Studium Muss ich jetzt Chinesisch lernen?

Erst lieferte China Billigprodukte vom Fließband. Jetzt holt das bevölkerungsreichste Land der Welt bei der Bildung auf. Was diese Herausforderung für deutsche Studenten bedeutet

Hochschulabsolventen in China. Über 20 Millionen studieren derzeit an chinesischen Unis

Hochschulabsolventen in China. Über 20 Millionen studieren derzeit an chinesischen Unis

Die Prinzessin Li Si und der kleine Ping Pong waren für viele deutsche Studenten die ersten Chinesen ihres Lebens. Im Kinderbuch Jim Knopf von Michael Ende begegneten die Leser einer von China inspirierten Märchenwelt, exotisch und bezaubernd und vor allem – sehr, sehr fern. Doch seit den Kindertagen ist China immer näher gerückt. In der ersten Runde seines Aufstiegs in die Erste Liga der Weltwirtschaft war es die Werkbank des Westens, und das konnte deutschen Schülern nur recht sein. Sie profitierten von billiger Unterhaltungselektronik und günstigen Klamotten. Jobs wanderten aus Deutschland ab, aber es waren die Jobs von Fabrikarbeitern. Mit dem Leben vieler Gymnasiasten hatte das nichts zu tun.

Nun aber, da die Gymnasiasten von einst die Studenten von heute sind, geht China in die zweite Runde. Und diesmal setzt das Riesenreich auf Bildung. Noch vor gut zehn Jahren studierten an Chinas Hochschulen drei Millionen Chinesen. Mittlerweile sind es weit über 20 Millionen. In einer Zeit globaler Märkte und internationaler Konzerne drängt sich die Frage auf: Werden es deutsche Studenten bald mit einer akademischen Billigkonkurrenz zu tun bekommen?

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Wird der deutsche Ingenieur also, wie einst der Textilarbeiter, seinen Arbeitsplatz nach Asien verschwinden sehen? Wird der deutsche Betriebswirt seine Kündigung erhalten, weil sein Unternehmen mit Innovationen nicht mehr schneller ist als die chinesische Konkurrenz? Werden Absolventen es schwerer haben, eine Stelle zu finden, werden sie weniger verdienen? Der chinesische Student erscheint in diesem Szenario als Paukmaschine, ehrgeizig und anpassungsbereit und irgendwie bedrohlich. Müssen deutsche Studenten die Konkurrenz ihrer chinesischen Kommilitonen fürchten?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach, so wie eigentlich nichts einfach ist, wenn es um China geht. Aber vielleicht kann die Suche nach einer Antwort mit einer Deutschen beginnen, mit Birte Winkel.

Chinesische Studenten
Wie leben und lernen chinesische Studenten? Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke zu starten

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Als Birte, 23, das erste Mal nach China kam, war sie 17. Andere absolvieren in der elften Klasse ein Highschool-Jahr in den USA, Birte aber ging nach Tongling, in der Provinz Anhui. Die Stadt hat 600.000 Einwohner und ist nach chinesischen Maßstäben ein Nest. Birte lebte in einer Gastfamilie und besuchte die reguläre Oberschule, dabei sprach sie kaum ein Wort Chinesisch, als sie ankam. »Der Unterricht ging um acht los, aber um sieben waren schon alle da. Eine Stunde Selbststudium, freiwillig!«, erzählt sie. Dass in chinesischen Schulen mehr gepaukt wird als in deutschen, hatte sie vorher gewusst, aber wie sehr die Schüler sich dort »totlernen« müssen, überraschte sie doch. Birtes Gastschwester durfte sich, wenn alles gut war, einmal pro Halbjahr einen Nachmittag lang mit einer Freundin treffen. Den Rest der Zeit verbrachte sie mit Lernen. Manchmal drückte ihr die Mutter abends die Zahnpasta auf die Zahnbürste, damit sie keine kostbare Lernzeit verschwenden musste.

Auf den Listen in ihrer Klasse konnte sie jederzeit ablesen, wo sie im Vergleich mit den anderen stand. Jeder wusste, wer der beste Schüler der Klasse war, welche die beste Klasse der Schule, welche die beste Schule im Bezirk. Mehr als 18 Stunden lernen Pekinger Schüler am Tag, stellte jüngst eine Studie fest. »Die Vorstellung der Eltern, dass ihr Kind unbedingt auf die Universität gehen muss, beeinflusst schon den Alltag im Kindergarten«, sagt die Sinologin Barbara Schulte, die an der schwedischen Universität Lund zum chinesischen Bildungssystem forscht. »Die Kinder bekommen früh vermittelt, dass sie besser sein müssen als die anderen.«

Der Leistungsdruck, die Konkurrenz – deutschen Studenten mag das wie eine Karikatur der hiesigen Verhältnisse erscheinen; für Chinesen ist es normal. »Wir alle wissen, dass wir dringend etwas aus uns machen müssen«, sagt etwa Wen Chuan Jiang. Er ist 21 und studiert Wirtschaft in Peking, ein zappeliger Sportler mit breiten Schultern, der sein Leben in der Bibliothek und auf dem Basketballplatz verbringt. »Wir sind in meiner Generation fast alle Einzelkinder, und unsere Familien erwarten viel von uns«, sagt er. Die Ein-Kind-Politik Chinas hat dazu geführt, dass die Hoffnung ganzer Familien auf zwei Schultern lastet. Hinter jedem Kind stehen, mit den Großeltern, sechs Erwachsene, die Druck machen und ihm im Gegenzug alles abnehmen, was nicht unmittelbar mit Lernen zu tun hat. Der soziale Aufstieg hängt am Job, und vor dem Job steht die Universität, und vor der Universität steht die Aufnahmeprüfung, die Chinesen nach dem Ende ihrer zwölfjährigen Schulzeit absolvieren können: die gefürchtete gao-kao.

Leser-Kommentare
  1. Unser Problem in Europa ist nicht, dass es zu viele Chinesen gibt, die Maschinenbau oder Chemie studieren, sondern dass wir in Europa zu viele Huentelers haben. Wir haben zu viele, die statt Maschinenbau oder Chemie Wirtschaft, Pädagogik oder Sprachen studieren. Und die paar wenigen, die Maschinenbau oder Chemie studieren, gehen dann wie Jörn Huenteler nicht in die Entwicklung neuer, auch ökologisch effizienter Maschinen und Moleküle, sondern studieren Umwelttechnik. Oder noch schlimmer, sie gehen zum Staat und widmen sich der immer intensiver werdenden Kontrolle der Realwirtschaft. Wegen den Kosten verlegt kein Unternehmen seine F&E-Abteilung nach China, wegen fehlender innovativer Maschinenbauer und Chemiker schon.
    Das Resultat ist absehbar: die Realwirtschaft verlagert sich immer mehr nach Asien; die Umweltschäden über die ganze Welt genommen erhöhen sich, da dort schwächere Gesetze gelten; und Europa verknöchert zu einer reglementierten Gesellschaft, der die vielen Beamten und Kontrolleure genauestens vorschreiben, was zu tun ist. Schon im 19 Jh. fiel die Welt in zwei Teile, in einen dynamischen, innovativen und in einen bürokratischen, reglementierten. Damals gab es den dynamischen Westen und die Bürokratie der Mandarine in China. Heute ist es umgekehrt.

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    • OneDay
    • 06.10.2009 um 12:54 Uhr

    ist es dummerweise so das nicht jeder in der Lage ist ein
    MINT-Studium durchzuziehen, weil diese Studiengänge nicht jedem
    liegen, was vor allem an ihrem hohen Anforderungsniveau liegt.
    Das ist übrigens auch ein Vorteil, denn bei einem deutschen
    Ingenieur kann man sich sicher sein das er fachlich sehr kompetent ist.
    Andernfalls wäre er schon im dritten Semster gescheitert.

    • OneDay
    • 06.10.2009 um 12:54 Uhr

    ist es dummerweise so das nicht jeder in der Lage ist ein
    MINT-Studium durchzuziehen, weil diese Studiengänge nicht jedem
    liegen, was vor allem an ihrem hohen Anforderungsniveau liegt.
    Das ist übrigens auch ein Vorteil, denn bei einem deutschen
    Ingenieur kann man sich sicher sein das er fachlich sehr kompetent ist.
    Andernfalls wäre er schon im dritten Semster gescheitert.

    • 42317
    • 05.10.2009 um 14:40 Uhr

    Nach chinesischem Verständnis ist Weltgeschichte keine Linie, sondern eine Spirale, gewisse Dinge wiederholen sich. So ist das mit diesem Artikel: Man tausche alle mit China in Verbindung stehenden Begriffe durch japanische Gegenstücke aus und versetze den Veröffentlichungszeitpunkt um, sagen wir, 30 Jahre.

    Fast alles ist austauschbar. Die Angst vor dem aufsteigenden Billiganbieter, vor Produktionsverlagerung, vor dem kollektiven Ameisenarbeiter, dann die Rede von den unglaublich disziplinierten Schülern, hinter denen eine erwartungsfrohe Familie steht, gestützt auf die konfuzianischen Prinzipien der kindlichen Pietät. Alles das gleiche. Fehlt nur noch die Schülerselbstmordrate.

    Ich behaupte, dass auch diese Entwicklung sich im Kreis drehen wird.
    Japan hat nicht die Weltwirtschaft unter seine Kontrolle gebracht, wie einige verängstigte Westler befürchteten, und China wird es auch nicht tun. Auch China wird sich an seinem Erfolg satt essen, sich auf seinen Lorbeeren ausruhen, und letztendlich zu der Meinung kommen, dass man Geld am besten mit Geld, und nicht mit Arbeit mache. Der Wohlstand wird steigen, und Wohlstand macht bequem. Ja, vielleicht zieht sich diese Entwicklung in China länger hin, falls die KP ihren Einfluss dauerhaft erhalten und ausspielen kann.
    Aber in ein paar Jahrzehnten werden wir die alten Zeitungen durchforsten und belustigt feststellen, dass die "Gelbe Gefahr" auch diesmal nur dazu gut war, den Medien eine Titelstory zu geben.

  2. 3.

    In chinesischen Schulen und Unis wird zwar viel gebueffelt, aber nur sehr wenig gelernt. Wenn man die ganze Zeit nur auswendig paukt, dann bleibt halt keine Zeit, ueber den Stoff auch mal nachzudenken. Und damit hapert es hier in China an allen Ecken und Enden. Also keine Panik. Bis China im Bereich Bildung soweit ist, dauert es noch. Denn noch hat es hier keine erfolgreiche Bildungsreform gegeben.

    Und noch was:

    > Die Stadt hat 600.000 Einwohner und ist nach
    > chinesischen Maßstäben ein Nest.

    Die Stadt waere in jedem Drittweltland ein Nest. Ihr muesst das BSP einer Stadt zaehlen, nicht die Einwohnerzahl. Je hoeher das BSP, desto mehr ist in einer Stadt los, einfach weil sich die Einwohner insgesamt mehr leisten koennen. Anhui ist nicht gerade die wohlhabenste Provinz.

    • reven
    • 05.10.2009 um 17:49 Uhr
    4.

    Es ist traurig, was aus den chinesischen Hochschulen geworden ist.

    "Unabängige Persönlichkeit, freies Denken" von Chen Yinke, welche einst von den chinesischen Intellektuellen vor 1949( vor der "Befreiung" durch die KPCh) hochgeschätzte Moral und Tugend waren, sind durch die Säuberungen der maoistischen KPCh gegen Intellektuelle im Maistream der chinesischen Gesellschaft verloren gegangen.

    Was ist aus all jenen geworden, die 1947-1949 ja so mutig die halbautoritäre, halbdemokratische Regierung der "reaktionären" Republik angeprangert haben, die der Ansicht waren, dass Mao Zedong und seine Partei Demokratie und Gerechtigkeit bringen würden?

    Warum konnten jene Intellektuelle wie Guo Moruo, die sich vor der "Befreiung" 1949 täglich den autoritären Chiang Kai-Shek öffentlich als "Dikator" zu schimpfen wagten, Mao Zedong, den Diktotor des jahrhunderts, nach der "Befreiung" nur noch als "die rote Sonne im Herzen der Völker des gesamten Chinas und der Gesamten Welt" lobpreisen?

    Warum beteiligte sich Ji Xianlin, der ehrenwerte Student aus Göttingen, der in seiner Memoria offenkundig seine Abneigung gegen den Fanatismus der Deutschen in Nazi-Deutschland zeigte, an der Vergötterung Mao Zedongs?

    • reven
    • 05.10.2009 um 18:24 Uhr
    5.

    In den 80er Jahren verbesserte sich die Lage an den Hochschulen.Doch nach dem Zwischenfall auf dem Pekinger Tiananmen-Platz etwickelt es sich wieder rückläufig. Chinas Hochschulen sind keine geeignete Orte, wo man selbstständige Meinungen und unabhäniges Denken entwickelt.

    Aber das ist in China eigentlich gar keine schlechte Sache, sondern eine Voraussetzung für Karriere in der Gesellschaft und in der Partei.
    Ab den 90er Jahren dreht sich alles nur noch um Geld.

    Verzerrung der Geschichte, Verheimlichung der Geschichte, Verbot des Nachdenkens über die eigene Geschichte und Gesellschaft, Propagierung einer "harmonischen und blühenden Nation" unter der KPCh...

    ich weiss nicht, was aus dieser Gesellschaft, die keine elementaren Werte mehr besitzt, werden wird.

    Die verheerende Korruption in den chinesischen Hochschulen ist in china kein Geheimnis mehr.

    Die Erfahung lehrt uns:
    wenn eine Regierung extrem korrupt ist, dann haben ihre sozialen Einrichtungen ebenfalls riesige Probleme der Korruption.

    Die vollständige Bürokratisierung der chinesischen Hochschuleinrichtungen ist ein Problem, das die Weiterentwicklung der chinesischen Bildung hemmen wird.

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    Ich möchte hier mal eine Anektode aus meinem Leben zu den tollen asiatischen Studenten erzähen.

    Vielleicht erweitert das das Bewusstsein und nimmt die Angst.

    An unserer Universität waren also Austauschstudenten - Ingenieurstudenten aus Südostasien - und zwei von denen hatten bei mir ein Projekt.

    Es ging um Stromfluss und Moleküle.

    Nachdem ich mehrere Stunden das Experiment erklärt hatte, und dabei half, den Stromkreis zu schliessen und das Messinstrument anzuschliessen (denn von den beiden hatte noch nie einer praktisch mit Strom zu tun gehabt), verliessen sie mich, um das Experiment durchzuführen.

    Zwei Wochen meldeten sie sich nicht.

    Dann kam einer der beiden (ein sehr guter Student, wie man mir sagte)
    und zeigte mir 18 000 Messwerte in einem excel-sheet.

    Alle Messwerte zeigten 18,X, nur die letzten paar hundert Werte sanken ab.

    "Something happens" sagte der Student, aufgeregt.

    Was war passiert?

    In völliger Unkenntnis der Ohmschen Gesetze hatte der Student, der den Stromfluss messen sollte, das Messgerät auf "V AC" gestellt.

    Angeschlossen war eine 9 V-Batterie, und die 18.X waren die Spannung an der Batterie, die der Student - wirklich sehr fleissig - alle 10 Minuten gemessen hatte. Viele Tage lang! Mal zwei, weil auf Wechselstrom gestellt war, die Batterie aber Gleichstrom lieferte.

    ups - war das zu lang? Hier also Teil 2

    Was völlig sinnlos war, da der Stromfluss (Ampere) gefragt war.

    Als die 9 V-Batterie dann leer wurde, nach etlichen Tagen und 18 000 Messungen, zeigte er mir die Ergebnisse.

    Was lehrt mich das?

    1) Ein deutscher (europäischer) Student hätte viel weniger Messungen gemacht - vielleicht ein Dutzend

    2) Dann hätte er gefragt: "Soll das 18 V sein? Ist das richtig? Ist ja immer das Gleiche" und ich hätte ihn aufgeklärt (falls er überhaupt Volt und Ampere verwechselt hätte, ausserdem wäre ihm wohl klar gewesen, dass eine 9 V-Batterie 9 V hat, ob mit oder ohne Messung)

    3) Diese asiatischen Studenten sind fantastisch gut - solange es ums Lernen und wiederholen geht. Kreativ war das aber nicht, was der "Top"-Student ablieferte.

    4) Man soll aus zwei Beispielen nicht verallgemeineren - sorry. Ich hatte auch wirklich sehr gute Studenten aus China, aer die zwei gehörten nicht dazu.

    Dennoch - das Beispiel erzähle ich gerne, weil es doch Unterschiede in den Studenten (und Lernkulturen) sehr deutlich macht.

    Also:

    Liebe deutsche (europäische) Studenten, lasst euch keine Angst machen, ihr habt schon auch eure Stärken. Auch wenn 18 Stunden am tag lernen (oder 18 h am tag 18 V messen) nicht dazu gehört. Macht nix.

    Gruss
    aj

    Ich möchte hier mal eine Anektode aus meinem Leben zu den tollen asiatischen Studenten erzähen.

    Vielleicht erweitert das das Bewusstsein und nimmt die Angst.

    An unserer Universität waren also Austauschstudenten - Ingenieurstudenten aus Südostasien - und zwei von denen hatten bei mir ein Projekt.

    Es ging um Stromfluss und Moleküle.

    Nachdem ich mehrere Stunden das Experiment erklärt hatte, und dabei half, den Stromkreis zu schliessen und das Messinstrument anzuschliessen (denn von den beiden hatte noch nie einer praktisch mit Strom zu tun gehabt), verliessen sie mich, um das Experiment durchzuführen.

    Zwei Wochen meldeten sie sich nicht.

    Dann kam einer der beiden (ein sehr guter Student, wie man mir sagte)
    und zeigte mir 18 000 Messwerte in einem excel-sheet.

    Alle Messwerte zeigten 18,X, nur die letzten paar hundert Werte sanken ab.

    "Something happens" sagte der Student, aufgeregt.

    Was war passiert?

    In völliger Unkenntnis der Ohmschen Gesetze hatte der Student, der den Stromfluss messen sollte, das Messgerät auf "V AC" gestellt.

    Angeschlossen war eine 9 V-Batterie, und die 18.X waren die Spannung an der Batterie, die der Student - wirklich sehr fleissig - alle 10 Minuten gemessen hatte. Viele Tage lang! Mal zwei, weil auf Wechselstrom gestellt war, die Batterie aber Gleichstrom lieferte.

    ups - war das zu lang? Hier also Teil 2

    Was völlig sinnlos war, da der Stromfluss (Ampere) gefragt war.

    Als die 9 V-Batterie dann leer wurde, nach etlichen Tagen und 18 000 Messungen, zeigte er mir die Ergebnisse.

    Was lehrt mich das?

    1) Ein deutscher (europäischer) Student hätte viel weniger Messungen gemacht - vielleicht ein Dutzend

    2) Dann hätte er gefragt: "Soll das 18 V sein? Ist das richtig? Ist ja immer das Gleiche" und ich hätte ihn aufgeklärt (falls er überhaupt Volt und Ampere verwechselt hätte, ausserdem wäre ihm wohl klar gewesen, dass eine 9 V-Batterie 9 V hat, ob mit oder ohne Messung)

    3) Diese asiatischen Studenten sind fantastisch gut - solange es ums Lernen und wiederholen geht. Kreativ war das aber nicht, was der "Top"-Student ablieferte.

    4) Man soll aus zwei Beispielen nicht verallgemeineren - sorry. Ich hatte auch wirklich sehr gute Studenten aus China, aer die zwei gehörten nicht dazu.

    Dennoch - das Beispiel erzähle ich gerne, weil es doch Unterschiede in den Studenten (und Lernkulturen) sehr deutlich macht.

    Also:

    Liebe deutsche (europäische) Studenten, lasst euch keine Angst machen, ihr habt schon auch eure Stärken. Auch wenn 18 Stunden am tag lernen (oder 18 h am tag 18 V messen) nicht dazu gehört. Macht nix.

    Gruss
    aj

  3. Ich möchte hier mal eine Anektode aus meinem Leben zu den tollen asiatischen Studenten erzähen.

    Vielleicht erweitert das das Bewusstsein und nimmt die Angst.

    An unserer Universität waren also Austauschstudenten - Ingenieurstudenten aus Südostasien - und zwei von denen hatten bei mir ein Projekt.

    Es ging um Stromfluss und Moleküle.

    Nachdem ich mehrere Stunden das Experiment erklärt hatte, und dabei half, den Stromkreis zu schliessen und das Messinstrument anzuschliessen (denn von den beiden hatte noch nie einer praktisch mit Strom zu tun gehabt), verliessen sie mich, um das Experiment durchzuführen.

    Zwei Wochen meldeten sie sich nicht.

    Dann kam einer der beiden (ein sehr guter Student, wie man mir sagte)
    und zeigte mir 18 000 Messwerte in einem excel-sheet.

    Alle Messwerte zeigten 18,X, nur die letzten paar hundert Werte sanken ab.

    "Something happens" sagte der Student, aufgeregt.

    Was war passiert?

    In völliger Unkenntnis der Ohmschen Gesetze hatte der Student, der den Stromfluss messen sollte, das Messgerät auf "V AC" gestellt.

    Angeschlossen war eine 9 V-Batterie, und die 18.X waren die Spannung an der Batterie, die der Student - wirklich sehr fleissig - alle 10 Minuten gemessen hatte. Viele Tage lang! Mal zwei, weil auf Wechselstrom gestellt war, die Batterie aber Gleichstrom lieferte.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 5"
  4. ups - war das zu lang? Hier also Teil 2

    Was völlig sinnlos war, da der Stromfluss (Ampere) gefragt war.

    Als die 9 V-Batterie dann leer wurde, nach etlichen Tagen und 18 000 Messungen, zeigte er mir die Ergebnisse.

    Was lehrt mich das?

    1) Ein deutscher (europäischer) Student hätte viel weniger Messungen gemacht - vielleicht ein Dutzend

    2) Dann hätte er gefragt: "Soll das 18 V sein? Ist das richtig? Ist ja immer das Gleiche" und ich hätte ihn aufgeklärt (falls er überhaupt Volt und Ampere verwechselt hätte, ausserdem wäre ihm wohl klar gewesen, dass eine 9 V-Batterie 9 V hat, ob mit oder ohne Messung)

    3) Diese asiatischen Studenten sind fantastisch gut - solange es ums Lernen und wiederholen geht. Kreativ war das aber nicht, was der "Top"-Student ablieferte.

    4) Man soll aus zwei Beispielen nicht verallgemeineren - sorry. Ich hatte auch wirklich sehr gute Studenten aus China, aer die zwei gehörten nicht dazu.

    Dennoch - das Beispiel erzähle ich gerne, weil es doch Unterschiede in den Studenten (und Lernkulturen) sehr deutlich macht.

    Also:

    Liebe deutsche (europäische) Studenten, lasst euch keine Angst machen, ihr habt schon auch eure Stärken. Auch wenn 18 Stunden am tag lernen (oder 18 h am tag 18 V messen) nicht dazu gehört. Macht nix.

    Gruss
    aj

    Antwort auf "Kommentar Nr. 5"
    • sey
    • 06.10.2009 um 3:34 Uhr

    Kapierts doch endlich, hier (in China) ist halt alles anders. Dabei gibts es zwei Dinge die Deutschland zu beachten haette:
    1. Konzentriert euch endlich wieder auf eure Tugenden - und die waren einmal: Bildung, Bildung, und nochmals Bildung - anstatt erschreckt fasziniert auf andere zu schauen.
    2. Findet endlich die richtige Antwort auf Chinas Interessenpolitik, denn China geht es nur um eines - um seinen eigenen Vorteil. Insoweit unterscheidet sich der chinesische Buerger von seinem Vater Staat ueberigens kein bisschen.
    Man fragt sich auch weshalb bei solchen Artikeln immer gerade diejenigen als Experten zitiert werden, die ab und an mal kurz nach China reisen oder mal fuer ein Jaehrchen dort waren. Dabei gibt es eine Menge Deutscher die seit langem
    hier (in China) leben und ausgereifte Antworten auf Deutschlands Fragen beisteuern koennten. Hierzu muesste Deutschland aber erst einmal seinen eigenen Blickwinkel aendern: Denn nach wie vor geht es um den Entwurf eines Chinabildes wie Deutschland das Land sehen will, nicht aber um das China wie es wirklich ist.

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    > Denn nach wie vor geht es um den Entwurf eines
    > Chinabildes wie Deutschland das Land sehen will,
    > nicht aber um das China wie es wirklich ist.

    Das ist bei jedem Land so, nicht nur bei China.

    Denn die Medien muessen den Konsumenten (Lesern) nunmal das bieten, was letztere erwarten. Damit sie auch morgen noch die Publikation kaufen/konsumieren. Vorurteile wollen also bedient werden, und komplexe Zusammenhaenge bis zur Unkenntlichkeit simplifiziert.

    > Denn nach wie vor geht es um den Entwurf eines
    > Chinabildes wie Deutschland das Land sehen will,
    > nicht aber um das China wie es wirklich ist.

    Das ist bei jedem Land so, nicht nur bei China.

    Denn die Medien muessen den Konsumenten (Lesern) nunmal das bieten, was letztere erwarten. Damit sie auch morgen noch die Publikation kaufen/konsumieren. Vorurteile wollen also bedient werden, und komplexe Zusammenhaenge bis zur Unkenntlichkeit simplifiziert.

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