Finanzkrise Höhere Mathematik

Dass Banker schlecht rechnen können, lernte unser Kolumnist Mister Moneypenny schon lange vor der Krise

Die meisten Experten wussten angeblich früh, dass eine Finanzkrise droht, weil unsere Banker so schlecht rechnen können. Ich wusste es seit 1992. Damals studierte ich im ersten Semester Ökonomie, und meine größte Hürde war die Matheklausur. Ich bestand sie knapp. Von allen, die durchkamen, war nur einer schlechter als ich – mein bester Freund Björn. Und der hatte eine Banklehre hinter sich. Seitdem bin ich misstrauisch, wenn mir Bankberater erzählen, warum sich eine Geldanlage lohne. Nicht dass ich den Zinseszins perfekt berechnen könnte. Aber ich kenne mindestens einen Banker, der es noch schlechter kann.

Wobei wir mit den Bankern nicht zu hart ins Gericht gehen sollten. Im Kapitalismus entsteht nicht nur das, was die Menschen wollen, sondern auch das, was sie irrtümlicherweise haben wollen, behauptet der Yale-Professor Robert Shiller. Wenn sich Nepp irgendwie mit Gewinn herstellen lasse, produziere der Kapitalismus eben auch Nepp. Weil die Menschen nach ihren Instinkten handelten und so viele Entscheidungen ohne das notwendige Wissen träfen, stürze dieser Nepp die Wirtschaft immer wieder kollektiv in die Krise.

Anzeige

Auch Björn hat manchmal einen Finanztipp für mich, unter Freunden, versteht sich. Ich muss ihn dann nur an 1992 erinnern. Dann lachen wir beide.

»Mister Moneypenny« heißt eigentlich Marc Brost. Der 38-Jährige ist Wirtschaftskorrespondent der ZEIT. Für ZEIT CAMPUS beleuchtet er, warum wir in Sachen Wirtschaft so irrational handeln

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service