen Studium in Deutschland außer den Zugangsregeln in Österreich die gestoppten Unigebühren eine große Rolle für Sie spielen. Schade, dass Sie sich dennoch nicht in dem Text wiederfinden.
Herzliche Grüße!
Regina Pöll
Momentan verfasse ich meine Diplomarbeit zum Thema Web 2.0 und da die Leserkommentare nach diesem Prinzip aufgebaut sind, erhoffe ich mir (und sicher auch alle anderen), dass die Autorin ihre Chance nutzt und mit den Lesern in direkten Kontakt tritt, also entsprechend auch Stellung bezüglich des Kommentars von Herrn Sammer bezieht.
Liebe Leserin / Lieber Leser,
sehr gerne habe ich (siehe meinen obigen Eintrag in diesem Forum) Herrn Sammer auf diesem Weg und auch persönlich per e-mail geantwortet. Alles Gute für Ihre Diplomarbeit!
Herzliche Grüße, Regina Pöll
Liebe Leserin / Lieber Leser,
sehr gerne habe ich (siehe meinen obigen Eintrag in diesem Forum) Herrn Sammer auf diesem Weg und auch persönlich per e-mail geantwortet. Alles Gute für Ihre Diplomarbeit!
Herzliche Grüße, Regina Pöll
das würde sie sich wohl niemals trauen. Wusste gar nicht, dass man so einfach Geld verdienen kann. Ach ja, dass ich hauptsächlich wegen meinem Freundeskreis in Salzburg studiere und nicht wegen der fehlenden Zulassungsbeschränkungen oder den Studiengebühren, sollte man wohl doch irgendwie erwähnen, oder?
ganz ehrlich: dieser Artikel ist lächerlich.
. . . Warum sollte ich mich denn nicht trauen? Siehe bitte meinen ausführlicheren Eintrag oben. Herzliche Grüße, RP
. . . Warum sollte ich mich denn nicht trauen? Siehe bitte meinen ausführlicheren Eintrag oben. Herzliche Grüße, RP
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