Berufseinstieg Die weiblichen Linien

Von wegen Autos sind Männersache. Den neuen BMW Z4 haben zwei Frauen entworfen und haben dabei ihre männlichen Konkurrenten mit deren eigenen Mitteln geschlagen

Taping heißt das, was Juliane Blasi hier macht

Taping heißt das, was Juliane Blasi hier macht

Wenn ein neuer Wagen präsentiert wird, gibt es viel Bohei und Tamtam. Unter lautem Applaus wird die Abdeckung gelüftet, die Drehscheibe rotiert majestätisch um ihre eigene Achse, und die Kamerascheinwerfer blitzen mit denen des Präsentationsobjekts um die Wette. Frauen stehen dabei meist nur im Rampenlicht, wenn sie tief ausgeschnittene Kleider tragen und sich darin akrobatisch auf der Kühlerhaube räkeln. Als BMW in diesem Frühjahr den neuen Sportwagen Z4 vorstellte, war das allerdings anders.

"Frauen formen Männertraum" titelte der stern über das Auto, und mehrere Dutzend Blätter zogen nach, mit Interviews, in denen zwei Frauen zum Z4 befragt wurden: die Designerinnen Juliane Blasi und Nadya Arnaout. Dass Frauen ein Auto entwerfen, noch dazu einen Sportwagen, ist in dieser von Männern dominierten Branche hochgradig ungewöhnlich, sodass nicht nur Auto Bild darüber berichtete. "Dabei fällt uns das mit den Männern schon gar nicht mehr auf, wir haben uns daran gewöhnt", sagt Blasi. An die immergleichen Interviewfragen übrigens auch.

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Juliane Blasi steht neben einer dunkelblauen Ausgabe ihres Modells, in einem kleinen Prachtbau, der sich BMW Welt nennt und mit dem sich die Firmenzentrale in München vor anderthalb Jahren selbst geehrt hat. Hier renommieren die neuesten Modelle; dem Z4 hat man derzeit einen runden Glaspavillon, nur wenig kleiner als die Reichstagskuppel, geweiht. Fünf Modelle bieten sich den potenziellen Kunden dar, dazwischen haben Künstler Skulpturen aus den Motorhauben gebaut; eine ewige Musikschleife beschallt diese Installation des Kaufens und Davonbrausens. Es klingt ein bisschen, als würden gleich die Helden aus Der Herr der Ringe einreiten.

Mit dem Finger fährt Juliane Blasi prüfend eine Fuge am Kofferraum entlang und sagt: "Es ist immer noch toll, ihn endlich aus Blech zu sehen." Von der ersten Entwurfsskizze bis zum fertigen Wagen vergehen im Durchschnitt fünf Jahre; bis zu einer Milliarde Euro kann die komplette Neuentwicklung eines Autos kosten. Natürlich versuchen die Firmen ihre Ideen peinlichst vor der Konkurrenz zu verstecken, weshalb Juliane Blasi und Nadya Arnaout auf dem Weg zu ihren Schreibtischen insgesamt drei Sicherheitsschleusen hintereinander passieren müssen und mit niemandem über das reden dürfen, was sie täglich mit Bleistift und Computermaus vollbringen.

Was jetzt dabei herausgekommen ist, ist ein Roadster, also ein Sportwagen, ein Cabrio, mit nur zwei Sitzen, und wenn Blasi sagt, sie habe sich beim Entwerfen an einem menschlichen Muskel orientiert, glaubt man ihr das sofort. Der Z4 gehört zweifellos zu der Kategorie Autos, die Männer als "Boah, Alter!" bezeichnen. Es gibt ihn mit 306 PS, er kann 250 Kilometer pro Stunde fahren und wirkt damit nicht unbedingt wie die Sorte Auto, die man von zwei Designerinnen erwarten würden.

Andererseits – entwerfen Frauen überhaupt andere Autos als Männer? Arnaout seufzt, Blasi schnippt gegen die Radioantenne; die Frage haben sie schon Dutzende Male nicht beantworten können. "Es ist wahrscheinlich eher eine Charakterfrage, welche Autos man baut", sagt Arnaout, "es gibt einfach nicht genug Frauen im Autodesign, als dass man in der Branche irgendwelche Trends erkennen könnte."

Zur Orientierung: Bei der Entwicklung eines neuen Serienmodells treten in den Auto- firmen Designer mit ihren Entwürfen gegeneinander an. Rundenweise, wie in einem Turnier. Etwa alle drei Monate scheiden einige der Entwürfe aus, so lange, bis ein endgültiges Design übrig bleibt. Blasi entwarf für den Z4 die Karosserie, also das Exterieur. Wie die anderen bekam sie eine Menge von Punkten zur Orientierung – dorthin der Tankstutzen, hierhin die Lenksäule –, dann begann sie mit einer Heckansicht und entwickelte von dort aus die weit geschwungenen Linien an den Seiten weiter. Ihre Entwürfe setzten sich gegen die Ideen von 30 anderen Teams und Designern durch. Sie war die einzige Frau.

Leser-Kommentare
    • Timo K
    • 22.07.2009 um 15:54 Uhr

    In so einer Aufmerksamkeitsökonomie kein schlechter Plan die Designerinnen durch's Dorf zu treiben.

    Man sieht ja eh häufigst Frauen in den Zetts fahren.

    Verwunderlich nur, das BMW Mitarbeiter sich in der Art äussern lässt, dass der Gedanke dort arbeiten nur Autophile männliche Deppchen.

    Als ob mit Besitz eines Penis das Denken in bestimmte Richtungen (hier Beispielsweise Einparken) unmöglich wäre.

    Der Beifahrersitz wird jawohl für mehr als nur die Ablage der Handtasche benutzt.

    Brauchen Herren bei BMW keine Laptops oder Aktentaschen?

    Was ein billiger Versuch Kundinnen für den Z4 zu begeistern.

  1. Wann kommt endlich ein Artikel der Zeit ueber dieses Thema?

  2. Jetzt muss ich leider doch meine Meinung hier injizieren:
    Ich habe seit einiger Zeit ein Problem mit der Designlinie von BMW,
    die ich eigentlich als Kulturgut betrachte.
    Hier geht es keineswegs um Männer- oder Frauendinge, sondern um
    eine Geisteshaltung.
    Der Wow-Effekt des Wagens ist sensationell. Aber auf den 2. Blick wirkt
    er wie ein billiges Flittchen. Vulgär. Kein Stil mehr, keine Eleganz.
    Ein Zeichen dieser Zeit?
    Würde ich die Linie dieses Wagens mit einer Persönlichkeit vergleichen,
    würde ich sagen: das ist ein schizophrener Clown mit zuviel Lippenstift.
    Schade; denn im Grunde hatte BMW früher eine klare dominante Linie,
    die es nicht nötig hatte, sich zu prostituieren.

    Aber in Wirklichkeit steh´ ich natürlich auch auf jene DesingLinie... selbst wenn
    sie nach dem ersten Hingucken Schnee von Gestern ist. ;)

  3. Ich bin echt baff:

    betr.: Fügener sagt: "Gutes Design zeigt sich an dem Maß von Aufregung, die es erzeugt."

    Das soll ein Witz sein oder? Sry für die Anmaßung, aber so ein Satz kann nur von einem 3-jährigen stammen, der genau über 1 Gehirnzelle verfügt.
    Ich hoffe, ich hab´ mich grob verlesen ....

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  • Quelle ZEIT CAMPUS 04/09
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