Werdegang "Ein Name öffnet Türen, aber verschließt andere"
Max Hollein leitet mit 40 Jahren drei Frankfurter Museen. Wie hat er das geschafft?
Mit vier Jahren ging ich bereits in Ausstellungen – nicht immer freiwillig. Mein Vater ist der Architekt Hans Hollein, er nahm mich mit in Museen, und Künstler wie Joseph Beuys kamen bei uns in Wien zum Abendessen. Ich erlebte sie einfach als Freunde der Familie. Erst in der Schule, im Vergleich mit Gleichaltrigen, wurde mir bewusst, wie viele Eindrücke und welches Wissen ich aufgesogen hatte.
Mit 18 Jahren begann ich ein Doppelstudium in BWL und Kunstgeschichte. Mit keinem der Fächer wäre ich allein glücklich geworden, aber sie haben sich perfekt ergänzt. Künstler wollte ich nie werden, dazu fehlte mir einfach das Talent. BWL hat mich auch interessiert, weil mein Vater mit Geld weniger gut umgehen konnte. Was ich später machen wollte, wusste ich nicht. Aber kein Museum leiten! Einer Praktikumserfahrung in Deutschland nach war da relativ wenig los.
Mit 23 Jahren machte ich doch noch ein Praktikum am Guggenheim-Museum in New York und war zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Das Museum stand kurz vor der Wiedereröffnung, ich konnte kräftig mit anpacken. Die Stelle hatte ich durch Kontakte bekommen; ein Name öffnet Türen, das leugne ich nicht. Gleichzeitig verschließt er andere: Niemand wurde wohl in Architektur so hart für den Magister geprüft wie ich!
Mit 26 Jahren ging ich zurück ans Guggenheim. Mir war beim Abschied ein Job angeboten worden – ich nahm diese amerikanische Floskel wörtlich. Erst war ich Assistent des Leiters Thomas Krens und dann verantwortlich für die Beziehung zu den internationalen Dependancen. Eine tolle Arbeit – aber auch fremdbestimmt.
Mit 32 Jahren war ich daher froh, als das Angebot aus Frankfurt kam, die Schirn Kunsthalle zu leiten. Sie war kleiner, aber ich war mein eigener Herr. Mir ist es wichtig, unterschiedliche Besucher unterschiedlich anzusprechen. Gute PR finde ich entscheidend: Ich will nicht drei Jahre an einer Ausstellung arbeiten, die dann niemand ansieht.
- Datum 21.07.2009 - 09:40 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 04
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