Studenten heute Woran kann ich noch glauben?
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4. Ohne Ideologien geht es uns besser

Manche sagen, dass es pragmatischen Menschen schwerfällt, moralische Überzeugungen zu entwickeln – weil sie das Gute immer dort sehen, wo es ihnen nutzt. Da ist etwas dran. Aber: Vielleicht sollte man junge Menschen nicht gleich für Opportunisten halten, nur weil sie noch kein Manifest geschrieben haben. Wer kein Marxist ist und auch kein Kapitalist, wer keiner Konfession angehört und auch keiner Partei, ist nicht automatisch jemand, der keine Werte hat. Jeder Mensch will den Weltfrieden, neu ist nur die Art, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Anders als früher bevorzugen Studenten heute praktische Lösungen gegenüber theoretischen Entwürfen und kleine Projekte gegenüber großen Revolutionen: Oldenburger Studenten unterrichten Aids-Waisen in Südafrika, Freiburger Studenten rufen zum Blutspenden auf, Berliner Studenten organisieren Stipendien für Kommilitonen aus Zentralasien. Jeder zweite Student will sich stark für andere Menschen einsetzen, so das Ergebnis der ZEIT CAMPUS-Umfrage 2008, die das Hochschulinformationssystem (HIS) durchgeführt hat.

Offenbar setzen die Studenten ihren Eltern das entgegen, was diese am wenigsten verstehen können: die Abkehr von Dogmen und letzten Wahrheiten – und damit das Ende des Pingpongspiels aus Manifest und Gegenmanifest, das ihre Eltern so gut beherrschten. Wenn das stimmt, macht es diese Generation – auf ihre Art – radikaler, als es die 68er je waren, denn sie hat keine Antihaltung zur Ideologie ihrer Eltern, sondern bezweifelt, dass so etwas wie eine geschlossene Haltung überhaupt notwendig ist.

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Man kann diesen Sinneswandel gut an den Abgeordneten des Deutschen Bundestages beobachten. An einem weiß gedeckten Tisch des Abgeordnetenrestaurants, im ersten Stock des Reichstags, sitzen Jens Spahn, 29, und Anna Lührmann, 25, er von der CDU, sie von den Grünen. Sie treffen sich öfter hier, frühstücken gemeinsam, duzen sich, mögen sich – ein ungleiches Paar. Spahn trägt, wenn man so will, die Uniform eines jungen Christdemokraten: Krawatte, Siegelring am Finger, randlose Brille, Siegerlächeln. Lührmann trägt, was Grüne oft tragen, Sweatshirt, Stoffschal und Topfhaarschnitt. Und doch sind beide anders, als ihre Vorgänger es waren. Lührmann sitzt im Haushaltsausschuss, und wenn dort ein Umweltschutzgesetz verhandelt wird, dann fragt sie manchmal Dinge wie: "Wo ist die Gegenfinanzierung?" oder: "Können wir uns das leisten?"

Petra Kelly, Gründungsmitglied der Grünen, nannte solche Sätze in einem Interview 1992 "klassische Sachzwangpolitik, die wir immer bekämpft haben". Wenn Spahn auf das Thema Familienpolitik angesprochen wird, sagt er Sätze wie: "Familie ist dort, wo Eltern und Kinder füreinander Verantwortung übernehmen" – damit meint er auch Alleinerziehende. In den Sechzigern wäre er dafür von CDU-Kollegen wegen "unchristlicher Werte" beschimpft worden. Was Spahn und Lührmann sagen, klingt vernünftig, es entbehrt des Marktschreierischen, das die junge Politik des 20. Jahrhunderts ausmachte. "Der Umgangston ist ruhiger geworden, ich finde das angenehm", sagt Lührmann.

Denkt man darüber nach, ist es keine schlechte Welt, die die Studenten heute anstreben. Ohne Betonköpfe, die sich im Bundestag anbrüllen wie in den Siebzigern. Ohne Menschen wie Wehner und Strauß, ohne Flugblätter des SDS, Pamphlete von Ulrike Meinhof. Ohne katholische Eltern, die ihren Kindern den Umgang mit Protestanten verbieten. Ohne Umweltpolitiker, die keinem Christdemokraten die Hand geben. Ohne das Radikale, das Polarisierende, das Prinzipielle, welches das 20. Jahrhundert meist so mühselig machte. Vielleicht gibt es keine Generation, der man die Probleme der Zukunft lieber anvertrauen würde als einer, die ohne Scheuklappen nach Lösungen sucht. So gesehen, könnte das Pragmatische die richtige Reaktion auf eine Wirtschafts-Klima-Terrorismus-Krise sein, bei deren Behebung kein Raum für ideologische Grundsatzdebatten bleibt.

"Es gibt diese klaren Feindbilder nicht mehr, auch eine Koalition mit den Grünen wäre heute durchsetzbar", sagt Spahn. "Ich kenne viele Unternehmer, die nicht nur auf Profit schielen, und genauso viele Gewerkschaftler, die Betonköpfe sind", ergänzt Lührmann. Und man muss kurz die Augen schließen und sich vorstellen, wie die beiden diese Sätze durch ein Megafon brüllen vor dem ideologischen Publikum der Vergangenheit, Jens Spahn vor alten CDU-Anhängern in seinem Wahlkreis Steinfurt/Borken und Anna Lührmann vor grünen Hausbesetzern in Berlin-Friedrichshain. Dann würde man merken: Sie sind auch nicht weniger mutig als die Sätze von Rudi Dutschke vor Konservativen von damals.

 
Leser-Kommentare
  1. Ein Artikel über die Generation Up-Load ohne auch nur einmal das Internet zu erwähnen. Schön, dass jemand erkannt und in Worte gefasst hat, dass diese durchaus auch noch real und nicht nur virtuell in Erscheinung tritt.
    "Real" trifft es hier auch auf den Kopf. Pragmatismus, dem kann ich mich ohne weiteres anschließen. Obwohl zuviel Idealismus leider auch oft zu dem "Fähnlein-im-Wind"-Phänomen führen kann. Schließlich müssen wir bald alle eine politische Entscheidung treffen und Wählen funktioniert leider noch nicht nach dem Salat-Bar-Prinzip: Ein bißchen von dem Grünen bitte und auch ein bißchen Rot...
    http://www.synecstasy.com...

    www.synecstasy.com

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    "Schließlich müssen wir bald alle eine politische Entscheidung treffen und Wählen funktioniert leider noch nicht nach dem Salat-Bar-Prinzip: Ein bißchen von dem Grünen bitte und auch ein bißchen Rot..."

    das ist gar keine dumme idee. hier der anti-akw-feldsalat, dort der vermoegenssteuer-radicchio, das gelbe steuer-vereinfachungs-dressing da hinten sieht auch ganz lecker aus - da laeuft mir doch das wasser im munde zusammen!

    ganz ernsthaft: die idee, dass ich mich bei einer wahl auf eine partei festlegen soll, deren menue ich hinterher auch noch aufessen muss (nicht nur, dass ich bei der bestellung keine von der karte abweichenden beilagen verlangen darf; ich kann hinterher ja nicht mal die verhassten knoedel auf dem teller liegen lassen), erscheint mir langsam veraltet. sie stammt eben auch aus einer zeit, in der ideologisches lagerdenken vorherrschte (und in der es in deutschland noch zwei "volksparteien" gab).

    wie eine solche salat-bar-demokratie wahlrechtlich aussehen sollte, weiss ich selber nicht. aber wir sollten langsam mal anfangen, darueber nachzudenken, anstatt immer nur ueber politikmuedigkeit oder die angeblich desinteressierte jugend zu jammern.

    "Schließlich müssen wir bald alle eine politische Entscheidung treffen und Wählen funktioniert leider noch nicht nach dem Salat-Bar-Prinzip: Ein bißchen von dem Grünen bitte und auch ein bißchen Rot..."

    das ist gar keine dumme idee. hier der anti-akw-feldsalat, dort der vermoegenssteuer-radicchio, das gelbe steuer-vereinfachungs-dressing da hinten sieht auch ganz lecker aus - da laeuft mir doch das wasser im munde zusammen!

    ganz ernsthaft: die idee, dass ich mich bei einer wahl auf eine partei festlegen soll, deren menue ich hinterher auch noch aufessen muss (nicht nur, dass ich bei der bestellung keine von der karte abweichenden beilagen verlangen darf; ich kann hinterher ja nicht mal die verhassten knoedel auf dem teller liegen lassen), erscheint mir langsam veraltet. sie stammt eben auch aus einer zeit, in der ideologisches lagerdenken vorherrschte (und in der es in deutschland noch zwei "volksparteien" gab).

    wie eine solche salat-bar-demokratie wahlrechtlich aussehen sollte, weiss ich selber nicht. aber wir sollten langsam mal anfangen, darueber nachzudenken, anstatt immer nur ueber politikmuedigkeit oder die angeblich desinteressierte jugend zu jammern.

  2. Ziemlich enger, elitärer, Begriff wer "die Jugend" repräsentieren soll.
    Wo wir schon dabei sind. Es gibt nicht "die Jugend". Es gibt heute keine große Jugendkultur mehr sondern millionen kleine Nischen. Mode, Musik, Freizeitverhalten, Wünsche/Träume, bis hin zum sog. "Politischen".
    Ich würde nicht sagen dass alle Ideologien gescheitert sind und es nichts "mehr" gibt woran man "glauben" kann. Das würde schon einmal voraussetzen dass man daran jemals vernünftigerweise hätte "glauben" sollen, was ich stark anzweifle. Wenn ich Leuten die sich offen zu Ideologien bekenne zuhöre beschleicht mich das gleiche Gefühl was ich hatte als ich in der 6. Klasse noch einen Religionslehrer der ganz alten Schule hatte, er "glaubte" halt und da gab es auch kein Diskutieren. Solche Weltbilder sind nicht nur außerordentlich bequem und nehmen einem das eigene Denken ab, sie sind ja auch zum Scheitern verurteilt. Die Welt ist grau, nicht gut und nicht böse. So wie bei einem Laserdrucker der nur monochrom aber nicht in Graustufen drucken kann sehr viel Information verloren geht, so ist es halt auch bei diesen Scheuklappen. Man sieht was ins Schema passt bzw. presst was man sieht in's Schema. Und jeder Zweifel am Schema bestärkt das Schema nur ("Ich wusste dass Sie das sagen, Sie sind doch Teil des Systems").

    Ich kann letztlich ja nur für mich sprechen. Den "Glaube" an etwas was man ikonenhaft auf einen Sockel stellt halte ich für pure Einfalt. Ich bin nicht unpolitisch aber unideologisch. Darum beteilige ich mich nicht an der bundesdeutschen Demokratie. Die ist auf Ideologien, die sich in Parteiform organisieren, aufgebaut. Und man wählt dann z.B. nicht nur "grün", man ist dann auch "grün". Ich will aber nur der Landburli sein ^^

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    • Andi42
    • 08.08.2009 um 17:49 Uhr

    "Ich bin nicht unpolitisch aber unideologisch. Darum beteilige ich mich nicht an der bundesdeutschen Demokratie. Die ist auf Ideologien, die sich in Parteiform organisieren, aufgebaut." => Wären sie unideologisch, dann würden Sie sich trotzdem in der bundesdeutschen Demokratie beteiligen - mit dem Ziel gegen ihre allzu oft ideologischen Strukturen anzugehen. Wie? Keine Ahnung. Aber aus Prinzip zu sagen, dass man sich aus irgend etwas heraushält, weil es nicht den eigenen Prinzipien entspricht, ist imo ideologisch...

    • Andi42
    • 08.08.2009 um 17:49 Uhr

    "Ich bin nicht unpolitisch aber unideologisch. Darum beteilige ich mich nicht an der bundesdeutschen Demokratie. Die ist auf Ideologien, die sich in Parteiform organisieren, aufgebaut." => Wären sie unideologisch, dann würden Sie sich trotzdem in der bundesdeutschen Demokratie beteiligen - mit dem Ziel gegen ihre allzu oft ideologischen Strukturen anzugehen. Wie? Keine Ahnung. Aber aus Prinzip zu sagen, dass man sich aus irgend etwas heraushält, weil es nicht den eigenen Prinzipien entspricht, ist imo ideologisch...

    • Andi42
    • 08.08.2009 um 17:49 Uhr

    "Ich bin nicht unpolitisch aber unideologisch. Darum beteilige ich mich nicht an der bundesdeutschen Demokratie. Die ist auf Ideologien, die sich in Parteiform organisieren, aufgebaut." => Wären sie unideologisch, dann würden Sie sich trotzdem in der bundesdeutschen Demokratie beteiligen - mit dem Ziel gegen ihre allzu oft ideologischen Strukturen anzugehen. Wie? Keine Ahnung. Aber aus Prinzip zu sagen, dass man sich aus irgend etwas heraushält, weil es nicht den eigenen Prinzipien entspricht, ist imo ideologisch...

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    Ich würde die Begriffe "ideologisch" und "weltanschaulich" trennen und es eher als eine weltanschauliche Angelegenheit betrachten. Der Begriff "Ideologie" ist doch etwas Stärkeres, Klareres.

    Letztlich ist unser Grundgesetz auch das weltanschauliche Gerüst unseres Staates bzw. unserer Gesellschaft.

    Ich würde die Begriffe "ideologisch" und "weltanschaulich" trennen und es eher als eine weltanschauliche Angelegenheit betrachten. Der Begriff "Ideologie" ist doch etwas Stärkeres, Klareres.

    Letztlich ist unser Grundgesetz auch das weltanschauliche Gerüst unseres Staates bzw. unserer Gesellschaft.

  3. 4. Tztzz

    Wenn von "die Studenten" gesprochen wird, schwillt mir schon von vornherein metaphorisch der Kamm, vielleicht weil es bereits ideologisch verquast ist, soziale Gruppen als Einheit anzunehmen.

    Was hat denn bitte der aufrechte Geisteswissenschaftler mit dem rückgratlosen BWL-Gesindel zu tun, also jene, die noch Erwachsenenbildung als Ideal vorgeheuchelt bekommen, mit jenen, die gleich als entmenschlichtes Humankapital auf die Märkte geworfen werden?

    Radikale Abwehr aller Ideologien, reiner Pragmatismus? Abgesehen davon, dass der auch so eine Art Ideologie ist, stimmt das wiederum auch nicht, die Ideologien werden bloß skeptischer hinterfragt, als unsere Vorgänger das taten, weil wir Kommunismus und Kapitalismus haben scheitern sehen und nun Antworten für die Zukunft finden müssen. Man kann aber durchaus ein Verfechter des Kommunismus sein und alle bisherigen Versuche verteufeln, oder Kapitalismus verteidigen und die bestehenden Fehler trotzdem genau analysieren.
    Wir haben unsere Ideologien, aber wir sind trotzdem kompromissbereit. Ideologien starrköpfig zu verfolgen, das ist vollkommen richtig erkannt, führen dazu, dass man eben gar nichts erreicht, schon weil der andere genau so starrsinnig kontern wird.
    Radikal hinterfragt wird heute vor allem die Rolle der Medien, die längst die Rolle des absolutistischen Souveräns übernommen haben und damit auch die Demokratie zum Scheitern bringen werden.

    Die Kritik ist übrigens da, wird aber nicht gehört, da die Medien vom Establishment gesteuert werden - und wer hat schon Lust den Ast abzusägen, auf dem er sitzt? Abgesehen davon, dass diese Kritik meist zu diffizil ist, um in Schlagworten verramscht zu werden, ein Schicksal, das auch andere Intellektuelle teilen. Die Radikalität brodelt unter der Oberfläche, zeigt sich bislang eher selten, zum Beispiel beim Bildungsstreik, weil es schwer ist, so viele Singulär-Ideologen unter einen Hut zu bringen - vielleicht fehlt aber nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, und ich bin sicher, dass Herr Jessen sich dann nach der guten alten Langeweile sehnt.
    Trotzdem macht das (bisher) niemand, trotzdem versucht niemand das System zu stürzen, unter anderem weil wir die Folgen der großen Revolutionen kennen: Stalinismus, Faschismus, Terreur; politisch und religiös motivierte Säuberungen in der ganzen Welt, sei es nun im Namen von Gottesstaaten, Sozialismus, Autoritarismus oder Demokratie. Und der tatsächliche soziokulturelle Fortschritt? Gleich null, auch die angeblich unveräußerlichen Menschenrechte werden durch puren Profit ausgeschaltet. Die Realität der Demokratie ist eben eine andere als ihre ideologische Utopie (genau wie bei allen anderen Systemen).

    _____
    "Wer zu sagen wagt, »außerhalb der Kirche gibt es kein Heil«, muss aus dem Staat verjagt werden." Jean-Jacques Rousseau

    Eine Leser-Empfehlung
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    und nicht ganz so grobe Vereinheitlichungen und Verleumdungen vornehmen! ? "der aufrechte Geisteswissenschaftler mit dem rückgratlosen BWL-Gesindel"... Gehts eigentlich noch? Habe in meiner Studienzeit nirgendwo bescheuertere Typen getroffen als unter den sog. "Geisteswissenschaftlern".

    "BWL-Gesindel", sehr nett und unideologisch.

    Toller Artikel, sehr lesenswert!

    Schade, dass wie so oft unqualifizierte Kommentare wie #4 auftauchen.

    "Rückgratloses BWL-Gesindel", geht's noch?

    Werter Herr Nigredo, mein jüngster Sohn wird ab September Economics and Business Economics studieren, interessiert sich für Finanzwirtschaft, Handel, Handelsströme, usancen, tools, Derivate, Derivate von Derivaten, Risiko, Monte Carlo Simulation, Talebs "Black Swans", Warburton’s "Debt and Delusion" und dergleichen derzeit politisch unkorrekten Dinge. Er wird wohl nie die von Ihnen hier dokumetierte Haltung einnehmen.

    Jedoch, was berechtigt Sie, ihn als rückratloses Gesindel zu bezeichnen? Welches tiefere Wissen haben sie über diese Themen, um einen jeden Studenten dieser Disziplin als Gesindel zu bezeichnen? Aufrechte Geisteswissenschaftler als Kontrast dazu? Folgen sie einmal dem Link!

    Dummköpfe gibt es immer wieder und überall, auch Sklaven des Zeitgeistes und auch scheuklappenbewehrte Spezialisten.

    Aber bitte, erklären sie mir: Warum ist mein Sohn rückratloses Gesindel? Ich warte tatsächlich auf Ihre Erklärung!

    und nicht ganz so grobe Vereinheitlichungen und Verleumdungen vornehmen! ? "der aufrechte Geisteswissenschaftler mit dem rückgratlosen BWL-Gesindel"... Gehts eigentlich noch? Habe in meiner Studienzeit nirgendwo bescheuertere Typen getroffen als unter den sog. "Geisteswissenschaftlern".

    "BWL-Gesindel", sehr nett und unideologisch.

    Toller Artikel, sehr lesenswert!

    Schade, dass wie so oft unqualifizierte Kommentare wie #4 auftauchen.

    "Rückgratloses BWL-Gesindel", geht's noch?

    Werter Herr Nigredo, mein jüngster Sohn wird ab September Economics and Business Economics studieren, interessiert sich für Finanzwirtschaft, Handel, Handelsströme, usancen, tools, Derivate, Derivate von Derivaten, Risiko, Monte Carlo Simulation, Talebs "Black Swans", Warburton’s "Debt and Delusion" und dergleichen derzeit politisch unkorrekten Dinge. Er wird wohl nie die von Ihnen hier dokumetierte Haltung einnehmen.

    Jedoch, was berechtigt Sie, ihn als rückratloses Gesindel zu bezeichnen? Welches tiefere Wissen haben sie über diese Themen, um einen jeden Studenten dieser Disziplin als Gesindel zu bezeichnen? Aufrechte Geisteswissenschaftler als Kontrast dazu? Folgen sie einmal dem Link!

    Dummköpfe gibt es immer wieder und überall, auch Sklaven des Zeitgeistes und auch scheuklappenbewehrte Spezialisten.

    Aber bitte, erklären sie mir: Warum ist mein Sohn rückratloses Gesindel? Ich warte tatsächlich auf Ihre Erklärung!

  4. Man glaubt an die Freiheit....aber die Politik will sie einem austreiben.

  5. Eine sehr schwache Verteidigung meiner Generation: wir sind halt super schlaue Pragmatiker!... Aber mit Marko hat das nichts zu tun!! Der Artikel sagt viel mehr etwas über die Welt und das System aus, in dem wir heute leben.

    Gleichzeitig sagt es auch etwas über den Zustand des selbigen ca. '68 aus....

  6. Undogmatisch sei die heutige "Jugend", es gebe nichts, woran sie glaube – Nein, doch: den Pragmatismus, an den glaube sie. Der Glaube sonniger Gemüter sei er, der Glaube einer Generation, die nicht verzweifelt genug ist, um noch Ideale haben zu können.
    Der Pragmatismus, das ist in meinen Augen allerdings ein Dogmatismus, nämlich derjenige liberalistischer Ideologie! Das dieser "totalitären Staatsideologien" vorzuziehen ist, ist kaum zu bestreiten. Aber ihm deswegen einen absoluten Rang zusprechen und ihn der Kritik entheben und zur Grundlage für die längst überfällige Abkehr von den großen Erzählungen machen? Nicht sehen wollen, dass er zwar ein Schritt in die richtige Richtung sein möchte, aber nur ein ängstliches Stolpern ist, das nicht zum großen Sprung ansetzen möchte? Bezeichnend, dass der pragmatistisch besohlte Student sich da zur Erholung von all der Stolperei ins gemütliche Burschisten-Sofa fallen lässt. (Wer hier zu wem kommt, lässt hier doch tief blicken) Hoch droben auf dem Berg - losgelöst von den „ideologischen“ Anstrengungen, das wirre Gewebe im postmodernen Tal zu ergründen – hats das liberalistische Gemüt gemütlich. Die absolute Burschenvilla da oben, das ist die Privatsphäre, in der man nach Meinung von Hardcore-Liberalisten wie Rorty machen kann, was man will, solang es andere nicht leiden lässt. Ein Beweis für die Radikalität unseres Studenten, wenn sich der romantische Herr seiner Privatwelt noch dazu bequemt, Solidarität walten zu lassen und sich zu pragmatischen Antworten zu (oder meist doch eher: über) Fragen der Gerechtigkeit hinaus ins wilde Kampfgetümmel der Öffentlichkeit zu begeben. Aber diese abgespaltene Sorge ums Wohl der Privatsphäre (Helmut Kohl hat sich lange dagegen gewehrt, Vergewaltigung in der Ehe zum Gegenstand des (öffentlichen) Strafrecht zu machen), schafft sie nicht trotzdem Leiden bei denen, die nicht die Möglichkeit zu einem Privatleben im liberalistischen Sinne haben können? Und ist die Verminderung von Leid (positiv formuliert: das größte Glück der größten Zahl) tatsächlich das einzige Idiom, nach dem man sich heute bei Gerechtigkeitsfragen noch zu richten hätte?
    Der Pragmatismus unserer liberalistischen Studenten bleibt auf halber Strecke stehen: Die Einzigartikeit eines Jeden zu schützen ist wünschenswert, aber es genügt nicht bei solchen formalen Überlegungen stehen zu bleiben – und genau das machen Pragmatisten, die doch meinen endlich von theoretischen Fragen zu praktischen übergegangen zu sein, wenn sie leichtfertig über den Strukturwandel der Öffentlichkeit - zu einer Verschmelzung von privater und öffentlicher Sphäre zu einer Ganzheit - hinweggehen, indem sie die großen totalitären Systeme (d.h. die philosophischen) nicht mehr studieren und sich von der Kritik an ihnen und deren Vokabular fernhalten. Wie könnte man da das gegenwärtige Schlamassel begreifen?
    Marx ist alles andere als ein Dogmatiker, da er ebenso wie die Frankfurter Schule zwei grundlegenden Dogmen des Liberalismus angeprangert hat. 1. Trennung von privat und öffentlich und damit Reduktion der Theorie auf eine entpolitisierte Privatangelegenheit ; 2. Gleichheit ist Bedingung der Freiheit – und nicht umgekehrt! Anders, als so mancher, der immernoch den Verblendungen der Propaganda des Kalten Kriegs anhängt, meint: Nur weil die Menschen gleich sind und daher eines Repräsentanten bedürfen, der ihre gleich gerichteten privaten Begierden durch Gesetze und Staatsgewalt davon abhält, in kriegerischen Konflikt zu geraten, müsse es notwendigerweise einen Souverän/Repräsentanten geben, der ihnen dann die bürgerlichen Freiheitsrechte zugesteht. So – im Groben - der immer wieder von liberalen Theoretikern bemühte Urvater der Vertragstheorie Thomas Hobbes.
    Formale Trennung von Privatperson und öffentlicher Person – wie sie Rorty bis zum Exzess ausbuchstabiert wurde - schön und gut, wenn damit die Freiheit eines jeden als Einzigartigen gemeint ist. Aber solange es keine politische Orientierung gibt, die aufs Ganze geht um dieses schöne liberalistische Utopia auch wirklich material möglich zu machen, wird das wohl ewig ein Traum bleiben, der zudem auch noch die tatsächlichen Missstände verdeckt. Pragmatismus ist Opium für die Studenten, die sich nicht mehr mit großen Erzählungen abmühen möchten und sich doch durch geschickte Sprachanalyse gegen die „Ewig Gestrigen“ durchsetzen möchten. Eigennutz schafft – von unsichtbarer Hand versichert - Gemeinnutz, so das ewige zur Privat-Öffentlich-Trennung gehörige Postulat. Und ein pragmatistisches Vokabular verspricht doch - wie auch anders in einer vor allem auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftspolitik - in den Diskussionen unsrer (Pop-)Kultur einen ordentlichen Mehrwert zum eigenen Nutzen abzuwerfen, nicht wahr?!
    Das Eigennutz-Versprechen ist jedoch (mal wieder) gescheitet: die Krise legts ganz offen dar. Der Artikel hätte da wohl besser in die 90er Jahre gepasst, dem Goldenen Zeitalter der alles gleich machenden Popkultur und der pragmatistischen Rumwurschtelei der allein zweckrationalen Privatpersonen. Doch Pop ist nun tot, und das Goldene Zeitalter des Postrock geht nun – hoffentlich – auch bald seinem Ende zu.

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    Von "großen Erzählungen" haben Sie anscheinend wirklich Ahnung.

    Ernsthaft - ich dachte eigentlich, dass dieser abgelederte Glasnudel-Soziologenslang seit mindestens 40 Jahren ausgestorben wäre. Fast 5000 Zeichen zu brauchen, um begrifflich nicht das Geringste faßbar zu machen, ist ein formidabler Kunstgriff, der soz(iol)usagen direkt reif ist für von Hagens Semantikplastinator.

    Phew!

    Also ich fasse Ihr ideengeschichtliches gelée royale mal so zusammen:

    "Au Mann, ich habe doch auch keinen blassen Schimmer, was eigentlich abgeht, find's aber ziemlich beschissen, dass ich mit meinen 42 Jahren immer noch auf einer HiWi-Stelle sitze und im Adorno-Gedächtnishörsaal im Ostflügel schon wieder die Asbestplatten von der Decke krachen".

    Sogesehen haben Sie natürlich Recht, das ist die Tragik unserer Zeit.
    "Burschisten-Sofa" fand ich übrigens klasse!

    Von "großen Erzählungen" haben Sie anscheinend wirklich Ahnung.

    Ernsthaft - ich dachte eigentlich, dass dieser abgelederte Glasnudel-Soziologenslang seit mindestens 40 Jahren ausgestorben wäre. Fast 5000 Zeichen zu brauchen, um begrifflich nicht das Geringste faßbar zu machen, ist ein formidabler Kunstgriff, der soz(iol)usagen direkt reif ist für von Hagens Semantikplastinator.

    Phew!

    Also ich fasse Ihr ideengeschichtliches gelée royale mal so zusammen:

    "Au Mann, ich habe doch auch keinen blassen Schimmer, was eigentlich abgeht, find's aber ziemlich beschissen, dass ich mit meinen 42 Jahren immer noch auf einer HiWi-Stelle sitze und im Adorno-Gedächtnishörsaal im Ostflügel schon wieder die Asbestplatten von der Decke krachen".

    Sogesehen haben Sie natürlich Recht, das ist die Tragik unserer Zeit.
    "Burschisten-Sofa" fand ich übrigens klasse!

    • Klaue
    • 08.08.2009 um 18:48 Uhr
    8. Hut ab

    Guter Artikel, sehr lesenswert.

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    • Andi42
    • 08.08.2009 um 19:00 Uhr

    Darf ich Sie fragen, wie alt Sie sind?

    • Andi42
    • 08.08.2009 um 19:00 Uhr

    Darf ich Sie fragen, wie alt Sie sind?

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