Studenteninitiative Für kleine Gleichmacher

Philosophiestudenten der Humboldt-Universität wollen aus Idealismus die Unisex-Toilette einführen – und stoßen auf heftige Kritik

Ein Klo für alle! Drei der Initiatoren

Ein Klo für alle! Drei der Initiatoren

Siebzehn Jahre lang arbeitet Monika Schunder jetzt als Sekretärin an der Humboldt-Universität, und nichts hat sie schockiert: nicht der Stasi-Skandal um den Rektor, keine Sparrunden oder Streiksemester. Erstmals aber ist sie richtig empört. "Der Plan dieser Philosophiestudenten geht zu weit!", sagt sie.

Diese Philosophiestudenten – das sind Anne Burkard, Andreas Pittrich, Lena Rohrbach und Anna Welpinghus. Ihr Plan: Männer und Frauen sollen an der Humboldt-Uni künftig dieselben Toiletten benutzen. "Es gibt keinen logischen Grund, warum Toiletten nach Geschlechtern getrennt werden müssen", sagt Lena Rohrbach. "Unisex-Toiletten wären ein großer Schritt für die Gleichstellung von Frauen und Männern."

Anzeige

Zwei Damen- und zwei Herren-WCs im Hauptgebäude will die Initiative in Unisex-Toiletten umwandeln, indem an die Türen auch das Symbol für das andere Geschlecht geschraubt wird. Langfristiges Ziel seien Unisex-Urinale in abgetrennten Kabinen. Was viele zunächst für einen Witz hielten, meinen die Philosophiestudenten ernst. Sie haben beim Uni-Präsidenten vorgesprochen, einen offiziellen Antrag gestellt, zu einer Info- veranstaltung eingeladen und mit Vertretern des Personalrats die Toiletten besichtigt. Ihr praktisches Argument: Neben der Geschichtsbibliothek gibt es nur ein Herrenklo, ein Stockwerk darüber nur eines für Damen. Künftig sollen Mann und Frau sich das Treppensteigen sparen. Vor allem aber wollen die vier zum Nachdenken anregen. "Die Leute sollen sich fragen, wo Geschlechterunterschiede eine Rolle spielen sollten – und wo nicht", sagt Rohrbach.

Monika Schunder aber will nicht sinnieren – sie will ihre Toilette behalten. Wenn auf das Damenklo künftig Männer gingen, "gehe ich da nicht mehr rauf", sagt sie. "Ich will dort doch nicht den Präsidenten treffen!" Auch Männer haben protestiert. Ein Geschichtsdozent befürchtet, auf gemischten Toiletten gehe "der Zauber zwischen den Geschlechtern" verloren, erzählt Rohrbach. Sie bleibt aber zuversichtlich: Wenn kein Veto vom Personalrat oder der Frauenbeauftragten komme, werde das Präsidium eine dreimonatige Probephase erlauben. Danach will man die Klogänger zu ihren Erfahrungen befragen. Die Frauenbeauftragte, Marianne Kriszio, sagt, sie wolle zwar kein Veto einlegen – doch einen Beitrag zur Gleichstellung könne sie nicht erkennen. Ob sie selbst auf gemischte Toiletten gehen würde? "Das hängt davon ab – wie dringend ich muss."

 
Leser-Kommentare
  1. > Wenn auf das Damenklo künftig
    > Männer gingen, "gehe ich da
    > nicht mehr rauf"
    Wenn andere Personen weiblichen Geschlechts so denken, dann dürfen die Männer sich freuen, dass sie nicht immer wegen einer langen Schlange von Frauen, die darauf warten, dass die von einer Frau besetzte Toilette frei wird, woanders hingehen müssen. ;-)

    Spass beiseite: Ich weiss nicht, was das soll. Einerseits gibt es genug kleine Firmen etc., wo sich die gesamte Belegschaft unabhängig vom Geschlecht eine Toilette teilen muss. Und wie sieht es zuhause aus: Privates Heim mit geschlechtergetrennten WCs? Anderswo hingegen wäre man womöglich froh, wenn man nur ein Stockwerk bewältigen müsste, um ein Klo aufsuchen zu können, egal ob Mann oder Frau getrennt oder eine gemeinsame Einrichtung.
    Haben die Studenten, die diese Initiative angestossen haben, eigentlich keine anderen Probleme als wie und wo man "gendermässig" seine Stoffwechselabfallprodukte entsorgt?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Auf Männerklo stinkts, immer und überall, mehr als auf Frauenklo, ich kenne Männer, die würden, wenn sie könnten, lieber aufs Frauenklo gehen - . Der Gestank hängt mit dem Urin zusammen, männlicher Urin stinkt anders und beißender als Frauenurin. Die Zusammenlegung der M+F-Klos ist eine Schnapsidee - man könnte meinen, es sei schon wieder der 1. April. Haben die keine anderen Sorgen?

    Auf Männerklo stinkts, immer und überall, mehr als auf Frauenklo, ich kenne Männer, die würden, wenn sie könnten, lieber aufs Frauenklo gehen - . Der Gestank hängt mit dem Urin zusammen, männlicher Urin stinkt anders und beißender als Frauenurin. Die Zusammenlegung der M+F-Klos ist eine Schnapsidee - man könnte meinen, es sei schon wieder der 1. April. Haben die keine anderen Sorgen?

  2. Auf Männerklo stinkts, immer und überall, mehr als auf Frauenklo, ich kenne Männer, die würden, wenn sie könnten, lieber aufs Frauenklo gehen - . Der Gestank hängt mit dem Urin zusammen, männlicher Urin stinkt anders und beißender als Frauenurin. Die Zusammenlegung der M+F-Klos ist eine Schnapsidee - man könnte meinen, es sei schon wieder der 1. April. Haben die keine anderen Sorgen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    kann man natürlich auch sagen: Die Trennung von Klos ist eine Schnapsidee; Haben die Menschen keine andere Sorgen, als den unterschiedlichen Gestank des Urins von Mann und Frau, während sie ihr Geschäft verrichten?
    (auch wenn die hormonellen Gegebenheiten natürlich hächst interessant sind)
    Zum Thema Hygiene: Menschlicher Urin ist in der Regel eine völlig sterile Flüssigkeit, deswegen wurde sie früher auch zum Auswaschen von Wunde verwendet, wenn grade nichts anderes da war.
    Mein Alternativvorschlag wäre aber, erst einmal ausreichend Putzpersonal einzustellen, und diese Leute, die zweifelsohne der Gesellschaft einen wichtigen Dienst erweisen, auch angemessen zu bezahlen. Desweiteren sollte die Forschung an umweltfreundlichen, enzymatisch aktiven Reinigungsmittel gefördert werden, somit könnte man den oben genannten Problemen des menschlichen Alltags doch wesentlich effizienter entgegenwirken.

    wird mir eigentlich immer das Gegenteil berichtet. Das die Damenklos dermaßen ekelhaft sind, dass die weiblichen Bekannten es vorziehen (würden), aufs Herren-WC zu gehen. Und manchmal tun Sie es auch, hat sich bis jetzt noch niemand dran gestört.

    Kann ich persönlich nicht bestätigen, da ich nicht auf Damen-WCs gehe, aber wenn das schon von Frauen gesagt wird, die auch schon ab und an auf Männer-WCs waren, glaube ich denen einfach mal.

    Ansonsten ist die Geschlechtertrennung in dem Bereich sowieso mehr als anachronistisch.

    kann man natürlich auch sagen: Die Trennung von Klos ist eine Schnapsidee; Haben die Menschen keine andere Sorgen, als den unterschiedlichen Gestank des Urins von Mann und Frau, während sie ihr Geschäft verrichten?
    (auch wenn die hormonellen Gegebenheiten natürlich hächst interessant sind)
    Zum Thema Hygiene: Menschlicher Urin ist in der Regel eine völlig sterile Flüssigkeit, deswegen wurde sie früher auch zum Auswaschen von Wunde verwendet, wenn grade nichts anderes da war.
    Mein Alternativvorschlag wäre aber, erst einmal ausreichend Putzpersonal einzustellen, und diese Leute, die zweifelsohne der Gesellschaft einen wichtigen Dienst erweisen, auch angemessen zu bezahlen. Desweiteren sollte die Forschung an umweltfreundlichen, enzymatisch aktiven Reinigungsmittel gefördert werden, somit könnte man den oben genannten Problemen des menschlichen Alltags doch wesentlich effizienter entgegenwirken.

    wird mir eigentlich immer das Gegenteil berichtet. Das die Damenklos dermaßen ekelhaft sind, dass die weiblichen Bekannten es vorziehen (würden), aufs Herren-WC zu gehen. Und manchmal tun Sie es auch, hat sich bis jetzt noch niemand dran gestört.

    Kann ich persönlich nicht bestätigen, da ich nicht auf Damen-WCs gehe, aber wenn das schon von Frauen gesagt wird, die auch schon ab und an auf Männer-WCs waren, glaube ich denen einfach mal.

    Ansonsten ist die Geschlechtertrennung in dem Bereich sowieso mehr als anachronistisch.

  3. Habt ihr nichts besseres zu tun? lol

  4. Fantastische Idee.

    Starbucks sollte da auch gleich noch eine Kaffeemaschine und Sofas hinstellen, damit immer jemand da ist, der lauscht, ob wir Männer alles richtig machen.

  5. 5. hmmm

    es wäre bestimmt befremdlich, wenn das Date nebenan auf der Toilette sitzt und einem anale Klänge entfahren. Andererseits warum nicht, die Idee an sich ist sehr interessant und wer weiß, vielleicht fühlt sich der ein oder andere vor dem anderen Geschlecht zu etwas mehr Hygiene berufen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie meinen sicher "fühlt sich DIE eine oder andere vor dem anderen Geschlecht zu etwas mehr Hygiene berufen".

    Einfach mal Putzfrauen oder Hausmeister befragen, wo es schlimmer aussieht und nicht einfach blöde Klischees von der "braven, lieben, netten, reinlichen Frau" übernehmen.

    Kleiner Tip: Frauentoiletten haben aus anatomischen Gründen keine Pissoirs. Sie wollen sich aber auch nur ungern für das Geschäft auf die Klobrille setzen (wegen hygiene und so). deswegen machen sie gerne ihr Geschäft in der Skifahrerposition, frei schwebend über der Kloschüssel.

    Entsprechend hoch die Kollateralschäden links und rechts davon.

    Und dann noch die fröhlichen Frauenexperimente in der Art "Schafft es die Spülung, die benutzte Binde herunterzuspülen?"

    Für mich klare Argumente gegen Unisex-Klos ;-)

    Sie meinen sicher "fühlt sich DIE eine oder andere vor dem anderen Geschlecht zu etwas mehr Hygiene berufen".

    Einfach mal Putzfrauen oder Hausmeister befragen, wo es schlimmer aussieht und nicht einfach blöde Klischees von der "braven, lieben, netten, reinlichen Frau" übernehmen.

    Kleiner Tip: Frauentoiletten haben aus anatomischen Gründen keine Pissoirs. Sie wollen sich aber auch nur ungern für das Geschäft auf die Klobrille setzen (wegen hygiene und so). deswegen machen sie gerne ihr Geschäft in der Skifahrerposition, frei schwebend über der Kloschüssel.

    Entsprechend hoch die Kollateralschäden links und rechts davon.

    Und dann noch die fröhlichen Frauenexperimente in der Art "Schafft es die Spülung, die benutzte Binde herunterzuspülen?"

    Für mich klare Argumente gegen Unisex-Klos ;-)

    • JensW
    • 08.07.2009 um 19:28 Uhr

    naja, mal wieder ist Deutschland da wohl langsamer als der Rest der Welt...bin grad fuer ein Jahr in Schweden und hier ist es den meisten herzlich egal und Unisex Klos sind normale Realität (an der Uni wie auch in Cafes...)

    • Alobam
    • 08.07.2009 um 21:01 Uhr

    Ich sehe das auch nur positiv! Die vorhandenen Toiletten werden besser genutzt!

    Spätestens nach ner Woche haben sich die Leute dran gewöhnt. Freu mich schon drauf meiner Begleiterin aufs Klo foglen zu dürfen!

  6. Sie meinen sicher "fühlt sich DIE eine oder andere vor dem anderen Geschlecht zu etwas mehr Hygiene berufen".

    Einfach mal Putzfrauen oder Hausmeister befragen, wo es schlimmer aussieht und nicht einfach blöde Klischees von der "braven, lieben, netten, reinlichen Frau" übernehmen.

    Kleiner Tip: Frauentoiletten haben aus anatomischen Gründen keine Pissoirs. Sie wollen sich aber auch nur ungern für das Geschäft auf die Klobrille setzen (wegen hygiene und so). deswegen machen sie gerne ihr Geschäft in der Skifahrerposition, frei schwebend über der Kloschüssel.

    Entsprechend hoch die Kollateralschäden links und rechts davon.

    Und dann noch die fröhlichen Frauenexperimente in der Art "Schafft es die Spülung, die benutzte Binde herunterzuspülen?"

    Für mich klare Argumente gegen Unisex-Klos ;-)

    Antwort auf "hmmm"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 04
  • Kommentare 28
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Humboldt-Universität | Frauenbeauftragte | Gleichstellung
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service