Studium Muss ich jetzt Chinesisch lernen?Seite 4/4

China als Lernfabrik, die billige Konkurrenten für den akademischen Weltmarkt ausspuckt – wie verengt dieser Blick ist, zeigt sich schnell. China ist so vieles. Ein Land, in dem Studierenkönnen für viele aus den armen Provinzen vor allem bedeutet: nicht mehr Bauer sein müssen; ein Land, in dem 70 Millionen Kinder von Wanderarbeitern leben. Ein Land vor immensen Herausforderungen, mit einer vergreisenden Bevölkerung und Städten, in denen die Hochhäuser im Smog verschwinden. Ein Land auch, in dem in den letzten 30 Jahren über 200 Millionen Menschen der Armut entronnen sind. Ein Land, in dem Bildung die große Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist.

Anfangen mit dem Versuch, China ein bisschen zu verstehen, kann man am besten bei den Studenten. Erste Kontakte zu knüpfen fällt leicht. »Die Leute sind wahnsinnig offen und neugierig auf dich«, berichtet Julian Michel. Echte deutsch-chinesische Freundschaften zu schließen ist dagegen nicht so einfach, stellte Julian nach einer Weile fest – und so wie ihm geht es auch anderen. Es fängt mit simplen Dingen an. »Lass uns mal was trinken gehen«, dieser klassische deutsche Auftakt ist in China unüblich. Chinesische Studenten gehen auch nicht in Clubs, denn die sind zu teuer. Und außerdem: »Es gehört sich für Chinesinnen immer noch nicht, tanzen zu gehen, mit wildfremden Leuten in Bars zu stehen, zu rauchen oder Alkohol zu trinken«, sagt die Pekinger Studentin Zang Yichao. Fast alle Studenten in China leben in Wohnheimen, zu viert oder zu sechst in einem kargen Zimmer, Partys gibt es dort nicht. Man trifft sich eher zum Karaoke in kleiner Runde. Die allermeisten Deutschen wiederum besuchen an der Uni nur die Sprachkurse. Und dort treffen sie keine chinesischen Kommilitonen, sondern Franzosen, Engländer und Amerikaner.

Trotzdem ist es möglich, nähere Einblicke zu gewinnen. Eine chinesische Kommilitonin nahm Julian Michel mit zu einem Rekrutierungstreffen der Kommunistischen Partei, zu dem sich zwei Dutzend Studenten in einem Unterrichtsraum an der Uni versammelten. »Vorn dozierte eine ältere Frau aus der Partei, kein Mensch hat zugehört. Die meisten haben unterm Tisch SMS getippt, leise gequatscht oder geschlafen«, erzählt er.

Marxismus-Leninismus und die Theorien Mao Tse-tungs sind auch heute noch an den Universitäten für mindestens ein Semester Pflicht. Eine Studentin allerdings, die davon erzählt, spielt dabei einen Schlafanfall vor: »Es ist so fürchterlich und langweilig.« Sie geht trotzdem hin, natürlich. Jeder, der länger in China war, ist beeindruckt davon, wie pragmatisch Chinesen Probleme lösen. Aber dieser Pragmatismus äußert sich eben auch in einer Haltung, über die eine junge Chinesin aus Südchina berichtet: »Freunde von mir finden die Regierung furchtbar und arbeiten trotzdem für sie. Beamtenjobs sind gut bezahlt und sicher.«

Außerdem ist die Kommunistische Partei ein wichtiges Karriereschmiermittel. Jener totalitäre Machtapparat, der das riesige Reich zusammenhält, dessen Vertreter in jeder Universität und in praktisch jedem großen Unternehmen sitzen. Die Partei, die Oppositionelle einsperrt, verantwortlich war für das Massaker rund um den Platz des Himmlischen Friedens, die ein Land regiert, in dem jedes Jahr 4000 Todes-urteile vollstreckt werden. Sie ist nicht nur totalitär, sondern auch elitär – nur die besten Studenten dürfen Mitglied werden. Wenn sie gefragt werden, tun sie es, denn es hilft bei der Jobsuche. »Ich mache mir keine Gedanken über Menschenrechte, ich mache mir Gedanken darüber, ob ich einen Job finde«, sagt zum Beispiel eine Studentin aus Peking.

Weil er schon ein bisschen Chinesisch spricht, kann Julian Michel besser ins Land eintauchen als andere. Doch nicht jeder, der sich für China interessiert, muss die Sprache lernen. Viele der Ausländer, die heute dort arbeiten, beherrschen sie kaum oder gar nicht, bei wichtigen Verhandlungen hilft der Übersetzer. Auch die immer beliebtere Vorstellung, Chinesisch sei das neue »Must have« im perfekten Lebenslauf, geht an der Realität vorbei. Es braucht viel mehr als zehn Monate intensives Training, bis Ausländer auf Chinesisch überhaupt eine einfache E-Mail verfassen können, während viele Chinesen die Schule mit zumindest soliden Englischkenntnissen verlassen. »Außerdem darf man nicht vergessen, dass in Indien eine fast ebenso große Volkswirtschaft heranwächst, und dort sprechen alle Englisch«, gibt Stefanie Eschenlohr vom Deutschen Akademischen Austauschdienst zu bedenken.

Sollte man sich trotzdem ein paar Chinesischgrundlagen aneignen und ein Jahr in China verbringen? Wenn man eine aufregende Zeit erleben will, ist das eine sehr gute Idee. »Der Trubel, die Neugier der Leute, das Essen, die rasanten Veränderungen – es ist viel, viel spannender als ein Partysemester in Madrid«, sagt Jörn Huenteler.

Birte Winkel packt ihre Koffer, sie fliegt bald zurück. Julian Michel sucht noch einen Praktikumsplatz, um nicht so schnell zurückzumüssen. Christoph Huett überlegt, wohin in China er im Oktober reisen wird, wenn seine Zeit auf den Reisfeldern vorbei ist.

Und Jörn Huenteler, der Maschinenbauer? Überlegt noch. Er interessiert sich schon seit langem für Umwelttechnik, und wenn er in diesem einen Jahr in China etwas verstanden hat, dann das: »Hier sind die größten Hebel, wenn es um Umweltverschmutzung geht. Wenn sich China weiterentwickelt, dann ist das wichtig für uns alle.« Vielleicht wird er es so halten wie sein älterer Bruder. Der hat in China studiert, das ist jetzt drei Jahre her. Er ist dann gleich dageblieben.

 
Leser-Kommentare
  1. Unser Problem in Europa ist nicht, dass es zu viele Chinesen gibt, die Maschinenbau oder Chemie studieren, sondern dass wir in Europa zu viele Huentelers haben. Wir haben zu viele, die statt Maschinenbau oder Chemie Wirtschaft, Pädagogik oder Sprachen studieren. Und die paar wenigen, die Maschinenbau oder Chemie studieren, gehen dann wie Jörn Huenteler nicht in die Entwicklung neuer, auch ökologisch effizienter Maschinen und Moleküle, sondern studieren Umwelttechnik. Oder noch schlimmer, sie gehen zum Staat und widmen sich der immer intensiver werdenden Kontrolle der Realwirtschaft. Wegen den Kosten verlegt kein Unternehmen seine F&E-Abteilung nach China, wegen fehlender innovativer Maschinenbauer und Chemiker schon.
    Das Resultat ist absehbar: die Realwirtschaft verlagert sich immer mehr nach Asien; die Umweltschäden über die ganze Welt genommen erhöhen sich, da dort schwächere Gesetze gelten; und Europa verknöchert zu einer reglementierten Gesellschaft, der die vielen Beamten und Kontrolleure genauestens vorschreiben, was zu tun ist. Schon im 19 Jh. fiel die Welt in zwei Teile, in einen dynamischen, innovativen und in einen bürokratischen, reglementierten. Damals gab es den dynamischen Westen und die Bürokratie der Mandarine in China. Heute ist es umgekehrt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • OneDay
    • 06.10.2009 um 12:54 Uhr

    ist es dummerweise so das nicht jeder in der Lage ist ein
    MINT-Studium durchzuziehen, weil diese Studiengänge nicht jedem
    liegen, was vor allem an ihrem hohen Anforderungsniveau liegt.
    Das ist übrigens auch ein Vorteil, denn bei einem deutschen
    Ingenieur kann man sich sicher sein das er fachlich sehr kompetent ist.
    Andernfalls wäre er schon im dritten Semster gescheitert.

    • OneDay
    • 06.10.2009 um 12:54 Uhr

    ist es dummerweise so das nicht jeder in der Lage ist ein
    MINT-Studium durchzuziehen, weil diese Studiengänge nicht jedem
    liegen, was vor allem an ihrem hohen Anforderungsniveau liegt.
    Das ist übrigens auch ein Vorteil, denn bei einem deutschen
    Ingenieur kann man sich sicher sein das er fachlich sehr kompetent ist.
    Andernfalls wäre er schon im dritten Semster gescheitert.

    • 42317
    • 05.10.2009 um 14:40 Uhr

    Nach chinesischem Verständnis ist Weltgeschichte keine Linie, sondern eine Spirale, gewisse Dinge wiederholen sich. So ist das mit diesem Artikel: Man tausche alle mit China in Verbindung stehenden Begriffe durch japanische Gegenstücke aus und versetze den Veröffentlichungszeitpunkt um, sagen wir, 30 Jahre.

    Fast alles ist austauschbar. Die Angst vor dem aufsteigenden Billiganbieter, vor Produktionsverlagerung, vor dem kollektiven Ameisenarbeiter, dann die Rede von den unglaublich disziplinierten Schülern, hinter denen eine erwartungsfrohe Familie steht, gestützt auf die konfuzianischen Prinzipien der kindlichen Pietät. Alles das gleiche. Fehlt nur noch die Schülerselbstmordrate.

    Ich behaupte, dass auch diese Entwicklung sich im Kreis drehen wird.
    Japan hat nicht die Weltwirtschaft unter seine Kontrolle gebracht, wie einige verängstigte Westler befürchteten, und China wird es auch nicht tun. Auch China wird sich an seinem Erfolg satt essen, sich auf seinen Lorbeeren ausruhen, und letztendlich zu der Meinung kommen, dass man Geld am besten mit Geld, und nicht mit Arbeit mache. Der Wohlstand wird steigen, und Wohlstand macht bequem. Ja, vielleicht zieht sich diese Entwicklung in China länger hin, falls die KP ihren Einfluss dauerhaft erhalten und ausspielen kann.
    Aber in ein paar Jahrzehnten werden wir die alten Zeitungen durchforsten und belustigt feststellen, dass die "Gelbe Gefahr" auch diesmal nur dazu gut war, den Medien eine Titelstory zu geben.

  2. 3.

    In chinesischen Schulen und Unis wird zwar viel gebueffelt, aber nur sehr wenig gelernt. Wenn man die ganze Zeit nur auswendig paukt, dann bleibt halt keine Zeit, ueber den Stoff auch mal nachzudenken. Und damit hapert es hier in China an allen Ecken und Enden. Also keine Panik. Bis China im Bereich Bildung soweit ist, dauert es noch. Denn noch hat es hier keine erfolgreiche Bildungsreform gegeben.

    Und noch was:

    > Die Stadt hat 600.000 Einwohner und ist nach
    > chinesischen Maßstäben ein Nest.

    Die Stadt waere in jedem Drittweltland ein Nest. Ihr muesst das BSP einer Stadt zaehlen, nicht die Einwohnerzahl. Je hoeher das BSP, desto mehr ist in einer Stadt los, einfach weil sich die Einwohner insgesamt mehr leisten koennen. Anhui ist nicht gerade die wohlhabenste Provinz.

    • reven
    • 05.10.2009 um 17:49 Uhr
    4.

    Es ist traurig, was aus den chinesischen Hochschulen geworden ist.

    "Unabängige Persönlichkeit, freies Denken" von Chen Yinke, welche einst von den chinesischen Intellektuellen vor 1949( vor der "Befreiung" durch die KPCh) hochgeschätzte Moral und Tugend waren, sind durch die Säuberungen der maoistischen KPCh gegen Intellektuelle im Maistream der chinesischen Gesellschaft verloren gegangen.

    Was ist aus all jenen geworden, die 1947-1949 ja so mutig die halbautoritäre, halbdemokratische Regierung der "reaktionären" Republik angeprangert haben, die der Ansicht waren, dass Mao Zedong und seine Partei Demokratie und Gerechtigkeit bringen würden?

    Warum konnten jene Intellektuelle wie Guo Moruo, die sich vor der "Befreiung" 1949 täglich den autoritären Chiang Kai-Shek öffentlich als "Dikator" zu schimpfen wagten, Mao Zedong, den Diktotor des jahrhunderts, nach der "Befreiung" nur noch als "die rote Sonne im Herzen der Völker des gesamten Chinas und der Gesamten Welt" lobpreisen?

    Warum beteiligte sich Ji Xianlin, der ehrenwerte Student aus Göttingen, der in seiner Memoria offenkundig seine Abneigung gegen den Fanatismus der Deutschen in Nazi-Deutschland zeigte, an der Vergötterung Mao Zedongs?

    • reven
    • 05.10.2009 um 18:24 Uhr
    5.

    In den 80er Jahren verbesserte sich die Lage an den Hochschulen.Doch nach dem Zwischenfall auf dem Pekinger Tiananmen-Platz etwickelt es sich wieder rückläufig. Chinas Hochschulen sind keine geeignete Orte, wo man selbstständige Meinungen und unabhäniges Denken entwickelt.

    Aber das ist in China eigentlich gar keine schlechte Sache, sondern eine Voraussetzung für Karriere in der Gesellschaft und in der Partei.
    Ab den 90er Jahren dreht sich alles nur noch um Geld.

    Verzerrung der Geschichte, Verheimlichung der Geschichte, Verbot des Nachdenkens über die eigene Geschichte und Gesellschaft, Propagierung einer "harmonischen und blühenden Nation" unter der KPCh...

    ich weiss nicht, was aus dieser Gesellschaft, die keine elementaren Werte mehr besitzt, werden wird.

    Die verheerende Korruption in den chinesischen Hochschulen ist in china kein Geheimnis mehr.

    Die Erfahung lehrt uns:
    wenn eine Regierung extrem korrupt ist, dann haben ihre sozialen Einrichtungen ebenfalls riesige Probleme der Korruption.

    Die vollständige Bürokratisierung der chinesischen Hochschuleinrichtungen ist ein Problem, das die Weiterentwicklung der chinesischen Bildung hemmen wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich möchte hier mal eine Anektode aus meinem Leben zu den tollen asiatischen Studenten erzähen.

    Vielleicht erweitert das das Bewusstsein und nimmt die Angst.

    An unserer Universität waren also Austauschstudenten - Ingenieurstudenten aus Südostasien - und zwei von denen hatten bei mir ein Projekt.

    Es ging um Stromfluss und Moleküle.

    Nachdem ich mehrere Stunden das Experiment erklärt hatte, und dabei half, den Stromkreis zu schliessen und das Messinstrument anzuschliessen (denn von den beiden hatte noch nie einer praktisch mit Strom zu tun gehabt), verliessen sie mich, um das Experiment durchzuführen.

    Zwei Wochen meldeten sie sich nicht.

    Dann kam einer der beiden (ein sehr guter Student, wie man mir sagte)
    und zeigte mir 18 000 Messwerte in einem excel-sheet.

    Alle Messwerte zeigten 18,X, nur die letzten paar hundert Werte sanken ab.

    "Something happens" sagte der Student, aufgeregt.

    Was war passiert?

    In völliger Unkenntnis der Ohmschen Gesetze hatte der Student, der den Stromfluss messen sollte, das Messgerät auf "V AC" gestellt.

    Angeschlossen war eine 9 V-Batterie, und die 18.X waren die Spannung an der Batterie, die der Student - wirklich sehr fleissig - alle 10 Minuten gemessen hatte. Viele Tage lang! Mal zwei, weil auf Wechselstrom gestellt war, die Batterie aber Gleichstrom lieferte.

    ups - war das zu lang? Hier also Teil 2

    Was völlig sinnlos war, da der Stromfluss (Ampere) gefragt war.

    Als die 9 V-Batterie dann leer wurde, nach etlichen Tagen und 18 000 Messungen, zeigte er mir die Ergebnisse.

    Was lehrt mich das?

    1) Ein deutscher (europäischer) Student hätte viel weniger Messungen gemacht - vielleicht ein Dutzend

    2) Dann hätte er gefragt: "Soll das 18 V sein? Ist das richtig? Ist ja immer das Gleiche" und ich hätte ihn aufgeklärt (falls er überhaupt Volt und Ampere verwechselt hätte, ausserdem wäre ihm wohl klar gewesen, dass eine 9 V-Batterie 9 V hat, ob mit oder ohne Messung)

    3) Diese asiatischen Studenten sind fantastisch gut - solange es ums Lernen und wiederholen geht. Kreativ war das aber nicht, was der "Top"-Student ablieferte.

    4) Man soll aus zwei Beispielen nicht verallgemeineren - sorry. Ich hatte auch wirklich sehr gute Studenten aus China, aer die zwei gehörten nicht dazu.

    Dennoch - das Beispiel erzähle ich gerne, weil es doch Unterschiede in den Studenten (und Lernkulturen) sehr deutlich macht.

    Also:

    Liebe deutsche (europäische) Studenten, lasst euch keine Angst machen, ihr habt schon auch eure Stärken. Auch wenn 18 Stunden am tag lernen (oder 18 h am tag 18 V messen) nicht dazu gehört. Macht nix.

    Gruss
    aj

    Ich möchte hier mal eine Anektode aus meinem Leben zu den tollen asiatischen Studenten erzähen.

    Vielleicht erweitert das das Bewusstsein und nimmt die Angst.

    An unserer Universität waren also Austauschstudenten - Ingenieurstudenten aus Südostasien - und zwei von denen hatten bei mir ein Projekt.

    Es ging um Stromfluss und Moleküle.

    Nachdem ich mehrere Stunden das Experiment erklärt hatte, und dabei half, den Stromkreis zu schliessen und das Messinstrument anzuschliessen (denn von den beiden hatte noch nie einer praktisch mit Strom zu tun gehabt), verliessen sie mich, um das Experiment durchzuführen.

    Zwei Wochen meldeten sie sich nicht.

    Dann kam einer der beiden (ein sehr guter Student, wie man mir sagte)
    und zeigte mir 18 000 Messwerte in einem excel-sheet.

    Alle Messwerte zeigten 18,X, nur die letzten paar hundert Werte sanken ab.

    "Something happens" sagte der Student, aufgeregt.

    Was war passiert?

    In völliger Unkenntnis der Ohmschen Gesetze hatte der Student, der den Stromfluss messen sollte, das Messgerät auf "V AC" gestellt.

    Angeschlossen war eine 9 V-Batterie, und die 18.X waren die Spannung an der Batterie, die der Student - wirklich sehr fleissig - alle 10 Minuten gemessen hatte. Viele Tage lang! Mal zwei, weil auf Wechselstrom gestellt war, die Batterie aber Gleichstrom lieferte.

    ups - war das zu lang? Hier also Teil 2

    Was völlig sinnlos war, da der Stromfluss (Ampere) gefragt war.

    Als die 9 V-Batterie dann leer wurde, nach etlichen Tagen und 18 000 Messungen, zeigte er mir die Ergebnisse.

    Was lehrt mich das?

    1) Ein deutscher (europäischer) Student hätte viel weniger Messungen gemacht - vielleicht ein Dutzend

    2) Dann hätte er gefragt: "Soll das 18 V sein? Ist das richtig? Ist ja immer das Gleiche" und ich hätte ihn aufgeklärt (falls er überhaupt Volt und Ampere verwechselt hätte, ausserdem wäre ihm wohl klar gewesen, dass eine 9 V-Batterie 9 V hat, ob mit oder ohne Messung)

    3) Diese asiatischen Studenten sind fantastisch gut - solange es ums Lernen und wiederholen geht. Kreativ war das aber nicht, was der "Top"-Student ablieferte.

    4) Man soll aus zwei Beispielen nicht verallgemeineren - sorry. Ich hatte auch wirklich sehr gute Studenten aus China, aer die zwei gehörten nicht dazu.

    Dennoch - das Beispiel erzähle ich gerne, weil es doch Unterschiede in den Studenten (und Lernkulturen) sehr deutlich macht.

    Also:

    Liebe deutsche (europäische) Studenten, lasst euch keine Angst machen, ihr habt schon auch eure Stärken. Auch wenn 18 Stunden am tag lernen (oder 18 h am tag 18 V messen) nicht dazu gehört. Macht nix.

    Gruss
    aj

  3. Ich möchte hier mal eine Anektode aus meinem Leben zu den tollen asiatischen Studenten erzähen.

    Vielleicht erweitert das das Bewusstsein und nimmt die Angst.

    An unserer Universität waren also Austauschstudenten - Ingenieurstudenten aus Südostasien - und zwei von denen hatten bei mir ein Projekt.

    Es ging um Stromfluss und Moleküle.

    Nachdem ich mehrere Stunden das Experiment erklärt hatte, und dabei half, den Stromkreis zu schliessen und das Messinstrument anzuschliessen (denn von den beiden hatte noch nie einer praktisch mit Strom zu tun gehabt), verliessen sie mich, um das Experiment durchzuführen.

    Zwei Wochen meldeten sie sich nicht.

    Dann kam einer der beiden (ein sehr guter Student, wie man mir sagte)
    und zeigte mir 18 000 Messwerte in einem excel-sheet.

    Alle Messwerte zeigten 18,X, nur die letzten paar hundert Werte sanken ab.

    "Something happens" sagte der Student, aufgeregt.

    Was war passiert?

    In völliger Unkenntnis der Ohmschen Gesetze hatte der Student, der den Stromfluss messen sollte, das Messgerät auf "V AC" gestellt.

    Angeschlossen war eine 9 V-Batterie, und die 18.X waren die Spannung an der Batterie, die der Student - wirklich sehr fleissig - alle 10 Minuten gemessen hatte. Viele Tage lang! Mal zwei, weil auf Wechselstrom gestellt war, die Batterie aber Gleichstrom lieferte.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 5"
  4. ups - war das zu lang? Hier also Teil 2

    Was völlig sinnlos war, da der Stromfluss (Ampere) gefragt war.

    Als die 9 V-Batterie dann leer wurde, nach etlichen Tagen und 18 000 Messungen, zeigte er mir die Ergebnisse.

    Was lehrt mich das?

    1) Ein deutscher (europäischer) Student hätte viel weniger Messungen gemacht - vielleicht ein Dutzend

    2) Dann hätte er gefragt: "Soll das 18 V sein? Ist das richtig? Ist ja immer das Gleiche" und ich hätte ihn aufgeklärt (falls er überhaupt Volt und Ampere verwechselt hätte, ausserdem wäre ihm wohl klar gewesen, dass eine 9 V-Batterie 9 V hat, ob mit oder ohne Messung)

    3) Diese asiatischen Studenten sind fantastisch gut - solange es ums Lernen und wiederholen geht. Kreativ war das aber nicht, was der "Top"-Student ablieferte.

    4) Man soll aus zwei Beispielen nicht verallgemeineren - sorry. Ich hatte auch wirklich sehr gute Studenten aus China, aer die zwei gehörten nicht dazu.

    Dennoch - das Beispiel erzähle ich gerne, weil es doch Unterschiede in den Studenten (und Lernkulturen) sehr deutlich macht.

    Also:

    Liebe deutsche (europäische) Studenten, lasst euch keine Angst machen, ihr habt schon auch eure Stärken. Auch wenn 18 Stunden am tag lernen (oder 18 h am tag 18 V messen) nicht dazu gehört. Macht nix.

    Gruss
    aj

    Antwort auf "Kommentar Nr. 5"
    • sey
    • 06.10.2009 um 3:34 Uhr

    Kapierts doch endlich, hier (in China) ist halt alles anders. Dabei gibts es zwei Dinge die Deutschland zu beachten haette:
    1. Konzentriert euch endlich wieder auf eure Tugenden - und die waren einmal: Bildung, Bildung, und nochmals Bildung - anstatt erschreckt fasziniert auf andere zu schauen.
    2. Findet endlich die richtige Antwort auf Chinas Interessenpolitik, denn China geht es nur um eines - um seinen eigenen Vorteil. Insoweit unterscheidet sich der chinesische Buerger von seinem Vater Staat ueberigens kein bisschen.
    Man fragt sich auch weshalb bei solchen Artikeln immer gerade diejenigen als Experten zitiert werden, die ab und an mal kurz nach China reisen oder mal fuer ein Jaehrchen dort waren. Dabei gibt es eine Menge Deutscher die seit langem
    hier (in China) leben und ausgereifte Antworten auf Deutschlands Fragen beisteuern koennten. Hierzu muesste Deutschland aber erst einmal seinen eigenen Blickwinkel aendern: Denn nach wie vor geht es um den Entwurf eines Chinabildes wie Deutschland das Land sehen will, nicht aber um das China wie es wirklich ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    > Denn nach wie vor geht es um den Entwurf eines
    > Chinabildes wie Deutschland das Land sehen will,
    > nicht aber um das China wie es wirklich ist.

    Das ist bei jedem Land so, nicht nur bei China.

    Denn die Medien muessen den Konsumenten (Lesern) nunmal das bieten, was letztere erwarten. Damit sie auch morgen noch die Publikation kaufen/konsumieren. Vorurteile wollen also bedient werden, und komplexe Zusammenhaenge bis zur Unkenntlichkeit simplifiziert.

    > Denn nach wie vor geht es um den Entwurf eines
    > Chinabildes wie Deutschland das Land sehen will,
    > nicht aber um das China wie es wirklich ist.

    Das ist bei jedem Land so, nicht nur bei China.

    Denn die Medien muessen den Konsumenten (Lesern) nunmal das bieten, was letztere erwarten. Damit sie auch morgen noch die Publikation kaufen/konsumieren. Vorurteile wollen also bedient werden, und komplexe Zusammenhaenge bis zur Unkenntlichkeit simplifiziert.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service