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Jens Jessens Phänomene des Berufsalltags. Diesmal: Personaltraining

Die Persönlichkeit des Chefs ist in der Regel nicht trainierbar

Die Persönlichkeit des Chefs ist in der Regel nicht trainierbar

Viele Firmen, vor allem große, haben Personalentwicklungsprogramme. Es gibt Schulungen zur Mitarbeiterführung, es gibt Wochenenden, an denen die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern psychodynamisch durchleuchtet, beschleunigt, gebremst oder sonst wie optimiert werden soll. Unvergesslich ist mir in diesem Zusammenhang der Ressortleiter einer großen Tageszeitung, der das Ansinnen, nach einem ausgetüftelten Turnus sogenannte Mitarbeitergespräche zu führen, mit der Bemerkung zurückwies: »Ich spreche mit meinen Mitarbeitern jeden Tag!«

Und in der Tat liegt in all diesen Programmen, die den naturwüchsigen mitmenschlichen Umgang am Arbeitsplatz in ein wissenschaftliches System zwingen wollen, etwas Künstliches. Die Betriebswirtschaft setzt hier ihre philanthropische Maske auf. In Wahrheit geht es aber nur darum, die Faulen zur Arbeit anzuhalten, die Tüchtigen nicht zu übermütig werden zu lassen und im Übrigen Talente nicht zu übersehen. Wenn es gelänge, all dies in einen formalisierten Prozess zu übersetzen, so der Traum der Betriebswirte, dann könnte auch der schlechteste Chef ein guter oder zumindest ein unschädlicher Chef werden.

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Tatsächlich hängt aber doch alles von dessen niemals trainierbarer Persönlichkeit ab beziehungsweise von dem Talent der Untergebenen, mit seinen Schwächen umzugehen. Diese ursprüngliche, angeborene oder familiär erworbene soziale Kompetenz ist noch niemals durch ein Konzept ersetzt worden. Man kann die Verzweiflung der Personaltrainer verstehen, die einen cholerischen Chef gänzlich ungebeugt aus einem Kompaktseminar wieder hervor- und heimgehen sehen. Der Trost lautet jedoch: Geschadet hat es auch noch nie.

Jens Jessen ist Feuilleton-Chef der ZEIT.

 
Leser-Kommentare
  1. ... so oder jedenfalls ähnlich sehe ich das auch. :-)

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  • Serie Lexikon der Arbeitswelt
  • Quelle ZEIT Campus, 10.06.2009 Nr. 04
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