Immanuel Kant Kritik der reinen BrunftSeite 2/2

Als 1746 auch sein Vater stirbt, muss Kant für seine Geschwister sorgen. Er nennt sich nun »Immanuel«, warum, das weiß man nicht genau, vermutlich weil es die Urform seines Namens ist und bedeutsamer klingt. Er schreibt ein Buch mit einer neuen Theorie zur Kraftmessung, die Gedanken von der Schätzung der lebendigen Kräfte, doch niemand interessiert sich dafür. Enttäuscht verlässt Kant seine Heimatstadt und wird mit 24 Jahren Hauslehrer auf dem Land, damals ein typischer Job für mittellose Akademiker. Später kehrt er zurück und wird als Universitätsdozent so etwas wie ein Lebemann: ein gern gesehener Partygast, der in der Königsberger Upperclass verkehrt und elegante Kleidung trägt.

Einige Zeit später erfüllt sich sein akademischer Traum, Kant erhält eine Professur für Logik und Metaphysik an der Königsberger Universität. Sein Hauptwerk, die Kritik der reinen Vernunft, macht ihn 1781 im ganzen Land bekannt. Und als er dann drei Jahre später in einem Essay seinen unsterblichen Satz schreibt: »Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!«, ist der stets kränkliche Handwerkersohn zum wichtigsten Vordenker der deutschen Aufklärung geworden.

Wie Kant heute wäre? Er würde in der kleinsten Bude des Studentenwohnheims leben, dort, wo es günstig ist. Die Mädchen schätzen ihn für seine kluge, charmante Art, doch dass Kommilitonen bei StudiVZ Mädels anflirten, bleibt ihm fremd. Auch dass sein Kumpel ein Erasmus-Jahr in Barcelona macht, kann er nicht verstehen – seine Heimat reicht ihm vollkommen. Kant ist viel daheim, lebt von Bafög, schaut Billard- und Pokerturniere im Sportfernsehen und ersteigert gebrauchte Kleider im Internet.

Seit er mit seinem Ethikblog www.moralundalltag.de einen Wettbewerb gewonnen hat, will er sich nicht mehr auf eine Uni-Karriere festlegen. Ihm macht es Freude, seinen Lesern Tipps zur ethisch korrekten Lebensführung in Zeiten der Rezession zu geben. Einfühlsam beantwortet er ihre Fragen, auch die von davidhume76, einem Leser aus London, der immer Widerworte gibt. Und wenn ihn Verwandte fragen: »Was willst du mit deinem Philosophiestudium später arbeiten?«, dann sagt er: »Ein Philosophisches Quartett im Fernsehen moderieren, so wie dieser Sloterdijk, aber vernünftiger.«

 
Leser-Kommentare
  1. Dass Sie die Person Kants gewollt amüsant in die Jetztzeit hineintrivialisieren, sei Ihnen noch verziehen, hochverehrte Frau Knust.

    Allein der Vergleich zwischen dem großen Königsberger Denker und einem noch lebenden drittklassigen "Philosophen", der sich und seine Zunft u. a. im TV öffentlich herabwürdigt, ist peinlich.

    Wie wohl Schopenhauer über Sie geurteilt hätte, meine Liebe?

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    Frau Knust muss auch von was leben und schreibt dann eben Artikel wie diesen, der uebrigens ganz lustig war. Aber notwending war er nicht, klar, nur gehen einem ja langsam die Themen aus, und dann muss selbst der arme Kant mal ran.

    Frau Knust muss auch von was leben und schreibt dann eben Artikel wie diesen, der uebrigens ganz lustig war. Aber notwending war er nicht, klar, nur gehen einem ja langsam die Themen aus, und dann muss selbst der arme Kant mal ran.

  2. 2. Naja,

    Frau Knust muss auch von was leben und schreibt dann eben Artikel wie diesen, der uebrigens ganz lustig war. Aber notwending war er nicht, klar, nur gehen einem ja langsam die Themen aus, und dann muss selbst der arme Kant mal ran.

    Antwort auf "peinlich"
  3. für dieses geistreiche Capriccio. Vielleicht hätte nächtliches Chatten mit hume76 ihn ja wirklich vor dem Zurücksinken in den dogmatischen Schlummer bewahrt. :-)

  4. Sehr geistreicher und witziger Artikel! Am besten gefällt mir davidhume76... ;) Allerdings glaube ich, dass weder Kant noch Hume im Internet unterwegs wären, würden sie in unserer Zeit leben. Die großen Geisteswissenschaftler versäumen doch einen informativen Auftritt im Web meist...

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