Fachwechsel "Jura, ich mach Schluss mit Dir!"Seite 3/3

Ein "kleines, diabolisches Spiel, Realitätsprüfung genannt", kündigt Hantel-Quitmann nun an. "Wenn ich Architekt wäre, würde ich sagen: Das Mädchen hat Flausen im Kopf, träumt davon, tolle Häuser zu entwerfen. Das ist doch Spinnerei! Sie wird im Großraumbüro Zeichnungen wie am Fließband machen, Berechnungen für andere, und 80 Prozent wandern in den Papierkorb – was entgegnen Sie?"

Esra zögert. "Ich weiß es nicht", sagt sie leise. Aber so leicht will sie sich ihren Traum nicht abspenstig machen lassen. Sie spricht jetzt schnell, fast trotzig. "Klar, man macht nicht nur die tollen Projekte, ich werde viel umsonst arbeiten. Ich denke aber, dass es nicht immer so sein wird. Vielleicht werde ich entdeckt. Es gibt einen Funken Hoffnung, es gibt Lichtblicke." Sie schweigt einen Moment. "Ich idealisiere auch Architektur."

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Jetzt beruhigt Wolfgang Hantel-Quitmann sie: Weil niemand die Berufsrealität genau im Voraus kennen könne, könne man den Grad der Idealisierung ohnehin nie exakt herausbekommen. Entscheidend sei etwas anderes. Der große Unterschied zwischen Architektur und Jura sei, dass Architektur eine größere Nähe zu Esras Persönlichkeit aufweise, zu ihren Interessen und Talenten; der Psychologe spricht von "höheren Eigenanteilen". Das Technische und das Zeichnen, das sogar mit positiven Jugenderinnerungen verbunden sei, die Kreativität; auch der Mut und die Entschlossenheit, es den bekannten Widrigkeiten zum Trotz zu versuchen. Wenn die Eigenanteile hoch sind, ist es wahrscheinlicher, dass jemand ein Studium auch durchhält.

Nachdem Hantel-Quitmann lange skeptisch wirkte, zieht er jetzt eine aufmunternde Bilanz: "Architektur ist Ihnen viel näher, als es Jura je war." Auch wenn der erste Glanz verflogen ist, stünden die Chancen deshalb gut, dass Esra mit Architektur eine gelingende, langfristige Beziehung aufbauen kann – dass aus Verliebtheit Liebe wird.

Mitarbeit: Philipp Schwenke

 
Leser-Kommentare
    • diskus
    • 05.08.2009 um 22:59 Uhr

    Sehr schöner Artikel! Ich frag mich aber, warum bei so viel Erfahrung in der langen Beziehung mit Jura nie die Idee gekommen ist, einfach mal einen Seitensprung zu wagen? Ist ja nicht so, dass man an Architektur so schwer rankommt. Die ein oder andere Vorlesung als One-Night-Stand sollte doch schon Einblicke liefern... oder ist Jura so einnehmend? Und ich hoffe, ich tue der Studentin damit kein Unrecht, nach 6 Semestern weiß sie das sicherlich selbst, aber vielleicht sollte man auch generell etwas freizügiger sein bei der Suche? Es gibt doch nun wirklich mehr als die klassischen "Beschützertypen" Jura, Archtitektur, Medizin und BWL (und den alten Charmeur Psychologie...)

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    • Hugo_P
    • 06.08.2009 um 1:02 Uhr

    Wemmer aus nem Arbeiterhaushalt kommt, dann sind die brotlosen Künste zumeist eher so exotisch, daß ma die gleich aussiebt.

    • Hugo_P
    • 06.08.2009 um 1:02 Uhr

    Wemmer aus nem Arbeiterhaushalt kommt, dann sind die brotlosen Künste zumeist eher so exotisch, daß ma die gleich aussiebt.

    • Hugo_P
    • 06.08.2009 um 1:02 Uhr

    Wemmer aus nem Arbeiterhaushalt kommt, dann sind die brotlosen Künste zumeist eher so exotisch, daß ma die gleich aussiebt.

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    ...richtig. Generell sollte es aber eigentlich heißen: Man soll studieren was man will. Wenn einem das Fach Spaß macht und man gut darin ist, dann schafft man es auch, später was daraus zu machen.

    wie haben doch meine Eltern geschaut, als ich sagte ich wolle gern Philosophie, Soziologie und Staats-und Völkerrechtskunde auf Magister studieren. Dem Gegenwind des Unverständnises hielt ich nicht stand. Naja dann habe ich mich also an Jura gemacht und mag es nun auch ganz gerne, werde aber immer, wie Radbruch schon sagte, ein Jurist mit schlechtem Gewissen sein. Naja als kompensation studiere ich für mch privat Literatur.

    ...richtig. Generell sollte es aber eigentlich heißen: Man soll studieren was man will. Wenn einem das Fach Spaß macht und man gut darin ist, dann schafft man es auch, später was daraus zu machen.

    wie haben doch meine Eltern geschaut, als ich sagte ich wolle gern Philosophie, Soziologie und Staats-und Völkerrechtskunde auf Magister studieren. Dem Gegenwind des Unverständnises hielt ich nicht stand. Naja dann habe ich mich also an Jura gemacht und mag es nun auch ganz gerne, werde aber immer, wie Radbruch schon sagte, ein Jurist mit schlechtem Gewissen sein. Naja als kompensation studiere ich für mch privat Literatur.

  1. ...richtig. Generell sollte es aber eigentlich heißen: Man soll studieren was man will. Wenn einem das Fach Spaß macht und man gut darin ist, dann schafft man es auch, später was daraus zu machen.

    • fennek
    • 06.08.2009 um 7:53 Uhr

    das ist der Arbeitsmarkt für Architekten auch... Da gibt es noch viel mehr als Anwälte.

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    • kkr
    • 06.08.2009 um 12:39 Uhr

    erst hoch hinaus wollen, ohne klare Zielvorstellung und nun Lebenskrise. Dabei sind Architekten sind noch größere Hungerleider als Juristen.

    Typisch Frauen eben

    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • kkr
    • 06.08.2009 um 12:39 Uhr

    erst hoch hinaus wollen, ohne klare Zielvorstellung und nun Lebenskrise. Dabei sind Architekten sind noch größere Hungerleider als Juristen.

    Typisch Frauen eben

    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  2. wie haben doch meine Eltern geschaut, als ich sagte ich wolle gern Philosophie, Soziologie und Staats-und Völkerrechtskunde auf Magister studieren. Dem Gegenwind des Unverständnises hielt ich nicht stand. Naja dann habe ich mich also an Jura gemacht und mag es nun auch ganz gerne, werde aber immer, wie Radbruch schon sagte, ein Jurist mit schlechtem Gewissen sein. Naja als kompensation studiere ich für mch privat Literatur.

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    • Hugo_P
    • 06.08.2009 um 10:36 Uhr

    @Philosophie, Soziologie und Staats-und Völkerrechtskunde auf Magister.

    Hab vergessen, oben "brotlose Künste" in Klammern zu setzen.

    Bloß, so mit 18 ohne Akademiker-Hintergrund wird ma von den wasweißichwievielen Studienfächern, angefangen bei Ägyptologie bis hin zu Zoologie schlicht erschlagen.
    Kombiniert mit "mach was Handfestes" seitens der Eltern macht ma halt was Handfestes. Wenns irgend möglich ist, wärs durchaus sinnvoll, sich ein Jahr "freizunehmen" und davon einen Teil inner Stadt mit ner großen Uni zu verbringen um mit den Studenten von Fächern zu labern/sich in Vorlesungen zu setzen.

    • Hugo_P
    • 06.08.2009 um 10:36 Uhr

    @Philosophie, Soziologie und Staats-und Völkerrechtskunde auf Magister.

    Hab vergessen, oben "brotlose Künste" in Klammern zu setzen.

    Bloß, so mit 18 ohne Akademiker-Hintergrund wird ma von den wasweißichwievielen Studienfächern, angefangen bei Ägyptologie bis hin zu Zoologie schlicht erschlagen.
    Kombiniert mit "mach was Handfestes" seitens der Eltern macht ma halt was Handfestes. Wenns irgend möglich ist, wärs durchaus sinnvoll, sich ein Jahr "freizunehmen" und davon einen Teil inner Stadt mit ner großen Uni zu verbringen um mit den Studenten von Fächern zu labern/sich in Vorlesungen zu setzen.

    • Hugo_P
    • 06.08.2009 um 10:36 Uhr

    @Philosophie, Soziologie und Staats-und Völkerrechtskunde auf Magister.

    Hab vergessen, oben "brotlose Künste" in Klammern zu setzen.

    Bloß, so mit 18 ohne Akademiker-Hintergrund wird ma von den wasweißichwievielen Studienfächern, angefangen bei Ägyptologie bis hin zu Zoologie schlicht erschlagen.
    Kombiniert mit "mach was Handfestes" seitens der Eltern macht ma halt was Handfestes. Wenns irgend möglich ist, wärs durchaus sinnvoll, sich ein Jahr "freizunehmen" und davon einen Teil inner Stadt mit ner großen Uni zu verbringen um mit den Studenten von Fächern zu labern/sich in Vorlesungen zu setzen.

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    Wer als Abiturient schon genau weiß, was er/sie studieren will, ist gut dran. Man kann völlig danebenliegen, schön, aber das gehört zum "Restrisiko Leben". Aber wer erst mal einen Leitfaden durch die Vielzahl der Möglichkeiten sucht, findet nach der Schule keine große Hilfe mehr (Studienberater sind keine, sondern nur eine Institution zum Auslagern von Entscheidungen)...

    Wer als Abiturient schon genau weiß, was er/sie studieren will, ist gut dran. Man kann völlig danebenliegen, schön, aber das gehört zum "Restrisiko Leben". Aber wer erst mal einen Leitfaden durch die Vielzahl der Möglichkeiten sucht, findet nach der Schule keine große Hilfe mehr (Studienberater sind keine, sondern nur eine Institution zum Auslagern von Entscheidungen)...

  3. Wer als Abiturient schon genau weiß, was er/sie studieren will, ist gut dran. Man kann völlig danebenliegen, schön, aber das gehört zum "Restrisiko Leben". Aber wer erst mal einen Leitfaden durch die Vielzahl der Möglichkeiten sucht, findet nach der Schule keine große Hilfe mehr (Studienberater sind keine, sondern nur eine Institution zum Auslagern von Entscheidungen)...

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    nach dem Abi ist man soooooo allein und sooo beeinfluss bar. Ich weiß nicht, ob ich Jura nochmal gewählt hätte. Ich hätte auch gern Germanistik und Philosophie auf Lehramt studiert oder noch was anders. Keine Ahnung. Aber ich kann auch nicht sagen, dass ich jetzt unglücklich bin. Zwar betrachte ich die Juristen-Bagage sehr kritisch und lasse mir etwas Zeit beim studieren, aber das Fach hat auch interessante Aspekte. Mal sehen, ob ich Jurist werde.

    • Hugo_P
    • 06.08.2009 um 12:30 Uhr

    "Was du anfängst bringst du zu Ende!"
    Es heißt zwar auch: "Lehrjahre sind keine Herrenjahre!", d.h. ab und an muß mensch sich halt auch durchbeißen, nur wenns einem überhaupt nicht interessiert, möge auch ein Klima im Umfeld dasein, die Entscheidung zu respektieren.
    Das kann mensch nicht nur aufs Studium beziehen; wenn z.B. eine/r merkt, daß Bürokaufmann/frau sooooo überhaupt nix für ihn/sie ist und Tischler weitaus erfüllender, ja dann eher wechseln als sein ganzes Leben mißmutig auf die Arbeit gehen.
    Grundsätzlich soll Arbeit auch Spaß machen und die Kohle stimmen.
    Leider läuft der Hase da seit mindestens 20 Jahren mal wieder genau in die andere Richtung.
    Ich meine nicht, daß ma jeden Tag mit einem Lied auf den Lippen zur Arbeit geht und den ganzen Tag grinst, als ob mensch bekifft ist, das funktioniert nicht, mensch muß auch mal schlechte Laune haben dürfen, im Gesamten aber eine Befriedigung aus seiner Tätigkeit ziehen können.

    nach dem Abi ist man soooooo allein und sooo beeinfluss bar. Ich weiß nicht, ob ich Jura nochmal gewählt hätte. Ich hätte auch gern Germanistik und Philosophie auf Lehramt studiert oder noch was anders. Keine Ahnung. Aber ich kann auch nicht sagen, dass ich jetzt unglücklich bin. Zwar betrachte ich die Juristen-Bagage sehr kritisch und lasse mir etwas Zeit beim studieren, aber das Fach hat auch interessante Aspekte. Mal sehen, ob ich Jurist werde.

    • Hugo_P
    • 06.08.2009 um 12:30 Uhr

    "Was du anfängst bringst du zu Ende!"
    Es heißt zwar auch: "Lehrjahre sind keine Herrenjahre!", d.h. ab und an muß mensch sich halt auch durchbeißen, nur wenns einem überhaupt nicht interessiert, möge auch ein Klima im Umfeld dasein, die Entscheidung zu respektieren.
    Das kann mensch nicht nur aufs Studium beziehen; wenn z.B. eine/r merkt, daß Bürokaufmann/frau sooooo überhaupt nix für ihn/sie ist und Tischler weitaus erfüllender, ja dann eher wechseln als sein ganzes Leben mißmutig auf die Arbeit gehen.
    Grundsätzlich soll Arbeit auch Spaß machen und die Kohle stimmen.
    Leider läuft der Hase da seit mindestens 20 Jahren mal wieder genau in die andere Richtung.
    Ich meine nicht, daß ma jeden Tag mit einem Lied auf den Lippen zur Arbeit geht und den ganzen Tag grinst, als ob mensch bekifft ist, das funktioniert nicht, mensch muß auch mal schlechte Laune haben dürfen, im Gesamten aber eine Befriedigung aus seiner Tätigkeit ziehen können.

  4. nach dem Abi ist man soooooo allein und sooo beeinfluss bar. Ich weiß nicht, ob ich Jura nochmal gewählt hätte. Ich hätte auch gern Germanistik und Philosophie auf Lehramt studiert oder noch was anders. Keine Ahnung. Aber ich kann auch nicht sagen, dass ich jetzt unglücklich bin. Zwar betrachte ich die Juristen-Bagage sehr kritisch und lasse mir etwas Zeit beim studieren, aber das Fach hat auch interessante Aspekte. Mal sehen, ob ich Jurist werde.

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  • Quelle DIE ZEIT, 10.06.2009 Nr. 04
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  • Schlagworte Jura | Architektur | MIT | Hamburg
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